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TEST ALLERGIEMITTEL: DIE RICHTIGEN HELFER FINDEN


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 28.02.2019

Gegen juckende Augen und laufende Nasen helfen viele Allergiemittel. Aber nicht alle empfehlen wir. Manche setzen weiterhin auf veraltete Wirkstoffe und problematische Konservierer.


Artikelbild für den Artikel "TEST ALLERGIEMITTEL: DIE RICHTIGEN HELFER FINDEN" aus der Ausgabe 3/2019 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: PeopleImages/getty images

ÖKO-TEST RÄT

► Allergiemittel bekämpfen nur Symptome. Klären Sie Beschwerden besser fachärztlich ab und fragen Sie nach einer Immuntherapie.
► Wir raten von Antihistaminika der ersten Generation und von Mitteln mit Pseudoephedrin ab.
► Die App Pollenflug-Index des Deutschen Wetterdiensts verrät, wann in Ihrer Region Pollen fliegen. Weiterführende Infos zu Allergien finden Sie unter

Von Jörg ...

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... Döbereiner

Wer Allergiesymptome bekämpfen will, hat in der Apotheke die Qual der Wahl: Augentropfen, Nasensprays oder doch lieber Tabletten? Das hängt zumindest für Mittel mit Antihistaminika nicht nur von den Symptomen ab, sondern auch von den Vorlieben der Anwender, wie Professor Jörg Kleine-Tebbe erklärt, Allergologe und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. Manche Allergikerinnen schwören auf lokal angewendete Mittel wie Augentropfen oder Nasenspray. Anderen ist die mehrmalige Anwendung am Tag zu mühselig, sie schlucken lieber eine Tablette. Für Jörg Kleine-Tebbe hat beides seine Berechtigung. „Der Patient muss sich mit der Anwendung wohlfühlen, nur dann wird er sie regelmäßig gebrauchen“, sagt er. Komme zum Heuschnupfen ein Juckreiz an der Haut dazu, seien aber Tabletten zu empfehlen.


Tabletten sind praktisch in der Anwendung. Sie wirken aber tendenziell langsamer als Augentropfen und Nasensprays.


Zwei wesentliche Nachteile sieht der Allergologe bei Mitteln zum Einnehmen aber auch: Zum einen wirkten sie nicht so schnell wie Augentropfen und Nasensprays, sondern erst nach ein bis zwei Stunden. Zum anderen seien unerwünschte Nebenwirkungen bei Mitteln zum Einnehmen tendenziell ausgeprägter und träten eher im ganzen Körper auf.

ÖKO-TEST hat 22 der meistverkauften Augentropfen, Nasensprays und Mittel zum Einnehmen unter die Lupe genommen. Die positive Nachricht: 15 können wir mit der Note „gut“ oder sogar „sehr gut“ weiterempfehlen. Aber eben nicht alle. An der Wirksamkeit liegt das nicht, sie ist für alle Mittel im Test belegt.
Veraltete Wirkstoffe: Fenistil Tropfen Antiallergikum zum Einnehmen und Zaditen Ophtha Sine 0,25 mg/ml Augentropfen Einzeldosis gehen in deutschen Apotheken häufig über die Ladentheke. Doch sie arbeiten mit veralteten Wirkstoffen, den Antihistaminika der ersten Generation. Antihistaminika blockieren Andockstellen für den Botenstoff Histamin, der allergische Symptome erzeugt. Die Antihistaminika Dimetinden und Ketotifen sieht ÖKO-TEST kritisch. Unter anderem machen sie müde und können zu trockenem Mund, Magen-Darm-Beschwerden und Nervosität führen.
Bessere Alternative: ÖKO-TEST rät zu den neueren Antihistaminika der zweiten Generation. Sie machen weniger müde, und Patienten vertragen sie grundsätzlich besser, auch wenn sich Nebenwirkungen von Mensch zu Mensch unterscheiden können. In diese Gruppe gehören Cetirizin, Azelastin, Loratadin und Levocabastin.

SO TESTET ÖKO-TEST

Wir haben22 rezeptfreie, apothekenpflichtige Allergiemittel eingekauft: sechs Nasensprays, sieben Augentropfen und neun Mittel zum Einnehmen. Alle gehörten 2017 laut Gesundheitsdienstleister IQVIA zu denmeistverkauften Monopräparaten in ihrer Produktgruppe, das heißt, sie haben nur einen Wirkstoff. Homöopathische Mittel blieben außen vor.
Von unskritisierte Wirkstoffe schlagen sich im Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel nieder. Es bildet die Grundlage für das Gesamturteil. Sehen wirsonstige Bestandteile der Allergiemittel kritisch, beeinflusst dies das Testergebnis Hilfsstoffe. Lautet es „befriedigend“ oder schlechter, wirkt sich das auf das Gesamturteil aus.

Foto: Jürgen Lecher, Goethe- Universität Farnkfurt

Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt hat alle Allergiemittel für ÖKO-TEST begutachtet. An seinen Empfehlungen orientiert sich unsere Bewertung.


Antihistaminika der zweiten Generation können Symptome schnell lindern. Wer hingegen vorbeugen will, greift zu Cromoglicinsäure.


Für die Dauertherapie: Drei Augentropfen enthalten Cromoglicinsäure, jeweils deklariert als Natriumcromoglicat. Dieser Stoff verhindert, dass Abwehrzellen bestimmte Botenstoffe freisetzen, die allergische Symptome verursachen. Arzneimittel mit Cromoglicinsäure lassen sich nach ärztlicher Beratung vorbeugend oder zur Dauertherapie einsetzen. Für die schnelle Hilfe taugen sie dagegen nicht. „Da die volle Wirksamkeit bei Cromoglicinsäure erst nach ein bis zwei Wochen eintritt, ist dieser Arzneistoff nicht zur Behandlung akuter Reaktionen geeignet“, schreibt Professor Manfred Schubert-Zsilavecz von der Universität Frankfurt in seinem Gutachten für ÖKO-TEST. Wer an Heuschnupfen leidet, sollte diese Mittel deshalb bereits zwei Wochen vor dem jeweiligen Pollenflug regelmäßig einnehmen.
Entzündungshemmend: Drei Nasensprays wirken mit sogenannten Glucocorticoiden – künstlich hergestellten Abkömmlingen des Hormons Kortisol. Diese Stoffe wirken entzündungshemmend und antiallergisch, unter anderem indem sie die Bildung von Botenstoffen hemmen. Allerdings kann es Stunden oder Tage dauern, bis die Wirkung eintritt. Die drei Mittel im Test sind für Erwachsene geeignet, aber für Kinder tabu. Jedes der Mittel beinhaltet einen anderen Wirkstoff: Mometasonfuroat, Fluticasonpropionat oder Beclometasondipropionat. ÖKO-TEST rät zu den beiden Erstgenannten. Beclometasondipropionat sehen wir dagegen etwas kritischer, denn laut Gutacher Manfred Schubert-Zsilavecz nimmt unser Körper diesen Stoff stärker auf als die beiden anderen. Das begünstigt Nebenwirkungen im ganzen Organismus.
Hilfstoff kann Allergien auslösen: Neben dem Wirkstoff enthalten Allergiemittel weitere Stoffe, sie sind in der Packungsbeilage unter „sonstige Bestandteile“ aufgeführt. Darunter befinden sich auch Konservierungsmittel, die wir kritisch sehen. Allen voran: Benzalkoniumchlorid. Sieben Produkte im Test enthalten es. Benzalkoniumchlorid kann Zellen schädi- gen, die Haut reizen und seinerseits allergisierend wirken. In der Nase angewendet, kann es die Nasenschleimhaut zum Teil irreversibel schädigen.
Weitere problematische Konservierer: Propylparaben und Benzoesäure kritisiert ÖKO-TEST ebenfalls. Propylparaben steht im Verdacht, hormonell wirksam zu sein, und ist in Lebensmitteln wegen gesundheitlicher Bedenken nicht zugelassen. Im Beipackzettel heißt es oft Propyl-4-hydroxybenzoat. Es steckt imCetirizin-Ratiopharm Saft und in denCetirizin AL 10 mg/ml, Tropfen . Das ProduktFenistil Tropfen Antiallergikum enthält Benzoesäure. Dieser Stoff kann selbst Allergien auslösen.

Niesreiz, Jucken, tränende Augen? Allergiemittel bekämpfen Symptome, nicht aber die Allergie selbst. Das kann eine spezifische Immuntherapie.


Foto: Getty Images/Westend61

ÖKO-TEST

„Als Allergiker trage ich den einen Vorsatz schon seit Jahren vor mir her: mich endlich zu einer Immuntherapie beraten lassen. In diesem Jahr dann aber wirklich!“

Jörg Döbereiner , ÖKO-TEST-Redakteur will das Übel Allergie an der Wurzel packen.


Foto: Anja Wägele

PSEUDOEPHEDRIN – EIN BEUNRUHIGENDER WIRKSTOFF

Noch problematischer als Antihistaminika der ersten Generation sieht ÖKO-TEST den Wirkstoff Pseudoephedrin in Kombination mit Cetirizin. Im Test kommt diese Variante nicht vor, doch befindet sie sich auf dem Markt. Ein genauer Blick auf den Beipackzettel lohnt sich: Pseudoephedrin kann die Herzfrequenz steigern, Unruhe erzeugen, den Schlaf stören und hat grundsätzlich ein schlechtes Nutzen-Risiko-Verhältnis. Besser, Sie halten sich an die „guten“ und „sehr guten“ Produkte im Test.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 120.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.2) Laut Anbieter wird das Produkt nicht mehr produziert.3) Bei saisonal bedingten allergischen Beschwerden für Kinder ab 4 Jahre, bei nicht saisonal (ganzjährig) bedingten Beschwerden ab 12 Jahre geeignet.4) Zur Behandlung von allergischem Schnupfen erst ab 6 Jahre geeignet.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel führt zur Abwertung um zwei Noten: ein müde machendes Antihistaminikum (hier: Dimetinden, Ketotifen). Zur Abwertung um eine Note führt: Beclometasondipropionat. Unter dem Testergebnis Hilfsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Benzalkoniumchlorid in Nasensprays. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Benzalkoniumchlorid in Augentropfen; b) PEG/PEG-Derivate in Augentropfen und Nasensprays; c) Propylparaben (Propyl-4-hydroxybenzoat) in Mitteln zum Einnehmen. Zur Abwertung um eine Note führt: Benzoesäure in Mitteln zum Einnehmen, wenn diese für Kinder unter

2 Jahren geeignet sind. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel. Ein Testergebnis Hilfsstoffe, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Hilfsstoffe, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein „gutes“ Testergebnis Weitere Mängel führt zu keiner Verschlechterung.
Preisberechnung basiert auf dem kleinsten Produktangebot.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unteroekotest.de → Hefte → ÖKO-TEST Magazin. Wählen Sie die Ausgabe aus und scrollen Sie ans Seitenende.
Einkauf der Testprodukte: November und Dezember 2018.
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