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TEST Apfelessig: Sauer macht lustig


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 27.01.2022

RATGEBER

1 Erfreulich: Apfelessig ist ein natürliches Fermentationsprodukt, das ohne problematische Zusatzstoffe auskommt.

2 Der Essig kann sich jahrelang halten. Schlieren darin sind normal. Sie entstehen aus den guten Essigsäurebakterien.

3 Apfelessig gibt es vielerorts auch von kleineren regionalen Anbietern, teils aus Streuobstwiesenäpfeln.

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Er soll beim Abnehmen helfen, den Stoffwechsel ankurbeln, gut sein für Leber, Darm, Haut und Haar: Es gibt kaum ein anderes Lebensmittel, dem die Naturheilkunde so viele Wunderwirkungen zuspricht wie dem Apfelessig. Auch in der Küche ist er eine Art Alleskönner: Er schmeckt schön fruchtig, verfeinert Dressings und helle Soßen und eignet sich zum Marinieren von Fleisch, Fisch und Gemüse. Auch trinken kann man ihn. Und anders als Apfelschorle enthält das mit einem Löffel Apfelessig aufgepeppte Wasser nahezu keinen Zucker.

Aber alle gesundheitlichen Versprechen ...

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... helfen nichts, wenn im Apfelessig problematische Inhaltsstoffe stecken. Deshalb haben wir 20 Produkte in die Prüflabore geschickt, darunter zwölf naturtrübe und acht klare. Das überraschende Ergebnis: Wir können tatsächlich alle Essige mit dem Gesamturteil „sehr gut“ empfehlen. Nur zweimal gab es kleine Abstriche in der Sensorikprüfung; ein Produkt roch anders, das andere sah anders aus, als es die Experten erwartet hätten.

Inhaltsstoffe: Alles bestens

Apfelessig besteht aus Apfelwein, der mit zugesetzten Essigsäurebakterien fermentiert wird. Die Hersteller filtern die fertigen Essige dann entweder, bis sie klar sind, oder belassen sie naturtrüb.

Wichtig ist, dass die Gärungsprozesse richtig abgeschlossen sind, denn sonst können unerwünschte Stoffe im Essig auftreten wie Acetaldehyd oder größere Reste der Alkohole Methanol und Ethanol. Die Apfelessige im Test haben in dieser Hinsicht kein Problem: Wenn überhaupt, hat das von uns beauftragte Labor die Stoffe nur in sehr geringen Mengen gefunden. Und 0,5 Volumenprozent Restalkohol sind in Obstessig erlaubt.

Ein in einem Gärungsessig wie Apfelessig erwünschter Stoff und Hinweis auf hohe Qualität ist dagegen Glycerin. Alle Produkte weisen nach den Laborergebnissen gute Werte davon auf. Außerdem waren die enthaltenen organischen Säuren so verteilt, wie es in einem Apfelessig sein sollte. Das heißt: Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Hersteller andere säurehaltige Zutaten zugesetzt haben. Auch die Zuckeranalyse ergab, dass nach der Gärung nichts zugesetzt wurde, um etwa am Geschmack zu schrauben.

Naturtrübe schmecken gehaltvoller

Das Verhältnis von Apfelnoten zum essigsauren Geruch und Geschmack kann bei Apfelessig ganz unterschiedlich ausfallen. Da gibt es kein richtig oder falsch. Es ist Geschmackssache. Auf jeden Fall als angenehm einzustufen sind die besonders „gehaltvollen“, an reife Äpfel erinnernden Apfelnoten, die die Sensorikexperten in einigen naturtrüben und seltener in klaren Proben rochen und/oder schmeckten. Beim Schnuppern am puren Essig notierten sie bei einigen Proben noch weitere Noten wie „würzig“, „herb“, „Karamell“ und „Honig“. In der Geschmacksprüfung des mit Wasser verdünnten Essigs waren diese Ausprägungen aber nicht mehr wahrnehmbar.

Kleine Kritikpunkte hatten die Experten nur bei zwei Produkten: Der pure Rewe Bio Apfelessig naturtrüb wies als einziger einen herben und leichten Cidreeindruck im Geruch auf. Der Geschmack im fertig gemischten Getränk war aber dann immerhin einwandfrei. Und der Byodo Bio-Apfelessig klar, gefiltert wies eine leichte Trübung auf. Zwar steht hinten auf dem Etikett, dass Trübungen und Ablagerungen „auf die natürliche Herstellung des Produktes“ hinweisen würden. Aber viele Verbraucher dürften bei „klar“ und „gefiltert“ im Produktnamen doch eine andere Erwartung haben.

„Von wegen Vitamin-C-Lieferant: In den Essigen ist das Vitamin überhaupt nicht nachweisbar.“

Lisa-Marie Karl ÖKO-TEST-Redakteurin

Keine Vitamin-C-Quelle

Alle Apfelessige enthalten Kalium und Calcium, allerdings nicht so viel, dass es sich lohnen würde, den Essig beispielsweise als Veganer extra als Calciumquelle zu sich zu nehmen. Die Anteile der Mineralstoffe lagen im Bereich von frischen Äpfeln – wohlgemerkt im unverdünnten Essig. Im Glas Wasser mit zwei Löffelchen Essigzusatz werden sie verschwindend klein. Apfelessig wird manchmal als Vitamin-C-Lieferant angepriesen – zu Unrecht. In den Essigen im Test ist überhaupt kein Vitamin C nachweisbar. Hier bleibt der Essig erwartungsgemäß deutlich hinter Äpfeln oder Apfelsaft zurück.

Werbung mit Selbstverständlichkeiten

Wie immer haben wir uns auch die Auslobungen der Produkte genau angesehen. Zwei Bio-Anbieter machen aus unserer Sicht Werbung mit Selbstverständlichkeiten, weil sie etwa hervorheben, ohne Farbstoffe beziehungsweise ohne „unnötige Zusätze“ auszukommen, welche bei Bio-Apfelessig ohnehin nicht erlaubt sind. Dafür vergeben wir Punktabzug. Unzulässige gesundheitsbezogene Werbeaussagen finden sich auf keinem der Produkte.

Herkunft: europäisch

Deklariert war die Herkunft der Äpfel nur in vier Fällen. Wir haben bei den Herstellern nachgefragt. Demnach stammen die Äpfel von acht Produkten vollständig sowie von zweien teilweise aus Deutschland. Zwei Hersteller haben nicht geantwortet. Der Rest gab nur die grobe Herkunft „EU“ an oder konkrete EU-Mitgliedsländer wie Rumänien, Ungarn und Frankreich.

TIPPS

Einfach schlank trinken?

Verdünnt genießbar

Große Studien zur angeblichen Schlankmacherwirkung von Apfelessig gibt es nicht. Wunder sind nicht zu erwarten. Kleinere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Apfelessig Blutzuckerspitzen verhindern kann, was wiederum Heißhungerattacken vorbeugen könnte. Wer täglich einen Apfelessig-Drink nehmen möchte, gibt einfach zwei Teelöffel in ein 150-Milliliter-Glas Wasser.

Schlecht für den Zahnschmelz

Einige Tipps, die zum „Hausmittel“ Apfelessig kursieren, können sogar schädlich sein. Zum Beispiel der, unmittelbar vor dem Zähneputzen minutenlang mit purem Apfelessig zu gurgeln. Denn ja: Die Säure selbst hat eine antibakterielle und antivirale Wirkung.

Aber sie greift auch den Zahnschmelz an. Deshalb empfehlen Zahnärzte, schon nach dem Trinken einer im Vergleich deutlich weniger säurehaltigen Apfelschorle mit dem Zähneputzen mindestens eine halbe Stunde zu warten. Wer es bei beginnendem Halskratzen mit Gurgeln probieren möchte, nimmt also besser eine Lösung aus Apfelessig und Wasser zu gleichen Teilen und wartet danach mit dem Zähne putzen.

So haben wir getestet

Wir haben 20 Apfelessige testen lassen – zwölf davon sind als naturtrüb ausgelobt und acht als klar. Dem Angebot im Handel entsprechend haben wir hauptsächlich Bio-Produkte eingekauft. Die Preise liegen zwischen 0,74 Euro und 5,24 Euro pro 750 Milliliter.

In spezialisierten Laboren ließen wir die Produkte unter anderem auf die Mineralstoffe Calcium und Kalium und auf Vitamin C untersuchen. Um Mauscheleien durch zugesetzte Säuren auszuschließen, ließen wir die Säurezusammensetzung bestimmen.

Außerdem gehörten unerwünschte Stoffe wie die Alkohole Ethanol und Methanol, möglicherweise zugesetzte Fremdzucker oder nach Lösungsmittel riechende Gärungsbegleitstoffe wie Acetaldehyd zum Untersuchungsprogramm.

Zu guter Letzt haben Sensorik-Experten Aussehen und Geruch der Apfelessige beurteilt und sie mit Wasser verdünnt verkostet. Denn auf den meisten Produkten wird Apfelessig in Wasser ohne weitere Zutaten als Getränk empfohlen. Dann sollte der Geschmack auch stimmen und neben essigsauren Noten auch noch Apfelgeschmack wahrnehmbar sein.