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TEST Bio-Mineralwasser: Bio kann das Wasser reichen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2016 vom 30.06.2016

Die Wässer mit dem Label für Bio-Mineralwasser sind rein, was Abbauprodukte von Pestiziden, Arzneimittelrückstände und Co. betrifft. Wie umweltfreundlich die hochpreisigen Produkte am Ende wirklich sind, hängt natürlich auch davon ab, wie weit entfernt von der Quelle man sie einkauft.Von Meike Rix


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Foto: Maria Uspenskaya/Shutterstock

Kann ein Mineralwasser überhaupt „bio“ sein? Wo doch Mineralwässer ohnehin von „ursprünglicher Reinheit“ sein müssen, also auch frei von Pestiziden? Als die durch ihr Bio-Bier bekannte Firma Neumarkter Lammsbräu vor Jahren ein Bio-Mineralwasser herausbrachte, sorgte das für ...

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... heiße Diskussionen. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs reichte Klage ein. Der Bundesgerichtshof urteilte Ende 2012 zugunsten der Firma: Die Verwendung der Bezeichnung Bio-Mineralwasser stelle keine irreführende Werbung mit einer Selbstverständlichkeit dar, wenn sich das fragliche Mineralwasser von anderen Mineralwässern dadurch abhebt, dass der Anteil an Rückständen und Schadstoffen besonders niedrig ist, so die Richter.

Damals waren Vertreter der Konkurrenz auf dem Mineralwassermarkt gegen die Werbung mit „bio“. Nach dem BGH-Urteil möchten nun einige selbst davon profitieren. Die Schwergewichte Hassia und Gerolsteiner bieten neuerdings Mineralwässer mit einem neu entwickelten Freseniul-uabel für „Premiummineralwasser mit Bio-Qualität“ an. Wässer mit diesem Label werden wir in künftigen ÖKO-TESTs mit Sicherheit berücksichtigen. Das Bio-Mineralwassel-uiegel tragen neben Neumarkter Lammsbräu noch drei weitere Mineralbrunnenbetreiber. Grund für ÖKO-TEST, sich anzuschauen: Was steckt in den Wässern mit Bio-Mineralwasser-Label?

Die umfangreichen Labelvorgaben der auf Initiative des Lammsbräl-unhabers Franz Ehrnsperger gegründeten Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser beinhalten unter anderem strenge Vorgaben für Uran, Arsen, Nitrit. Die Wässer müssen frei sein von bestimmten Arzneimittelrückständen und Abbauprodukten von Pestiziden. Das ist, wie unter anderem vergangene ÖKO-TESTs gezeigt haben, keine Selbstverständlichkeit, wird aber durchaus auch von einer Reihe von Mineralwässern ohne Bio-Label erfüllt. Die Zertifizierung erfolgt durch die Kontroll- und Zertifizierungsstelle BCS Ökl-uarantie in Nürnberg.


Am umweltfreundlichsten ist das Trinkwasser aus der Leitung


Und wird durch Bio-Mineralwasser die Umwelt geschützt? Das kommt darauf an! Die teilnehmenden Mineralbrunnenbetreiber verpflichten sich unter anderem, den ökologischen Landbau in ihrem Einzugsgebiet zu fördern. Die Entnahmemengen aus der Quelle sind begrenzt. Zudem werden Fortschritte in Sachen Energie- und Ressourceneffizienz im eigenen Betrieb kontrolliert. Vorgaben zur Größe des Vertriebsgebiets fehlen allerdings in den Richtlinien. Bei einem gewichtigen Lebensmittel wie Wasser ist die Transportstrecke jedoch besonders relevant für die Umweltbilanz. „Leitungswasser aus dem Hahn ist die am wenigsten umweltbelastende Art, sich mit Trinkwasser zu versorgen“, meint daher Wasserexpertin Ingrid Chorus vom Umweltbundesamt (UBA). Wer Leitungswasser trinkt, vermeidet damit die Belastung durch den Transport, die Herstellung und Reinigung der Flaschen.

Zur Überprüfung der Qualität der Wässer selbst haben wir umfangreiche Laboranalysen in Auftrag gegeben. Von den vier Anbietern waren jeweils ein stilles und ein Mediul-uasser in unserem Test dabei.

Das Testergebnis

… ist ordentlich. Am Inhalt der Flaschen haben wir nur in zwei Produkten die Zahl der Keime zu kritisieren. Die Bil-uineralwässer eines Anbieters fielen negativ durch Deklarationsmängel und eine weniger umweltfreundliche Verpackung auf. Die Preise der Wässer sind mit 0,79 bis 1,32 Euro pro Liter vergleichsweise hoch.
Reinheit bestätigt. Tatsächlich sind die Bio-Mineralwässer auch nach unseren Laborergebnissen nicht nur frei von gesetzlich eindeutig verbotenen Schadstoffbelastungen, sondern auch von Pestizidabbauprodukten sowie Arzneimittelrückständen und Süßstoffen. Untersucht wurde unter anderem auf 32 verbreitete Arzneimittelwirkstoffe, die Süßstoffe Sucralose, Saccharin und Aspartam sowie mehr als 60 Abbauprodukte von Pestiziden.
Steril muss Mineralwasser nicht sein. Bei den Untersuchungen auf eine Reihe von krankmachenden Vertretern wie E. Coli oder Fäkalstreptokokken wurde das von uns beauftragte Labor nicht fündig. Allerdings war die Gesamtzahl an Keimen in zwei stille Wässern erhöht. Dafür vergeben wir nur einen Minuspunkt.
Flaschenprobleme: Die getesteten Wässer der Marke Christinen steckten in PET-Einwegflaschen. Immerhin schickte der Anbieter uns einen Nachweis dafür, dass die Flaschen zu mindestens 55 Prozent aus recyceltem Material bestehen. In diesem Fall akzeptieren die Siegelvorgaben für Bio-Mineralwasser auch Einwegflaschen. Im ÖKO-TEST werten wir trotzdem unter Weitere Mängel ab. Ansonsten identische Christinen-Wässer in den ebenfalls angebotenen Glas-Mehrweg-Flaschen hätten besser abgeschnitten. Das Umweltbundesamt sieht Mehrwegflaschen, am besten aus der Region, den Einwegflaschen für Mineralwasser überlegen. Weil Hersteller in den vergangenen Jahren häufig Öko-Bilanzen mit abweichenden Methoden erstellt hätten, hat das UBA aktuell Mindestanforderungen für zukünftige Öko-Bilanzen von Getränkeverpackungen erstellt. Auf dieser Basis liegen dem Amt aber noch keine Bilanzen vor, auch nicht für Flaschen mit Recyclatanteilen.
Die Sache mit der „Nachhaltigkeit“: Die Prüfberichte des Zertifizierers können Verbraucher online auf den Internetseiten der Anbieter einsehen. Die chemischen Vorgaben sind klar messbar. Komplizierter wird’s bei einigen der im Kapitel „Nachhaltigkeit“ der Richtlinien der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser geforderten Schritten. Die Unternehmen sollen innerhalb von drei Jahren ein Förderprogramm für mehr ökologischen Landbau im Einzugsgebiet der Quelle erarbeiten. Einige der Quellen liegen in Naturschutz- oder Stadtgebieten ohne Landwirtschaft. Deren Betreiber schilderten uns verschiedene Aktivitäten, um den Ökl-uandbau im umliegenden Gebiet zu fördern. Auch weil die Produkte auf unterschiedlich lange Geschichten als Bio-Mineralwässer zurückblicken, ist ihr Engagement schwer vergleichbar. Klar ist: Die Umwelt dankt es nicht, wenn man ein Bio-Mineralwasser kauft, das weit per Lkw gereist ist. Der direkteste Weg von Verbrauchern Bio-Landwirtschaft vor Ort zu fördern, ist, Bio-Lebensmittel aus der Region einzukaufen.

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Weitere Mängel: Deklarationsmängel: Auslobung „praktisch frei von Nitrat und Nitrit“, Nitrat aber nachweisbar; die laut den Richtlinien für Bio-Mineralwasser vorgesehene Auslobung des Nitratgehalts fehlt auf dem Etikett. Laut einem älteren Anbietergutachten von 2014 war in einer aus dem Brunnen entnommenen Probe kein Nitrat nachweisbar. Weitere Angebotsformen laut Anbieter: Glas-Mehrweg, PET-Cycle. Damit wären die Gesamturteile „gut“ (für Glal-uehrweg) bzw. „befriedigend“.2) Bei dem Wasser handelt es sich um ein überwiegendes Gastronomieprodukt. Laut Anbieter handelt es sich beim Preis von 0,95 Euro pro Liter um einen Listenpreis des Getränkefachhändlers an die Gastronomen.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoff e führt zur Abwertung um eine Note: eine Koloniezahl von mehr als 100 koloniebildende Einheiten pro Milliliter (KBE/ml), ermittelt bei 20 °C und/oder von mehr als 20 KBE/ml, ermittelt bei 37 °C. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: PET-Einweg. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Auslobung „praktisch frei von Nitrat und Nitrit“, Nitrat aber nachweisbar; b) die laut den Richtlinien für Bio-Mineralwasser vorgesehene Auslobung des Nitratgehalts im Analyseauszug fehlt auf dem Etikett.

Geht die Wasserqualität den Bach runter?

Foto: imago/Bernhard Classen

Einerseits rühmt man sich in Deutschland des besonders gut kontrollierten Trinkwassers aus der Leitung. Auf der anderen Seite beklagen Experten seit Langem, dass die Wasservorkommen nicht ausreichend geschützt werden. Wegen der hohen Nitratbelastung der Gewässer hat die EU-Kommission Deutschland sogar verklagt. Eine steigende Nitratbelastung kann die Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser technisch immer aufwendiger und damit teurer machen. Darauf haben die Trinkwasserversorger im Verband kommunaler Unternehmen hingewiesen. Der Verband fordert außerdem die Einführung einer Abgabe auf Pestizide. „Die Vorstellung, wir könnten mit Technik in der Kläranlage und der Aufbereitung von Trinkwasser alles ,reparieren‘ ist falsch“, sagt ein Verbandssprecher. „Man muss bei den Ursachen der Verschmutzungen ansetzen.“ An technische Grenzen stößt man auch oft bei Rückständen aus der Medizin. Das zeigten auch die ÖKO-TEST-Ergebnisse einer Untersuchung von Trinkwasser aus 69 Städten auf das Kontrastmittel Gadolinium (ÖKO-TEST-Magazin 9/2014). Die kommunale Wasserwirtschaft würde zum Beispiel gerne durchsetzen, dass Kontrastmittel gar nicht erst ins öff entliche Abwassernetz gelangen, etwa indem Patienten Beutel mitbekommen, über die sie den Urin so wie alte Medikamente über den Hausmüll entsorgen können.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoff e. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1607“ eingeben.Einkauf der Testprodukte: März, April 2016.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/ oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

Mineralwasserbrunnen gibt es an vielen Orten. Da der Transport der Flaschen schwer auf die Umweltbilanz drückt, sollte, wer umweltbewusst einkaufen möchte, auch Bio-Mineralwasser nur dann kaufen, wenn es aus der eigenen Region stammt.
Nach unseren Ergebnissen aus anderen Tests sind durchaus auch viele „normale“ Mineralwässer (noch) frei von Verunreinigungen aus Landwirtschaft und Medizin. Ergebnisse zu stillen Wässern, die zudem auch für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet sind, sowie zu Medium-Mineralwässern finden Sie auf emedien.oekotest.de über die Sucheingabe „Mineralwasser“ zum Download für je 2,50 Euro.

So haben wir getestet

Der Einkauf
In den Test genommen haben wir alle vier Mineralwassermarken mit dem Label der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser. Wir kauften davon jeweils ein stilles und ein Medium-Mineralwasser ein. Die beiden Wässer aus der Ensinger Gourmet Quelle sind schwerpunktmäßig in der Gastronomie erhältlich. Die ganz neu mit dem Label ausgezeichneten Mineralwässer der Marke Theodor Rheinsberger Preussen Quelle und die der Marke Biokristall haben wir im Naturkost- und Bil-uachhandel gefunden. Vor dem Hintergrund des beworbenen Umweltschutzanspruches haben wir in dem Fall, dass ein Produkt sowohl in Mehrwel-ulas-Flaschen als auch in PET-Einwegflaschen angeboten wurde, zu den PET-Einwegflaschen gegriff en.

Nach 20 Stunden Bebrütungszeit werden die mit bloßem Auge auf dem Nährboden erkennbaren Bakterienkolonien gezählt.


Foto: Labor

Die Inhaltsstoff e
„Eins der reinsten Mineralwässer Europas“ steht auf den Etiketten der getesteten Christinen Bio Mineralwässer. Voraussetzung für die Vergabe des Bio-Mineralwasser-Labels ist, dass der Hersteller zahlreiche bestandene chemische Analysen vorweisen kann. ÖKO-TEST hat natürlich eigene Analysen in Auftrag gegeben. Unter anderem wurden die Herstellerangaben zu den Mineralstoff en überprüft und ob in den Wässern wirklich weder Abbauprodukte von Pestiziden noch Arzneimittelrückstände noch Süßstoff e nachweisbar sind. Des Weiteren gehörten Nitrat und Nitrit, Schwermetalle und Chlorat als möglicher Rückstand aus Reinigungsvorgängen zum Prüfspektrum sowie das Bakterienvorkommen.

Die Bewertung
Wir bewerten die Bio-Mineralwässer nach denselben strengen Maßstäben, die wir bei „normalem“ Mineralwasser anlegen und die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen. Darüber hinaus haben wir sie an weiteren eigenen Vorgaben gemessen, etwa zur transparenten Deklaration von Inhaltsstoff en wie Nitrat.