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Taschengeld: Jetzt reicht´s aber


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2011 vom 28.04.2011

Wie viel und wofür? – Taschengeld entfacht immer wieder heiße Diskussionen zwischen Eltern und Kindern. Doch wer früh gelernt hat, mit Geld umzugehen, kommt als junger Erwachsener in der verlockenden Konsumwelt besser zurecht.


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Foto: stockdisc

Was ist Taschengeld überhaupt?
Taschengeld geben Eltern ihren Kindern, ohne dass diese dafür arbeiten müssen. Vor der ersten Zahlung muss klar sein, was Kinder vom Taschengeld zahlen können und sollten. Das kann ganz unterschiedlich geregelt werden und hängt auch von der Höhe des Taschengeldes ab. Schulsachen, benötigte Kleidung und Fahrgeld sollten aber nicht ins ...

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Was ist Taschengeld überhaupt?
Taschengeld geben Eltern ihren Kindern, ohne dass diese dafür arbeiten müssen. Vor der ersten Zahlung muss klar sein, was Kinder vom Taschengeld zahlen können und sollten. Das kann ganz unterschiedlich geregelt werden und hängt auch von der Höhe des Taschengeldes ab. Schulsachen, benötigte Kleidung und Fahrgeld sollten aber nicht ins Ressort Taschengeld fallen. Pädagogen empfehlen, Geldgeschenke, die Kinder außer der Reihe bekommen, und auch das erste Selbstverdiente nicht aufs Taschengeld anzurechnen. Der Betrag sollte auch nicht zur Strafe gekürzt oder gestrichen werden. Einen Rechtsanspruch auf Taschengeld haben Kinder allerdings nicht.

Warum ist es sinnvoll, dass Kinder Taschengeld bekommen?
Kinder, die regelmäßig und verlässlich Taschengeld bekommen, lernen Geld einzuteilen und mit ihm auszukommen. Sie erfahren, dass es erfüllbare, später erfüllbare und gar nicht erfüllbare Wünsche gibt, und sie lernen Prioritäten zu setzen. Die Sprösslinge werden nicht zu Bittstellern erzogen, sondern machen sich mit ihrem Taschengeld auf den Weg in Richtung Selbstständigkeit und Eigenverantwortung.

In welchem Alter sollten Kinder Geld bekommen?
Gelderziehung, so schreibt das der Erziehungsberater und Gelderziehungsexperte Dr. Hermann Liebenow, beginne schon mit dem Sammeln von Murmeln und Schneckenhau sern. Die Kleinen legen Vorräte an, wickeln kleine Tauschgeschäfte ab. Spätestens zum Schulstart ist es Zeit fürs erste Taschengeld. Fünf- bis Sechsjährige lernen, vom Taschengeld einkaufen zu gehen und eventuell auch etwas in die Spardose zu stecken. Größere Beträge wandern auf ein Sparbuch. Mit etwa zehn Jahren können Kinder zudem lernen, dass Geld nicht vom Himmel oder aus dem Portemonnaie der Eltern fällt, sondern auch eingetauscht werden kann: mit kleineren Verkäufen auf dem Flohmarkt. Wenn die jungen Händler genau notieren, wie viel sie eingenommen haben, ist ohne Druck der erste Schritt zur Buchführung gemacht. Geld als Gegenwert für Arbeit erfahren Teenager, wenn sie kleinere Nebenjobs übernehmen. Liebenow empfiehlt, ältere Jugendliche schon bevor sie volljährig werden, kontrolliert an den Umgang mit Geldverträgen und Kapital heranzuführen.

Wie viel Taschengeld ist sinnvoll?
Wie viel Eltern ihren Kindern für Geldbörse oder Sparkasse aushändigen, hängt davon ab, was sich die Familie leisten kann und sollte dem Alter entsprechend angepasst werden. Kinder vergleichen sowieso mit anderen Gleichaltrigen. Gut, wenn Eltern eine eigene Vorstellung davon haben, welche Beträge im Bekannten- und Freundeskreis oder in der Klasse üblich sind. Einige Jugendämter veröffentlichen Orientierungswerte. Das Jugendamt München empfiehlt als Maximum:
• Von 6 bis 9 Jahren – 1,50 bis 2,50 Euro pro Woche
• Von 10 bis 11 Jahren – 13 bis 15 Euro pro Monat
• Von 12 bis 15 Jahren – 18 bis 26 Euro pro Monat
• Von 16 bis 18 Jahren – 32 bis 62 Euro pro Monat

Was dürfen Kinder vom Taschengeld kaufen?
Der sogenannte „Taschengeldparagraf“, der § 110 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) bestimmt, dass Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 18 Jahren ohne Zustimmung ihrer Eltern nur das kaufen dürfen, was sie mit ihrem Taschengeld bezahlen können, denn sie sind nur beschränkt geschäftsfähig. Kaufen Sie sich etwa teure Elektronik, die mit einem üblichen Taschengeld eigentlich nicht bezahlbar ist, können die Eltern den Gegenstand zurückgeben und das Geld zurückverlangen. Wenn Jugendliche größere Geldbeträge ausgeben oder einen Vertrag abschließen wollen, sollten sie im Laden eine Einverständniserklärung ihrer Eltern vorlegen oder am besten die Eltern selbst mitbringen. Kinder unter sieben Jahren sind überhaupt nicht geschäftsfähig. Wenn sie sich etwas besorgen, womit ihre Eltern nicht einverstanden sind, ist in jedem Fall kein gültiger Kaufvertrag zustande gekommen.

Ab welchem Alter das eigene Konto?
Mit zwölf Jahren haben die meisten Jugendlichen im Umgang mit Geld schon Erfahrung gesammelt. Sie führen ein Sparbuch und haben vielleicht schon einmal eine Einnahmen- und Ausgabenliste geführt: ein guter Zeitpunkt, um ein eigenes Girokonto einzurichten. Um das Konto zu eröffnen, bedarf es der Einwilligung der Eltern. Die Erziehungsberechtigten können festlegen, welcher Maximalbetrag einmalig abgehoben werden darf. Schulden können Minderjährige bei den Banken nicht machen: Sie dürfen ihr Konto nicht überziehen.

Und wie geht man mit Geldgeschenken der Verwandtschaft um?
Schenkt ein Verwandter einen höheren Geldbetrag, dann sollten ihn die Eltern jüngerer Kinder auf deren Sparkonto einzahlen, denn sie überblicken das noch nicht. Mit elf oder zwölf Jahren können Heranwachsende aber auch mit Geldgeschenken umgehen wie mit ihrem Taschengeld. Auch hier müssen bei größeren Ausgaben die Eltern als Erziehungsberechtigte einverstanden sein.

Wie reagieren, wenn das Taschengeld nicht ausreicht?
Wenn Taschengeld schon kurz nach der Auszahlung versickert ist, sollten Eltern ihren Kindern helfen, den richtigen Umgang damit zu lernen. So kann der Sprössling eine Zeit lang aufschreiben, wie viel er wofür ausgibt. Gemeinsam könnten anschließend Eltern und Kind überlegen, welche Ausgaben weniger dringend waren. Möglich ist auch, eine Zeit lang Teilbeträge in kürzerem Turnus an das Kind abzugeben oder – wenn das Kind einverstanden ist – einen Teil des Taschengelds einzubehalten, der dann in absehbarer Zeit einen größeren Wunsch erfüllt. Taschengeldvorschuss sollte es nur in Ausnahmen geben. Ein Vorschuss macht überdies nur Sinn, wenn er in absehbarer Zeit vom Taschengeld abgestottert werden kann.

Was tun, wenn die Tochter sich vom Taschengeld ein Tattoo finanzieren will?
Wer einem Minderjährigen ein Piercing verpasst oder eine Rose auf den Oberarm stichelt, benötigt dafür die Einverständniserklärung der Eltern. Sonst sind Tattoos und Piercings, rechtlich gesehen, Körperverletzungen und damit strafbar. Ein Jugendlicher, der unbedingt mithalten will, hat dennoch Möglichkeiten, jemanden zu finden, der das riskiert oder er wird sich selbst piercen. Besser als die Einverständniserklärung zu verweigern, ist es, mit dem Nachwuchs die Risiken und Vorteile dieses modernen Körperschmucks zu erörtern. Vielleicht reicht ja zum Ausprobieren erst einmal Fake Piercing oder Henna Tattoo aus.

Wie können Kinder ihr Taschengeld aufbessern?
Wer unter 13 ist, darf offiziell noch nicht arbeiten. Dass Kinder ihr altes Spielzeug, Bücher oder CDs bei einem Flohmarkt verkaufen, ist aber durchaus üblich. Es spricht auch nichts dagegen, beim Nachbarn gegen ein kleines Entgelt den Rasen zu mähen oder für eine Bekannte den Hund auszuführen. Hilfstätigkeiten im Haushalt der Familie sollten nur dann finanziell entlohnt werden, wenn sie aus der Reihe fallen: Autowaschen oder der Oma beim Umzug helfen. 13- und 14-Jährige dürfen, wenn die Eltern einverstanden sind, bis zu zwei Stunden täglich leichtere Arbeiten verrichten. Typische Einsteigerjobs sind Nachhilfestunden geben, Urlaubsbetreuung für Haustiere, Prospekte oder Zeitungen austragen oder auf kleine Kinder aufpassen. Mit 15 sind jugendliche Schüler dem Gesetz nach alt genug, um während der Sommerferien bis zu 4 Wochen zu arbeiten; neben der Schule gelten weiterhin maximal zwei Stunden pro Tag. Wer mit 15 nicht mehr schulpflichtig ist, kann nun selbstverständlich eine Arbeit annehmen.