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TEST Antifaltencremes: Falsche Versprechen


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 94/2012 vom 14.06.2012

Kosmetikfirmen erfinden ständig neue Wunderwirkstoffe gegen Falten. Können spezielle Cremes mehr leisten als herkömmliche Pflegeprodukte?


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Foto: Yuri Arcurs/Fotolia.com

Welche Frau über 40 wollte nicht aussehen wie Julia Roberts in der Werbung von Lancôme? Faltenlos strahlte „Pretty Woman“ 2011 auf die Frauen herab – bis die britische Werbeaufsicht die Kampagne aus dem Hause L’Oréal für das Make-up Teint Miracle verbot, weil die Fotos zu stark retuschiert waren. Die Parlamentarierin Jo Swinson hatte sich bei den Aufsehern beschwert. In Zeiten steigenden Schönheitswahns und zunehmender Essstörungen erwecke ...

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Welche Frau über 40 wollte nicht aussehen wie Julia Roberts in der Werbung von Lancôme? Faltenlos strahlte „Pretty Woman“ 2011 auf die Frauen herab – bis die britische Werbeaufsicht die Kampagne aus dem Hause L’Oréal für das Make-up Teint Miracle verbot, weil die Fotos zu stark retuschiert waren. Die Parlamentarierin Jo Swinson hatte sich bei den Aufsehern beschwert. In Zeiten steigenden Schönheitswahns und zunehmender Essstörungen erwecke die Werbung den Eindruck, das Produkt könne Wunder bewirken.

Glaubt man den vollmundigen Wirkversprechen, können Verbraucherinnen das auch von Antifaltencremes annehmen. „Die Haut wirkt sichtbar verjüngt. Reduziert die Faltentiefe und glättet“ – mit solchen und anderen Aussagen wird auf vielen Produkten geworben. Mancher Hersteller legt sogar ein Faltenlineal bei, um den „messbaren“ Erfolg abzubilden. Aber glauben Frauen wirklich, sich mit der passenden Creme ihre Falten wegcremen zu können? Laut Umfragen steht bei den Verbraucherinnen beim Kauf von Hautpflegeprodukten das Wohlgefühl im Vordergrund und weniger der unmittelbare kosmetische Effekt. Trotzdem müssen Kosmetikhersteller belegen können, was sie auf ihren Produkten versprechen. So verlangt es der Gesetzgeber, der irreführende Werbung zur Wirkung von Kosmetika verbietet.

Was darf in der Werbung behauptet werden? Damit befasst sich zurzeit auch eine Arbeitsgruppe der Europäischen Kommission. Im Rahmen der EU-Kosmetikverordnung sollen dort bis 2016 gemeinsame Kriterien für Werbeaussagen auf Kosmetika erarbeitet werden, um die Verbraucher vor Irreführung zu schützen. „In der derzeit vorliegenden Fassung ist eine Liste von übergeordneten Kriterien enthalten, die sich auf jegliche Werbeaussagen zu kosmetischen Mitteln beziehen“, berichtet Dr. Jens Witte vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, der der Arbeitsgruppe angehört. Dabei geht es um die Einhaltung der Rechtsvorschriften und die Beibringung von Nachweisen, aber auch um Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Bei einer Fachtagung des BDIH machte Witte das an Beispielen fest: Die Hersteller sollten etwa auf übertriebene Wirkungen durch bearbeitete Bilder verzichten und ihre Aussagen anhand von Untersuchungen und publizierten Daten belegen können.

Wir wollten wissen, ob Antifaltenprodukte halten können, was ihre Verpackungen versprechen. Denn die Zahl der ausgelobten Wirkstoffe ist unüberschaubar, und nur für wenige ist eine, wenn auch kurzfristige Wirkung wissenschaftlich gut dokumentiert. Deshalb haben wir die 20 Produkte, die wir eingekauft haben, diesmal nicht nur auf ihre Inhaltsstoffe untersuchen lassen, sondern auch entsprechende Wirksamkeitsbelege bei den Kosmetikherstellern angefordert.

Das Testergebnis

▀ Knapp die Hälfte der Antifaltencremes kommt über „ungenügend“ und „mangelhaft“ nicht hinaus. Gerade einmal zwei Cremes schneiden mit „gut“ ab. Einige Cremes sind zwar von den Inhaltsstoffen her empfehlenswert; weil die Hersteller aber nicht transparent gemacht haben, was hinter den vollmundigen Wirkversprechen steckt, können ihre Produkte nicht besser sein als „befriedigend“.
▀ Von einer Antifaltencreme sollte man erwarten dürfen, dass sie wirksamer als eine herkömmliche Pfle- gecreme ist. Tatsächlich konnte das aber kein Kosmetikhersteller zweifelsfrei belegen. Lediglich Farfalla und Dr. Theiss haben Studien zum Produkt vorgelegt, um die faltenreduzierende Wirkung zu belegen, mit der sieFarfalla Age Miracle Straffende Regenerationscreme und Medicos Olivenöl & Granatapfel Straffende Tagespflege bewerben. Allerdings fehlt den beiden vierwöchigen, mit 20 Anwenderinnen durchgeführten Studien eines: eine entsprechende Kontrollgruppe, die über dieselbe Dauer ein Placebo angewendet hat. Somit beweisen auch diese beiden Hersteller nicht, ob ihre Antifaltencreme besser als eine herkömmliche Pflegecreme wirkt – und erhalten deshalb wie alle anderen Punktabzug.

Fettnäpfchen: Eine gute Creme versorgt die Haut mit Feuchtigkeit und pflegt sie so. Zaubern kann sie nicht.


Foto: misha-ru/Fotolia.com

•.Was gut riecht, kann der Haut Probleme bereiten: In den Produkten Lancaster Skin Therapy, L’Oréal Youth Code und Garnier Ultra Lift stecken polyzyklische Moschus-Verbindungen. Diese synthetischen Substanzen stehen im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken und können sich im Körper anreichern. Problematisch ist auch der Einsatz von Duftstoffen, die Allergien auslösen können. In den beiden Produkten von Lancaster und Lancôme ist Lyral enthalten.

▀ Einige Hersteller wie die Parfümeriemarke Lancôme setzen immer noch Formaldehyd/-abspalter als Konservierungsmittel in Kosmetika ein. Weil Formaldehyd unter Krebsverdacht steht und Allergien auslösen kann, werten wir um vier Noten ab. Punktabzug gibt’s auch für den Einsatz von Propylparaben, Butylund Iso-Butylparaben, die Kosmetika ebenfalls vor der Verkeimung schützen sollen. Sie stehen im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken, und waren im Tierversuch fortpflanzungsgefährdend.
▀ Viele Antifaltencremes enthalten Sonnenschutzmittel. Solange keine bedenklichen UV-Filter zum Einsatz kommen, ist das eine gute Idee, um vorzeitiger Hautalterung entgegenzuwirken. Die UV-Filter, die in den Produkten von Nivea, Eucerin und Lancôme enthalten sind, stehen jedoch im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken.

So reagierten die Hersteller

▀ Die meisten Kosmetikhersteller stellten ÖKO-TEST keine Studien zur Wirksamkeit ihrer Produkte zur Verfügung. Tief blicken lassen mitunter die Begründungen. So schrieb uns etwa der Kosmetikkonzern Coty, der die Marke Lancaster vertreibt: „Es handelt sich bei diesen Unterlagen um vertrauliche Firmendokumente, die wir den entsprechenden Kontrollbehörden auf Verlangen zur Einsicht vorlegen. Privaten Unternehmen mit kommerziellem Hintergrund dürfen wir diese aus wettbewerbsrechtlichen Gründen leider nicht zur Verfügung stellen.“
▀ Beiersdorf und Henkel lieferten ausführliche Methodenbeschreibungen, legten allerdings ihre Ergebnisse nicht offen.

ÖKO-TEST rät

■ Die Cremes von Farfalla und Dr. Theiss schneiden mit „gut“ ab. Das Preisgefälle ist allerdings erheblich: 50 ml der Farfalla-Öko-Creme kosten 66,50 Euro, das Produkt von Dr. Theiss 14,95 Euro.
■ Erwarten Sie nicht zu viel: Die Faltenreduzierung wird in Mikrometer (1 μm sind 0,001 mm) gemessen.
■ Eine herkömmliche Pflegecreme, möglichst in Naturkosmetikqualität, tut es auch – und schont den Geldbeutel.