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TEST Anilin in Kinderprodukten: Grenzenlos


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2016 vom 25.08.2016

ÖKO-TEST findet seit Jahren Anilin in Kinderprodukten. Anilin ist ein aromatisches Amin, wird unter anderem zum Färben verwendet, steht aber unter Krebsverdacht. Erneut konnten wir sehr hohe Gehalte der Substanz in diversen Kinderprodukten nachweisen. Den betroffenen Anbietern kommt gelegen, dass es keinen Grenzwert gibt. Doch es bewegt sich etwas.


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Foto: ZuzanaBobovnik/Shutterstock

Wachsmalstifte, Straßenmalkreide und Fingermalfarben, Kinderjeans und Krabbelschuhe, Kinderteppiche, Kindergartenrucksäcke und zuletzt UV-Schutzanzüge für Kinder: Die Liste der Produktgruppen, in denen ÖKO-TEST allein in den ...

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... vergangenen drei Jahren krebsverdächtiges Anilin nachgewiesen hat, ist lang.

Dabei ist der Stoff, der unter anderem zur Herstellung von Polyurethankunststoffen und synthetischen Farbstoffen (Azo-Farbstoffe) dient, nicht ohne: „Giftig bei Verschlucken, giftig bei Hautkontakt, verursacht schwere Augenschäden, kann vermutlich genetische Defekte verursachen, kann vermutlich Krebs erzeugen“, teilt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zur Gefahreneinschätzung von Anilin mit.

Wie ist das Gefahrenpotenzial von Anilin in Kinderspielzeug und Bedarfsgegenständen einzuordnen, etwa in Wachsmalstiften und Straßenmalkreiden für Kinder? Schließlich werden die Sachen in die Hand oder sogar in den Mund genommen. Denkbar ist auch, dass sich Kinder nach dem Malen die Finger ablecken oder durchs Gesicht streichen. „Das ist schwer zu beurteilen, da erstens die Kanzerogenität beziehungsweise Mutagenität noch nicht eindeutig bewiesen ist und Anilin sowohl in freier Form, also als Verunreinigung oder Abbauprodukt, als auch in abspaltbarer Form, also aus Azo-Farbstoffen mit Anilinkomponente, vorkommt“, sagt Dr. Franz Fiala, ehemaliger Vizepräsident der europäischen Verbraucherorganisation für Standardisierung ANEC. Eine akute Gefahr durch Gehalte von 5 bis 30 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) Anilin in einem Produkt könne er nicht erkennen, sagt aber: „Aus Vorsorgegründen sollten 30 mg/kg Anilin in freier oder abspaltbarer Form keinesfalls überschritten werden.“


Eine Belastung mit dem Schadstoff Anilin kann man Produkten nicht ansehen


Die Belastung kann man den Produkten nicht ansehen. Verbraucher können sich aber an unseren vergangenen und künftigen ÖKO-TESTs orientieren und zu Alternativen greifen. Einen Grenzwert für Anilin in Bedarfsgegenständen oder Kinderprodukten gibt es in Deutsch land derzeit noch nicht. Zwar sind wegen ihrer krebserzeugenden Wirkung 22 aromatische Amine laut Bedarfsgegenständeverordnung ab mehr als 30 mg/kg in Kleidung, Schuhen, Handtaschen oder Spielwaren mit Textil- oder Lederbekleidung verboten. Anilin ist aber nicht darunter. ÖKO-TEST sieht allerdings auch diesen Schadstoff kritisch und wertet den Nachweis daher streng ab. Besonders aufgrund der Fülle an Produkten, sei es im Kinder- oder Erwachsenenbereich, muss der Gesetzgeber unserer Meinung nach dringend nachbessern.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) scheint sich dieser Auffassung anzunähern. „Es wurde ein Arbeitspapier zur Aufnahme von Anilin in den Anhang II Anlage C der Spielzeugrichtlinie mit einem Gehaltsgrenzwert von 5 mg/kg erstellt“, hat die BfR-Kommission für Bedarfsgegenstände im November 2015 protokolliert. Im Speziellen gilt diese Regelung für Spielzeug, das zur Verwendung durch Kinder unter 36 Monate bestimmt und dazu gedacht ist, in den Mund genommen zu werden. „Es besteht noch Diskussionsbedarf zur Frage der Eingrenzung des Beschränkungsvorschlags auf bestimmte Materialien. Ergebnisse aus einer Marktüberwachungsstudie werden geprüft und weitere Informationen zum Vorkommen von Anilin in Spielzeug werden gesammelt“, so der Vermerk. Eine konkretere Aussage dazu konnten wir dem BfR nicht abringen.

Die Europäische Kommission ist ebenfalls an dem Thema dran. Zu einem spruchreifen Ergebnis sind die Mitglieder der Untergruppe Chemikalien in der Expertengruppe für Spielzeugsicherheit bei ihrem Treffen im Juni 2016 aber noch nicht gekommen. Recht schwammig heißt es: „Es wird erwägt, einen bestimmten Grenzwert für Anilin in Spielzeug vorzuschlagen.“ Ist das der Fall, beschäftigt sich die Expertengruppe selbst mit dem Thema. Die nächste Sitzung ist für den Herbst 2016 geplant.

ÖKO-TEST fordert, dass es für Anilin einen strengen, offiziellen Grenzwert für jegliche Produkte gibt, nicht nur für die, die in die enge Definition von Spielzeug fallen. Denn dass Anilin wie auch bereits reglementierte aromatische Amine in Kinderprodukten stecken, zeigen unsere Testergebnisse.

Das Testergebnis

• Spiel ohne Grenzen. Mehr als 30 Produkte sind mehr oder weniger stark mit Anilin und/oder anderen aromatischen Aminen belastet. Ein Produkt hätte sogar so nicht verkauft werden dürfen.
• Für die Füß! In diesem Krabbelschuh steckte so viel krebserzeugendes Benzidin, dass er laut Einschätzung einer Überwachungsbehörde so nicht verkehrsfähig ist. Der Benzidingehalt im Bonamart Krabbelschuhe, blau mit Kirschen überschritt den Grenzwert um rund das Zweifache – ein klarer Verstoß gegen die Bedarfsgegenständeverordnung. In den Stylex 4 Finger- Malfarben wurde in der roten Farbe das aromatische Amin o-Ansidin mit mehr als 10 mg/kg gemessen. Auch das wäre laut Spielzeugnorm EN 71-7 für Fingermalfarben zu hoch. Trotzdem bleibt das Produkt von Anbieter Stylex verkehrsfähig. Der Grund: Das von uns beauftragte Labor misst mit einer strengeren Methode als es das offizielle Normverfahren tut. Deshalb könne die Marktüberwachung nicht eingreifen, so die Begründung.
Extremwerte. Gelte schon jetzt, wie diskutiert, eine Verbotsgrenze für Anilin von 5 mg/kg, hätten 20 Produkte ein echtes Problem. Davon besonders betroffen wären sechs Produkte, in denen Anilin in der roten Farbe oder im Leder steckte: Die ohnehin schon abgewerteten Bonamart Krabbelschuhe, blau mit Kirschen, die Mara Wachsmalringe, die Stylex 8 Wachsmalstifte, wasserfest, die Rose et Chocolat Krabbelschuhe Captain Hook, dunkelblau, die Freefisher Krabbelschuhe, rot mit Sternen und das Galeria Edition Stiftemäppchen, blau. Alle überschreiten den Wert von 5 mg/kg um mehr als das 30- bis über 90-Fache.

Foto: Diana Taliun/iStock/Thinkstock

• Wer bietet mehr? Drei Produkte, in denen 2,4-Toluylendiamin gemessen wurde, übersteigen den Maximalgehalt für aromatische Amine in der Bedarfsgegenständeverordnung: die Art & Fun Fenstermalkreide um das Siebenfache, die Herlitz 5 Straßenmalkreiden, abwaschbar um das Dreifache und die Outdoor Ac tive Straßenmalkreide 36 Stück um das Zweifache. Wie schon in früheren ÖKO-TESTs wurde der Farbstoff in roter Kreide nachgewiesen. Doch gerade für diese Substanz in dieses Produkten greift keine Regelung!

So reagierten die Hersteller

• AnbieterMarabu teilte mit: „Als Konsequenz stellen wir die Produktion des Produkts unter Verwendung des Inhaltsstoffs Anilin mit sofortiger Wirkung ein.“
Pelikan (Herlitz) verwies auf eine Stellungnahme, die uns zum ÖKO-TEST Straßenmalkreide (4/2016) per Fax zugestellt worden sei. Im damaligen Test wurden ebenfalls die Herlitz 5 Straßenmalkreiden, abwaschbar im Labor untersucht und ähnliche Mängel festgestellt. Diese nahm der Anbieter eigenen Angaben zufolge zum Anlass, die Auslieferung des Produktes bundesweit zu stoppen. Zurückgerufen wurde die belastete Kreide nicht. Kunden hätten sie also, wie wir auch, noch problemlos im Abverkauf erwerben können.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern fi nden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Laut Anbietergutachten ist kein Anilin enthalten. Allerdings wurde kein chargengleiches Prüfmuster untersucht;2) Laut Anbietergutachten ist ein Anilingehalt nachweisbar, der zwischen 5 bis 30 mg/kg liegt (Fazit „belastet“). Das von uns beauftragte Labor hält an seinen Ergebnissen fest;3) Die Messung und damit die Überschreitung des gesetzlichen Grenzwertes von 10 mg/kg für verbotene „primäre aromatische Amine“ laut Spielzeugnorm EN 71-7 (4.5.1 Grenzwerte für primäre aromatische Amine) bezieht sich auf ein von der offi ziellen Methode abweichendes Analyseverfahren. Laut Anbietergutachten ist kein o-Anisidin im Produkt enthalten. Das von uns beauftragte Labor hält an seinen Ergebnissen fest;4) Laut Anbietergutachten ist kein Anilin enthalten. Das von uns beauftragte Labor hält an seinen Ergebnissen fest;5) Laut Anbietergutachten ist kein 2,4-Toluylendiamin enthalten. Das von uns beauftragte Labor hält an seinen Ergebnissen fest.
Legende: Produkte mit dem gleichen Testergebnis sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Als „kaum belastet“ gelten Produkte, wenn Anilin und/oder weitere aromatische Amine in Spuren unter 5 mg/kg einer oder mehrerer Einzelverbindungen gemessen wurden. Anilin und/oder weitere aromatische Amine gelten als „erhöht“, wenn 5 bis 30 mg/ kg einer oder mehrerer Einzelverbindungen gemessen wurden. Ein als „erhöht“ festgestellter Gehalt führt zur Einstufung „belastet“. Anilin und/oder weitere aromatische Amine gelten als „stark erhöht“, wenn 31 bis 100 mg/kg einer oder mehrerer Einzelverbindungen gemes sen wurden. Ein als „stark erhöht“ festgestellter Gehalt führt zur Einstufung „stark belastet“. Anilin und/oder weitere aromatische Amine gelten als „extrem erhöht“, wenn mehr als 100 mg/kg einer oder mehrerer Einzelverbindungen nachgewiesen wurden. Ein als „extrem erhöht“ festgestellter Gehalt führt zur Einstufung „extrem belastet“. Ein Produkt wird ebenfalls als „extrem belastet“ eingestuft, sofern ein verbotener Azo-Farbstoff mit mehr als 30 mg/kg gemessen wurde und damit der gesetzliche Grenzwert für verbotene Azo-Farbstoffe gemäß Anlage 1 zu § 3 Punkt 7 Bedarfsgegenständeverordnung überschritten wurde (hier: Benzidin). Ein Produkt wird ebenfalls als „extrem belastet“ eingestuft, sofern ein verbotenes aromatisches Amin (hier: o-Anisidin) trotz eines abweichenden Analyseverfahrens mit mehr als 10 mg/kg gemessen wurde und damit der gesetzliche Grenzwert für verbotene „primäre aromatische Amine“ laut Spielzeugnorm EN 71-7 (4.5.1 Grenzwerte für primäre aromatische Amine) überschritten wurde.

Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de - Suchen - „M1609“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Mai 2016.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

Ob Anilin in einem Produkt enthalten ist, kann man ohne Tests nicht feststellen. Ein Blick in ÖKO-TESTs kann Ihnen eine Hilfe sein und Aufschluss geben, welche Produkte Sie besser nicht kaufen sollten und welche Alternativen es stattdessen gibt.

Wenn Sie eines der im Test mit krebserregenden Farbbestandteilen belasteten Kinderprodukte gekauft haben, bringen Sie es zurück. Viele Geschäfte reagieren kulant angesichts der Gesundheitsgefahr. Gesetzlich dazu verpflichtet sind die Geschäfte nicht.

Steckbrief Anilin und Azo-Farbstoffe

Wo stecken Anilin und Azo-Farbstoffe drin?

Azo-Farbstoffe sind synthetische Farbstoffe, die aus der Reaktion aromatischer Amine wie Anilin mit salpetriger Säure und anschließender Kopplung mit einer aromatischen Verbindung gewonnen werden. Sie werden in einer Vielzahl von Produkten eingesetzt, zum Beispiel in Textilien, Kreide, Holz, Papier und diversen Spielzeugen. Auch in der Medizin und dem Färbeprozess in der Lederproduktion spielen Azo-Farbstoffe eine Rolle („Anilinleder“).

Wie kann man Azo-Farbstoffe und Anilin erkennen?

Anilin und andere aromatischen Amine sind in Bedarfsgegenständen wie Textilien oder in Spielzeugmaterialien wie Kreide und Co. nicht zu erkennen.

Wie gefährlich sind aromatische Amine?

Aufgrund ihrer krebserzeugenden Wirkung sind in Deutschland 22 aromatische Amine laut Bedarfsgegenständeverordnung (BedGgstV) in Gebrauchsgegenständen, die längere Zeit mit der menschlichen Haut oder der Mundhöhle direkt in Berührung kommen können, ab einem Gehalt von mehr als 30 mg/kg verboten – darunter Benzidin, 2,4-Toluylendiamin und o-Anisidin. Betroffen sind unter anderem Kleidung, Hüte, Windeln und sonstige Toilettenartikel, Schuhe, Hand- und Brieftaschen sowie Spielwaren mit Textil- oder Lederbekleidung. Der Grenzwert der BedGgstV gilt allerdings nicht für Anilin, das „nur“ unter Krebsverdacht steht. Dafür ist Anilin in der Spielzeugnorm EN 71-7 geregelt. Der Grenzwert von 10 mg/kg gilt allerdings nur für Fingermalfarben. In der von uns untersuchten Fingermalfarbe war Anilin nicht nachweisbar.

Azo-Farbstoffe in Lebensmitteln?

In der Zutatenliste von Süßigkeiten oder Getränken sind Azo- (Lebensmittel)-Farbstoffe an ihrer E-Nummer zu erkennen, darunter Tartrazin (E 102), Gelborange S (E 110), Azorubin (E 122), Cochenillerot (E 124) oder Allurarot AC (E 129). Weil einige Lebensmittelfarbstoffe unter dem Verdacht stehen, bei Kindern zu Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen zu führen, schreibt die EU-Verordnung über Lebensmittelzusatzstoffe für solche Lebensmittel den Zusatz „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ vor.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Anilin kann als Ausgangsstoff zur Herstellung synthetischer Farbstoffe, sogenannter Azo-Farbstoffe, praktisch überall stecken – in Lederwaren, Textilien, Malsachen oder in Spielzeugen. Der Stoff wird verdächtigt, krebserzeugend zu wirken. Im Speziellen wollten wir deshalb wissen, inwieweit Kinderprodukte mit Anilin und anderen krebserzeugenden bzw. unter Krebsverdacht stehenden aromatischen Aminen belastet sind.

Im Prüflabor wurden Malkreiden und andere Produkte auf Anilin sowie weitere aromatischen Amine untersucht.


Foto: Labor

Die Analyse

Laut EN 71 werden Spielzeugmaterialien auf freie aromatische Amine untersucht, wie etwa Mal- und Schreibutensilien, die eine Spur hinterlassen. Man geht davon aus, dass die Stoffe in den Produkten enthalten sein können und der Mensch direkt mit den gesundheitlich bedenklichen Stoffen in Berührung kommen kann. Die Entstehung derartiger Substanzen aus komplexen chemischen Stoffen wie etwa Farbstoffen wird allerdings nicht berücksichtigt. Das tut wiederum die Methode laut BedGgstV, wie auch wir sie anwenden lassen: Textilien und Leder werden auf bestimmte Farbstoffe (Azo-Farbstoffe) geprüft, die im Gebrauch primäre aromatische Amine bilden können. Außerdem geht man davon aus, dass etwa Enzyme und Bakterien in der Lage sind, diese Farbstoffe zu spalten und so die gesundheitlich bedenklichen Amine gebildet werden können. In der Prüfung sollen diese biologischen Vorgänge durch Chemie nachgestellt werden.

Die Bewertung

In 32 Produkten wurden die Schadstoffe nachgewiesen. Darunter auch Produkte, die bereits in früheren ÖKO-TESTs aufgefallen waren. Da wir uns auf Anilin und andere Azo-Farbstoffe konzentriert haben, vergeben wir kein Gesamturteil. Dafür benennen wir den jeweiligen Grad der Verunreinigung: „Kaum belastet“ sind Produkte, in denen Anilin und andere aromatische Amine nur in Spuren nachgewiesen wurden. Als „belastet“ gelten Malkreiden, Jeans, Mäppchen und Co., wenn die Gehalte noch innerhalb der gesetzlich geltenden oder zumindest diskutierten Grenzwerte liegen. Werden diese Grenzen überschritten, noch dazu um ein Vielfaches, kann als Fazit nur von einer „starken“ sowie „extremen Belastung“ die Rede sein.