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TEST Badezusätze: Die Wanne ist voll


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2015 vom 05.06.2015

Ein warmes Wannenbad kann eine Wohltat sein, vor allem wenn man es mit einem duftenden Öl, Salz oder anderen Zugaben anreichert. Die Mehrzahl der getesteten Produkte können Sie bedenkenlos verwenden.


Artikelbild für den Artikel "TEST Badezusätze: Die Wanne ist voll" aus der Ausgabe 6/2015 von ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Fuse/Thinkstock

Radarturm, alter Stacheldrahtzaun, Reste eines großen Schießstands: Ein Kloster stellen sich Besucher definitiv anders vor. Doch genau dieses Gelände bei Kaufbeuren im Allgäu, das früher der Bundeswehr gehörte, hat die kleine ökumenische Abtei St. Severin 2010 gepachtet.

Die Bewohner: zurzeit zwei Mönche. Bruder Georg und Bruder Maximilien, Max genannt. Er kam vor zwei Jahren aus ...

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... Frankreich dazu. Althergebrachter als das militärisch anmutende Gebäude vermuten lässt, geht es in der Manufaktur zu – einer kleinen Küche im Erdgeschoss. Hier rühren die Mönche Seifen und Badesalze zusammen. „Das ist noch echte Handarbeit”, lacht Bruder Georg, während er gerade ein Lavendelmilch-Badesalz vermischt. Ein bisschen sieht es so aus, als würde der Mönch in der Plastikwanne Teig kneten. Drehen und das Badesalz zwischen den Fingern rieseln lassen – so geht es bis zu einer Stunde. Dabei trägt er lange Handschuhe, der Hygiene wegen.


In der Abtei St. Severin wird Badesalz noch von Hand hergestellt


Der erste Schritt beim Badesalz: Zwölfeinhalb Kilo Salz in die Wanne geben, darauf ätherisches Öl verteilen. Bruder Georg ist es wichtig zu betonen, dass dafür ein Öl aus der französischen Lavendelpflanze Maillette verwendet wird. Dann bleibt das Salz für zwei Tage stehen. Anschließend kommen noch Lavendelblüten, Hafermehl und Milchpulver in die Wanne. Nach dem „Kneten” füllen die Brüder das Salz an einer langen Tischreihe ab – in Weckgläser wie zu Omas Zeiten. Mit dem Glas klopft Gregor leicht an den Rand der Wanne, damit keine Hohlräume im Salz entstehen. Bruder Max macht den Deckel drauf, verschließt ihn mit zwei Metallklammern und kontrolliert dabei die Menge. Einmal sagt er in seinem charmanten französischem Akzent „ein bisschen mehr” und gibt das Glas an Bruder Georg zurück.

Die Mönche verdienen mit den Produkten ihren Lebensunterhalt. Vier verschiedene Bäder, zehn Seifen, sechs Balsame und andere Einzelprodukte wie Schuhcreme und Kaffeewürzer verkaufen sie im Klosterladen, über die Internetseite sowie auf großen Märkten. Drei davon finden auf dem Gelände der Abtei statt, dazu fahren auch Aussteller von außerhalb an. Zudem haben sie einen Großabnehmer, eine Warenhauskette, das ist für die Kalkulation und die Bestellmengen wichtig. Denn die Inhaltsstoffe beziehen sie ganz regulär von Zulieferern. Das beliebteste Bad ist das Lavendelmilchbad. Davon hat die Abtei im vergangenen Jahr etwa 1.000 Gläser produziert. Bei der Arbeit unterstützen sie zwei Helfer und zu den großen Ereignissen einige Ehrenamtliche.

Badezusätze wie die der Mönche laden in der dunklen und kalten Jahreszeit dazu ein, sich in der Wanne zurückzulegen, die Augen zu schließen und die Wärme zu genießen. Einfach mal die Seele baumeln lassen und den Alltagsstress vergessen. Kaufen kann man unterschiedlichste Wannenbegleiter: Öl, Schaumbäder, Kugeln, Salz, Herzen und Würfel, als Stück zum Abbröseln, aber auch „eingetütet” als Kissen. Insgesamt 20 davon haben wir eingekauft, sie alle sehen natürlich aus. Tatsächlich ist jedoch nur ein Teil zertifizierte Naturkosmetik. Was steckt drin? Das wollten wir wissen und haben die Badezusätze an verschiedene Labore geschickt.

Das Testergebnis

Entspannend wie die Bäder an sich sind auch die meisten Inhaltsstoffe. Fast alle Zusätze sorgen für Badespaß ohne Schadstoffe. 17-mal „sehr gut” – so ein Testergebnis kann sich wirklich sehen lassen.
Schwarzes Schaf: Einen Ausreißer gibt es aber im Test: Lush setzt unter anderem CI 45410 ein. Der Farbstoff ist rein chemisch erzeugt und gehört zur Gruppe der halogenorganischen Verbindungen.
Verwirrend: Alle konventionellen Badezusätze im Test wirken von der Verpackung her oder von den beworbenen Aussagen irgendwie natürlich. Bei Treets Relaxing Bath Tea zum Beispiel prangt als selbst entworfenes Logo „eco” in Form eines Blattes auf der Packung – das kann man im Regal schon mal mit zertifizierter Naturkosmetik verwechseln, sie ist es aber nicht, genauso wenig wie das CMD Sandorini Wohltuendes Schaumbad. Der Name des Herstellers CMD Naturkosmetik weckt eine Erwartung, die das Produkt nicht erfüllt – das Schaumbad enthält eine Verbindung, die nicht pflanzlichen Ursprungs ist und die etwa bei einem Natrue-zertifiziertem Produkt nicht zulässig wäre. Auch schwierig für Kunden finden wir die Aussage „Naturkompetenz wirksam verträglich” auf der Verpackung des konventionellen Kneipp Pflegeölbads. Das enthaltene PEG-Derivat ist in zertifizierter Naturkosmetik allerdings verboten – genauso wie die künstlichen Farbstoffe, die wir beim Durance Badesalz Cotton Flower fanden.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: n. u. = nicht untersucht, weil sich dieser Parameter durch die Zusammensetzung des Produkts erübrigt.
Glosssar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 224.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 2) Laut Hersteller wurden die Regenerativ Bath Oil Pearls inzwischen aus dem Sortiment genommen, sie befinden sich nur noch im Abverkauf. 3) Citral nicht deklariert, aber im Labor nachgewiesen. 4) CMD Naturkosmetik hat angekündigt, zukünftig Citral auf dem Schaumbad zu deklarieren.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind inalphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten:
eine halogenorganische Verbindung (hier: CI 45410). Zur Abwertung um eine Note führen: PEG/PEG-Derivate. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: ein Umkarton, der kein Glas schützt.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend” ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Steht bei Analyseergebnissen „nein”, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze” der jeweiligen Testmethode.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „N1506” eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 12/2014. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Einkauf der Testprodukte: August/September 2014.

ÖKO-TEST rät

■ Wer Naturkosmetik wünscht, achtet am besten auf Siegel wie Natrue oder BDIH – nur so geht man sicher, dass tatsächlich Naturkosmetik ohne ungewollte Stoffe wie PEG/PEG-Derivate oder künstliche Farbstoffe im Einkaufskorb landen.
■ Fast alle untersuchten Produkte enthalten Duftstoffe, die nur in seltenen Fällen Allergien auslösen können. Deshalb werten wir sie nicht ab. Duftstoffallergiker greifen aber sicherheitshalber zu den Marken, die solche Duftstoffe nicht enthalten.
■ Natürliche Badezusätze mit ätherischen Ölen gleich nach Verwenden wieder verschließen, die ätherischen Duftnoten verflüchtigen sich schnell.