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TEST Antifaltencremes: Da legen wir die Stirn in Falten


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2012 vom 27.01.2012

Kosmetikfirmen erfinden standig neue Wunderwirkstoffe gegen Falten. Doch auch bei den Reichen und Schonen kann keine Creme der Welt die naturliche Hautalterung aufhalten. Selbst Liliane Bettencourt, der Inhaberin von L’Oreal, dem weltgro.ten Kosmetikkonzern, sieht man ihr Alter an.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 2/2012

Brigitte Bardot


Robert Redford


Uschi Glas


Liliane Bettencourt


Welche 43-Jahrige wollte nicht aussehen wie Julia Roberts in der Werbung von Lancome? Faltenlos strahlte „Pretty Woman“ 2011 auf die Frauen herab – bis die britische Werbeaufsicht die Kampagne aus dem Hause L’Oreal fur das Make-up Teint Miracle verbot, weil die Fotos zu ...

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... stark retuschiert waren. Die Parlamentarierin Jo Swinson hatte sich bei den Aufsehern beschwert. In Zeiten steigenden Schonheitswahns und zunehmenden Essstorungen erwecke die Werbung den Eindruck, das Produkt konne Wunder bewirken.

Glaubt man den vollmundigen Wirkversprechen, konnen Verbraucherinnen das auch von Antifaltencremes annehmen. „Die Haut wirkt sichtbar verjungt. Reduziert die Faltentiefe und glattet“ – mit solchen und anderen Aussagen wird auf vielen Produkten geworben. Mancher Hersteller legt sogar ein Faltenlineal bei, um den „messbaren“ Erfolg abzubilden. Aber glauben Frauen wirklich, sich mit der passenden Creme ihre Falten wegcremen zu konnen? Laut Umfragen steht bei den Verbraucherinnen beim Kauf von Hautpflegeprodukten das Wohlgefuhl im Vordergrund und weniger der unmittelbare kosmetische Effekt. Trotzdem mussen Kosmetikhersteller belegen konnen, was sie auf ihren Produkten versprechen. So verlangt es der Gesetzgeber, der irrefuhrende Werbung zur Wirkung von Kosmetika verbietet. Ob sich die Kosmetikhersteller an die gesetzlichen Vorgaben halten, uberprufen in Deutschland die Marktuberwachungsbehorden, die auch fur die Sicherheit der Produkte zustandig sind, im Rahmen von risikoorientierten Stichprobenkontrollen.

Zu Beanstandungen kommt es allerdings selten. „Das ist immer eine Einzelfallentscheidung der zustandigen Uberwachungsbehorde“, sagt David Reinhold vom Landesamt fur Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein Westfalen. Einer solchen Entscheidung geht eine umfassende Analyse des Produkts voraus, bei der die mogliche Tauschung nur einen Parameter darstellt. „Kontrolliert wird beispielsweise, ob Konservierungsmittel oder UV-Filter in den zugelassenen Grenzen eingesetzt werden und ob ein ausgelobter Wirkstoff in dem Gehalt vorhanden ist, dass er die angegebene Wirkung auch entfalten kann“, erklart Reinhold. Gibt es Fragezeichen oder schlimmer, liegt nach Ansicht der Uberwachungsbehorde eine Tauschung vor, kommt es zu einer Anhorung der Hersteller, in der diese ihre Gutachten vorlegen, und einer erneuten Beurteilung. Die Frage der Irrefuhrung mussen in Deutschland immer wieder Gerichte beantworten. Der Fall der Anti-Haarausfall-Marke Alpecin ging sogar bis zum Bundesgerichtshof. Der Berliner Verband Sozialer Wettbewerb hatte Klage erhoben und in erster und zweiter Instanz recht bekommen. Begrundung: Die Werbeaussage „Glatze? Vorbeugen mit Coffein!“ sei angesichts einer einzelnen Studie, die in der Fachliteratur nicht veroffentlicht sei, nicht wissenschaftlich gesichert. Mit ihrem Urteil im Januar 2010 wendeten sich die Karlsruher Richter jedoch gegen die Entscheidung der Vorinstanzen.

Nach Ansicht des BGH genugt eine einzelne Arbeit, sofern sie auf uberzeugenden Methoden und Feststellungen beruht, um die Wirkung, mit der ein kosmetisches Mittel beworben wird, hinreichend wisenschaftlich abzusichern. Was darf Werbung und was nicht? Damit befasst sich zurzeit auch eine Arbeitsgruppe der Europaischen Kommission. Im Rahmen der EU-Kosmetikverordnung sollen dort bis 2016 gemeinsame Kriterien fur Werbeaussagen auf Kosmetika erarbeitet werden, um die Verbraucher vor Irrefuhrung zu schutzen. „In der derzeit vorliegenden Fassung ist eine Liste von ubergeordneten Kriterien enthalten, die sich auf jegliche Werbeaussagen zu kosmetischen Mitteln beziehen“, berichtet Dr. Jens Witte vom Niedersachsischen Ministerium fur Ernahrung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, der der Arbeitsgruppe angehort. Dabei geht es um die Einhaltung der Rechtsvorschriften und die Beibringung von Nachweisen, aber auch um Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.

Bei einer Fachtagung des BDIH machte Witte das an Beispielen fest: Hersteller sollten etwa auf ubertriebene Wirkungen durch bearbeitete Bilder verzichten und ihre Aussagen anhand von Untersuchungen und publizierten Daten belegen konnen. Wir wollten wissen, ob Antifaltenprodukte halten konnen, was ihre Verpackungen versprechen. Denn die Zahl der ausgelobten Wirkstoffe ist unuberschaubar, und nur fur wenige ist eine, wenn auch kurzfristige Wirkung wissenschaftlich gut dokumentiert. Deshalb haben wir die 20 Produkte, die wir eingekauft haben, diesmal nicht nur auf ihre Inhaltsstoffe untersuchen lassen, sondern auch entsprechende Wirksamkeitsbelege bei den Kosmetikherstellern angefordert.

Wann ist Werbung irreführend? Zu Beanstandungen kommt es selten

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben 20 Antifaltencremes eingekauft, die die Hersteller teilweise bereits fur Frauen ab 35 Jahren anbieten. Die Produktpalette reicht von Eigenmarken der Drogerien, uber Produkte aus der Apotheke und dem Naturwarenladen bis hin zu Luxuscremes aus der Parfumerie.

Die Inhaltsstoffe

Eine Creme kann nur so gut sein wie ihre Inhaltsstoffe. Deshalb haben wir die Cremes im Labor auf problematische Inhaltsstoffe untersuchen lassen, etwa auf Duftstoffe, die Allergien auslosen konnen. Auch Mittel, die zur Konservierung von Kosmetika eingesetzt werden, konnen Allergien auslosen, etwa halogenorganische Verbindungen und Formaldehyd/-abspalter. Sonnenschutzfilter, die oft in Antifaltencremes enthalten sind, konnen ebenfalls problematisch sein.

Mehr Schein als Sein: Dieselbe Menge Creme, aber unterschiedlich verpackt.


Weitere Mängel

„Mildert ausgepragte Falten sichtbar“ – diese Aussage weckt hohe Erwartungen. Aber konnen die Hersteller halten, was sie versprechen? Wir forderten sie auf, uns Studien zur Wirkung ihrer Produkte vorzulegen und so den Vorteil ihrer Antifaltencreme gegenuber einer herkommlichen Pflegecreme nachzuweisen.

Die Bewertung

Ob die Firmen ihre Werbeversprechen mit handfestem Studienmaterial belegen konnen und dieses auch transparent gemacht haben, floss in unsere Bewertung mit ein. Der Fokus unserer Beurteilung liegt aber auf der Qualitat der eingesetzten Inhaltsstoffe, denn Kosmetik sollte frei von umstrittenen oder gar bedenklichen Substanzen sein.

Was gut riecht, kann der Haut Probleme bereiten: In den Produkten Lancaster Skin Therapy, L’Oreal Youth Code und Garnier Ultra Lift stecken polyzyklische Moschus-Verbindungen. Diese synthetischen Substanzen stehen im Verdacht wie ein Hormon zu wirken und konnen sich im Korper anreichern. Problematisch ist auch der Einsatz von Duftstoffen, die Allergien auslosen konnen. In den beiden Produkten von Lancaster und Lancome ist Lyral enthalten.

So reagierten die Hersteller

Transparenz sieht anders aus. Die meisten Kosmetikhersteller stellten OKO-TEST keine Studien zur Wirksamkeit ihrer Produkte zur Verfugung. Tief blicken lassen mitunter die Begrundungen. So schrieb uns etwa der Kosmetikkonzern Coty, der die Marke Lancaster vertreibt: „Es handelt sich bei diesen Unterlagen um vertrauliche Firmendokumente, die wir den entsprechenden Kontrollbehorden auf Verlangen zur Einsicht vorlegen. Privaten Unternehmen mit kommerziellem Hintergrund durfen wir diese aus wettbewerbsrechtlichen Grunden leider nicht zur Verfugung stellen.“

Dm und Rossmann schickten Studienauszuge zu den ausgelobten Wirkstoffen. In welchem Gehalt diese aber in dem von uns getesteten Produkt enthalten sind, ging daraus nicht hervor. _ Beiersdorf und Henkel lieferten ausfuhrliche Methodenbeschreibungen, legten allerdings ihre Ergebnisse nicht offen.
Ulrike Hochgesand

Chemie im Pelz

Nach einer Untersuchung der Tierschutzorganisation Vier Pfoten enthalten Pelzkappen, -schals und Besatze von Manteln und Jacken gesundheitsgefahrdende Chemikalien. Eine Untersuchung von 35 Produkten zeige, dass im Pelz haufig krebsverdachtiges Formaldehyd stecke. Im Pelzbesatz einer Kinderjacke habe man mehr als 500 Milligramm pro Kilogramm Formaldehyd gefunden. Selbst nach dem Oko-Tex Standard 100 sowie nach dem SG-Prufzeichen fur schadstoffgeprufte Lederprodukte – die langst nicht so streng wie OKO-TEST sind – seien hochstens 75 mg/kg in Textilien bzw. Leder erlaubt. Das Deutsche Pelzinstitut (DPI) reagierte auf die Untersuchung von Vier Pfoten, indem es eine mit „Pelze sind nicht zum Essen geeignet!“ ubertitelte Pressemitteilung veroffentlichte. Das DPI kritisiert darin vor allem, dass die Tierschutzorganisation Pelzproben nach willkurlich gesetzten bzw. fur andere Produkte geltende Richtwerte testen wurde. Schlie.lich habe man es „ausschlie.lich mit Outdoorbekleidung zum Schutz vor Kalte in freier Luft zu tun, nicht mit Babyspielzeug, das Kleinkinder in den Mund stecken und an dem sie stundenlang herumnuckeln.“

Schneeränder entfernen

Schnee und Salz hinterlassen alljahrlich in der nasskalten Jahreszeit unschone wei.e Rander auf Lederstiefeln und -schuhen. Die Rander lassen sich mit einem feuchten Schwamm entfernen, sind sie hartnackiger kann man mit Feinwaschmittel nachhelfen. Das Leder nach dem Reinigen mit Schuhcreme pflegen und impragnieren. Tipp: Schuhe aus Wildoder Veloursleder sind eher etwas fur trockene Tage, denn sie lassen sich nicht so leicht wie Glattleder gegen Nasse schutzen.

Naturkosmetik aus der Drogerie im Bio-Supermarkt

In sechs Alnatura-Supermarkten sind bis Ende Februar 25 Produkte der Dm-Naturkosmetikmarke Alverde erhaltlich. Die Aufnahme der Alverde-Produkte in das Alnatura-Sortiment erfolge erst einmal auf Probe, da es immer wieder Kundenanfragen diesbezuglich gegeben habe, erklart Stefanie Neumann von Alnatura. Im Gegenzug verkaufen derzeit 15 Filialen des Dm Drogeriemarkts auch Naturkosmetika der Alnatura-Marke Alviana. Uber eine Einlistung der Marken werde im Verlauf dieses Jahres entschieden. Bislang waren lediglich Alnatura Lebensmittel bei Dm erhaltlich. Beide Handelsketten stehen uber Professor Gotz E. Rehn, der Alleingesellschafter der Alnatura GmbH ist und gleichzeitig Gesellschaftsvertreter bei der Dm-Drogerie Markt GmbH, geschaftlich miteinander in Beziehung.

Buchtipp: Mit Kleiderfragen aufräumen

Was sind die gro.ten Modesunden? Welche Klassiker sollten in keinem Schrank fehlen? Und was tragt man zu Abendeinladungen? Jeder, der schon einmal ratlos vor dem Kleiderschrank stand, fi ndet endlich Antworten auf alltagliche Kleidungsfragen. Daruber hinaus erfahrt der Leser viel Wissenswertes rund um das Thema Mode und ihre Geschichte. Stefanie Schütte: Mode, Fashion, Haute Couture. Die 101 wichtigsten Fragen, Beck-Verlag 2011, 9,95 Euro.

Neue Textilkennzeichnung

Fur Textilien gilt seit November EU-weit ein neues Kennzeichnungsrecht. Teile wie Kragen und Applikationen aus Leder, Pelz, Federn oder Daunen, die bislang bei der Kennzeichnung au.en vor geblieben sind, mussen nun ausgewiesen werden. Der Passus „Enthalt nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ ist zwar nicht besonders konkret, er gibt Verbrauchern aber einen nutzlichen Hinweis darauf, ob es sich um echtes oder um Kunstfell oder -leder handelt.