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TEST BUNTE HAARFARBEN: BUNTER SCHUND


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2018 vom 25.01.2018

Eine neue Haarfarbe bedeutet Veränderung, Neuerfinden, Rebellion. Kein Wunder, dass vor allem Jugendliche gerne in den Farbtopf langen. Je bunter, desto besser – das ist längst kein Randgruppenphänomen mehr. Allerdings haben Haarfarben den Ruf, fiese und gesundheitsschädliche Chemiekeulen zu sein. Gilt das auch für die Regenbogenpalette?


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Foto: Micha Ludwiczak/getty images

Für Stars und Sternchen gehört es fast zum guten Ton, in einem Zustand ständiger Metamorphose zu leben. Teenie-Idole wie Miley Cirus, Katy Perry oder Jennifer Lawrence wechseln Haarschnitt und -farbe, inklusive Lebensphilosophie, wie ...

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... andere Menschen die Unterwäsche. Bahnbrechend neu ist dieses Phänomen natürlich nicht. Schon Madonna, David Bowie und Co. lebten das Prinzip des ständigen Neuerfindens ihrer eigenen Kunstfigur. Und selbst sie waren damit keine Pioniere.


Über Epochen und Kulturkreise hinweg verändern Menschen ihre Haare mit Schnitt, Farbe oder Schmuck.


Über Epochen und Kulturkreise hinweg eigneten sich Haare schon immer hervorragend zum Ausdruck von Individualität. Mit aufwendigen Frisuren, Haarschmuck, Perücken oder eben einer neuen Farbe modifizieren Menschen seit jeher ihren Schopf. Den Haaren wird mitunter sogar eine persönlichkeits- und stimmungsbezogene Definitionsmacht zugeschrieben. Das reicht vom profanen „Bad Hair Day“ bis zur radikalen Typveränderung nach einem einschneidenden Lebensereignis. Nicht nur Frauenzeitschriften stürzen sich auf diesen Zusammenhang. Auch wissenschaftliche Arbeiten beschäftigen sich damit, welche Emotionen Haarschnitt und -farbe auslösen können. Frisuren dienen dabei nicht nur als Ausdruck persönlichen Empfindens. Sie können auch ein gesellschaftliches Statement sein: In den 70er- und 80er-Jahren schmückten die wildesten Tollen die Häupter. Dagegen wirkte der pomadengetränkte Dandyschnitt der 50er-Jahre noch harmlos, wenn er auch zu seiner Zeit anrüchig genug war. Wer sein Haar besonders stylt, will sich von der Masse abheben.

Aber funktioniert das heute immer noch? Um im modernen Social-Medi-elbstdarstellungszirkus mit seinen Haaren noch Aufsehen zu erregen, muss man sich jedenfalls ordentlich ins Zeug legen. Bunt kann heute jeder. Längst stehen Verbrauchern in Drogerien und Internetshops neben all den Colorationen in Naturtönen auch quietschebunte Do-it-yourself-Produkte zur Verfügung.

ÖKO-TEST RÄT

► Bunte Haarfarbe ist mit Vorsicht zu genießen, denn auch sie enthält Stoffe, die Allergien auslösen können. Für ein richtig knalliges Ergebnis ist zudem meist eine vorherige Blondierung nötig. Die nötige Chemie birgt noch mehr Risiken und greift zudem die Haarstruktur an.
► Ein dezenteres, dafür aber gesundheitlich unbedenkliches Ergebnis erhalten Sie mit Pflanzenfarben.
► Der auf manchen Packungen empfohlene Selbsttest auf Allergien vor der Anwendung gilt als überholt. Er kann sogar die Entstehung von Allergien fördern, da jeder Kontakt das Sensibilisierungsrisiko erhöht.

Eine Typveränderung tut manchmal richtig gut. Gesundheitliche Probleme, die chemische Haarfarben hervorrufen können, sollten dafür allerdings nicht der Preis sein.

Marieke Jörg, ÖKO-TEST-Redakteurin


Foto: Anja Wägele

Nachdem chemische Haarfarben in vergangenen Tests eher schlecht abschnitten, wollten wir diesmal wissen, was mit den Regenbogennuancen los ist und haben 14 bunte Einkomponente-aarfarben in die Labore geschickt.

DAS TESTERGEBNIS

Kein Topf voll Gold am Ende des Regenbogens. Die bunten Einkomponente-aarfarben könnten theoretisch besser abschneiden als ihre oxidativen Schwestern. Denn einige der eingesetzten Färbestoffe sind tatsächlich weniger problematisch als die Substanzen, die ÖKO-TEST in vergangenen Tests von Mehrkomponenten-Haarfarben kritisiert hat. Doch in den Produkten stecken weitere Problemstoffe. So bleiben auch die Regenbogenfarben dem schlechten Ruf chemischer Colorationen treu.

Buntes Durcheinander: Blau, Türkis, Lila, Grün, Gelb, Orange, Rot, Rosa – leider können wir keinen Farbton empfehlen. Klar ist: Gerade in knallbunten Nuancen steckt oft ein Mix verschiedener Färbemittel, darunter auch sogenannte aromatische Amine. Viele Vertreter dieser Stoffgruppe gelten als problematisch. Kritisch etwa, wenn, wie im Color 2 Create by Isana Mix + Shade, Passion Purple, Anilin oder anilin freisetzende Farbstoffe enthalten sind. Anilin hat sich im Tierversuch als krebserzeugend erwiesen. Andere aromatische Amine, die in den Haarfarben stecken, hat das wissenschaftliche Beratergremium der EU-Kommission (SCCS) überhaupt noch nicht bewertet.

Eine Reihe weiterer Farbstoffe konnten die Experten bislang nicht abschließend bewerten, da ihr genaues Mischverhältnis unklar ist, sie risikobehaftete Bestandteile enthalten können oder die in Studien getesteten Konzentrationen nicht ausreichten.

Knallig, bunt und auffällig sollen sie sein – leider steckt oft in genau diesen Knallfarben ein Mix verschiedener Färbemittel, die problematische Inhaltsstoffe enthalten können.


Foto: dnberty/getty images

SO HABEN WIR GETESTET

Der Einkauf

Bunte Haarfarben drängen zunehmend in die Verkaufsregale der Drogeriemärkte. Dort, im Friseurbedarf und im Internet haben wir 14 Einkomponentenfarben gekauft und – auf 100 Milliliter umgerechnet – zwischen 2,99 Euro und 15,98 Euro bezahlt. Die Farben funktionieren ohne Oxidationsprozesse und waschen sich meist nach und nach wieder heraus.

Die Inhaltsstoffe

Unser kritischer Blick galt wie bei allen Haarfarbentests besonders den Färbesubstanzen. Die Labore prüften außerdem auf bedenkliche Konservierungsmittel und Duftkomponenten, halogenorganische Verbindungen und Nitrosamine.

Die Weiteren Mängel

Enthält die Umverpackung umweltschädliche chlorierte Verbindungen? Schlüsseln die Hersteller uns gegenüber Sammeldeklarationen der Farbbestandteile auf? Auch hier haben wir genau hingeschaut.

Die Bewertung

Je nachdem, ob und wie die Färbesubstanzen vom wissenschaftlichen Beratergremium der EU-Kommission (SCCS) bewertet wurden, staffelt sich die Abwertung für bedenkliche Färbestoffe. Die meisten Produkte sammeln allerdings mit einer Vielzahl anderer Problemstoffe noch einige zusätzliche Minuspunkte.

Welche problematischen Farbstoffe in den knalligen Haarfarben stecken, haben von uns beauftragte Labore untersucht.


Fotos: Labor (2)

Nicht schwarz, nicht weiß. Zwar hat das SCCS 2013 viele Haarfärbestoffe hinsichtlich ihres Sensibilisierungspotenzials, also ihres Risikos, Allergien auszulösen, bewertet. Doch vor allem knallbunte Färbestoffe sind in der Liste oft als „nicht klassifizierbar“ aufgeführt. In einigen Fällen lagen dem Komitee nicht genug Daten vor, um zu einer abschließenden Bewertung zu kommen. Entwarnung können wir aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes nicht geben, denn ein Gesundheitsrisiko ist nicht auszuschließen.
Grauzone. Zwar sind Haarfarben offiziell sogenannte Rinse-off-Produkte, werden also abgespült. Doch aufgrund einer Einwirkzeit von teilweise mehr als 30 Minuten sehen wir sie kritischer als etwa Shampoo. Deshalb bewerten wir PEG/PEG-Derivate in den Haarfarben wie in Produkten, die auf der Haut bleiben. PEG/PEG-Derivate können die Haut durchlässiger für Problemstoffe machen. Sie sind – bis auf eine Ausnahme – in allen Farben enthalten.
Kritische Keimhemmer. Konservierungsstoffe sorgen dafür, dass Kosmetikprodukte nicht verkeimen – auch in den Haarfarben. Allerdings sind einige alles andere als harmlos. In den beiden Schwarzkopf-Produkten hat das Labor Propylparaben nachgewiesen. Es gehört zu den längerkettigen Vertretern der Parabene, die in Verdacht geraten sind, wie ein Hormon zu wirken und im Tierversuch fortpflanzungsgefährdend waren.
Unhaltbar. Andere problematische Konservierungsmittel sind Isothiazolinone – zu diesen gehören Methylisothiazolinon (MIT) und die halogenorganische Verbindung Chlormethylisothiazolinon (CIT). Die Mischung steckt in den Haartönungen der Marken Arctic Fox, Crazy Color und Manic Panic. Sie können zum Teil heftige allergische Reaktionen auslösen. MIT und CIT sind in Kosmetikprodukten, die auf der Haut bleiben, sogar verboten.
Problemgruppe: Auf der Verpackung der L’Oréal Colo Vista Washout, Bluehair ist das halogenorganische Konservierungsmittel Chlorhexidine Digluconate deklariert. Das passt zur Laboranalyse, in der halogenorganische Verbindungen gefunden wurden. Verbindungen mit Chlorhexidin sind als Desinfektionsmittel verbreitet, können aber Allergien auslösen. Auch in der Schwarzkopf Got2B Farb Artist, 096 Caribbean Türkis hat das Labor halogenorganische Verbindungen nachgewiesen. Die genaue Verbindung lässt sich mit der angewandten Testmethode nicht bestimmen. Wer jedes Risiko meiden möchte, greift zu Produkten ohne halogenorganische Verbindungen.