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TEST Apfelmus


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ÖKO-TEST Jahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 13.10.2022
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Frischer Wind in den deutschen Vorgaben für Lebensmittel: Der von uns kritisierte „Zuckerzwang“ von stolzen 16,5 Prozent Mindestanteil in Apfelmus ist aufgehoben! Im aktuellen Test kommen zwar viele Produkte, die „Apfelmus“ heißen, immer noch mit einem unserer Ansicht nach unnötigem Zuckerzusatz daher, aber nicht mehr alle. Insgesamt können wir jetzt dreimal „Apfelmus“ und elfmal „Apfelmark“ mit „sehr gut“ empfehlen. Weniger erfreulich sind die festgestellten Gehalte an bedenklichen Pestiziden. Doch alles der Reihe nach.

Süß, süßer Leitsätze

Es war schon ein wahrer Schildbürgerstreich: Bisher musste ein Produkt mit Namen „Apfelmus“ gemäß der Leitsätze für Obsterzeugnisse mindestens 16,5 Prozent Zucker enthalten. Wer ein gesünderes Mus anbieten wollte, in dem die Süße nur aus dem deutlich niedrigeren natürlichem Zuckeranteil der Früchte stammt, wich notgedrungen auf den unbekannteren Namen ...

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... „Apfelmark“ aus. Mit der Neufassung der Leitsätze von Anfang April ist die altbackene Vorgabe zum ganz großen Muszuckern vom Tisch.

Etwas Schilda ist aber immer noch drin. So definieren die Leitsätze Apfelmus immer noch als „gesüßt“. Es gibt aber einen Umweg für Hersteller, die dennoch ein ungezuckertes Apfelmus anbieten wollen. Sie müssten die Abweichung von den Beschreibungen in den Leitsätzen „hinreichend und rechtskonform kenntlich machen“, erklärte uns eine Sprecherin des Ernährungsministeriums. Was genau „hinreichend und rechtskonform“ ist, kann auch das Ministerium noch nicht sagen. „Die Auslegung der Vorschriften obliegt letztlich den Gerichten.“

RATGEBER

► Apfelmus ist noch häufig gesüßt. Wenn Hersteller es ohne Zuckerzusatz anbieten, schreiben sie das in der Regel gut sichtbar vorne aufs Etikett.

► Produkte, die Apfelmark heißen, enthalten nur den natürlichen Zucker aus den Äpfeln, im Schnitt knapp elf Prozent.

► Ausprobieren: Mit vier Esslöffeln Apfelmus kann man in Rezepten für Rührkuchen oder Muffins jeweils ein Hühnerei ersetzen.

Zuckerfreies Apfelmus vor Gericht? Wir hoffen, dass es nie dazu kommen wird, und stellen uns schon einmal vorsorglich auf die Seite derer, die Apfelmus ohne Zuckerzusatz anbieten. Wir finden es gut, dass in diesem Test bereits fünf von 15 Produkten mit Namen „Apfelmus“ ohne Zuckerzusatz dabei sind. Sie machen das – aus unserer Sicht – auf den ersten Blick deutlich kenntlich, etwa durch „0 % Zuckerzusatz“ im Produktnamen.

Zehn Hersteller setzen dem Apfelmus noch Zucker zu. In den Nährwerttabellen auf den Verpackungen finden sich zwar mittlerweile auch Zuckerwerte unter der abgeschafften Marke aus den alten Leitsätzen von 16,5 Prozent. Es tauchen aber immer noch hohe Werte von 16 bis 18 Gramm Zucker pro 100 Gramm Apfelmus auf. Wir ziehen für alle Zuckerzusätze eine Note ab. Ein Apfelbrei ist ohne Zucker schon süß, weniger Zucker ist gesünder. Mepiquat und andere Spritzmittel Im Globus Golden Delicious Apfelmus und im Jeden Tag Apfelmus hat das beauftragte Labor den Wachstumsregulator Mepiquat nachgewiesen. Das Spritzgift ist im europäischen Obstbau verboten, tauchte allerdings auch in mehreren getesteten Apfelsäften auf (siehe Seite 8). Beide Muse fallen durch, denn sie überschreiten den in der EU geltenden Mepiquat-Grenzwert für Äpfel. Zudem enthalten sie Spuren des Insektizids Acetamiprid. Weil Acetamiprid Blüten bestäubenden Insekten schadet, hat Frankreich das Mittel bereits 2018 verboten.

Im Tegut Apfelmus fand das Labor Spuren des Pestizids Pirimicarb, das laut EU-Chemikalienrecht in Verdacht steht, Krebs zu erzeugen. Im Beste Ernte Apfelmus ist der Gehalt an Tebuconazol nach unserer Bewertung „erhöht“. Das Anti-Pilzmittel ist als vermutlich schädigend für das Kind im Mutterleib eingestuft. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind die Stoffe in der festgestellten Konzentration zwar nicht unmittelbar gesundheitsschädlich. Wir meinen aber: Je weniger problematische Pestizide in der Umwelt und im Körper, desto besser.

Substanz-Mix

Kritisch sehen wir auch einen Mix von mehreren Pestizidspuren – auch wenn die Gehalte gering sind und die Stoffe teilweise nicht als besonders bedenklich gelten. Im Hak Apfelmus 0 % Zuckerzusatz stecken insgesamt sechs, in einigen weiteren Apfelmusen jeweils vier unterschiedliche Einzelsubstanzen. Mögliche Wechselwirkungen von mehreren Stoffen im menschlichen Körper und der Umwelt sind noch nicht erforscht. Im Test enthielten alle konventionellen Produkte Pestizid-Rückstände.

In den Bio-Produkten hat das Labor keine Spritzgifte gefunden. Ähnliche Ergebnisse sehen wir auch häufig bei anderen Lebensmitteln, die wir untersuchen. Das zeigt: In Sachen synthetische Spritzgifte kann man sich in der Regel auf Bio verlassen.

Keine faulen Äpfel

Das Schimmelpilzgift Patulin war in keinem Produkt nachweisbar. Das spricht für viel Sorgfalt beim Aussortieren fauler Früchte vorm Verarbeiten. Vor wenigen Jahren musste noch Apfelsaft wegen hoher Gehalte aus dem Handel zurückgerufen werden.

Die Angaben zum Apfelgehalt und den Herkunftsländern der Äpfel beziehen sich jeweils auf die Deklaration der Produkte sowie zusätzliche Angaben der Anbieter und/oder Hersteller. Fett gedruckt sind Mängel. Abkürzungen: v. a. = vor allem; min. = mindestens. Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Laut Anbieter hat sich das Rücketikett bezüglich der Füllmengenangabe geringfügig geändert, die Rezeptur bleibe unverändert. 3) Laut Anbieter kommen die verwendeten Äpfel aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Deutschland, Polen, Spanien, Italien, Tschechien. Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: ein gemessener Gehalt an Mepiquat der den EU-Rückstandshöchstgehalt von 0,02 mg/kg für Mepiquat in Äpfeln überschreitet (ohne Berücksichtigung eines Verarbeitungsfaktors; laut BfR- oder EFSA-Liste nicht verfügbar). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein gemessener Pestizidgehalt, der unter Berücksichtigung eines Verarbeitungsfaktors (sofern laut BfR- oder EFSA-Liste verfügbar; hier: Tebuconazol: 0,45, Summe Captan: 0,61) mehr als 10 bis 50 Prozent der gesetzlichen Rückstandshöchstmenge (hier Tebuconazol, Summe Flonicamid sowie Summe Folpet : jeweils 0,3 mg/kg in Äpfeln; Summe Captan: 10 mg/kg in Äpfeln) ausschöpft (in Tabelle: Pestizid „erhöht“) ; b) ein als besonders bedenklich eingestuftes Pestizid in einem gemessenen Gehalt von mehr als 0,010 mg/kg (hier: Acetamiprid, Tebuconazol oder Pirimicarb). Als besonders bedenklich werden Pestizide eingestuft, wenn sie PAN-gelistet sind (in Gruppe 2 oder als bienentoxisch), nach EU-Datenbank oder ECHA kanzerogen oder reproduktionstoxisch sind oder aus Gründen der Toxizität in der EU nicht mehr zugelassen sind; c) ein Mehrfachrückstand von drei bis sechs Pestiziden in gemessenen Gehalten über der Bestimmungsgrenze; d) der Zusatz von Zucker (laut Deklaration). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Steht bei konkret benannten Analysenergebnissen „nein“, bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze oder Nachweisgrenze der jeweiligen Testmethode. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Testmethoden, Glossar und Anbieterverzeichnis finden Sie unter . Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 9/2022. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat. Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.