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TEST Apfelsaft: Nicht weit vom Stamm


ÖKO-TEST Jahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 11/2010 vom 08.10.2010

Die Deutschen trinken gerne Apfelsaft. So kann es bleiben, denn die meisten der 25 Produkte im Test heimsten „sehr gute“ und „gute“ Noten ein. Besonders zu empfehlen ist naturtrüber Apfelsaft aus Streuobst- und Bio-Anbau.


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Foto: Birgit Reitz-Hofmann/Fotolia.com

Regionalität boomt. Auch Fruchtsäfte schmücken sich immer öfter mit dem Heimvorteil der verwendeten Früchte. Gerade Apfelsäfte aus kleinen Keltereien beweisen, dass es bei Säften sehr regional zugehen kann, besonders wenn sie aus Streuobst hergestellt sind.

Denn der Begriff Streuobst hat sich mittlerweile zu einem Qualitätsmerkmal gemausert. Dieses ...

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... steht nicht nur für Regionalität, sondern auch für Naturschutz, kurze Transportwege und Förderung der heimischen Infrastruktur. Wir haben 25 regional und überregional gehandelte, naturtrübe Apfeldirektsäfte einge kauft und auf Pestizide, Aluminium und das Schimmelpilzgift Patulin überprüfen lassen. Zusätzlich interessierte uns der Geschmack der Säfte. Ob Streuobst in entsprechend ausgelobten Säften tatsächlich enthalten ist, hätten wir gern überprüft, eine geeignete Methode existiert jedoch nicht.

Das Testergebnis

■ Insgesamt haben wir siebenmal ein „sehr gut“, dreizehnmal ein „gut“ und fünfmal ein „befriedigend“ vergeben.
■ Schadstoffe waren in den untersuchten Apfelsäften so gut wie kein Thema. Lediglich in demGrünspecht Apfelsaft wies das Labor einen leicht erhöhten Gehalt an Aluminium nach, der durch eine Lagerung im Aluminiumtank entstanden sein könnte. Mit 2,2 Milligramm (mg) Aluminium pro Kilogramm (kg) ist der Saft für Erwachsene zwar unproblematisch – selbst wenn sie sehr große Mengen konsumieren. Das gilt aber nicht für Kinder, die viel Saft trinken. Für diese Zielgruppe empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), ausgehend von einem Apfelsaftverzehr von 864 Gramm (g) pro Tag, einen Höchstgehalt von 2 mg Aluminium pro Liter Saft. Der zugrunde gelegte Verzehr ist zwar extrem hoch, laut einer Studie zur Kinder- und Jugendgesundheit von 2007 aber nicht ausgeschlossen. Aluminium ist akut wenig giftig, kann dauerhaft aufgenommen, aber zu Störungen der Fortpflanzung und des sich entwickelnden Nervensystems führen.

■ ImPerger Apfel-Saft, Streuobst fanden die beauftragten Labore einen Patulingehalt von 20 Mikrogramm (μg) pro Kilogramm (kg). Das Schimmelpilzgift, das in der Regel nur in Apfelprodukten vorkommt, kann Leber und Nieren schädigen und gilt als erbgutverändernd und möglicherweise krebserregend. Der Saft von Perger hält den Grenzwert von 50 μg/kg zwar ein. Kinder können mit einem 250-ml-Glas jedoch schon mehr als die Hälfte der vorläufigen, maximal tolerierbaren Tagesmenge aufnehmen, wie sie von der WHO vorgeschlagen wird. Patulin im Saft lässt sich nur durch ein sorgfältiges Aussortieren braunstelliger Äpfel vermeiden.
■ In vier konventionellen Apfelsäften wurden geringe Spuren eines im Obstanbau erlaubten Insektenvernichtungsmittels gefunden. Da der Anbieter des Schneewittchen Apfelsaftes aber auf der Flasche ausdrücklich betont, nur „rückstandsfreie“ Äpfel zu verarbeiten, ziehen wir für diese allzu vollmundige Aussage unter den Weiteren Mängeln einen Punkt ab. Auf den übrigen Flaschen gibt es diese Hinweise nicht.

■ Neun Produkte sind mit Ascorbinsäure bzw. Vitamin C versetzt. Dies soll den Saft stabilisieren und die Farbe aufhellen. Dabei ist die gelbbraune Färbung naturtrüber Apfeldirektsäfte normal und keinesfalls ein Hinweis auf Verderb oder Überlagerung. Hinzu kommt, dass die zugesetzten Mengen zum Teil ähnlich hoch sind wie in Multivitaminsäften. Mehrere Hersteller werben denn auch mit dem Vitamin-C-Zusatz, der das Produkt noch hochwertiger machen soll. Wir meinen, naturtrüber Apfelsaft sollte möglichst naturbelassen bleiben.

■ DerSchneewittchen Apfelsaft enthält vergleichsweise hohe Werte der Verderbnisparameter Ethanol, flüchtige Säure und Milchsäure und bekommt dafür einen Punkt Abzug.
■ Bei der Verkostung zeigte sich, dass mehrere Säfte einen Fehlgeschmack aufwiesen, während sich andere sehr sauer präsentierten. Wieder andere erfüllten zwar die grundlegenden Kriterien, waren aber auch nicht so überragend, dass sie die Höchstpunktzahl von 20 verdient hätten. Die besten Säfte im Test – derAlbi Direktsaft Apfel Naturtrüb und derNaturtrübe Apfelsaft von Streuobstwiesen der Obstkelterei van Nahmen – glänzten mit immerhin 17 Punkten und erhielten dafür in der Sensorik ein „sehr gut“.
■ Schließlich interessierte uns der Aspekt der Regionalität. Hier fällt auf, dass die meisten Säfte im Test relativ regional produziert und vertrieben werden. Marken wieFalter Bio FÖG Apfel, Bioland Apfelsaft, Naturtrüb (Kelterei Dölp), Schneewittchen Apfelsaft undGrünspecht Apfelsaft beschränken sich sogar auf sehr kleine Einzugs- und Vertriebsgebiete. Deutlich länger unterwegs sind hingegen die überregionalen Säfte von Pfanner, Albi und Amecke, aber auch Bio-Marken wie Voelkel, Dennree und Beutelsbacher. Immerhin achten Voelkel, Beutelsbacher, Pfanner und Albi zumindest auf kurze Wege der Äpfel zur Kelterei. Bei Dennree kann es vorkommen, dass in einem Saft Äpfel aus Baden-Württemberg, Bayern und dem Alten Land gemischt sind.

Anmerkungen: 1) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung (Deckeldichtung). 2) Laut Anbieter bezieht sich der Standort der Kelterei auf das Produkt im Test bzw. Chargen mit dem Buchstaben R. 3) Vitamin-C-Zusatz. 4) Aluminiumgehalt von 2,2 mg/kg. 5) Das Produkt wird in einer Glas-Einweg-Flasche angeboten. 6) Werbung mit „rückstandsfreier“ Ware, obwohl ein Pestizidrückstand enthalten ist. 7) Laut Anbieter hat sich das Verpackungsdesign geändert. 8) Laut Anbietergutachten erzielte das chargengleiche Rückstellmuster eine Sensorik-Gesamtpunktzahl von 16 und war ohne Fremdgeschmack. 9) Laut Anbietergutachten war in dem chargengleichen Rückstellmuster im Geschmack kein Fehler erkennbar. 10) Laut Anbietergutachten wies das chargengleiche Rückstellmuster kein Patulin auf. 11) Laut Anbietergutachten erzielte das chargengleiche Rückstellmuster eine Sensorik-Gesamtpunktzahl von 14 und war frei von fremdartigem Geruch und Geschmack. 12) Bei der Flasche handelt es sich um eine PET-Mehrweg-Flasche. 13) Patulingehalt von 20 μg/kg. 14) geringer Hinweis auf mikrobiellen Verderb. 15) 15 bzw. 16 Punkte in der Sensorikbewertung. 16) 13 bzw. 14 Punkte in der Sensorikbewertung. 17) 11 bzw. 12 Punkte in der Sensorikbewertung.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein Patulingehalt von 20 μg/kg, wobei sich die Bewertung auf ein 6-jähriges Kind von 23 kg Körpergewicht und einen Verzehr von 250 ml Saft pro Tag bezieht. Zugrunde gelegt wurde die vorläufige, maximal tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von 0,4 μg/kg Körpergewicht, veröffentlicht unterhttp://europa.eu/legislation_summaries. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Aluminiumgehalt von 2,2 mg/kg, wobei sich die Bewertung bezieht auf ein 6-jähriges Kind von 23 kg Körpergewicht und einen (Hoch-)Verzehr von 864 g Apfelsaft pro Tag (Quelle: BfR-Stellungnahme: Aluminium in Apfelsaft vom 18. Juni 2008). Zugrunde gelegt wurde die gesundheitlich unbedenkliche wöchentliche Aufnahme (TWI) von 1 mg pro kg Körpergewicht sowie die Maßgabe, diese nicht zu mehr als 50 Prozent auszuschöpfen; b) geringer Hinweis auf mikrobiellen Verderb; c) Zusatz von Vitamin C bzw. Ascorbinsäure. Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um drei Noten: 11 und 12 Punkte nach IFU. Zur Abwertung um zwei Noten führt: 13 und 14 Punkte nach IFU. Zur Abwertung um eine Note führt: 15 und 16 Punkte nach IFU. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe; b) Werbung mit „rückstandsfreier“ Ware, obwohl ein Pestizidrückstand enthalten ist; c) Glas-Einweg-Flasche. In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 60 Prozent und das Testergebnis Sensorik zu 40 Prozent ein. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden: Pestizide: GC-MS-Screening: ASU L 00.00-34, LC-MS/MS-Screening: ASU L00.00-113. Aluminium: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Elementbestimmung mittels ICP-MS. Patulin: LCMS/ MS (in Anl. an DIN EN 14177). Ethanol: Headspace-GC/FID. Flüchtige Säure, berechnet als Essigsäure: Wasserdampfdestillation und Titration. L-Milchsäure: enzymatisch. Sensorische Untersuchung: Verdeckte Sensorik durch Testpanel mit fünf Prüfern entsprechend IFU 25 B2, Beschreibung der übereinstimmend festgestellten Merkmale; Punktevergabe: maximale Punktzahl von 20. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 7/2010. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Unsere Empfehlungen

■ Besonders sinnvoll sind Streuobstapfelsäfte, vor allem wenn sie aus der Region und/oder Bio-Anbau stammen. Sie sind – wie unser Test zeigt – meist auch von „sehr guter“ und „guter“ Qualität und manchmal sogar deutlich günstiger als mancher Bio-Marken-Apfelsaft.
■ Regionale Säfte werden zuweilen auch auf Wochenmärkten angeboten. Sollten sie frisch gepresst sein, sind sie für den direkten Verzehr bestimmt. Angebrochene Flaschen gehören grundsätzlich in den Kühlschrank und sollten innerhalb weniger Tage verbraucht werden.
■ Trüber Apfelsaft schmeckt pur getrunken besonders lecker und gehaltvoll. Wer es nicht so intensiv mag, verdünnt ihn mit Wasser. Das löscht den Durst auch besser.