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TEST Babylotionen: Oben ohne


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2011 vom 25.11.2011

Die Hersteller von Babylotionen werben heute vor allem damit, was in den Produkten nicht enthalten ist: „ohne allergieverdächtige Duftstoffe“, „ohne Mineralöl“, „ohne Konservierungsstoffe“. Gut so! An den meisten Lotionen haben wir tatsächlich nichts auszusetzen. Dennoch kommen die meisten Babys auch ohne gut klar.


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Foto: Andrey Kuzmin/istockphoto.com

Die Haut eines Babys ist fünfmal dünner als die eines Erwachsenen. Und sie ist empfindlich. Bei Neugeborenen muss sie sich erst einmal zu dem entwickeln, was sie bei den Großen schon ist: eine leistungsfähi Duftge Barriere zu all den Einflüssen, die von ...

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Die Haut eines Babys ist fünfmal dünner als die eines Erwachsenen. Und sie ist empfindlich. Bei Neugeborenen muss sie sich erst einmal zu dem entwickeln, was sie bei den Großen schon ist: eine leistungsfähi Duftge Barriere zu all den Einflüssen, die von außen kommen. Hebammen und Ärzte sind sich einig: Man sollte Babys Haut am besten in Ruhe lassen, so kann sie ihr eigenes Gleichgewicht finden. We- leistungsfähiniger ist mehr – und mit besonders „wenig“ werben inzwischen auch die Hersteller auf ihren Verpackungen. Viele Produzenten verzichten auf Mineralöl, Farbstoffe, Konservierungsmittel, auf allergieverdächtige Duftge stoffe und ätherische Öle. Allerdings sind diese Werbeversprechen auch mit Vorsicht zu genießen: Eine Rezeptur ohne Mineralöl kann immer noch Silikone enthalten und der Hersteller so an hochwertigen natürlichen Ölen und Fetten sparen. „Frei von synthetischen Duftstoffen“ heißt: Es kann noch immer Parfüm drin sein, und auch aus der Natur können problematische Duftstoffe kommen. Auch Produkte, die „frei von Konservierungsstoffen“ sein sollen, können in einem ÖKO-TEST durchfallen, da dies zwar für die Endrezeptur gelten kann, Einzelbestandteile der Lotion aber mit problematischen Substanzen vorkonserviert sein können.

ÖKO-TEST rät

■ Mit Kosmetika bei Babys zurückhaltend sein! Babys Haut kommt auch ohne Lotion gut zurecht. Bei besonders empfindlicher, trockener Haut empfiehlt es sich, zu parfümfreien Lotionen zu greifen – hier aber erst einmal an einer kleinen Stelle probieren, ob die Lotion vertragen wird.
■ Manchmal reicht schon ein kurzer Blick auf die Deklaration, um zu erkennen, dass man eine Lotion besser im Regal stehen lässt – etwa, wenn der problematische Konservierer Chlorphenesin deklariert ist. Empfehlenswerte Cremes gibt’s sogar schon ab ein bis zwei Euro pro 200 Milliliter, in Naturkosmetikqualität geht es ab 2,99 Euro pro 200 Milliliter los.

Vollmundige Versprechen

Auch von all den Gütezeichen und Labeln auf den Verpackungen sollte man nicht allzu viel erwarten. Etliche Label sind selbst gebastelt und verbindliche Regeln sucht man vergebens. So heißt „dermatologisch getestet“ lediglich, dass es Tests gegeben hat, nicht aber wie diese ausgegangen sind. Ist die „Hautverträglichkeit dermatologisch bestätigt“, kann man zumindest davon ausgehen, dass bei den Tests keine Hautreaktionen bei den Probanden aufgetaucht sind. Wobei man natürlich meist nicht weiß, ob es sich um Probanden mit Problemhaut handelte. An Babyhaut werden diese Tests ohnehin nicht gemacht.

Ganz daneben ist der Hinweis „glutenfrei“ bei Cremes und Lotionen, denn Glutenunverträglichkeit bezieht sich auf Nahrungsmittel. Ärgerlich ist auch die Bewerbung einer Creme oder Lotion als „hypoallergen“, da die Bezeichnung Verbraucher in einer Sicherheit wiegt, die einfach nicht gegeben ist. Der Begriff ist rechtlich nicht geschützt und bei keinem kosmetischen Produkt kann ausgeschlossen werden, dass es Bestandteile enthält, die allergische Reaktionen hervorrufen können. Selbst der Branchenverband IKW (Industrieverband Körperpflege und Waschmittel) hat sich schon vor Jahren gegen das Ausloben von Kosmetika als „hypoallergen“ ausgesprochen. Dennoch findet sich der Hinweis weiterhin auf Babykosmetik – die nicht nur auf Wickeltischen landet, sondern auch im Pflegearsenal von Erwachsenen, die glauben, ihre sensible Haut damit besonders sanft pflegen zu können.

Wir haben Babylotionen eingekauft, um zu prüfen, ob trotz vollmundiger Versprechen nicht doch der ein oder andere Problemstoff enthalten ist. Unter den 17 Testprodukten finden sich große Namen und günstige Eigenmarken, Naturkosmetikprodukte und Konventionelles, parfümfreie und parfümierte Varianten. Für 200 Milliliter haben wir mal einen Euro, mal 16,50 Euro gezahlt.

Das Testergebnis

Bei fast allen Babylotionen im Test kann man ohne Sorge zugreifen. Sie enthalten keine aggressiven Konservierungsmittel und keine problematischen Duftstoffe. Eine Lotion bekam allerdings das schlechteste Testurteil „ungenügend“, eine ist nur „gut“.
Hypoallergen? Wir sind da skeptisch. Ausgerechnet von der teuersten Lotion im Test, der Eau Thermale Avène Feuchtigkeitsmilch Pédiatril, müssen wir abraten: Die Lotion, die ausschließlich über Apotheken vertrieben wird, enthält das halogenorganische Konservierungsmittel Chlorphenesin. Es gibt Hinweise darauf, dass dieser Stoff zu Hautirritationen führen kann. Darüber hinaus stecken in der Rezeptur PEG/PEG-Derivate, die als Emulgatoren eingesetzt werden, um Wasser und Fett zu verbinden – auf der Haut können sie aber dafür sorgen, dass diese durchlässiger für Fremdstoffe wird.
Noch immer wird mit Parabenen konserviert. Zur Konservierung der günstigsten Körperlotion im Test, der Ream 4 Your Baby Babymilk, wurden Butyl- und Propylparabene eingesetzt. Diese Stoffe stehen im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken, im Tierversuch zeigten sie sich als fortpflanzungsgefährdend. Daher hat `das wissenschaftliche Beratergremium der EU im Dezember 2010 empfohlen, die Höchstkonzentrationen dieser längerkettigen Parabene in Kosmetika erheblich zu minimieren. Das ist an Hersteller Pharmamedico offensichtlich nicht vorbeigegangen: Er schrieb uns, er arbeite seit geraumer Zeit an einer alternativen Konservierung. Maren Klein

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Weitere Tests zu parfümfreier Babypflege und zu Babylotionen finden Abonnenten kostenlos unter http://abo.oekotest.de

Fett gedruckt sind Mangel. Abkurzungen: n. u. = nicht untersucht, weil sich der Parameter durch die Zusammensetzung des Produkts erubrigt. Glossar: Erlauterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 138. Anmerkungen: 1) Enthalt PEG/PEG-Derivate, halogenorganische Verbindungen (Chlorphenesin), mehr als 1 Prozent Paraffine/Silikone/Erdolprodukte. 2) Enthalt Butyl- und Propylparabene. 3) Weitere Mangel: Umkarton, der kein Glas schutzt. 4) Der weitere Duftstoff Coumarin ist bei dem Produkt deklariert, wurde aber in den Laboranalysen nicht nachgewiesen. Laut Anbieter wird das Produkt derzeit abverkauft und nicht weiter im Sortiment gefuhrt. 5) Der weitere Duftstoff Citronellol ist bei dem Produkt deklariert, wurde aber in den Laboranalysen nicht nachgewiesen. Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe fuhren zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) halogenorganische Verbindungen (Chlorphenesin); b) PEG/PEG-Derivate. Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) Butyl- und/oder Propylparabene; b) mehr als 1 Prozent Paraffine/ Silikone/Erdolprodukte. Unter dem Testergebnis Weitere Mangel fuhrt zur Abwertung um eine Note: Ein Umkarton, der kein Glas schutzt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Aus rechtlichen Grunden weisen wir darauf hin, das wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht uberpruft haben. Ein Testergebnis Weitere Mangel, das „befriedigend“ oder schlechter ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de→ Suchen→ „M1112“ eingeben. Einkauf der Testprodukte: September 2011.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Körperlotionen findet man in allen bekannten Babypflegeserien. Manche Hersteller haben sogar verschiedene Varianten im Programm. Wir wählten Lotionen aus, die mit „hautberuhigend“, „sensitiv“ oder Ähnlichem beworben wurden und die wir noch nicht im Test hatten – eine Ausnahme machten wir bei den Klassikern von Weleda und Logona. Sollte Ihre Lieblingslotion nicht dabei sein, lohnt sich ein Blick ins ÖKO-TEST-Archiv online.

Problematische Inhaltsstoffe

…finden sich nur manchmal, etwa wenn’s um halogenorganische Verbindungen geht, in der Deklaration wieder. Um sicher zu gehen, dass aus der Vorkonservierung nicht noch weitere dieser problematischen Verbindungen oder Formaldehyd/-abspalter in die Rezeptur gelangt sind, ließen wir die Lotionen darauf analysieren. Auch beim Thema Parfüm beschränkten wir uns nicht auf die Angaben in der Zutatenliste, sondern beauftragten eine Duftstoffanalyse, bei der auch auf Moschus-Verbindungen und Diethylphthalat getestet wurde. Künstlichen Ölen und Fetten gingen die Labore ebenfalls auf die Spur.

Besonders sanfte Pflege – das erwarten auch viele Erwachsene von Babylotionen. Ob’s stimmt? Wir ließen im Labor prüfen, ob nicht doch aggressive Stoffe drinstecken.


Foto: anoli/Fotolia.com

Die Bewertung

Bei Babykosmetik sind wir natürlich genauso streng wie bei Pflegeprodukten für Erwachsene. Problematische Konservierer oder Emulgatoren führen zur Abwertung. Zugesetztes Parfüm kritisieren wir nicht generell, sondern nur bei Produkten wie etwa Wundcremes, die ausschließlich am empfindlichen Babypo zum Einsatz kommen. Duftstoffe, die bei besonders empfindlichen Menschen Probleme verursachen können, führen wir als Info in der Tabelle auf.