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TEST Bio-Hundefutter: Zum Heulen!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2017 vom 29.12.2016

In fast jedem fünften Haushalt leben ein oder mehrere Hunde. Und immer öfter kommt Bio-Futter in den Fressnapf. Aber ist bio auch gesünder? Wenn ja, gilt das dann auch für Futter ganz ohne Fleisch?


Artikelbild für den Artikel "TEST Bio-Hundefutter: Zum Heulen!" aus der Ausgabe 1/2017 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 1/2017

Fünf Euro für Hundefutter pro Tag. Das ist ganz schön viel. Zu viel, werden viele Hundebesitzer denken. Viel günstiger geht es aber nicht, wenn man seinem Hund Bio-Futter geben möchte, wenige Marken ausgeschlossen. Aber zahlen sich diese Mehrkosten aus? Die Antwort wird knifflig. Denn: Bin ich bereit, mehr zu bezahlen, damit keine Gentechnik zum Einsatz kommt oder damit weniger Zusatzstoffe im Futter landen? ...

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... Was ist es mir wert, dass das Fleisch im Hundefutter nicht aus Massentierhaltung kommt? Die Zahl an Tieren, die gehalten werden dürfen, ist in Bio-Betrieben begrenzt. Die Tiere haben meist mehr Platz und beim Transport dürfen sie nicht mit Stromstößen angetrieben werden. Faktoren, die das Fleisch verteuern, auch in Bio-Hundefutter, in dem der Fleischanteil auffallend hoch ist.

Ansonsten kommen häufig die gleichen Zutaten zum Einsatz wie in konventionellem Futter, aber eben in Bio-Qualität. So auch „tierische Nebenerzeugnisse“. Gemeint sind Schlachtabfälle der Kategorie 3. Dazu zählen unter anderem Schlachtkörperteile wie Euter und Pansen, die „nach dem Gemeinschaftsrecht genusstauglich sind, aber aus kommerziellen Gründen nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind“, schreibt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Alissa Schick vom Prüfverein Verarbeitung, einer Öko-Kontrollstelle, hält den Einsatz von Schlachtkörperteilen in Bio-Hundefutter für sinnvoll: „Bio-Fleisch ist auf dem Markt nur in sehr begrenzter Menge vorhanden. Eine Konkurrenz zu Nahrungsmitteln für Menschen sollte möglichst vermieden werden. Und Schlachtabfälle fallen ja sowieso an.“ Auch Innereien, Karkassen und Blut zählen dazu. Für Schick kein Problem: „In der Natur fressen Hunde Beutetiere auch mit allem, was dazugehört.“ Trotzdem vermeiden die meisten Bio-Futterhersteller den Begriff „Tierische Nebenerzeugnisse“ auf ihren Verpackungen. Kommen neben Muskelfleisch auch Innereien wie Herz oder Pansen zum Einsatz, werden sie konkret beim Namen genannt. Das hört sich besser an. Ein Blick auf die Zutatenliste gibt Auskunft.


„Tierische Nebenerzeugnisse“ können wichtige Nährstoffe liefern


Dort sind auch Zusatzstoffe aufgelistet. Erlaubt ist, was auch in Bio-Lebensmitteln enthalten sein darf. Im Vergleich zu konventionellem Futter ist das viel weniger. Geschmacksverstärker beispielsweise sind prinzipiell nicht erlaubt. Bio-Verbände sind häufig noch strenger als die Richtlinien der nationalen Bio-Standards, die sich an dem EU-Futtermittelrecht orientieren. Anbieter mit dem Bioland-Siegel dürfen beispielsweise keinerlei Aromen zusetzen. In Nassfutter ist zwar auch bei konventionellem Futter der Einsatz von Geschmacksverstärkern und Aromen eher selten. Für den Verbraucher ist das aber schwer abzugleichen, da der Hersteller nicht alle eingesetzten Zusatzstoffe auf der Verpackung angeben muss. Er ist aber verpflichtet, dem Käufer auf Nachfrage alle mitzuteilen.

Die Liste bei Bio-Nasshundefutter ist sehr überschaubar. Nur einzelne Zusatzstoffe, darunter die Verdickungsmittel Xanthan und Johannisbrotkernmehl, werden auf der Verpackung nicht angegeben. Viele Bio-Hersteller zeichnet auch aus, dass sie versuchen, den Nährstoffbedarf des Hundes nur mit Mineralstoffen und Vitaminen abzudecken, die natürlicherweise in den Lebensmitteln vorkommen. Einige Hersteller setzen sie aber ihrem Futter nachträglich zu. Ob zugesetzt oder nicht, für den Hund ist es wichtig, dass er ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt ist.

Ob dies gelingt, haben wir bei 15 Bio-Nasshundefuttern untersucht. Darunter sind auch drei vegane und zwei vegetarische Futter. Denn wir wollten wissen, ob die Nährstoffzusammensetzung im Futter auch ohne tierische Bestandteile stimmt.

Riesige Größenunterschiede gibt es unter den Hunderassen. Die Futtermenge muss da gut auf Gewicht, Aktivität und Alter abgestimmt sein.


Foto: Annette Shaff/shutterstock

Das Testergebnis
Nicht gerade tierlieb präsentiert sich das Ergebnis: Knapp die Hälfte der Produkte ist „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Restlos überzeugen kann nur eines.
Selten alleine. Alle Produkte im Test sind als Alleinfutter ausgelobt. Die allermeisten erfüllen aber nicht die Kriterien dafür. Denn in elf Produkten konnte unser Labor kein Vitamin D nachweisen. In drei Produkten fehlte Vitamin B1. Beide Vitamine sind aber wichtig für Hunde. Vitamin-B1-Mangelsymptome sind unter anderem Fressunlust und Krämpfe. Vitamin D fördert die Calciumaufnahme im Darm sowie den Einbau von Calcium in das Skelett. Während der Mensch über die Haut Vitamin D zum Teil selbst herstellen kann, sind Hunde dazu nicht in der Lage.
Zu viel des Guten: Wo die einen viel zu sparsam sind, ist das Leyen Bio-Hundefutter Ente zu freigiebig. Der Vitamin-D-Gehalt ist viel zu hoch und überschreitet sogar den gesetzlichen Höchstwert. Zu viel Vitamin D führt langfristig zu Gefäßverkalkungen. Das Futter kann deshalb nicht besser als „ungenügend“ sein.
Knochenprobleme. Eine optimale Calcium- und Phosphordosierung scheint den Futtermittelherstellern Probleme zu bereiten. Dabei ist auch entscheidend, in welchem Verhältnis die beiden Nährstoffe zueinander stehen. Stimmt es nicht, kann langfristig ein Calciumabbau aus den Knochen die Folge sein. Bei Rinti Bio Paté mit Geflügelherzen und Herrmann’s Bio Pute mit Steckrübe und Kartoffel stimmt zwar das Verhältnis, aber sowohl Phosphor als auch Calcium sind mehr als dreimal so hoch wie empfohlen.
Das sieht schlecht aus! Vier Bio-Futter im Test enthalten zu wenig Vitamin A. Ein Mangel führt auf Dauer zu einem verminderten Sehvermögen und zu Haut- und Schleimhautproblemen.
Kupfer und Co. Die Versorgung mit den Mineralstoffen Natrium, Kalium, Magnesium, Kupfer, Eisen und Selen ist bei den meisten Produkten zufriedenstellend. Selbst der ein oder andere Ausreißer nach oben oder nach unten führt noch nicht zu einer gesundheitlichen Gefährdung des Hundes.

Zu wenig Zink. Haarverlust und rissige Haut sind sichtbare Symptome eines Zinkmangels. Weniger als halb so viel Zink wie empfohlen ist in der Terra-Pura Bio-Linsenmahlzeit enthalten, bei Eden Food Vegetarisch ist gerade mal ein Fünftel dieses Wertes drin.
Ohne Eiweiß geht nichts. Der Hundekörper benötigt es beispielsweise für den Muskelaufbau. Sowohl eine Unter- als auch eine Überversorgung ist schädlich für Hunde. Das Eiweiß-Energie-Verhältnis der meisten Futter ist sehr gut. Die größte Eiweißquelle ist das Fleisch. Bei Veggieprodukten werden Soja, Linsen oder Erbsen eingesetzt.
Kein Tier fürs Tier: Im Durchschnitt schneiden die fünf vegetarischen und veganen Futter im Test bei der Nährstoffversorgung nicht besser oder schlechter ab als die zehn mit Fleisch. Im Gegensatz zu Katzen können Hunde prinzipiell vegan ernährt werden. Professor Jürgen Zentek vom Institut für Tierernährung an der Freien Universität Berlin schränkt aber ein: „Noch fehlen langfristige Studien, die zeigen, wie gut die Nährstoffe aus einer rein pflanzlichen Kost für den Hund verfügbar sind.“
Nur im Spurenbereich. Bedenkliche Mengen an Schwermetallen hat das Labor nicht nachgewiesen. Gentechnisch verändertes Soja überhaupt nicht. Umso erfreulicher, da die Verwendung von Gentechnik bei Bio-Produkten nicht erlaubt ist.

So reagierten die Hersteller:
Leyen zeigt sich sehr erstaunt darüber, dass wir genau dieses Hundefutter erwerben konnten, da es diese Charge im Jahr 2016 bereits zurückgerufen habe. Leyen seien Unregelmäßigkeiten in der Zusammensetzung aufgefallen und habe deshalb sofort reagiert. Nur diese eine Charge (MHD 27.10.2017 Ch. 14:00 LY) sei laut Anbieter betroffen. Wir haben die entsprechende Charge nach dem angegebenen Rückruf bei einem Onlinehandel gekauft. Ob in neueren Chargen das Vitamin-D-Problem gelöst ist, werden wir für Sie untersuchen.

Experte

Kein Problem mit Getreide

Foto: Privat

„Viele Hersteller loben ihr Futter damit aus, dass es getreidefrei sei. Dadurch soll in Analogie zum Menschen das Risiko einer Glutenunverträglichkeit ausgeschlossen werden. Wissenschaftlich gibt es jedoch keine Hinweise, dass es bei Hunden gehäuft zu Unverträglichkeiten durch Getreide kommt. Getreide kann aus wissenschaftlicher Sicht problemlos als Energiequelle in der Ernährung von Hunden vorgesehen werden.“

Professor Dr. Jürgen Zentek ist Direktor des Instituts für Tierernährung an der Freien Universität Berlin und Autor des Fachbuchs „Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik“.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben Bio-Hundefutter in Drogerie-, Bio- sowie Heimtiermärkten eingekauft. Auch online haben wir bestellt: Im Internet bieten Hersteller Bio-Hundefutter häufig auch als Veggiefutter an. Ein Drittel unserer eingekauften Produkte ist deshalb komplett fleischfrei.

Ernährungsphysiologie und Schadstoffe
Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß: Nicht nur der Mensch, auch der Hund braucht diese wichtigen Bausteine zum Überleben. Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine dürfen ebenfalls nicht fehlen. Deshalb haben wir die Zusammensetzung des Futters im Labor untersuchen lassen. Außerdem schauten wir nach unerwünschten Schwermetallen wie Cadmium und Quecksilber.

Weitere Mängel
Sind die Fütterungsempfehlungen viel zu knapp formuliert? Das EUBio-Logo unerlaubterweise abgedruckt? Oder wird das Futter mit besonderen Eigenschaften beworben? Wir haben uns die Beschriftung der Verpackung ganz genau angesehen und das nicht nur, weil die Schrift teilweise sehr klein oder das Etikett falsch geklebt ist.

Die Bewertung
Hundefutter, das ein Anbieter als Alleinfuttermittel auf den Markt bringt, muss alle wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge beinhalten. Bei manchen Nährstoffen ist aber auch eine Überversorgung schädlich. Eine ausgewogene Zusammensetzung des Futters ist daher ausschlaggebend für eine gute Bewertung.

Unsaubere Arbeit: Bei mehreren Dosen verdeckte der Klebefalz Teile der Kennzeichnung.


Foto: OKO-TEST

ÖKO-TEST rät

Unser Test zeigt: Verlassen Sie sich nicht über lange Zeit auf ein Futter. Gerade bei Bio-Futter kann die Nährstoffzusammensetzung von Charge zu Charge etwas schwanken, da die Hersteller auf natürliche Bestandteile setzen, die nicht immer die exakt gleichen Nährstoffwerte liefern. Eine Unter- oder Überversorgung auf Dauer kann aber nicht ausgeglichen werden. Das Fell, die Haut und die Verdauung sind gute Indikatoren für die Qualität und die Verträglichkeit des Futters.

Welpen haben andere Ansprüche an das Futter als erwachsene Hunde. Für sie sind die Produkte in unserem Test nicht geeignet.

Bio-Hundefutter von Bio-Anbauverbänden wie Bioland oder Demeter unterliegen strengeren Auflagen als Futter mit dem deutschen Bio-Siegel. Bei jenem gibt es zum Beispiel Regelungen für noch bessere Haltungsbedingungen für Schlachttiere.

BARFen

Vegetarisch ist in, vegan ist in und BARFen sowieso. Im Deutschen ist es die Abkürzung für Biologisch-Artgerechte Roh-Fütterung, im Original steht BARF schlicht für Bones And Raw Foods, also für „Knochen und Rohes Futter“. Denn darum geht es eigentlich: Der Hundehalter stellt das Futter aus rohen Zutaten selbst zusammen. Das ist aber gar nicht so einfach, warnt die Bundestierärztekammer und gibt ein paar Tipps, was unbedingt zu beachten ist:
■ Der Hund braucht eine ausgewogene Nährstoff- und Energieversorgung, die unter anderem vom Alter, dem allgemeinen Gesundheitsstatus und der körperlichen Belastung des Hundes abhängig ist. Fleisch allein reicht lange nicht. Auch hochwertige Öle, eventuell Getreide und Gemüse stehen auf dem Speiseplan. Kartoffeln, Erbsen und Bohnen sollten allerdings unbedingt gekocht werden.
■ Bei rohem Fleisch besteht die Gefahr, dass es Krankheitserreger überträgt. Geflügelfleisch kann zum Beispiel Träger von Salmonellen sein, die auch für den Menschen gefährlich sind. Rohes Schweinefleisch sollten Hundehalter gar nicht verfüttern. Grund dafür sind die viralen Erreger der aujeszkyschen Krankheit, die im Schweinefleisch vorkommen können. Die Krankheit ist für den Hund tödlich.
■ Knochen stellen einen wichtigen Bestandteil beim BARFen dar. Scharfkantige Knochen können aber zu Verletzungen im Maul oder im Magen-Darm-Trakt des Hundes führen. Auch führen zu viele Knochen zu Verstopfungen.

In jedem Fall rät die Bundestierärztekammer Hundebesitzern, sich vom Tierarzt beraten zu lassen und sich ausreichend zu informieren.


Foto: Mikkel Bigandt/shutterstock