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TEST BIER: EIN HOCH AUF UNS


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 29.05.2019

Bier gilt in Deutschland fast als Grundnahrungsmittel. Besonders beliebt: Pils. Jeder zweite deutsche Mann trinkt mindestens einmal in der Woche ein Pils. Auch wir mögen Pilsbiere. Besonders, wenn sie frei von bedenklichen Stoffen sind: 28 Marken schaffen das.


Artikelbild für den Artikel "TEST BIER: EIN HOCH AUF UNS" aus der Ausgabe 6/2019 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago/Westend61

ÖKO-TEST RÄT

► Bevorzugen Sie Mehrwegflaschen. Noch besser für die Umwelt: Mehrweg regional kaufen, also im Umkreis von etwa 150 Kilometern.
► Bierbauch kommt von Bier: Auch ein halber Liter Pils enthält rund 200 bis 250 Kilokalorien.

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Birgit Hinsch, Testredakteurin für Lebensmittel und Getränke


Foto: Anja Waegele

Ein Gespenst geht um in der Welt des Bieres. Das Gespenst heißt Glyphosat. Wir kennen Glyphosat aus anderen getreidehaltigen Lebensmitteln. Es steht im Verdacht Krebs auszulösen und ist wohl das berühmteste Spritzgift der Welt. Gerade hat es den Bayer-Vorstand um seine Entlastung gebracht. Gegen den Konzern, der Glyphosat herstellt, sind Schadenersatzklagen in Millionenhöhe anhängig. Dieses Glyphosat tauchte 2016 erstmals auch in Bier auf. Nur stark verdünnt, in kleinen Mengen, aber es war da. Wahrscheinlich weil es auf der Braugerste zum Einsatz kam.

Doch die Brauereien scheinen sich der Sache angenommen zu haben. So schreibt uns der Deutsche Brauer-Bund: „Unsere Branche nimmt das Thema ernst und unterhält deshalb zusammen mit den Wertschöpfungsstufen – Getreide, Malz und Hopfen – Monitoringsysteme (…), um dadurch den Eintrag unerwünschter Stoffe in das Bier soweit wie möglich zu vermeiden.“ So ähnlich argumentierte der Brauer-Bund aber auch schon 2016. Und hat sich was getan? Das Münchner Umweltinstitut, das Glyphosat 2016 erstmals in Bier nachgewiesen hatte, meint ja. Zwar fanden die Münchner das Spritzmittel auch ein Jahr später noch in allen untersuchten Bieren, allerdings in geringeren Mengen. Sieben der 14 Marken aus der Münchner Untersuchung sind auch in unserem Test. Glyphosat hat das von uns beauftragte Labor darin nicht mehr festgestellt.


Zwei Drittel der Biere im Test enthalten kein Glyphosat.


Vom Tisch ist das Problem trotzdem noch nicht, wie die 15 belasteten Biere im Test zeigen. 13 von ihnen enthalten Glyphosat in Mengen, die wir abwerten, auch ein Bio-Bier. Das ist ein Wermutstropfen. Insgesamt sind unsere Ergebnisse aber sehr erfreulich: Die meisten Pilsmarken sind sauber. Prost!

Auch die bierspezifischen Qualitätsprüfungen bestanden fast alle Produkte mit Bravour: Keine Keime, die das Bier verderben könnten, und Alkoholgehalte, die den deklarierten im Rahmen der üblichen Toleranz entsprechen.

Spritzen vor der Ernte. Die sogenannte Sikkation mit Glyphosat soll die Ernte erleichtern, führt aber zu Rückständen. Für Braugerste ist das in Deutschland nicht mehr erlaubt.


Foto: imago images/Panthermedia

Lediglich zweimal sackte der Schaum zu schnell zusammen. Dabei freuen sich gerade Pilskenner über stabilen Schaum.

Die Umwelt freut sich, wenn das Pils in Mehrwegflaschen auf den Markt kommt. Noch hat Bier eine stabile Mehrwegquote von knapp über 80 Prozent. Doch die zunehmende Listung von Bierdosen, insbesondere durch Discounter und Supermärkte, lässt diese Quote schrumpfen. Nach Aussagen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) belegen alle einschlägigen Studien deutlich schlechtere Klimabilanzen für Einweg im Vergleich zu Mehrweg. Das gelte ganz besonders für Einwegdosen aus Alu oder Weißblech sowie für Einwegflaschen aus Glas. Glasflaschen sind also nur dann richtig gut, wenn es Mehrwegflaschen sind. Auch wenn immer mehr Dosen in den Regalen stehen: Die kleinen Discounter im Test Norma und Netto-Marken-Discount setzen beim Pils weiterhin auf Mehrweg. Darauf ein Hoch.

Diesen Test können Sie auf unserer Webseite unter oekotest.de/111655 gratis abrufen.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf der Seite 126.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Einwegdose aus Aluminium oder Weißblech.2) Weiterer Mangel: Einweg-Glasflasche.3) Weiterer Mangel: Überschreitung des Bio-Orientierungswertes für Pestizide von 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat), nach Rückrechnung auf die unverarbeitete Braugerste.4) Laut Anbieter wurde die Herstellung und Auslieferung des Produkts im Februar 2019 eingestellt. Im April seien nur noch geringe Restbestände erhältlich gewesen.5) Laut Anbietergutachten wies ein chargengleiches Rückstellmuster Bittereinheiten von 24,4 auf.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) ein als besonders bedenklich eingestuftes Pestizid (hier: Glyphosat) in einer Menge von mehr als 0,01 mg/kg unverarbeiteter Braugerste, berechnet unter Berücksichtigung eines Verarbeitungsfaktors für Glyphosat in Bier von 0,05 (Quelle: BfR-Datensammlung zu Verarbeitungsfaktoren) und unter der Annahme, dass der im Bier gemessene Gehalt zu 100 Prozent aus der Braugerste stammt; b) eine Schaumkennzahl (Steinfurth) von unter 100 (in der Tabelle: Schaumhaltbarkeit „gering“).

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Einweggebinde; b) ein Glyphosatgehalt, der zurückgerechnet auf die unverarbeitete Braugerste über dem Bio-Orientierungswert von 0,01 mg/kg liegt, berechnet wie oben. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de → Hefte → ÖKO-Test Magazin. Wählen Sie die Ausgabe und scrollen Sie ans Seitenende.
Einkauf der Testprodukte: Februar / März 2019.

SO TESTET ÖKO-TEST

Mit rund 55 Prozent Anteil am gesamten Biermarkt ist das Pils die mit Abstand beliebteste Biersorte. Wir haben 43 Marken getestet, davon sieben aus ökologischer Erzeugung.

Die Labore durchforsteten die Biere primär nach problematischen Stoffen. An erster Stelle sei das umstrittene Herbizid Glyphosat genannt. Dosenbiere ließen wir zusätzlich auf Bisphenol A prüfen, das in Tierstudien wie ein Hormon wirkte und aus kaputten Innenlackierungen der Dosen entweichen könnte. Auch die Belastung mit Keimen, von denen einige das Bier verderben können, stand im Fokus der Untersuchungen. Schließlich ließen wir weitere Qualitätsparameter überprüfen, wie die Bittereinheiten, die Stammwürze, der Endvergärungsgrad und die Schaumkennzahl. Pils sollte hier bestimmte Vorgaben erfüllen.

Unter den Inhaltsstoffen führen insbesondere nennenswerte Gehalte an Glyphosat zum Notenabzug. Dabei haben wir einen Verarbeitungsfaktor angelegt, mit dem sich auf die Belastung der unverarbeiteten Braugerste schließen lässt. Wir werten hier ab, wenn der Gehalt über einem Wert von 0,01 Milligramm pro Kilogramm liegt. Weil ein solcher Gehalt auch die Einhaltung von Bio-Richtlinien in Frage stellt, gibt es für das belastete Bio-Pils extra Punktabzug. Einwegverpackungen aus Glas oder Metall verschlechtern das Gesamturteil um eine Note.