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SÜDTIROL – Das Eisacktal ist nicht nur ein Geheimtipp für Weinkenner: SÜDTIROL Weinreise durch das Eisacktal


Reisefieber - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 18.09.2019

Wer von Südtirol und seinen traumhaften Landschaften schwärmt, hat sicherlich nicht das Eisacktal vor Augen. Vielmehr sind es die wilden Zacken der Dolomiten, das beschauliche Meran mit seinen Palmen oder das romantische Unteretsch, das geprägt ist von Weinbergen und herrschaftlichen Anwesen. Aber wer behauptet, Südtirol zu kennen, der muss auch im Eisacktal gewesen sein. Seit Menschengedenken ist dieses herrliche Tal viel mehr als nur eine bedeutende Transitroute, denn der Pass am Brenner macht die Überquerung der Alpen einfacher als anderswo.


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Bildquelle: Reisefieber, Ausgabe 1/2020

Während einer Wanderung auf der Seiser Alm ist eine Einkehr ...

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... in die Rauchhütte fast schon Pflicht, denn von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf die Dolomiten.


Die Weißweine aus dem Eisacktal gehören zu den besten Südtirols.


Das wussten schon die Germanen, die Römer und die deutschen Könige, die zum Kaiser nach Rom mussten, um von ihm gekrönt zu werden. Auch zahllose Kaufleute reisten auf dem bedeutenden Handelsweg zwischen Venedig und Augsburg. Seit der Fertigstellung der Autobahn im Jahr 1961 zieht sich eine Betonschlange durch das gesamte Tal.

DER ZAUBER DES EISACKS

Wer Südtirol besucht, begegnet irgendwann der Etsch, denn dieser Fluss begleitet die Reschenstraße im Vinschgau und fließt dann als breiter Wasserweg durch das Unterland. Ganz anders der Eisack, der am Brenner auf knapp 2000 Metern entspringt, das südliche Wipptal durchfließt und in Sterzing quasi „an die Öffentlichkeit“ kommt. Die Autobahn mit ihren vielen Brücken liegt oftmals hoch über dem Tal, so kann man nur bei einer Fahrt auf der Staatsstraße SS12 den Zauber des Eisacks erleben und einen Teil von Südtirol sehen, den nicht jeder kennt. Oder ganz im Zeitgeist nimmt man das Fahrrad, denn näher kann man dem charmanten Gebirgsfluss nicht kommen. Der Eisacktal-Radweg wurde neben der Brennerbahn angelegt – und wem die Entfernung von 96 Kilometern bis Bozen zu weit ist, der steigt einfach in den Zug. Häufig geht es bergab und so können die Radler ganz entspannt wunderschöne, verwunschene Landschaften entdecken – immer begleitet vom hellgrünen Wasser, das über die Felsbrocken und den Kiesgrund fließt. Selbst für den Autofahrer ist die Staatsstraße eine Wohltat, denn sie wird nur vom lokalen Verkehr genutzt.

VERGESSENE JUWELEN

Viele Besucher waren schon dutzende Male in Südtirol, sind aber noch nie durch Brennerbad oder Gossensaß gefahren. Gleich hinter der Passhöhe gelegen waren die beiden Orte früher berühmt für ihren Nobeltourismus, denn Brennerbad hatte die Thermalquellen und Gossensaß die Grandhotels. Doch mit der Teilung Tirols und dem Faschismus gerieten beide Orte in Vergessenheit und warten bis heute auf ihre Neuentdeckung. Auch die ehemalige Fuggerstadt Sterzing durchlebte nach dem Niedergang des Silberabbaus in den Bergwerken des Wipptals lausige Zeiten, punktet heute aber durch ihre mittelalterliche Innenstadt mit ihren Patrizierhäusern. Unweit des Stadtplatzes, der Neustadt von Altstadt trennt, fließt der Eisack hier vorbei. An Sommertagen, wenn sich die Hitze in den Gassen staut, sehnt man sich nach seiner frischen Kühle. Es geht weiter in Richtung Süden, vorbei an der habsburgischen Festung Franzensfeste, und dann fällt der Blick auf die Rebberge im nördlichsten Weingebiet Italiens, dem Eisacktal.

TRADITION UNDWEIN IM KLOSTER NEUSTIFT

Vor den Toren von Brixen steht die erste Bastion in Sachen Wein: das Kloster Neustift. Unglaublich reich an Tradition – sei es die Kunstgeschichte oder eben das Weinmachen. Das größte Kloster in Südtirol begeistert mit seiner imposanten Bibliothek und einem herrlichen Kreuzgang, doch es ist auch ein florierender Wirtschaftsbetrieb, denn seine Mauern beherbergen die wohl älteste Kellerei der Welt. Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet und mit einer Produktion von jährlich 750 000 Flaschen, gilt Neustift als Platzhirsch der Region. Und so landet mancher Besucher nach der Besichtigung der Kunstschätze in der Engelsburg in der Stiftskellerei, in der man Weine wie Sylvaner, Kerner und Müller Thurgau verkosten kann, die aufgrund der nördlichen Lage der Rebberge oftmals recht rassig auf die Geschmacksknospen treffen. Die Geschichte des Weinbaus im Eisacktal reicht zurück bis ins vorchristliche 5. Jahrhundert, denn es waren die Mönche in den Klöstern, die sich um den Weinbau kümmerten, da das Abendmahl nach Messwein verlangte. Dabei handelte es sich immer um einen Roten, der natürlich recht sauer war, weil die Sonne fehlte.

Der Schlern hoch über dem Eisacktal wurde durch seine einmalige Form zum Wahrzeichen Südtirols.


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1: Traditionelle Pergeln, die klassische Anbauform für die Weinrebe in Südtirol am Gumphof. 2: Markus Packwieser in seinem neuen Felsenkeller.

Mit der Reblaus-Invasion Anfang des 20. Jahrhunderts kam der Weinbau fast zum Erliegen. Erst im Jahr 1961 gab es einen Neuanfang im Eisacktal. Man gründete die Genossenschaften in Neustift und Klausen und legte das Hauptaugenmerk auf die weißen Trauben. Neue Anbauflächen wurden ausgewählt, darunter auch Hanglagen, die mit Terrassen versehen wurden. Ein kluger Schachzug, denn mit der Klimaveränderung sind diese Weinberge heute sehr begehrt, um der Hitze im Tal zu entkommen. Ein weiterer Glücksfall für die Weine des Eisacktals sind die „Weinrebellen“. Eigentlich ist es Tradition in allen Weinregionen, dass die kleineren Winzer ihre Ernte an eine Genossenschaft liefern, und so wurde aus der Kellerei in Neustift ein Großproduzent. Doch mit dem Zeitgeist und seiner Suche nach Individualität haben sich 18 Weinbauern entschieden, ihre Trauben selbst zu keltern. Natürlich zeigten sich die Genossenschaften in Neustift und Klausen wenig begeistert, die Konkurrenz vor der Haustür zu wissen, aber risikobereit und experimentierfreudig haben die „Weinrebellen“ viel für das heutige tolle Image der Weine aus dem Eisacktal getan.

DIEWEINREBELLEN DES EISACKTALS

Andreas Huber gehört zu den „Aufrührern“ und seine erste Initiative widmete er dem Kerner. Diese deutsche Traube überrascht im Eisacktal mit einer herrlichen Nase und einer angenehmen Frische.

Sein Pacherhof liegt gerade mal einen Steinwurf vom Kloster Neustift entfernt, wurde zur gleichen Zeit wie das Kloster gebaut und ist von Anbeginn im Besitz von Familie Huber. Seit wenigen Jahren sieht man neben den mittelalterlichen Gebäuden einen zeitgenössischen Flachbau, der mit seiner dunklen Fassade geradezu in den Terrassen des Weinbergs verschwindet. Im Erdgeschoss sind Weinkeller und ein eleganter Verkostungsraum, darüber wohnt die Familie von Andreas Huber. Von dem Brixner Architektenteam Bergmeisterwolf stammt der Entwurf, der schon zahlreiche Preise gewonnen hat. Die Tradition pflegen, aber mit der Zeit gehen: Das hat so mancher Südtiroler auf geniale Weise verinnerlicht.

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3: Mit seiner

Vespa fährt Markus Packwieser sogar durch seine steilen Weinberge. 4: Der Weinhof Garlider liegt wundervoll am Sonnenhang hoch über Klausen.

Auch der Nachbar Günther Kerschbaumer vom Köferer Hof hat sich von der Genossenschaft befreit. Er schätzt vor allem den Grauburgunder, der im Eisacktal eher selten angebaut wird. Am besten ist er übrigens im hofeigenen Buschenschank im Duett mit Pressknödel aus Roter Bete und Graukäse zu genießen.

Man kann nicht über die Weinrebellen im Eisacktal reden, ohne Manni Nössing zu erwähnen. Damals, vor 30 Jahren, hatte er als Erster die Idee, auf eigenen Beinen zu stehen, stark vorangetrieben. Immer einen guten Spruch parat, konnte er seinen Kollegen zeigen, wie viel Potenzial in der Erde des Eisacktals steckt. Der Erfolg gibt ihm recht, denn auf seinem Hoandlhof oberhalb von Brixen werden heute nicht weniger als sechs Weißweine produziert, darunter ein ausgezeichneter Riesling. Aber der Star ist sein Kerner. So ist es kein Wunder, dass die Nachfrage ständig wächst und bei einer Gesamtproduktion von nur 40 000 Flaschen kaum befriedigt werden kann. Aber der Weinbauer bleibt eisern, denn für ihn steht die Qualität an erster Stelle.

WEISSWEINE AUS DEM EISACKTAL

Mittlerweile gilt das Eisacktal als eines der besten Weißweingebiete Italiens. Und wer die etwas beschwerlichen Wege zu den meist hoch gelegenen Weingütern nicht schätzt, kann auch ins Vitis gehen. Diese Weinbar liegt in der Altstadt von Brixen, ganz in der Nähe des Doms. Schon immer wurde im Erdgeschoss des legendären Gasthauses Finsterwirt der lokale Wein ausgeschenkt. Nun sitzt der Gast in einer gelungenen Kombination aus mittelalterlichen Mauern – das Gebäude stammt aus dem 14. Jahrhundert – und zeitgenössischem Design. Darin stehen lange massive Tische aus Eichenholz, eingerahmt von vielen Flaschen. Es ist das Reich von Juniorchef Johannes Mayr: „Wir haben ungefähr 500 verschiedene Weine“, erzählt er, „und natürlich ist die Auswahl bei den Eisacktaler Weinen besonders groß.“ Seit dem Jahr 1904 ist der Finsterwirt im Besitz von Familie Mayr und bisher hat sich immer ein Nachfolger gefunden, der das Erbe erfolgreich weiterführt. Sehr launig ist auch die Veranstaltung „Treffpunkt Wein“, die jedes Jahr in den Lauben von Brixen stattfindet. Da kommen die Winzer von ihren Höfen und dann lässt es sich endlos plaudern und verkosten. Ohnehin kann man Brixen nicht ohne einen Stadtbummel verlassen. Mit dem florierenden Tourismus findet man schöne Läden in den Gassen der Altstadt. Fast immer sind die Türme des Doms zu sehen, im Innern der Kirche bewundert man prachtvolles Barock, dazu einen herrlichen Kreuzgang, der die Bibel in gemalten Bildern erzählt. Im Rücken des Domareals fließt übrigens der Eisack vorbei – aus dem übermütigen Gebirgsbach wird in Brixen ein stattlicher Fluss, denn hier mündet die Rienz aus dem Pustertal in den Eisack.

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1: Von der Mauerberg-Spitze über Lüsen hat man einen herrlichen Blick über das gesamte Eisacktal.
2: Bei der Heuernte auf den steilen Wiesen braucht man viel Zeit und vor allem Muskelkraft.

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3: Majestätisch liegt die Benediktinerinnenabtei auf dem Säbener Berg über dem Ort Klausen. 4: Das Schloss Wolfsthurn thront hoch über Marei bei Sterzing und beherbergt heute das Landesmuseum für Jagd und Fischerei.

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1: Blick in den Klostergarten von Stift Neustift bei Brixen. 2: Maria Gasser ist die charmante Turmwirtin in Gufidaun. 3: Sterzing mit seinen bunten Häusern und dem Zwölferturm. 4: Winzer Christoph Mock vom Wassererhof in seinem Weinberg über Atzwang. 5: Prominent thront Schloss Summersberg in Gufidaun, mit herrlichem Blick ins Eisacktal.

DER BEGEHRTE SABIONA KOMMT AUS KLAUSEN

Weiter in Richtung Süden heften sich bald die Blicke an einen mächtigen Felsen – und obendrauf sitzt das Kloster Säben, zu seinen Füßen der Ort Klausen. Nur wer auf der Staatsstraße fährt, kann erkennen, wie sich die Rebstöcke an den Flanken des Klosterbergs emporziehen, denn auf seinem Diorit, einem Tiefengestein, gedeihen exzellente Weine. Die Pflege, die früher von den Benediktinerinnen geleistet wurde, ist heute in Händen der Eisacktaler Kellerei und nur 3000 Flaschen der begehrten Sabiona-Linie von Kerner und Sylvaner kommenjedes Jahr auf den Markt. Am Ortseingang von Klausen, zwischen der Staatsstraße und dem Eisackufer, liegt die Genossenschaft, die nicht nur in der Region ein hohes Ansehen genießt. Nun haben sich die Anteilseigner auch eine neue Kellerei geleistet – eine Augenweide für die Liebhaber von zeitgenössischer Architektur. Allein der Wineshop lohnt einen Besuch und zeigt, wie kreativ Weinflaschen als Dekor dienen können. Alles ist in heller Eiche gehalten und auf dem Fußboden liegt Brixner Granit. Hoch über der liebenswerten Kleinstadt zieht sich die Autobahnbrücke entlang, ein wahres Ungetüm aus Beton, aber die Klausener haben sich damit abgefunden.

SACKGASSE EISACK

Kaum vorstellbar, dass der Eisack mal ein veritables Hindernis gewesen ist, denn heute fließt er entspannt neben der Staatsstraße entlang. Aber bis ins 14. Jahrhundert wartete bei der Ortschaft Barbian eine wahre Zäsur, denn hier musste sich der Eisack durch eine enge Felsenschlucht zwängen. Ein Weiterkommen für Mensch und Fuhrwerk gab es nur über den 1100 Meter hohen Ritten – eine mühsame Quälerei. Jedermann schöpfte erst neue Kraft in den Schenken von Barbian und Kollmann. Der Bozner Kaufmann Heinrich Kunter sah durch diese Laune der Natur ein lohnendes Geschäft, denn der Handelsverkehr war bereits damals sehr rege. Ein Saumpfad wurde dem Felsen abgerungen und zu beiden Seiten ein Zollhaus und natürlich eine Kneipe installiert. Der Kuntersweg wurde für lange Zeit vergessen und nun wieder instand gesetzt. Jetzt wandert man auf den mittelalterlichen Steinen. Gute 20 Kilometer vor Bozen, bei Atzwang, rücken dann wieder die Weinberge ins Blickfeld. Die Hänge gehören zur Bergregion des Schlern, einer Hochburg des Tourismus mit der Seiser Alm und dem weltberühmten Bergklotz des Schlern.

EDLEWEINE VOM GUMPHOF

Bei Völz wachsen die Reben von Markus Prackwieser vom Gumphof. Seine Weinberge zählen zu den steilsten Hängen Südtirols und so muss die ganze Arbeit von Hand gemacht werden. Davon profitiert derWinzer, denn die warmen Winde der Ora aus dem Bozner Tal und die kalte Luft des Schlern können ungehindert am Charakter der Trauben feilen. Markus Prackwieser gilt als Tüftler unter den Weinrebellen und in seinen imposanten Felsenkellern liegen die Fässer mit seinen Experimenten – immer auf der Suche nach neuen Kelterverfahren, um seinen Weißweinen noch mehr Struktur zu verleihen. Sein Aushängeschild trägt den Namen Praesulis, abgeleitet vom nahen mittelalterlichen Schloss Prösels. Ganz viel Tradition, aber wie oftmals in Südtirol spürt man auch hier die Freude an der Innovation.

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6: Das Weingut Köfererhof mit Buschenschank ist oberhalb von Kloster Neustift zu finden. 7: Gaby Tauber und Günter Kerschbaumer sind glücklich über die gute Qualität ihrer Weißweine. 8: Puristisch und gemütlich zugleich ist die Stube im Wassererhof. 9: In alten Barriquefässern reift heimischer Bergkäse bei DeGust.

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1: Stephan Pramstrahler hat viele Talente – er ist Hotelier, Haubenkoch und Weinbauer mit Leib und Seele. 2: Der Unterwirt in Gufidaun ist ein typischer Südtiroler Familienbetrieb, in dem Thomas und Cornelia Haselwanter sowie Sohn Alex zusammenhelfen.

DER GROTTNERHOF – EIN INSIDERTIPP

Nur einen Steinwurf entfernt vom Gumphof liegt der Grottnerhof, der seinen Ursprung im 13. Jahrhundert hat, als er bereits urkundlich erwähnt wurde. Der bekannte Minnesänger Oswald von Wolkenstein soll auf dem Grottnerhof Vögel gefangen haben. Und diese Leidenschaft zu Vögeln hat er gemeinsam mit Stephan Pramstrahler, der seine Weine nach Vögeln benannt hat, die ihn auf seinem Lebensweg begleitet haben. So war Stephan Pramstrahler in der Schulzeit unzertrennlichmit seinem Raben Rocky verbunden und als junger Erwachsenerwar ein weißer Uhu namens Olga sein ständiger treuer Begleiter. Das Falkenweibchen Hermine war erst kürzlich an seiner Seite.

DIEWEINE VOM GROTTNERHOF

Wohl dem, der einen Nachbarn hat, der ein begnadeter Winzer ist: Stephan Pramstrahler hat in Markus Prackwieser vom Gumphof einen solchen, der sich mit Herzblut um seine Weine kümmert. Und das schmeckt man! Die Weine vom Grottnerhof kommen vielschichtig, lebendig und mit herrlichen mineralischen Noten versehen daher. Auch fällt der unglaublich lange Abgang angenehm auf. Die Trauben werden so gekeltert, dass der Wein den Charakter seiner Umgebung widerspiegelt. Der Ausbau erfolgt im Stahltank sowie im großen Holzfass und bedarf großer Aufmerksamkeit sowie einer langen Zeit des Reifens. Stephan Pramstrahler bevorzugt reinsortige Weine und so wurde auf Cuvées verzichtet. Alle Weine tragen die Namen sehr charakterstarker Vögel: Pica – die Elster – gibt dem Weißburgunder seinen latenischen Namen. Der Sauvignon heißt Bubo bubo und steht für den Uhu. Der hervorragende Gewürztraminer trägt den Namen Tetrao tetrix, der lateinische Name für das Birkhuhn. Und der Blauburgunder heißt Corax – Corvus corax, der Kolkrabe, gleichzeitig auch das Symbol vom Grottnerhof. Der Besitzer des Romantikhotels Turm, Stephan Pramstrahler, rettete dieses Schmuckstück buchstäblich in letzter Minute – auch aus eigenen Jugenderinnerungen heraus – vor dem endgültigen Verfall. Unter strenger Aufsicht wurde das denkmalgeschützte Anwesen restauriert und renoviert. Der Hof war früher Weingut, später auch Törggelekeller und dann über viele Jahre dem Verfall preisgegeben. Heute trifft hier Vergangenheit auf Moderne und Tradition auf außergewönliches Design. Noch immer erinnern viele alte Elemente an die lange und stolze Geschichte des Hofs: die Selchküche mit ihrer vom Rauch schwarz gefärbten Decke, der noch immer funktionstüchtige Backofen, der Gang mit seinen Kreuzgewölben und die authentische Bauernstube. Im Keller befinden sich sogar noch alte Weinfässer, die von früheren Zeiten erzählen. Der Grottnerhof ist übrigens eine hervorragendeLocation, um Hochzeiten oder Geburtstage gebührend zu feiern!

HERRLICHES BOZEN!

Jetzt ist es nur noch einen Katzensprung bis zur Landeshauptstadt. Der Eisack fließt westlich am Zentrum von Bozen vorbei, bei der Drususbrücke mündet hier die Talfer ein, die aus den Sarntal kommt und frisches Gebirgswasser mitbringt. Direkt unterhalb der Burg Sigmundskron ist das Eisacktal schließlich zu Ende. Nun hat die Etsch das Sagen, die Region Unteretsch ist erreicht. Man spürt die mediterrane Wärme und blickt auf endlose Weinberge. Hier wachsen die Klassiker Südtirols wie Lagrein, Gewürztraminer und Vernatsch. Aber die Weißen aus dem Eisacktal haben frischen Wind ins Weinportfolio Südtirols gebracht.

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1: Die Weine des Grottnerhofs tragen allesamt Namen von charakterstarken Vögeln – eine Hommage von Stephan Pramstrahler an seine große Leidenschaft. 2: Heute ist der Grottnerhof mit zwei modern ausgestatteten Suiten unter dem 800 Jahre alten Dach ein historischer Rückzugsort für Menschen, die im Urlaub vor allem Ruhe suchen. 3: Ein typisches Südtiroler Gasthaus ist der Turmwirt in Gufidaun. 4: Christian Kerschbaumer mit seinen Kindern im herbstlichen Familiengarten. 5: Der Eisacktal-Radweg verläuft auf der alten Bahntrasse der ehemaligen Brennerbahn. 6: Die Hofburg in Brixen ist der ehemalige Sitz der Fürstbischöfe und beherbergt heute das Diözesanmuseum.