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TEST Babypflegecremes Fett weg


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2015 vom 31.07.2015

Babyhaut ist sehr empfänglich für schädliche Einflüsse und bedarf einer besonders schonenden Pflege. Wir haben 22 Pflegecremes für Babys Körper und Gesicht getestet. Die meisten können Sie bedenkenlos verwenden.Von Marieke Jörg


Artikelbild für den Artikel "TEST Babypflegecremes Fett weg" aus der Ausgabe 8/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: SvetlanaFedoseyeva/Shutterstock

Haut, so zart wie ein Babypopo – dieser Ausdruck ist zum geflügelten Wort geworden, wenn es darum geht, werbewirksame Slogans für Cremes und Lotionen zu entwerfen. Da wirkt es fast schon ironisch, dass ausgerechnet Babys für ihre streichelweiche Haut kaum Unterstützung durch Kosmetika brauchen. Direkt nach der Geburt dient ihnen die ...

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... Käseschmiere als natürliche Hautpflege, und auch wenn die schließlich abgewaschen ist, braucht Babys Haut nicht ständig zusätzliches Fett von außen. Bis auf den Windelbereich, der durch die Ausscheidungen gereizt wird, muss ein gesunder Babykörper also nicht täglich eingeschmiert werden – obwohl der Blick ins Drogerieregal diesen Eindruck durchaus vermitteln könnte.

Im besten Fall sind all die Cremes nur ein zusätzlicher Kostenfaktor, der eingespart werden kann – im schlechtesten Fall jedoch können sie dem kleinen Körper sogar schaden. Dann nämlich, wenn sie problematische Inhaltsstoffe enthalten. Erst im Mai dieses Jahres hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf eine Gefahr durch potenziell krebserregende MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons, zu Deutsch: aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe) in kosmetischen Produkten hingewiesen. Sie können sich auch in der Inhaltsstoffliste von Babypflegecremes hinter Bezeichnungen wie Paraffin, Cera microcristallina, Paraffinum liquidum oder Petrolatum verbergen. Sie können also in mineralölhaltigen Substanzen stecken, die wir schon lange abwerten und stattdessen zu natürlichen Ölen und Wachsen raten, die sich problemloser in das Gleichgewicht der menschlichen Haut integrieren.


Die Natur bietet eine große Auswahl an pflegenden Ölen und Wachsen


Die Forschungslage zu MOAH in Kosmetika ist derzeit noch schwammig. Zwar betont das BfR, dass „nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand“ keine gesundheitlichen Risiken bei der Aufnahme über die Haut zu erwarten seien. Chronische Langzeiteffekte könnten jedoch auch auf intakter Haut nicht „mit zufriedenstellender Gewissheit ausgeschlossen werden“. Technisch vermeidbar seien MOAH in Kosmetika aber bis zu einer Konzentration von 0,0001 Prozent. Das Risiko ist also durchaus minimierbar. Das BfR fordert die Hersteller deshalb auf, die MOAH-Anteile in Kosmetikprodukten „im Rahmen des technologisch Machbaren“ zu reduzieren und ihre Endprodukte entsprechend untersuchen zu lassen.

Wir haben 22 Babypflegecremes in die Labore geschickt und sie auf MOAH, aber auch auf weitere bedenkliche und umstrittene Substanzen überprüfen lassen.

Das Testergebnis

→ Ein paar Ausreißer trüben den guten Eindruck, den das Gros der Babypflegecremes in unserem Test hinterlässt. 16 getestete Produkte können wir mit „sehr gutem“ Ergebnis uneingeschränkt empfehlen. Ausgerechnet ein Naturkosmetikprodukt fällt allerdings mit „mangelhaft“ durch. → Unerwarteter Fund. Im Labor wurden in der Bioturm Baby-Creme Gesicht & Körper Formaldehyd/-abspalter nachgewiesen. Formaldehyd gilt als krebserregend und kann schon in geringen Mengen die Schleimhäute reizen und Allergien auslösen. Es wird in freier Form kaum noch in Kosmetika eingesetzt, kommt aber in abspaltbarer Form in anderen Substanzen vor. In zertifizierter Naturkosmetik sind Formaldehydabspalter und freies Formaldehyd nicht erlaubt. Daher haben wir den Nachweis in einem Produkt mit BDIH-Logo nicht erwartet. Wir ließen das Ergebnis mehrfach im Labor nachprüfen, der gemessene Wert blieb gleich. Ob Formaldehyd in freier Form im Produkt vorliegt oder welcher InhaltsstoffFormaldehyd freigesetzt hat, lässt sich mit der vom Labor verwendeten Methode nicht feststellen. → Risiko Fettcreme. Vier Babypflegecremes im Test enthalten Erdölverbindungen. Deshalb haben wir sie gezielt auf MOAH untersuchen lassen. Drei Proben waren eindeutig belastet. Die mit Abstand höchste MOAH-Konzentration fanden wir in der Kaufmann’s Haut- und Kindercreme, in deren Inhaltsstoffliste Petrolatum an erster Stelle steht. Auch wenn im Labor nicht genau bestimmt werden kann, wie groß der Anteil tatsächlich krebserregender Stoffe in den gefundenen MOAH ist: Je höher der Gehalt, desto höher ist das Risiko. Auch in der Bebe Zartpflege Zartcreme hat das Labor nicht unerhebliche Werte gemessen. Im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes werten wir Produkte ab, in denen mehr als 0,1 Prozent MOAH nachgewiesen werden. Das trifft auch auf die Vita-Horm Baby-Hautcreme zu. Das Beispiel Vita-Horm zeigt jedoch, dass bereits in geringen Mengen von Paraffinen/Erdölprodukten nicht unerhebliche MOAH-Gehalte stecken können. Denn die deklarierten Stoffe Petrolatum und Paraffinum liquidum blieben im Labor unterhalb der Bestimmungsgrenze.

Sanfte Streicheleinheiten: Viele Kinder genießen die liebevollen Berührungen beim Eincremen.


Foto: imago/Westend61

Kleines Schadstofflexikon

■.Aluminium ist bei kurzzeitiger Aufnahme kaum gesundheitsschädlich. Eine erhöhte, langfristige Aufnahme kann jedoch zu brüchigen Knochen, Anämie und Hirnschädigungen führen. Meist finden sich Begriffe wie Alum, Alumina oder Aluminium in der INCI-Bezeichnung. Aber auch hinter Mica oder CI 7700, CI 77002 und CI 77004 verbergen sich Aluminiumverbindungen.
■.Paraffine/Erdölprodukte stecken hinter Namen wie Paraffinum liquidum, Cera microcristallina, Petrolatum oder Ceresin. Diese künstlichen Stoffe integrieren sich nicht so mühelos ins Gleichgewicht der Haut wie die Bestandteile natürlicher Öle. Zudem können sie potenziell krebserregende MOAH enthalten.
■.Parabene werden als Konservierer zum Schutz vor Keimen eingesetzt. Längerkettige Vertreter wie Butyl- und Propylparaben sind in Verdacht geraten, wie ein Hormon zu wirken. Daher hat die EU-Kommission die Höchstkonzentrationen der längerkettigen Parabene in Kosmetika verboten, die auf der Haut im Windelbereich von Kindern unter drei Jahren bleiben.
■.PEG/PEG-Derivate verbinden als Emulgatoren Wasser und Fett in Cremes. Sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Man erkennt sie zum Beispiel an der Vorsilbe PEG-.
■.Silikonöle sorgen dafür, dass sich Cremes gut verteilen lassen. Aber sie pflegen längst nicht so gut wie natürliche Stoffe und sind in der Umwelt nur schwer abbaubar. In den Inhaltsstoffen heißen sie zum Beispiel Dimethicon, Amodimethicon, Dimethiconol, Cyclopentasiloxan oder Cyclohexasiloxan.

INCI = International Nomenclature of Cosmetic Ingredients / Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe

■. Nicht nachvollziehbar . Die Penaten Baby Pflegecreme ist die einzige der 22 Cremes im Test, in der eine Aluminiumverbindung steckt. Als wir beim Hersteller nachfragten, ob stattdessen eine weniger umstrittene Substanz eingesetzt werden könnte, verwies Johnson & Johnson darauf, dass sich die öffentliche Diskussion um Aluminiumsalze in Antitranspiranten drehe, die verwendete Verbindung Aluminiumdistearat jedoch zu einer „ganz anderen Stoffklasse“ gehöre. Fakt ist, dass das Labor Aluminium nachgewiesen hat – wenn auch in geringen Mengen, die wir nicht abwerten. Es bleibt die Frage, warum in der Penaten Baby Pflegecreme überhaupt Aluminium verwendet wird, wenn alle anderen Hersteller im Test ohne auskommen.
■. Unklarer Anwendungbereich. In der Vita-Horm Babl-uautcreme ist das bedenkliche Propylparaben enthalten. Die Europäische Kommission hat die Verwendung von Propyl- und Butylparaben „in nicht abzuspülenden Mitteln, die zur Anwendung im Windelbereich von Kindern unter drei Jahren bestimmt sind“, verboten. Die Haut ist in dieser Körperregion oft wund, die Windel bildet einen dichten Verschluss. Das erhöht das Risiko, dass die Parabene in den Stoffwechsel des Kindes gelangen. Die neue Regelung gilt für Produkte, die nach dem 16. April 2015 in den Handel gekommen sind. Aber ist die Vita-Horm Baby-Hautcreme für die Anwendung im Windelbereich bestimmt? Auf der Verpackung findet sich die Empfehlung „Nach dem Baden den ganzen Körper und das Gesicht des Säuglings einreiben“ – der Windelbereich wird dabei nicht explizit genannt, aber eben auch nicht ausgeschlossen. Auf Nachfrage von ÖKO-TEST prüft die zuständige Behörde derzeit in Zusammenarbeit mit dem CVUA Karlsruhe die Creme unter diesem Aspekt, hatte ihre Untersuchungen bis Redaktionsschluss aber noch nicht abgeschlossen.

So reagierten die Hersteller

■. Der NaturkosmetikherstellerBioturm zweifelt an dem Nachweis von Formaldehyd/- abspaltern in seiner Creme. Man teilte uns mit, ein in dem Produkt enthaltener Rohstoff(„Natapres“) könne bei einer bestimmten Analysemethode zu falsch-positiven Ergebnissen führen – zeige also die Existenz von Formaldehyd/-abspaltern an, obwohl diese gar nicht vorhanden sind. Das schließt das von uns beauftragte Labor aus, da die Creme nicht mit der von Bioturm verdächtigten Methode getestet wurde. In wiederholten Analysen bestätigte sich hingegen der ursprünglich gemessene Wert. Bioturm hat ebenfalls Analysen seiner Creme sowie des benannten Rohstoffs in Auftrag gegeben, legte ÖKOTEST jedoch bis Redaktionsschluss kein entsprechendes Gegengutachten vor.

Experte

Gesunde Babyhaut muss nur selten eingecremt werden

Foto: Asmus Henkel

„Hat Babyhaut keine Rötungen, braucht sie normalerweise keine zusätzliche Pflege durch Salben oder Cremes. Nur wenn im Winter draußen Frost herrscht und drinnen trockene Heizungsluft wartet, nach dem Baden oder nach dem Babyschwimmen ist ein Eincremen ratsam. Ausnahmen sind Hautkrankheiten. Ob ihr Kind eine solche hat, können Eltern selbst erkennen: Sie sehen eindeutig gerötete und nässende Stellen, außerdem fangen schon Säuglinge bei Juckreiz direkt an, sich zu kratzen.“

Dr. Annette Lingenauber , Kinderärztin, Hamburg

Mehr zum Thema

Der neue ÖKO-TEST Ratgeber Kleinkinder erscheint am 11. September. Darin finden Sie weitere Informationen zur Babypflege und viel Wissenswertes rund um die ersten Jahre mit dem neuen Erdenbewohner. Den Ratgeber erhalten Sie im Zeitschriftenhandel oder unter Tel. 0 69 / 3 65 06 26 26 und im Internet unter www.oekotest.de

ÖKO-TEST rät

 Mit 16 „sehr guten“ Cremes haben Sie eine große Auswahl. Und Gutes muss nicht viel kosten: Das günstigste empfehlenswerte Produkt ist für 1,15 Euro pro 150 Milliliter erhältlich. Für die gleiche Menge der teuersten Creme zahlen Sie allerdings 35,97 Euro.
 Fur Babys und Kinder sind unparfümierte Produkte die erste Wahl. In unserer Tabelle finden Sie solche Cremes.
 Es spricht nichts dagegen, dass auch Erwachsene eine Babypflege benutzen.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Die Produktpalette für die Allerkleinsten ist riesig. Drogerien, Naturwarenläden und Supermärkte bieten eine Vielzahl verschiedener Babypflegecremes an. Wir waren dort, wo auch viele Eltern einkaufen, und haben insgesamt 22 Produkte für unseren Test ausgewählt. Da die meisten Mamas und Papas bei Kosmetik für ihren Nachwuchs besonders genau auf die Zusammensetzung achten, haben wir mit acht Cremes etwas mehr Naturkosmetik als sonst im Test.

Die Inhaltsstoffe
Pflegeprodukte für die besonders sensible Babyhaut sollten möglichst überhaupt keine Schadstoffe beinhalten. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Deshalb haben wir die Babypflegecremes im Labor auf problematische Konservierungsmittel wie Formaldehyd, auf allergieauslösende Duftstoffe und umstrittene Substanzen wie Aluminium testen lassen. Auch Parabene, Silikone und Paraffine standen auf der Checkliste. Produkte, auf deren Inhaltsstoffliste wir Paraffine entdeckt haben, wurden außerdem auf potenziell krebserregende aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) hin analysiert.

Nachweis durch Farbe: Im Labor verfärbt sich die Testlösung gelb (links), wenn Formaldehyd auf zwei bestimmte Reagenzien trifft. Ohne Formaldehyd bleibt die Lösung klar (rechts).


Die Weiteren Mängel
Cremetiegel oder -spender aus Glas werden häufig mit einem Umkarton vor dem Zerbrechen geschützt. Bei Dosen, Tuben und Flaschen aus Kunststoffist dies nicht nötig. Daher werten wir hier eine Umverpackung als unnötigen Müll ab. Außerdem kritisieren wir als Weiteren Mangel, wenn ein Produkt Inhaltsstoffe wie Silber und Gold verspricht und damit eine höhere Wertigkeit suggeriert – diese Substanzen aber in Wirklichkeit gar nicht enthält.

Die Bewertung
Glücklicherweise verzichten die meisten Hersteller auf Parabene, Paraffine, Silikone und andere bedenkliche Inhaltsstoffe. Doch eben leider nicht alle: Produkte, in denen umstrittene Substanzen stecken, werden abgewertet.