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TEST: Babybodys: Nicht so helle


ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2017 vom 14.09.2017

Für strahlend weiße Textilien sorgen optische Aufheller. Zwar sind Babybodys heute häufig bunt, doch weiße Streifen und Etiketten strahlen durch die chemischen Hilfsmittel. Mehr als die Hälfte der getesteten Bodys ist betroffen.


Artikelbild für den Artikel "TEST: Babybodys: Nicht so helle" aus der Ausgabe 9/2017 von ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Daria Medvedeva/Shutterstock

Ob in Kleidungsstücken oder Heimtextilien, in Matratzen, Stoffspielzeug oder Waschmitteln – in all diesen Produkten wies das von ÖKO-TEST beauftragte Labor in vergangenen Tests optische Aufheller nach. Doch was ist überhaupt das Problem, wenn die Füllwatte des Plüschtieres strahlt oder wir die Nase mit strahlend weißen Papiertaschentüchern ...

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... putzen? Wir stellen die wichtigsten Fragen. Und geben die Antwort darauf direkt mit dazu:

Wie und wo wirken optische Aufheller?

Optische Aufheller können das für das menschliche Auge unsichtbare ultraviolette Licht in sichtbares blaues Licht umwandeln. So lässt sich der Eindruck eines besonders strahlenden Weiß erzeugen. Dazu werden die Chemikalien in Textilien, Papier, Kunststoffen, Lacken, Farben und nahezu allen Vollwaschmitteln eingesetzt. Beim Waschen legen sie sich auf die Fasern und verbleiben dann auf der Wäsche.

Welche Stoffe werden eingesetzt?

In der internationalen Farbstoffdatenbank Colour Index sind rund 400 optische Aufheller gelistet, von denen aber nur eine Handvoll kommerziell bedeutsam ist. Für Vollwaschmittel aus einem ÖKO-TEST von 2010 nannten Hersteller am häufigsten die Verbindung C.I. Fluorescent Brightener 260, auch als FWA-1 und C.I. Fluorescent Brightener 71 bezeichnet. Weitere häufig eingesetzte Weißmacher sind FWA-5 und C.I. Fluorescent Brightener 220.

Was ist über FWA-1 bekannt?

Im Jahr 2001 (neuere Zahlen sind nicht bekannt) wurden in Europa 2.100 Tonnen FWA-1 verarbeitet. Mehr als 90 Prozent landeten in Reinigungsmitteln, der Rest in der Textil-und Papierherstellung. FWA-1 hat eine hohe Affinität für Baumwolle. Beim Waschen werden rund 60 Prozent des eingesetzten Aufhellers von den Fasern absorbiert, der Rest gelangt ins Abwasser. Es wurden keine Sensibilisierungen der Haut beobachtet. FWA-1 war weder mutagen noch kanzerogen, das fortpflanzungsschädigende Potenzial wird als sehr gering angenommen.

Was ist über FWA-5 bekannt?

Rund 600 Tonnen FWA-5 wurden 1998 (auch hier wurden keine neueren Zahlen veröffentlicht) in Europa eingesetzt, wie FWA-1 zu 90 Prozent in Reinigungsmitteln. Nach Schätzungen sollen beim Waschen 40 Prozent der Einsatzmenge auf den Textilien hängen bleiben. Der Aufheller ist nicht leicht biologisch abbaubar. FWA-5 wird weder als hautreizend noch hautsensibilisierend eingestuft, auch nicht als mutagen oder krebserregend.

ÖKO-TEST rät

■ Geweißte Pflegeetiketten können Sie vorsichtig aus dem Textil heraustrennen, ohne es zu beschädigen. Selbst in den Etiketten von Naturtextilien können optische Aufheller stecken. Bei den Produkten mit „sehr gut” können Sie sicher sein, dass keine drin sind.b ■ Sie sehen zwar niedlich aus, doch in Bodys mit gummierten oder Kunststoffaufdrucken können sich Phthalate, Ersatzweichmacher und andere umstrittene Substanzen befinden.

Weiß wird meistens mit optischen Aufhellern verstärkt. Aus Babysicht ist reines „strahlendes” Weiß eher langweilig.


Foto: Africa Studio/Shutterstock

Und C.I. Fluorescent Brightener 220?

Die toxikologischen Untersuchungen sind älteren Datums. Danach schädigte die Substanz weder das Erbgut noch zeigten Versuche an Mäusen und Ratten Hinweise auf eine krebserregende Wirkung. Die Substanz wird als hautirritierend eingestuft. Angaben zur Abbaubarkeit fehlen.

Was bedeuten optische Aufheller für die Umwelt?

Viele optische Aufheller sind biologisch schwer abbaubar. Eine aktuelle Studie zu allen als optische Aufheller eingesetzten Substanzen liegt dem Umweltbundesamt nicht vor. Den größten Anteil an den Einträgen ins Abwasser haben optische Aufheller aus Wasch-und Reinigungsmitteln. Die Herstellung der Substanzen verbraucht zudem sehr viel Energie.

Was passiert bei Hautkontakt mit optischen Aufhellern?

Die Weißmacher können durch Schweiß aus den Fasern herausgelöst werden und auf die Haut gelangen. Bei gleichzeitiger Sonneneinstrahlung kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Insbesondere lichtempfindliche Menschen müssen mit negativen Wechselwirkungen rechnen.

Können optische Aufheller durch die Haut in den Körper gelangen?

Belastbare Daten um diese Frage zu beantworten sind rar. In Reagenzglasversuchen mit FWA-5 an Schweinehaut wurde kein Durchtritt gemessen. Da jedoch nicht ausgeschlossen ist, dass geringe Mengen in die obersten Hautschichten diffundieren, gehen konservative Schätzungen von einem Prozent Aufnahme über die Haut aus.

Wirken optische Aufheller krebserregend, erbgutschädigend oder fortpflanzungsgefährdend?

Die vorliegenden Daten geben keine Hinweise auf derartige Effekte. Dies hat das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) 2001 für FWA-1, FWA-5 und C.I. Fluorescent Brightener 220 festgehalten. Untersuchungen aus den 1970er-Jahren fanden keine Anhaltspunkte für kanzerogene, mutagene oder fruchtschädigende Wirkungen. Auch verstärkten optische Aufheller nicht die Krebsentstehung auf der Haut durch UV-Licht.

Fazit

Die Substanzen sind zwar eher ein Umwelt-als ein gesundheitliches Problem. Doch Produkte, die von ÖKO-TEST ein „sehr gut” bekommen wollen, müssen für die Gesundheit wie für die Umwelt unbedenklich sein.

Wie sieht die Situation nun aktuell im Test Babybodys aus? Wir haben 22 Babybodys in die Labore geschickt und auf optische Aufheller und andere problematische Inhaltsstoffe untersucht.

Das Testergebnis

■ Weiße Weste? Das Labor hat in mehr als der Hälfte der Babybodys optische Aufheller nachgewiesen. Doch es geht auch anders: Siebenmal vergeben wir die Note „sehr gut”. Ein Body ist wegen eines krebsverdächtigen Farbstoffbestandteils auf ein Gesamturteil „ungenügend” gerutscht.

Überflüssige Aufheller . Unter den 13 Babybodys, in denen die Chemiker optische Aufheller analysierten, sind auch zwei zertifizierte Naturtextilien (GOTS, Ecocert). Fünfmal ist das Hauptmaterial oder das Grundgewebe betroffen: im Disney Baby Body Langarm „Winnie the Pooh”, grau sowie im Kanz Layette „Little Sheep” Wickelbody 1/1 Arm, grau und im Pusblu RSO Ju-Body, Elefanten, blaugelb. Im Topomini BA-Body, blau-hellblau-weiß gestreift sowie im GOTS-zertifizierten Sanetta Body 1/2, blau-weiß gestreift mit Autos bringen die fluoreszierenden Substanzen die weißen Streifen zum Leuchten. In allen betroffenen Produkten wies das von uns beauftragte Labor die Weißmacher in den Etiketten nach, wo sie gänzlich überflüssig sind. Sie sind in vielen Bodys an zwei Stellen eingenäht: innen am Nacken (mit Markennamen und/oder Größenbezeichnung) sowie innen im Hüftbereich (Waschanleitung).

Krebsverdächtiger Farbstoffbaustein . Schlusslicht mit dem Gesamturteil „ungenügend” ist das Produkt Primark Disney Baby Minnie, Body und Lätzchen, rosa. In diesem wies das Labor Anilin nach. Der Farbstoffbaustein aus der Gruppe der aromatischen Amine ist krebsverdächtig.

Phthalate und andere Weichmacher im Aufdruck . In den bunten Aufdrucken des Ecocert-zertifizierten Little Green Radicals Secret Treehouse, multi analysierte das von uns beauftragte Labor den bedenklichen Weichmacher Dibutylphthalat (DBP). Dieser ist als fortpflanzungsgefährdend eingestuft und in der Europäischen Union in Spielzeug und Babyartikeln gesetzlich reglementiert. In den Brustaufdrucken des B.O. Wirbelwind Body Langarm, Herzen, grau sowie des Frugi Organic Cotton Lerryn Body, rosa-weiß gestreift, Maus fand das Labor die Ersatzweichmacher DiNCH und DEHT. Beide gelten als Alternative zu den bedenklichen Phthalat-Weichmachern. Ob DiNCH oder DEHT, wenn sie in den menschlichen Körper gelangen, keinerlei Risiko für die Gesundheit darstellen, ist ohne Langzeitstudien kaum seriös einzuschätzen. Wir werten diese Weichmacher um eine Note ab. Babykleidung geht auch prima ohne.

Abkürzungen: kbA = kontrolliert biologischer Anbau; GOTS = Global Organic Textile Standard; DEHT = Diethylhexylterephthalat; DiNCH = Diisononylcyclohexan-1,2-dicarboxylat.
Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 222.
Anmerkungen: 1) Laut Anbieter wird geprüft, ob Handelskunden künftig Pflegeetiketten ohne optische Aufheller akzeptieren.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt . Zur Abwertung um vier Noten führt: Anilin. Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 mg/kg des in Babyartikeln und Kinderspielzeug gesetzlich reglementierten Phthalats DBP. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) optische Aufheller mit Hautkontakt; b) halogenorganische Verbindungen;c) mehr als 1.000 mg/kg Ersatzweichmacher (hier: DEHT oder DiNCH).
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de Suchen „N1709” eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 2/2017. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

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