Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

TEST: APFELMUS UND APFELMARK: Von Natur aus süß


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 30.07.2020

Ohne Zuckerzusatz, ohne Pestizide - so sieht ein „sehr gutes“ Apfelmark aus. Sieben Produkte erreichen die Bestnote.


Artikelbild für den Artikel "TEST: APFELMUS UND APFELMARK: Von Natur aus süß" aus der Ausgabe 8/2020 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 8/2020

RATGEBER

1

Apfel pur? Dann besser Apfelmark. Keinem Mark im Test ist Zucker zugesetzt, die Süße stammt aus den Früchten. In allen Apfelmusen finden sich Zucker- und Säurezusätze.

2

Bio ist besser: Apfelmus und Apfelmark aus Bio-Anbau ist in unserem Test frei von synthetischen Pestiziden.

3

Wenn Sie das Globus Apfelmus 100 % Golden Delicious mit dem MHD 30. 10. 2022 gekauft haben, können Sie es zurück ins Geschäft bringen und sich den Einkaufspreis erstatten lassen.

Äpfel sind von Natur aus ...

Weiterlesen
Artikel 2,50€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2020 von ÖKO-TEST: GUT DURCH DEN ALLTAG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÖKO-TEST: GUT DURCH DEN ALLTAG
Titelbild der Ausgabe 8/2020 von ÖKO-TEST WIRKT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÖKO-TEST WIRKT
Titelbild der Ausgabe 8/2020 von GEMEINSAM BESSER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GEMEINSAM BESSER
Titelbild der Ausgabe 8/2020 von Waldreport: Blätter, die die Welt bedeuten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Waldreport: Blätter, die die Welt bedeuten
Titelbild der Ausgabe 8/2020 von TEST: TOILETTENPAPIER: Rollentausch. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST: TOILETTENPAPIER: Rollentausch
Titelbild der Ausgabe 8/2020 von Holz und Papier nachhaltig nutzen: Altpapier rettet Bäume. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Holz und Papier nachhaltig nutzen: Altpapier rettet Bäume
Vorheriger Artikel
TEST: TOMATENSAFT: Da fehlt was
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Apfelmus selbst kochen: Aus Apfel mach Mus
aus dieser Ausgabe

... wunderbar süß - sie enthalten um die elf Prozent Zucker. Mehr müsste es eigentlich auch in einem Apfelmus nicht sein. Doch die offiziellen Vorgaben in den Leitsätzen für Obsterzeugnisse schreiben etwas anderes vor. Die Zuckerkonzentration in „Apfelmus“ muss danach mindestens stolze 16,5 Prozent betragen. „Zu viel“ - sagt ÖKO-TEST.

Dabei können Hersteller diese ungesunde veraltete Vorschrift leicht umgehen, indem sie ihre Produkte einfach Apfelmark nennen. Für Apfelmark gibt es keinen Mindestzuckergehalt. Im Geschäft stehen Apfelmus und Apfelmark ohnehin nebeneinander und sehen - abgesehen von der Bezeichnung - völlig gleich aus. Und nicht nur das: Sie schmecken auch ähnlich gut - dank der natürlichen Süße der Äpfel.

Egal ob Mark oder Mus: Apfelbrei kann viel. Kartoffelpuffer und Pfannkuchen zu einem kompletten Gericht abrunden, Joghurts und Müslis aufpeppen, kräftigen Apfelgeschmack in Kuchen und Desserts bringen. Allergiker, die keine frischen Äpfel vertragen, können den pasteurisierten Brei meist problemlos genießen. Beim veganen Backen kann er sogar als feuchtigkeitsspendender Ei-Ersatz funktionieren. Wir wollten wissen, welche Apfelbreie frei von Schadstoffen wie Pestiziden sind und gleichzeitig gut schmecken. Dafür haben wir zwölfmal Apfelmus und achtmal Apfelmark in die Labore geschickt.

Große Auswahl

Das Ergebnis ist überwiegend erfreulich. Beim Apfelmark vergeben wir in sieben von acht Fällen ein „sehr gut“. In allen Apfelmusen kritisieren wir den Zuckerzusatz. Insgesamt fünf konventionelle Produkte bekommen Punktabzug für Pestizidbelastungen. Und in einem Apfelmus ist zudem der gesetzliche Rückstandsgrenzwert für einen sogenannten Wachstumsregulator überschritten.

Apfelernte im Harz 2019. Als Apfelmus kann das heimische Obst über die Saison hinweg konserviert werden.

Gesetzlicher Grenzwert überschritten

Im getesteten Globus Apfelmus 100 % Golden Delicious ist der EU-Rückstandshöchstgehalt für den synthetischen Wachstumsregulator Mepiquat überschritten. Das Mus enthält außerdem noch Spuren des aus unserer Sicht bedenklichen, da bienengiftigen Pestizids Acetamiprid. Der Stoff steckt auch im Tegut Apfelmus aus Golden Delicious und im Eden Apfelmark. Im zweitschlechtesten Produkt im Test, dem Odenwald Apfelmus, fand das Labor Spuren des Antipilzmittels Carbendazim, das im Verdacht steht, die Fortpflanzung zu schädigen und krebserregend zu sein. Außerdem ist in dem Mus der Gehalt des Insektizids Flonicamid erhöht. Während das Labor in allen konventionellen Produkten jeweils Spuren von mindestens einem Pestizid gefunden hat, waren alle Bio-Produkte im Test frei von Pestiziden.

Unnötiger Zuckerzusatz

Obwohl Äpfel schon von Natur aus schön süß sind, enthalten alle Apfelmuse zusätzlich zugesetzten Zucker - der skurrilen Leitsatz-Vorgabe sei dank (siehe Kommentar). Im Schnitt liegt der deklarierte Gesamtzuckergehalt beim Apfelmark im Test bei 10,8 Prozent. Das entspricht dem natürlichen Zuckergehalt vieler Äpfel. Im Apfelmus liegt der Zuckeranteil im Durchschnitt bei den für die Produktbezeichnung vorgegebenen 16,5 Prozent. Angesichts der gesundheitlichen Nachteile von hohem Zuckerkonsum halten wir Apfelbreie ohne Zuckerzusatz für die bessere Variante.

Von süß bis leicht bitter

In der Sensorikprüfung schnitten alle Apfelmuse und fast alle Apfelmarke tadellos ab. Das heißt, Aussehen und Konsistenz und Geruch waren in Ordnung. Die Breie schmeckten nach Apfel, süß und säuerlich. Ob man leicht oder deutlich süß beziehungsweise säuerlich bevorzugt, ist Geschmackssache. Nur im Dennree Apfelmark pur und dem Rewe Bio Apfelmark kritisierten die Experten eine leicht bittere Geschmacksnote.

Kritik an Deckeldichtungen

In acht der Schraubdeckel bemängeln wir PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen, die bei der Herstellung und Entsorgung die Umwelt belasten. Die anderen kommen ohne aus. Beim Odenwald Apfelmus verschlechtert sich das Testergebnis Weitere Mängel noch weiter, weil es auf der Verpackung mit „Laut Gesetz ohne Konservierungsstoffe“ wirbt. Das ist aber eine Selbstverständlichkeit bei Apfelmus und Apfelmark.

So reagierten die Hersteller

Die Firma Globus teilte uns mit: „Der ermittelte Gehalt an Mepiquat stellt für uns eine sehr unerfreuliche Überraschung dar, da hier der Höchstwert deutlich überschritten wurde. Aus diesem Grund haben wir selbstverständlich das von Ihnen untersuchte Mindesthaltbarkeitsdatum vollständig aus dem Verkauf genommen und führen weitere Untersuchungen von eventuell im Markt befindlichen Chargen durch.“ Die Firma prüfe derzeit mit dem Lieferanten, wie es zu diesem Befund kommen konnte. Kunden erhalten den Einkaufspreis zurück.

Wir haben getestet

KOMMENTAR: WEG MIT DEM ZUCKERZWANG

Meike Rix, Redakteurin ÖKO-TEST


Dass muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Ein Apfelmus darf nur Apfelmus heißen, wenn der Hersteller genug Zucker ins Glas packt. Das ist ungesund und muss sich dringend ändern. Und das Apfelmus ist nicht allein: Laut Gesetz beziehungsweise Leitsätzen muss Konfitüre zu mindestens 60 Prozent aus Zucker bestehen, Limonade soll mindestens sieben Prozent enthalten. Und ausgerechnet Brei aus Äpfeln, die zu den süßesten Obstsorten zählen, darf eben nur „Apfelmus“ heißen, wenn der Zuckeranteil mindestens stolze 16,5 Prozent erreicht! Und so hat man schwupps sein Zuckerpensum erreicht: Nach zweimal Konfitüre auf dem Brötchen, nach einem Glas Limonade oder einem Schälchen Apfelmus kann die Maximalempfehlung der Weltgesundheitsorganisation schon erreicht sein. Am Ende sind es nur Worte. Und schon jetzt umgehen Hersteller die veralteten Regeln und setzen ihren Produkten keinen oder weniger Zucker zu. Apfelmark statt Apfelmus, Fruchtaufstrich statt Konfitüre steht dann auf dem Glas. Dennoch: Die Leitsätze müssen dem aktuellen Kenntnisstand angepasst werden. Sie sollten für hochwertige und gesunde Lebensmittel sorgen und nicht ungesunde Rezepturen künstlich erhalten.

So haben wir getestet

Im ÖKO-TEST-Einkaufskorb landeten zwölfmal Apfelmus, davon dreimal bio, und achtmal Apfelmark, darunter sieben Bio-Produkte. Die Preisspanne reicht von 0,58 Euro bis hin zu 4,63 Euro pro 700 g. Die Leitsätze für Obsterzeugnisse schreiben für Apfelmus einen Mindestzuckergehalt vor. Die Fruchtsaft- und Erfrischungetränkeverordnung beschreibt Fruchtmark als das durch physikalische Verfahren aus der Frucht gewonnene Erzeugnis.

Um festzustellen, ob bereits verdorbene Äpfel verarbeitet wurden, haben wir alle Produkte auf den Stoff Ergosterol untersuchen lassen, der in Schimmelpilzen vorkommt. Die Prüfer begutachteten zudem, ob sich Flüssigkeit absetzt, was ebenfalls auf Verderbnis hinweisen würde. Außerdem ließen wir die Breie auf Pestizide sowie die Wachstumsregulatoren Chlormequat und Mepiquat untersuchen. Geschulte Sensorik-Prüfer bewerteten Farbe, Konsistenz, Geruch und Geschmack.

Duftende Vielfalt: Angesichts des Klimawandels ist es besonders wichtig, auch die weniger gewinnträchtigen Apfelsorten zu erhalten. Von der wunderbaren Geschmacksvielfalt einmal abgesehen.


Woher kommen die Äpfel?

Woher die Äpfel im fertigen Apfelmus und Apfelmark stammen, steht nur selten auf dem Etikett. Wir haben deshalb von allen Herstellern die Herkunft der Äpfel und die verarbeiteten Sorten erfragt. In vier Produkten waren demnach nur Äpfel aus Deutschland enthalten. In fünf weiteren stecken Äpfel aus Deutschland plus mindestens einem weiteren Mitgliedstaat der Europäischen Union. Auch die anderen Hersteller, die uns geantwortet haben, gaben EU-Länder als Herkunft an.

Bei der Wahl der Sorten setzen die Hersteller mit Blick auf die typische Apfelmusfarbe auf nur wenig rote Äpfel. Einige konventionelle Marken bewerben die gelb-grüne Sorte Golden Delicious. Auch das GutBio Apfelmus von Aldi Nord besteht nur aus dieser einen Sorte, das Bio Apfelmus von Aldi Süd komplett aus Gala-Äpfeln. Die meisten Bio-Hersteller im Test verwenden jedoch jeweils mehrere verschiedene Sorten, darunter auch alte heimische Sorten mit so schönen Namen wie Seestermüher Zitronenapfel (Ener Bio, Basic), Finkenwerder Herbstprinz und Horneburger Pfannkuchen (beide Basic).


Foto: imago images / Westend61 Illustration: EngravingFactory/Shutterstock

Fotos: imago images/Steffen Schellhorn; Anja Wägele Illustration: EngravingFactory/Shutterstock

Fotos: imago/Ralph Peters Illustration: EngravingFactory/Shutterstock