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TEST Blutfettsenker: Fett verzichtbar


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2012 vom 29.06.2012

Omega-3-Fettsäuren gelten als Wunderwaff en im Kampf gegen erhöhte Blutfettwerte und zur Vorbeugung von Gefäßund Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie stecken nicht nur in Arzneimitteln, sondern auch in vielen Nahrungsergänzungsmitteln. Für gesunde Menschen haben die Kapseln mit Fisch- und Leinöl keinen Nutzen.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 7/2012

Schuld sind die Inuit in Grönland. Schuld daran, dass Omega-3-Fettsäuren so enorm beliebt sind. Dänische Wissenschaftler um Jorn Dyerberg rückten diese Stoffe bereits in den frühen 70er-Jahren ins Rampenlicht. Denn die Forscher hatten festgestellt, dass in Grönland lebende Inuit seltener an ...

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Schuld sind die Inuit in Grönland. Schuld daran, dass Omega-3-Fettsäuren so enorm beliebt sind. Dänische Wissenschaftler um Jorn Dyerberg rückten diese Stoffe bereits in den frühen 70er-Jahren ins Rampenlicht. Denn die Forscher hatten festgestellt, dass in Grönland lebende Inuit seltener an Herzinfarkt erkrankten als eine vergleichbare Gruppe Dänen. Dyerberg machte den reichlichen Verzehr von fettreichen Meeresfischen und deren hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren für die vorbeugende Wirkung verantwortlich.


Wissenschaftler bewerten Omega-3-Fettsäuren unterschiedlich


Dass Meeresfische so reich an Omega-3-Fettsäuren sind, hängt mit ihrer Nahrung zusammen. Einige Algen enthalten die Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Alpha-Linolensäure (ALA), eine Vorstufe von EPA und DHA, steckt ebenfalls in Algen und Plankton. Diese Substanzen sorgen dafür, dass die Pflanzenzellen auch bei kalten Temperaturen flexibel bleiben. Der gleiche Ef-fekt ermöglicht es wiederum den Fischen, die Algen und Plankton fressen, im eiskalten Meerwasser zu überleben. Auch beim Menschen werden die mehrfach ungesättigten Fettsäuren in die Zellwände eingebaut und halten sie elastisch. Außerdem sind sie wichtig für die Immunabwehr.

Den Untersuchungen von Dyerberg und seinem Team folgten in den vergangenen 40 Jahren zahlreiche Studien. Und sie scheinen die Vermutung der dänischen Omega-3-Pioniere zu bestätigen, dass regelmäßiger Fischverzehr Herzinfarkten vorbeugen kann und zur Senkung erhöhter Blutfettwerte (Triglyceridwerte) beiträgt. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von DHA und EPA und einer vorbeugenden Wirkung vor Herzund Gefäßerkrankungen für bewiesen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2006 reduziere sich das Risiko um etwa 30 Prozent, wenn zwischen 150 und 500 Milligramm DHA/EPA pro Tag verzehrt werden. Höhere Dosen reduzierten das Risiko nicht mehr. Die DGE hält daher eine Aufnahme von 250 Milligramm DHA und EPA pro Tag für wirksam.

Doch so eindeutig ist die Sache nicht: Eine Auswertung von knapp 90 Studien hat ergeben, dass es keinen klaren wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, dass Omega-3-Fettsäuren aus Nahrung oder Nahrungsergänzungsmitteln die Zahl der Erkrankungen von Herz und Gefäßen senken. Und erst jüngst rüttelten zwei Wissenschaftler aus Südkorea am Omega-3-Denkmal: Sie hatte Daten von 14 Studien mit insgesamt 20.000 Teilnehmern ausgewertet. In den analysierten Studien hatten Patienten mit Herzproblemen entweder Fischölkapseln mit den Hauptbestandteilen DHA und EPA geschluckt oder Placebos, also Scheinmedikamente. Das Fazit der Wissenschaftler: Fischölkapseln schützen nicht vor weiteren Herzproblemen.

Kompakt

Gefahr für Herz und Gefäße

Fettstoffwechselstörung

Es gibt zwei verbreitete Fettstoffwechselstörungen: einen zu hohen Cholesterinspiegel sowie einen zu hohen Triglyceridwert im Blut. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (Lipid-Liga) empfiehlt zur Behandlung eines zu hohen Triglyceridspiegels unter anderem Omega-3-Fettsäuren. Werden die Fettsäuren EPA und DHA in hohen Dosen verabreicht, können sie den Triglyceridspiegel im Blut senken.

Cholesterin

Die Lipid-Liga, die Deutsche Herzstiftung sowie weitere medizinische Fachgesellschaften warnen vor einem hohen Cholesterinspiegel im Blut. Das gemessene Gesamtcholesterin setzt sich aus dem HDL- und dem LDL-Cholesterinwert zusammen. Dabei dient das „gute“ HDL dem Transport von Cholesterin vom Gewebe zur Leber, wo es verstoffwechselt wird, LDL dem Transport in umgekehrter Richtung. Viel LDL-Cholesterin in den Blutbahnen kann sich als Plaques an den Gefäßwänden anlagern und zu einer Arteriosklerose führen. Bewirken Diät und Bewegung keine Senkung des LDL-Cholesterinspiegels, werden in der Regel vom Arzt Statine verschrieben. Die blockieren die Herstellung von Cholesterin im Körper. Omega-3-Fettsäuren senken den Cholesterinspiegel nicht.

Triglyceride

Rund 90 Prozent des Fetts aus der Nahrung besteht aus Triglyceriden. Der Körper kann diese Fettart auch selbst herstellen, etwa aus Alkohol. Ein erhöhter Triglyceridspiegel ist ein Risikofaktor für Herzinfarkt und Gefäßschädigungen. Als Normalwerte gelten: weniger als 200 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) Gesamtcholesterin, mehr als 40 mg/dl HDL-Cholesterin und weniger als 150 mg/dl Triglyceride.

Wer zu viel und zu fett isst und sich wenig bewegt, nimmt in der Regel zu. Den Kampf gegen die Blutfette sollte man aber nicht auf eigene Faust mit Omega-3-Kapseln führen, sondern durch eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung.


Für den Verbraucher ist jenseits der wissenschaftlichen Debatte wichtig: Gesunde brauchen ihre Ernährung nicht durch die Einnahmen von Fischölkonzentraten zu ergänzen. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt es in Deutschland keine offizielle Empfehlung für eine Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren. Ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren ist sehr selten, da das Fettgewebe des gesunden Erwachsenen diese speichern kann. Für Patienten, die bereits an Herzerkrankungen leiden oder bei denen bestimmte Blutfette – die Triglyceride – erhöht sind, kann eine Behandlung mit Omega-3-Fettsäure-haltigen Arzneimitteln angebracht sein. Eine solche Behandlung sollte unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Gesunden Menschen hingegen rät das BfR dringend davon ab, Omega-3-Fettsäuren in hohen Dosen zu konsumieren, denn ab einer Aufnahme von 700 Milligramm EPA und DHA pro Tag steige der Cholesterinspiegel. Außerdem schädigen die Stoffe bei älteren Menschen die Immunabwehr. Und schließlich gibt es Hinweise darauf, dass hohe Dosen EPA und DHA für erhöhte Blutungsneigungen verantwortlich sein können. Die Effekte auf die Gerinnungsfähigkeit des Blutes können sich bei kranken Menschen zwar positiv auf die Entwicklung und den Verlauf von Gefäßerkrankungen auswirken. Bei gesunden Menschen kann derselbe Effekt aber zu einer verlängerten Blutungszeit oder erhöhter Blutungsneigung führen.

Wir haben 25 Blutfettsenker (Triglyceridsenker) in die Labore geschickt. Davon sind 21 Nahrungsergänzungsmittel. Die meisten enthalten Fischöle – mit den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Die pflanzlichen Präparate auf Leinöl- oder Perillaölbasis enthalten Alpha-Linolensäure. Von den vier getesteten Arzneimitteln enthalten drei Fischöl. Ein Produkt enthält Phospholipide aus Sojabohnen und soll gegen einen leicht erhöhten Cholesterinspiegel im Blut wirken.

Das Testergebnis

Nahrungsergänzungsmittel fallen durch: „Ungenügend“, „mangelhaft“ und „ausreichend“ gibt es für das Gros der Nahrungsergänzungsmittel. Besser schneiden die Arzneimittel ab.
Dem Gesunden nützen die Omega-3-Kapseln nichts: Ob Fischöl, Lein- oder Perillaöl: Eine zusätzliche Aufnahme von den Omega-3-Fettsäuren DHA, EPA und Alpha-Linolensäure durch Nahrungs-ergänzungsmittel ist für gesunde Menschen unnötig. Deshalb werten wir alle Nahrungsergänzungsmittel im Test um zwei Noten ab. Und auch Schwangere und Stillende, denen die DGE zu einer Zufuhr von mindestens 200 Milligramm DHA pro Tag rät, sind nicht auf Nahrungsergänzungsmittel angewiesen. Ein bis zwei Seefischmahlzeiten pro Woche liefern die benötigte Menge DHA.

Keine schlanken Wunderkinder

Wenn Hersteller auf Lebensmitteln und Nahrungsmitteln mit Aussagen zur Entwicklung und Gesundheit von Kindern werben wollen, müssen sie bei der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) einen Antrag stellen und Daten einreichen, die diese Aussagen wissenschaftlich belegen.
Zu den Omega-3-Fettsäuren wurde viel beantragt in den vergangenen Jahren: DHA und /oder EPA trügen „zur optimalen Gehirnentwicklung“ von Kleinkindern bei, verbesserten „das Arbeitsgedächtnis“ von Kindern, beruhigten sie und förderten Konzentration, Denkfähigkeit, Lernvermögen und die Sehkraft. Nur: Bisher konnte das zuständige wissenschaftliche Gremium der EFSA für keinen der behaupteten Zusammenhänge einen wissenschaftlichen Beleg finden. Die EFSA lehnte die oben genannten Aussagen allesamt ab. Fazit: Kinder benötigen keine Fischölkapseln.
Auch Übergewicht beim Kind lässt sich kaum vermeiden, wenn die werdende Mutter Kapseln schluckt. Das zeigt eine Studie von Münchner Wissenschaftlern. Die Studie begleitete werdende Mütter ab Beginn der Schwangerschaft. Eine Gruppe nahm während Schwangerschaft und Stillzeit Fischölkapseln ein und ersetzte Fleisch-durch Fischmahlzeiten. Die Kontrollgruppe behielt ihre Ernährungsgewohnheiten bei und nahm keine Fischölkapseln ein. Das Fettgewebe der Kinder wurde nach drei bis fünf Tagen, sechs Wochen sowie nach vier und zwölf Monaten bestimmt. Das Ergebnis: Zwischen den beiden Gruppen ließ sich keinerlei Effekt der Ernährung auf die Entwicklung von Fettgewebe feststellen.

Keine ökologische Alternative zur Fischmahlzeit: Die Überfischung der Weltmeere nimmt zu. Denn auch das Futter der Zuchtlachse in den Aquakulturen der norwegischen Fjorde oder in den Netzkäfigen vor der Küste Chiles besteht zum großen Teil aus Fischmehl und Fischöl. Wer wie ÖKO-TEST aus Gründen der Nachhaltigkeit zum reduzierten Verzehr von Fisch rät, kann auch Nahrungsergänzungsmittel mit Fischöl kaum empfehlen. Denn Fischöl wird nicht nur aus Fischabfällen, sondern auch aus ganzen Fischen gewonnen. Da das keine ökologische Alternative zu den wünschenswerten ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche ist, werten wir Nahrungsergänzungsmittel ab, die Fischöl enthalten. In den wirksamen Arzneimitteln kritisieren wir den Einsatz von Fischöl nicht. Von den Anbietern wollten wir wissen, welche Fischarten für die Öle verwendet werden und woher die Fische stammen. Meistens ist das Fischöl eine Mischung aus Farmlachs sowie Sardinen, Sardellen und Makrelen. Diese Fische werden oft vor den Küsten Chiles und Perus gefischt.

ÖKO-TEST rät

Die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren durch Nahrungsergänzungsmittel ist unnötig und Geldverschwendung. Eine Behandlung mit blutfettsenkenden Arzneimitteln hingegen sollte immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Wer einmal pro Woche fetten Meeresfisch isst, versorgt den Körper mit den wichtigen Fettsäuren DHA und EPA. Zwei Fischmahlzeiten pro Woche wären aus ernährungsphysiologischer Sicht wünschenswert, sind aber angesichts der Überfischung der Weltmeere nicht empfehlenswert. Fette Meeresfische wie Hering, Makrele, Lachs, Thunfisch und Sardine enthalten am meisten Omega-3-Fettsäuren.
Lein-, Raps-, Walnuss- und Sojaöl enthalten viel Alpha-Linolensäure. Aus ihr bildet der Körper DHA und EPA. Wer täglich einen Esslöffel (15 ml) Rapsöl verzehrt, hat laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung die wünschenswerte Menge an Omega-3-Fettsäuren konsumiert.

Nahrungsergänzungsmittel werden überschätzt

„Omega-3-Fettsäuren sind wichtige Nahrungsbestandteile, dennoch sehe ich die entsprechenden Nahrungsergänzungsmittel als kritisch an, nicht zuletzt weil Kunden deren Bedeutung zumeist überschätzen. Nach wie vor ist eine ausgewogene Ernährung das Maß aller Dinge!“

Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, pharmazeutischer Chemiker an der Frankfurter Goethe-Universität

Erfreulich sauber: 24 der 25 Blutfettsenker im Test enthalten keine Schadstoffe wie Schwermetalle oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Lediglich das Produkt Sanatur Omega-3 fiel mit einem PAK-Befund aus dem Rahmen.
Ohne Vitamin E wirds ranzig: Öl mit einem sehr hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren ist besonders oxidationsanfällig. Es wird ranzig. Vitamin E schützt vor diesem schädlichen Einfluss des Sauerstoffs. Deshalb sollten Omega-3-Präparate Vitamin E enthalten. Das Nahrungsergänzungsmittel Linomega Omega-3 und das Arzneimittel Eicosan 750 Omega-3-Konzentrat enthalten diesen Oxidationsschutz nicht.
Zu viel Vitamine: Einige der Hersteller haben ihren Nahrungsergänzungsmitteln weitere Vitamine zugesetzt. Auch wenn der Gesetzgeber bis heute Höchst- und Mindestmengen für Vitamine in Nahrungsergänzungsmitteln nicht geregelt hat: In den Produkten Das Gesunde Plus Omega-3-Leinöl 1000 und Biovital Omega 3 1300 plus ist es zu viel des Guten. Die Höchstmengenempfehlung des BfR für Folsäure und Niacin werden überschritten.
■ „Frei“ formuliert oder schlicht falsch: Neun der 21 Nahrungsergänzungsmittel fallen durch fragwürdige Auslobungen auf ihren Verpackungen negativ auf. Sie zielen auf die Gesundheit oder die Gesunderhaltung von Organen oder Organfunktionen. Viele gesundheitsbezogene Angaben sind nicht durch wissenschaftliche Stellungnahmen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gedeckt. So preisen etwa die Hersteller der Produkte OmniVit Omega-3 mit Lachsöl, Optisana Omega-3 und Tetesept Omega-3 Lachsöl 1000 ihre Präparate für eine „herzgesunde Ernährung“ an. Das Mittel Biovital Omega-3 1300 plus unterstützt laut Auslobung ein „gesundes Herz-Kreislauf-System“. Nicht zulässig ist laut EFSA der Hinweis auf der Biovital-Packung, dass Carotinoide vor oxidativen Schäden schützen.
Wirksamkeit nicht belegt: Von den vier Arzneimitteln im Test überzeugten die drei Produkte mit Fischöl. Sie eignen sich zur Senkung stark erhöhter Triglyceridspiegel. Eingenommen werden sollten sie zusätzlich nur, wenn Diät allein zur Senkung des Blutfettspiegels nicht ausreicht. Das pflanzliche Arzneimittel Lipopharm enthält Phospholipide aus Sojabohnen und soll gegen leicht erhöhte Cholesterinwerte wirken. Allerdings fehlen belastbare, klinische Daten für das Produkt. Außerdem liegt keine Empfehlung einer medizinisch-internistischen Fachgesellschaft vor, die den Einsatz von Sojabohnenphospholipiden zur Therapie von Fettstoffwechselstörungen rechtfertigen würden. Damit fällt das Produkt mit „mangelhaft“ durch.

So haben wir getestet

Der Einkauf

„Erhöhte Blutfettwerte“ ist eine häufig gestellte Diagnose in deutschen Arztpraxen. Und weil sich zu hohe Cholesterin- und Triglyceridwerte negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirken können, sind auch viele Bürger, die normale Werte haben, in Sorge und versuchen, durch Nahrungsergänzungsmittel ihre Blutfettwerte positiv zu beeinflussen. Deshalb landeten Nahrungsergänzungsmittel mit den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA und mit Alpha-Linolensäure in unserem Einkaufskorb. Neben den Nahrungsergänzungsmitteln haben wir auch Arzneimittel eingekauft, die laut Beipackzettel Blutfette (Triglyceride) senken sollen. Auch im Test: ein pflanzliches Arzneimittel, dessen Hersteller die Senkung eines leicht erhöhten Cholesterinspiegels verspricht.

Die Begutachtung der Arzneimittel

Die Arzneimittel im Test haben wir von unserem wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie an der Frankfurter Goethe-Universität, begutachten lassen. Er ist vor allem der Frage nachgegangen, ob es belastbare klinische Daten für die deklarierten Anwendungsgebiete – Senkung von stark erhöhten Triglyceridspiegeln beziehungsweise leicht erhöhten Cholesterinspiegeln – gibt.

Die Auslobungen der Nahrungsergänzungsmittel

Ist es für gesunde Menschen überhaupt notwendig, ihren Speiseplan mit Omega-3-Fettsäuren aus der Kapsel zu ergänzen? Versprochen wird viel, wenn man sich die Auslobungen auf den Verpackungen der Nahrungsergänzungsmittel ansieht. Und wenn starke Begriffe wie „Herzgesundheit“ verwendet werden, öffnet sich das Portemonnaie von uns Verbrauchern vielleicht umso schneller. Deshalb haben wir überprüft, welche der gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims) belegt sind. Dabei orientieren wir uns an den wissenschaftlichen Bewertungen der Health Claims durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit.

Die Inhaltsstoffe

Uns hat interessiert, was außer Fisch-, Lein- oder Perillaöl noch in den Kapseln steckt. Deswegen haben wir uns die zugesetzten Vitaminmengen angeschaut und verglichen, ob sie die Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) für Nahrungsergänzungsmittel einhalten. Damit Omega-3-Fettsäuren nicht ranzig werden, sollten die Produkte Vitamin E als Oxidationsschutz enthalten. Da Meeresfische Schwermetalle in ihrem Körper anreichern und einige dieser Stoffe auch von Pflanzen aufgenommen werden, haben wir das Öl der Kapseln auf solche Verunreinigungen untersuchen lassen. PAK entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material wie Kohle, Heizöl, Kraftstoff und Holz und sind deswegen weltweit nachweisbar. Auch nach dieser Stoffgruppe, von der einige Substanzen krebserregend sind, ließen wir ein Labor suchen.

Die Bewertung

Da der gesunde Anwender keinen Nutzen von der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren hat, gibt es für diese Produkte generell Punktabzug. Fragwürdige Auslobungen, Schadstoffe im Produkt, zu hoch dosierte Vitamingaben sowie das Fehlen von Vitamin E verschlechtern das Ergebnis zusätzlich. Weil Fischölprodukte zur Überfischung der Meere beitragen, gibt es für Nahrungsergänzungsmittel mit Fischöl Notenabzug. In Arzneimitteln werten wir Fischöl nicht ab, da es hier wirklich nützlich sein kann. Entscheidend für die Bewertung der Arzneimittel ist der Beleg für ihre Wirksamkeit.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: ALA = Alpha-Linolensäure. DHA = Docosahexaensäure. EPA = Eicosapentaensäure. PAK = Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 116. Anmerkungen: 1) Laut Anbieter heißt das Produkt künftig Omnivit Omega-3 Kapseln. 2) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. 3) Laut Anbieter heißt das Produkt mittlerweile Bakanasan Omega-3-Leinöl-Kapseln. Zusammensetzung und Verzehrempfehlung haben sich laut Anbieter nicht geändert, allerdings die Auslobung. 4) Laut Anbieter ist das Produkt mittlerweile mit neuer Auslobung gekennzeichnet. 5) Laut Anbieter sind Produkte ab dem Mindesthaltbarkeitsdatum 02.2015 mit neuer Auslobung gekennzeichnet. Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt: Arzneimittel: Testergebnis Pharmakologische Begutachtung: Zur Abwertung um vier Noten führt: Wirksamkeit nicht belegt. Zur Abwertung um eine Note führt: kein Vitamin E enthalten. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/ chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. Nahrungsergänzungsmittel: Testergebnis Maßgebliche Inhaltsstoffe: Zur Abwertung um vier Noten führt: ein Gehalt von mehr als 200 μg/kg einer Ein-zelverbindung polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Nutzen für den gesunden Anwender nicht belegt; b) Fragwürdige Auslobungen wie: für eine herzgesunde Ernährung; Herzgesundheit; für ein gesundes Herzkreislaufsystem; zur Regulierung des Cholesterinspiegels (in Bezug auf DHA und EPA); für eine cholesterinbewusste Ernährung; Carotinoide (hier: Betacarotin) schützen vor oxidativen Schäden. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Fischöl im Produkt; b) kein Vitamin E enthalten; c) Dosierung weiterer Vitamine erhöht. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. Das Gesamturteil Arzneimittel beruht auf dem Testergebnis Pharmakologische Begutachtung und dem Testergebnis Hilfsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Das Gesamturteil Nahrungsergänzungsmittel beruht auf dem Testergebnis Maßgebliche Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Einkauf der Testprodukte: März 2012.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1207“ eingeben.


Foto: Björn Lehmann/Fotolia.com

Foto: grynold/istockphoto.com