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TEST Bio-Mineralwasser: Teures Nass


ÖKO-TEST Spezial Essen und Trinken - epaper ⋅ Ausgabe 9/2016 vom 01.09.2016

Bio-Mineralwasser sind rein, ohne Rückstände von Pestiziden, Arzneimitteln und Ähnlichem. Umweltfreundlich sind sie jedoch nur, wenn sie aus der Region kommen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Bio-Mineralwasser: Teures Nass" aus der Ausgabe 9/2016 von ÖKO-TEST Spezial Essen und Trinken. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Essen und Trinken, Ausgabe 9/2016

Kann ein Mineralwasser uberhaupt „bio“ sein? Wo doch Mineralwasser ohnehin von „ursprunglicher Reinheit“ sein mussen, also auch frei von Pestiziden? Als die durch ihr Bio-Bier bekannte Firma Neumarkter Lammsbrau vor Jahren ein Bio-Mineralwasser herausbrachte, sorgte das fur hei.e Diskussionen. Die Zentrale zur Bekampfung unlauteren Wettbewerbs reichte Klage ein. Der Bundesgerichtshof urteilte Ende 2012 zugunsten der Firma: Die Verwendung der ...

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... Bezeichnung Bio-Mineralwasser stelle keine irrefuhrende Werbung mit einer Selbstverstandlichkeit dar, wenn sich das fragliche Mineralwasser von anderen Mineralwassern dadurch abhebt, dass der Anteil an Ruckstanden und Schadstoffen besonders niedrig ist, so die Richter.

Damals waren Vertreter der Konkurrenz auf dem Mineralwassermarkt gegen die Werbung mit „bio“. Nach dem BGH-Urteil mochten nun einige selbst davon profitieren. Die Schwergewichte Hassia und Gerolsteiner bieten neuerdings Mineralwasser mit einem neu entwickelten Fresenius-Label fur „Premiummineralwasser mit Bio-Qualitat“ an. Wasser mit diesem Label werden wir in kunftigen OKO-TESTs mit Sicherheit berucksichtigen. Das Bio-Mineralwasser-Siegel tragen neben Neumarkter Lammsbrau noch drei weitere Mineralbrunnenbetreiber. Grund fur OKO-TEST, sich anzuschauen: Was steckt in den Wassern mit Bio-Mineralwasser-Label?

Die umfangreichen Labelvorgaben der auf Initiative des Lammsbrau-Inhabers Franz Ehrnsperger gegrundeten Qualitatsgemeinschaft Biomineralwasser beinhalten unter anderem strenge Vorgaben fur Uran, Arsen und Nitrit. Die Wasser mussen frei sein von bestimmten Arzneimittelruckstanden und Abbauprodukten von Pestiziden. Das ist, wie unter anderem vergangene OKO-TESTs gezeigt haben, keine Selbstverstandlichkeit, wird aber durchaus auch von einer Reihe von Mineralwassern ohne Bio-Label erfullt. Die Zertifizierung erfolgt durch die Kontroll- und Zertifizierungsstelle BCS Oko-Garantie in Nurnberg.

Und wird durch Bio-Mineralwasser die Umwelt geschutzt? Das kommt darauf an! Die teilnehmenden Mineralbrunnenbetreiber verpflichten sich unter anderem, den okologischen Landbau in ihrem Einzugsgebiet zu fordern. Die Entnahmemengen aus der Quelle sind begrenzt. Zudem werden Fortschritte in Sachen Energie- und Ressourceneffizienz im eigenen Betrieb kontrolliert. Vorgaben zur Gro.e des Vertriebsgebiets fehlen allerdings in den Richtlinien. Bei einem gewichtigen Lebensmittel wie Wasser ist die Transportstrecke jedoch besonders relevant fur die Umweltbilanz. „Leitungswasser aus dem Hahn ist die am wenigsten umweltbelastende Art, sich mit Trinkwasser zu versorgen“, meint daher Wasserexpertin Ingrid Chorus vom Umweltbundesamt (UBA). Wer Leitungswasser trinkt, vermeidet damit die Belastung durch den Transport, die Herstellung und Reinigung der Flaschen.

ÖKO-TEST rät

■ Mineralwasserbrunnen gibt es an vielen Orten. Da der Transport der Flaschen schwer auf die Umweltbilanz drückt, sollte, wer umweltbewusst einkaufen möchte, auch Bio-Mineralwasser nur dann kaufen, wenn es aus der eigenen Region stammt.
■ Nach unseren Ergebnissen aus anderen Tests sind durchaus auch viele „normale“ Mineralwässer (noch) frei von Verunreinigungen aus Landwirtschaft und Medizin. Ergebnisse zu stillen Wässern, die zudem auch für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet sind, sowie zu Medium-Mineralwässern finden Sie auf emedien.oekotest.de über die Sucheingabe „Mineralwasser“ zum Download für je 2,50 Euro.

Wie es um die Qualität von Quellwasser bestellt ist, kann nur eine Analyse zeigen.


Foto: holbox/Shutterstock

Zur Uberprufung der Qualitat der Wasser selbst haben wir umfangreiche Labor analysen in Auftrag gegeben. Von den vier Anbietern waren jeweils ein stilles und ein Medium-Wasser in unserem Test dabei.

Das Testergebnis

… ist ordentlich. Am Inhalt der Flaschen haben wir nur in zwei Produkten die Zahl der Keime zu kritisieren. Die Bio-Mineralwasser eines Anbieters fielen negativ durch Deklarationsmangel und eine weniger umweltfreundliche Verpackung auf. Die Preise der Wasser sind mit 0,79 bis 1,32 Euro pro Liter vergleichsweise hoch.
Reinheit bestätigt. Tatsachlich sind die Bio-Mineralwasser auch nach unseren Laborergebnissen nicht nur frei von gesetzlich eindeutig verbotenen Schadstoffbelastungen, sondern auch von Pestizidabbauprodukten sowie Arzneimittelruckstanden und Su.stoffen. Unter sucht wurde unter anderem auf 32 verbreitete Arzneimittelwirkstoffe, die Su.stoffe Sucralose, Saccharin und Aspartam sowie mehr als 60 Abbauprodukte von Pestiziden.
Steril muss Mineralwasser nicht sein. Bei den Untersuchungen auf eine Reihe von krankmachenden Vertretern wie E. Coli oder Fakalstreptokokken wurde das von uns beauftragte Labor nicht fundig. Allerdings war die Gesamtzahl an Keimen in zwei stille Wassern erhoht.

Flaschenprobleme: Die beiden getesteten Wasser der Marke Christinen steckten in PET-Einwegflaschen. Immerhin schickte der Anbieter uns einen Nachweis daruber, dass die Flaschen zu mindestens 55 Prozent aus recyceltem Mate rial bestehen. In diesem Fall akzeptieren die Siegelvorgaben fur Bio-Mineralwasser auch Einwegflaschen. Im OKOTEST werten wir trotzdem unter Weitere Mangel ab. Ansonsten identische Christinen-Wasser in den ebenfalls angebotenen Glas-Mehrweg-Flaschen hatten besser abgeschnitten. Das Umweltbundesamt sieht Mehrwegflaschen, am besten aus der Region, den Einwegflaschen fur Mineralwasser uberlegen. Weil Hersteller in den vergangenen Jahren haufig Oko-Bilanzen mit abweichenden Methoden erstellt hatten, hat das Umweltbundesamt aktuell Mindestanforderungen fur zukunftige Oko-Bilanzen von Getrankeverpackungen erstellt. Auf dieser Basis liegen dem Amt aber noch keine Bilanzen vor, auch nicht fur Flaschen mit Recyclatanteilen.
Die Sache mit der „Nachhaltigkeit“:
Die Prufberichte des Zertifizierers konnen Verbraucher online auf den Internetseiten der Anbieter einsehen. Die chemischen Vorgaben sind klar messbar. Komplizierter wird’s bei einigen der im Kapitel „Nachhaltigkeit“ der Richtlinien der Qualitatsgemeinschaft Biomineralwasser geforderten Schritten. Die Unternehmen sollen innerhalb von drei Jahren ein Forderprogramm fur mehr okologischen Landbau im Einzugsgebiet der Quelle erarbeiten. Einige der Quellen liegen in Naturschutz- oder Stadtgebieten ohne Landwirtschaft. Deren Betreiber schilderten uns verschiedene Aktivitaten, um den Oko-Landbau im umliegenden Gebiet zu fordern. Auch weil die Produkte auf unterschiedlich lange Geschichten als Bio-Mineralwasser zuruckblicken, ist ihr Engagement schwer vergleichbar. Klar ist: Die Umwelt dankt es nicht, wenn man ein Bio-Mineralwasser kauft, das weit per Lkw gereist ist. Der direkteste Weg von Verbrauchern Bio-Landwirtschaft vor Ort zu fordern ist, Bio-Lebensmittel aus der Region einzukaufen.

Geht die Wasserqualität den Bach runter?

Einerseits rühmt man sich in Deutschland des besonders gut kontrollierten Trinkwassers aus der Leitung. Auf der anderen Seite beklagen Experten seit Langem, dass die Wasservorkommen nicht ausreichend geschützt werden. Wegen der hohen Nitratbelastung der Gewässer hat die EU-Kommission Deutschland sogar verklagt. Eine steigende Nitratbelastung kann die Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser technisch immer aufwendiger und damit teurer machen. Darauf haben die Trinkwasserversorger im Verband kommunaler Unternehmen hingewiesen. Der Verband fordert außerdem die Einführung einer Abgabe auf Pestizide. „Die Vorstellung, wir könnten mit Technik in der Kläranlage und der Aufbereitung von Trinkwasser alles, reparieren’ ist falsch“, sagt ein Verbandssprecher. „Man muss bei den Ursachen der Verschmutzungen ansetzen.“ An technische Grenzen stößt man auch oft bei Rückständen aus der Medizin. Das zeigten auch die ÖKO-TEST-Ergebnisse einer Untersuchung von Trinkwasser aus 69 Städten auf das Kontrastmittel Gadolinium (ÖKO-TEST-Magazin 9/2014). Die kommunale Wasserwirtschaft würde zum Beispiel gerne durchsetzen, dass Kontrastmittel gar nicht erst ins öff entliche Abwassernetz gelangen, etwa indem Patienten Beutel mitbekommen, über die sie den Urin so wie alte Medikamente über den Hausmüll entsorgen können.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 144.
Anmerkungen: 1) Weitere Mängel: Deklarationsmängel: Auslobung „praktisch frei von Nitrat und Nitrit“, Nitrat aber nachweisbar; die laut den Richtlinien für Bio-Mineralwasser vorgesehene Auslobung des Nitratgehalts fehlt auf dem Etikett. Laut einem älteren Anbietergutachten von 2014 war in einer aus dem Brunnen entnommenen Probe kein Nitrat nachweisbar. Weitere Angebotsformen laut Anbieter: Glas-Mehrweg, PET-Cycle. Damit wären die Gesamturteile „gut“ (für Glas-Mehrweg) bzw. „befriedigend“. 2) Bei dem Wasser handelt es sich um ein überwiegendes Gastronomieprodukt. Laut Anbieter handelt es sich beim Preis von 0,95 Euro pro Liter um einen Listenpreis des Getränkefachhändlers an die Gastronomen.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoff e führt zur Abwertung um eine Note: eine Koloniezahl von mehr als 100 koloniebildenden Einheiten pro Milliliter (KBE/ ml), ermittelt bei 20 °C und/oder von mehr als 20 KBE/ml, ermittelt bei 37 °C. (In der Tabelle „Keimzahl erhöht“). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: PET-Einweg. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Auslobung „praktisch frei von Nitrat und Nitrit“, Nitrat aber nachweisbar; b) die laut den Richtlinien für Bio-Mineralwasser vorgesehene Auslobung des Nitratgehalts im Analyseauszug fehlt auf dem Etikett. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „T1609“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: März bis April 2016. Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 7/2016. Aktualisierung der Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
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Foto: Farion_O/Shutterstock