Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

TEST Ausbildungsversicherungen: Teuer oder sehr teuer


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2010 vom 01.02.2010

Mit Ausbildungsversicherungen sollen Enkel und Kinder frühzeitig für die ersten Schritte ins eigene Leben abgesichert werden. ÖKO-TEST hat den Kidsschutz unter die Lupe genommen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Ausbildungsversicherungen: Teuer oder sehr teuer" aus der Ausgabe 2/2010 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: ccvision.de

Die Wünsche Ihrer Kinder und Enkel kennen wir nicht, wir können aber wesentlich zu ihrer Erfüllung beitragen“, wirbt die Stuttgarter VPV Versicherung. Die Allianz Versicherung rechnet vor, wie wichtig ein Ausbildungsschutz ist. Für ein Informatikstudium reichen 25.000 Euro, bei Medizin sind es rund 50.0000 Euro. Da sei es nur sinnvoll und weitsichtig, wenn Eltern frühzeitig Vorsorge treffen – durch eine ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 2/2010 von Leserbriefe: Schreiben Sie uns. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe: Schreiben Sie uns
Titelbild der Ausgabe 2/2010 von Neue Produkte: im Test: Tops und Flops. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Produkte: im Test: Tops und Flops
Titelbild der Ausgabe 2/2010 von TEST Fertiggerichte vom Discounter: Ich habe fertig. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Fertiggerichte vom Discounter: Ich habe fertig
Titelbild der Ausgabe 2/2010 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Titelbild der Ausgabe 2/2010 von BioFach/Vivaness 2010: „Die Branche ordnet sich neu“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BioFach/Vivaness 2010: „Die Branche ordnet sich neu“
Titelbild der Ausgabe 2/2010 von TEST Make-up: In Deckung!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Make-up: In Deckung!
Vorheriger Artikel
TEST Spielzeug: Mensch ärger dich!
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Kinderzeitschriften: Buntes Blätterrauschen
aus dieser Ausgabe

Die Wünsche Ihrer Kinder und Enkel kennen wir nicht, wir können aber wesentlich zu ihrer Erfüllung beitragen“, wirbt die Stuttgarter VPV Versicherung. Die Allianz Versicherung rechnet vor, wie wichtig ein Ausbildungsschutz ist. Für ein Informatikstudium reichen 25.000 Euro, bei Medizin sind es rund 50.0000 Euro. Da sei es nur sinnvoll und weitsichtig, wenn Eltern frühzeitig Vorsorge treffen – durch eine Ausbildungsversicherung.

Sie ist eine besondere Form der Lebensversicherung, erläutert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf seine Homepage. Die vereinbarte Versicherungssumme wird zu einem festgelegten Zeitpunkt gezahlt. Versichert ist das Leben des Beitragszahlers, meist ein Eltern- oder Großelternteil des Kindes. Stirbt diese Person, übernimmt das Ver sicherungsunternehmen alle weiteren Beitragszahlungen. Regelrecht überschwänglich ist die Gothaer Versicherung aus Köln: „Die StartkapitalVersicherung ist genau die richtige Lösung für die Zukunft Ihrer Kinder, Enkelkinder, Nichten und Neffen.“

Die Wahrheit sieht anders aus. Wenn die Großeltern als Versicherungsnehmer eingesetzt werden, ist die Versicherung sehr teuer. Denn ältere Menschen haben ein deutlich höheres Risiko, vor dem Ablauf zu sterben. Mittlerweile sind viele Versicherer daher vorsichtiger geworden. Sie empfehlen nur noch die Eltern, Onkel oder Paten als Versicherungsnehmer. Die Kölner DEVK warnte uns sogar:

„Wir möchten jedoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass die gewählten Beispiele eigentlich nicht der Realität entsprechen. Denn in der Praxis werden unsere Vertriebspartner eine andere Lösung vorschlagen, wenn der Opa für seine Enkel vorsorgen will: Versichert wird das Leben des Versorgers, also in der Regel von Mama oder Papa - und Opa ist lediglich der Beitragszahler.“

Damit wird aber nicht das Problem gelöst, wenn der Opa oder die Oma plötzlich sterben. „Eigentlich lässt sich dieses Risiko nicht sinnvoll absichern“, so Versicherungsberater Andre Salau aus Hamburg. Allein wenn die Großeltern extrem auf Nummer sicher gehen wollten, sei die Ausbildungsversicherung überlegenswert. Was sie bringt, zeigt unser Test.

Dafür haben wir sechs verschiedene Modellfälle durchgespielt. Dreimal ist der Opa Versicherungsnehmer, dreimal die Mutter. Insgesamt werden für unterschiedliche Laufzeiten 7.200, 10.800 und 27.000 Euro in die Ausbildungspolicen eingezahlt. Da vom bezahlten Versicherungsbeitrag die Vertreterprovisionen, Verwaltungskosten und Risikoanteile abgezogen werden, fließt nicht der gesamte Beitrag in die Kapitalanlage. Für den Verbraucher entscheidend ist daher die Beitragsrendite, die wir mit Unterstützung durch die Frankfurter FMH-Finanzberatung für die sechs Musterfälle ermittelten. Insgesamt wurden so 103 Tarife von 16 Versicherern untersucht.

Das Testergebnis

■ An diesem Test wollten viel mehr Assekuranzen als üblich nicht teilnehmen. Kunden sollten dies beachten. Die meisten nannten dafür keine Gründe, wir vermuten, dass sie schlechte Ergebnisse befürchteten. Die Allianz teilte mit, dass sie nur an Tests teilnehme, wenn sie die Testmethodik kenne. Für uns heißt das, wenn sie sich ausrechnen kann, dass sie gut abschneidet. Die Basler drohte gar, bei Veröffentlichung der Daten mit „weiteren Schritten“.
■ Testsieger sind Debeka, HUK-Coburg, PB Leben, Provinzial Nord-West und die WGV. Diese Anbieter schaffen jeweils in zwei Fällen gute garantierte Beitragsrenditen. Einen ersten Rang haben wir für die garantierten Renditen nicht vergeben. Denn selbst gute Tarife auf dem zweiten Rang erreichen gerade einmal 0,58 Prozent (Provinzial Nordwest) bis 1,14 Prozent (Debeka). Schon hier zeigt sich, dass die besten Ergebnisse nur dann erzielbar sind, wenn die Mutter abgesichert wird.
■ 35 Tarife erreichen den sogenannten Beitragserhalt, garantieren also den Kunden, dass sie zumindest ihre eingezahlten Beträge wieder zurückerhalten. Darunter ist in sechs Fällen die Zurich, die eine Fondspolice als Ausbildungsversicherung anbietet, bei der der Anleger das Börsenrisiko trägt.
■ Viel zu teuer ist die Absicherung durch den Großvater. In keinem Fall kann ein Versicherer garantieren, dass die eingezahlten Beiträge erhalten bleiben. Daher konnten diese Tarife nur mit den Rängen 5 und 6 bewertet werden. 27 Tarife erreichen noch Rang 5; 26 Tarife nur noch Rang 6. Manche Versicherer, wie die Zurich, bieten eine Absicherung durch ältere Menschen schon gar nicht mehr an.
■ Wie teuer die Absicherung der Beitragsbefreiung im Todesfall für den Großvater ist, zeigt ein Blick auf die negativen Renditen. Die Spanne reicht von sage und schreibe minus 4,63 Prozent jedes Jahr (Modellfall 1) bei der LV1871 bis minus 0,73 Prozent bei der Debeka (Modellfall 5). Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Versicherer sehr unterschiedliche Kosten in die Tarife einkalkulieren. Besonders schlecht schneidet übrigens der Seniorenspezialist Ideal ab. Er kann jedoch nur schwer mit den anderen Anbietern verglichen werden, da die Beitragsbefreiung nicht nur bei Tod, sondern auch bei Schwerstpflegebedürftigkeit (Pflegestufe III) gilt.
■ Skandalös ist, dass einige Versicherer es nicht einmal für die Mutter-Policen schaffen, eine garantierte Beitragsrendite zu erwirtschaften, obwohl alle Versicherer ja garantieren, dass der Sparanteil mit 2,25 Prozent verzinst wird. Besonders schlecht schneiden hier beispielsweise die LV1817 (-1,53 Prozent), die zu Ergo gehörenden Versicherer Hamburg-Mannheimer und Victoria (-1,03 bzw. -0,9 Prozent) oder die Württembergische (-0,76 Prozent) ab (alle Modellfall 4).
■ Wer nur auf die Versprechungen der Versicherer schaut, der kann zumindest, wenn die Mutter Träger der Ausbildungsversicherung ist, ganz gute Ergebnisse erzielen. Die prognostizierte Rendite erreicht in 26 Fällen Rang 1 und reicht bei den klassischen Produkten von 4,44 (Debeka) bis 3,36 Prozent (Süddeutsche). Die Fondspolice der Zurich erreicht sogar eine Beitragsrendite von 4,55 Prozent. Dafür müsste der Fonds jedoch Jahr für Jahr sechs Prozent Rendite abwerfen – was wir für unwahrscheinlich halten.
■ Wer viel Vertrauen in die Assekuranzen hat und hofft, dass sie ihre freiwil- ligen Überschüsse in den nächsten Jahren einigermaßen aufrechterhalten können, der könnte sogar als älterer Mensch eine Ausbildungspolice für die Enkel abschließen. Für die Absicherung durch den Großvater verspricht beispielsweise die WGV bei einer Einzahlung von 10.800 eine Auszahlung von 12.863 Euro (Rendite 1,9 Prozent), die Debeka bei 7.200 ein Ergebnis von 8.282 Euro (2,29 Prozent), und die PB Leben für 27.000 Euro an Beiträgen 32.822 Euro (2,54 Prozent). Doch das Vertrauen steht auf wackligen Füßen. Angesichts des Zinstiefs hat gerade Marktführer Allianz Leben seine Überschussverzinsung um 0,2 Prozentpunkte gesenkt. Das hat Signalwirkung. Sicher sind damit nur die garantierten Summen, und die sind für Absicherung durch den Opa viel zu gering.

Anmerkungen: 1) Berechnet mit einer jahrlichen Fondsrendite von drei Prozent. 2) Berechnet mit einer jahrlichen Fondsrendite von sechs Prozent. 3) Bei der Ideal gilt die Beitragsbefreiung nicht nur bei Tod des Versicherten, wie am Markt ublich, sondern auch bei Schwerstpflegebedurftigkeit (Pflegestufe III). Die Ideal bietet als Seniorenversicherer keinen Schutz fur jungere Personen. Daher entfallen die Beispielsrechnungen fur die 30-jahrige Mutter.
Legende: Tarife mit dem gleichen Rang sind nach garantierter Rendite aufgefuhrt. Zur Ermittlung des Ranges wurde mit Unterstutzung durch die Frankfurter FMH-Finanzberatung von Max Herbst (www.fmh.de) die Beitragsrendite fur die Garantiesumme errechnet. Dann wurde die Differenz zwischen hochster positiver und 0,0 Prozent garantierter Beitragsrendite in drei gleich grose Klassen (Rang 2 bis 4) geteilt. Ein 1. Rang wurde nicht vergeben, da die hochste im Test ermittelte Beitragsrendite lediglich 1,14 Prozent betragt. Fur die Range 5 und 6 wurde die negative garantierte Beitragsrendite in zwei gleich grose Klassen geteilt. Ein Sonderfall, die Ideal-Versicherung, wird zwar im Ranking aufgefuhrt, ging aber nicht in die Klassenbildung ein. Der Grund: Die Beitragsbefreiung gilt nicht nur bei Tod des Versicherungsnehmers, sondern auch bei seiner Schwerstpflegebedurftigkeit (Pflegestufe III). In gleicher Weise wie die garantierte wurde auch die prognostizierte Beitragsrendite gerankt. Allerdings wurde die Differenz zwischen hochster positiver und 0,0 Prozent prognostizierter Beitragsrendite in vier gleich grose Klassen geteilt. Neben der Ideal wird ein weiterer Sonderfall, die Zurich mit zugrunde gelegter Fondsrendite von sechs Prozent, zwar im Ranking aufgefuhrt, ging aber nicht in die Klassenbildung ein.
Anforderungen an den Tarif: Untersucht sechs Musterfalle. Im Fall 1 ist der Opa Versicherungsnehmer, 65 Jahre alt, und zahlt fur seinen Enkel 18 Jahre 50 Euro pro Monat, also insgesamt 10.800 Euro in die Police ein. Im Fall 2 ist die Mutter Versicherungsnehmerin, 30 Jahre alt, und zahlt ebenfalls 18 Jahre 50 Euro pro Monat in die Police ein. In Fall 3 und 4 zahlen Opa, 60 Jahre alt, bzw. Mutter 12 Jahre 50 Euro pro Monat (7.200 Euro) in die Police. In Fall 5 und 6 zahlen Opa, 60 Jahre alt, bzw. die Mutter 15 Jahre 150 Euro pro Monat (27.000 Euro) ein.
Testmethode: Die Daten wurden mit Unterstutzung durch den Versicherungsberater Andre Salau, Verbraucherberatungsstelle fur Versicherungen e. V. (www.vbfv.de), erhoben und den Unternehmen zu einer Plausibilitatsprufung zuruckgespielt. Die Bewertung und das abschliesende Ranking wurden dann von OKO-TEST vorgenommen.
Stand: November/Dezember 2009.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Interview: Sparen und Absicherung trennen

André Salau ist Versicherungsberater aus Hamburg.


ÖKO-TEST: Was halten Sie von Ausbildungsversicherungen?
André Salau: Eigentlich herzlich wenig. Ich empfehle diese Art der Absicherung nicht. Sie ist sehr teuer und meist nicht zielführend.
ÖKO-TEST: Was sind die Probleme?
Salau: Hinter der Ausbildungsversicherung verbirgt sich eine Kapitallebensversicherung, die zu einem festen Termin das Geld zahlt. Berechtigt kann dann beispielsweise der Enkel oder das Kind sein. Stirbt der Versicherte, läuft die Versicherung beitragsfrei weiter. Diese Risikokosten und die Kosten, die für Vermittlerprovisionen kalkuliert werden, machen diese Art der Anlage besonders teuer.
ÖKO-TEST: Was empfehlen Sie?
Salau: Man sollte die Risikoabsicherung und den Sparvorgang trennen. So kann man eine günstige Risikolebensversicherung kaufen und das restliche Geld beispielsweise in einen Banksparplan einzahlen. Das geht aber nur, wenn ein Elternteil abgesichert wird, für Oma und Opa ist auch eine Risikolebensversicherung viel zu teuer.
ÖKO-TEST: Wie schützt man den Zahler, das sind ja meist die Großeltern.
Salau: Dieses Risiko lässt sich eigentlich nicht sinnvoll absichern. Man muss hier die Familie intensiv beraten und vorrechnen, was eine Ausbildungsversicherung, bei der die Großeltern abgesichert sind, bringt. Sind die Großeltern noch fit, ist ein solcher Schutz gar nicht notwendig. Dann können sie vielleicht noch zehn Jahre oder länger in den Sparplan einzahlen und nach dem Tod kann das Kapital bis etwa zum Studium des Kindes ja noch angelegt werden.
ÖKO-TEST: Also ist es immer besser, die Eltern des Kindes abzusichern.
Salau: Ja. Die ernähren doch aktuell die Familie. Hier reichen einige 10.000 Euro Schutz, wie sie in der Regel über eine Ausbildungsversicherung erreicht werden, nicht aus. Die Familie muss ihren Lebensstandard absichern.
ÖKO-TEST: Gibt es für die Höhe eine Faustregel?
Salau: Als allgemeine Regel gilt eine Absicherung des fünffachen Bruttojahreseinkommens als ideal. Im Einzelfall hängt die Höhe aber immer von den Umständen des einzelnen Haushalts ab, also welcher Lebensstandard gehalten werden muss, wer arbeiten kann und wie viele Kinder wie lange versorgt werden müssen.