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TEST DACHDÄMMSTOFFE: DICK VERPACKT


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 03.05.2018

Mit der Dämmung des Dachs kann der Energieverbrauch eines Hauses merklich reduziert werden. Auch die Schadstoffbelastung hält sich in Grenzen. Viele Dämmmaterialien sind empfehlenswert.


Artikelbild für den Artikel "TEST DACHDÄMMSTOFFE: DICK VERPACKT" aus der Ausgabe 5/2018 von ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: brizmaker/shutterstock

In frostigen Monaten sollen sie gegen Kälte schützen und in warmen gegen Hitze. Bestenfalls wirken sie dabei schallisolierend und gehen im Falle eines Brandes nicht gleich in Flammen auf. Die Anforderungen an Dachdämmstoffe sind vielfältig und bezogen auf den Wärmeschutz durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) gesetzlich geregelt.

Hauseigentümer und ausführende Betriebe müssen deshalb einiges ...

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... beachten, wenn sie Dämmungen anbringen – gleich ob auf den Dächern (Aufsparren), unter den Sparren oder dazwischen (Zwischensparren). Der Indikator für das Wärmedämmvermögen ist der Lambdawert ,(den die Hersteller in den Produktdatenblättern angeben müssen. Er drückt die Wärmeleitfähigkeit aus: Je niedriger der Wert, desto weniger Wärme lässt das Material durch und desto besser ist seine Dämmwirkung.

Diese Information allein sagt jedoch noch nichts über die Anwendung im spezifischen Bauteil aus – hier im jeweiligen Dach. So lässt sich eine höhere Wärmeleitfähigkeit unter Umständen durch eine dickere Dämmschicht ausgleichen. Außerdem sind die in der Regel niedrigeren Dämmwerte anderer Dachbestandteile zu berücksichtigen, etwa der Holzanteil des Zwischensparrens. Deshalb ist es notwendig, dass ein Fachmann den Wärmedurchgangskoeffizienten, kurz U-Wert, ermittelt. Er bezieht neben der Wärmeleitfähigkeit auch bauteilspezifische Parameter ein und ist die Referenzgröße für die rechtlichen Vorgaben der EnEV. Es gilt ebenso: Je geringer der U-Wert, desto besser der Wärmeschutz.

Die Dachsanierung gut planen: Fachleute berechnen die notwendige Dämmstärke, um einen gewünschten U-Wert zu erzielen.


Foto: Gutex

Generell fordert der Gesetzgeber bei Sanierungen U-Werte von 0,24 W/(m2 K) für normale Steildächer und 0,20 W/(m2 K) für solche mit Abdichtung; meist sind das Flachdächer. Abweichungen sind jedoch möglich, wenn die Dächer nicht komplett erneuert, sondern lediglich neu eingedeckt werden und die Gebäude nach 1983 errichtet oder saniert wurden.

Auch wenn der geforderte Dämmstandard konstruktionsbedingt nicht erreichbar ist – beispielsweise wenn die Höhe des Zwischensparrens für die erforderliche Dämmung nicht ausreicht – kann eine Überschreitung des geforderten U-Werts zulässig sein. „Eine Verpflichtung, in so einem Fall den Sparren aufzudoppeln oder eine Aufsparrendämmung vorzusehen, gibt es nicht“, sagt Experte Jan Karwatzki vom Öko-Zentrum NRW. Es reiche hier aus, die maximal mögliche Dämmstärke einzubauen.

Für Neubauten sieht die EnEV einen Dämmstandard von U = 0,20 W/(m2 K) vor. Er bezieht sich aber nicht auf einzelne Bauteile, sondern auf das gesamte Gebäude. Erreicht das Dach den geforderten U-Wert nicht, müssen andere Gebäudeteile die Bilanz ausgleichen, indem sie entsprechend besser dämmen. Ziel der gesetzlichen Regelungen ist es, im Sinne des Klima- und Umweltschutzes langfristig Energie und damit verbunden CO2 einzusparen.

Förderungen sollen diese Aufgabe versüßen. Neben Krediten vergibt die KfWBank auch Zuschüsse für Sanierungen von Steil- und Flachdächern. Sie betragen für eine Einzelbaumaßnahme zehn Prozent der Investitionskosten, maximal aber 5.000 Euro pro Wohneinheit. Voraussetzung ist, dass das sanierte Dach einen U-Wert von 0,14 W/(m2 K) oder niedriger aufweist. Mit Zwischensparrenlösungen sei das oft nicht zu schaffen, sagt Karwatzki. Häufig bedürfe es zusätzlicher Aufsparrendämmungen.


Bauherren müssen sich genau an die Standards der Energieeinsparverordnung halten.


Nicht nur in solchen Fällen ist der Einbau eine knifflige Angelegenheit. Erstens können sich statische Probleme ergeben, wenn durch höhere Dämmstärken deutlich mehr Gewicht auf den Sparren lastet. Zweitens können unsachgemäße Ausführungen bewirken, dass Dämmungen nicht richtig funktionieren und schlimmstenfalls Schaden nehmen, wenn sie nicht luftdicht abgeschlossen sind. Drittens ist teils spezielles Equipment erforderlich, etwa um Zellulosefasern zwischen den Sparren einzublasen.

Fachmännische Unterstützung ist daher ratsam. Das Bundesamt für Wirtschaftund Ausfuhrkontrolle (Bafa) bezuschusst Vor-Ort-Beratungen durch zugelassene und unabhängige Energieberater. Die Förderung beträgt bis zu 60 Prozent der Beratungskosten und maxi mal 800 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser. Die weitere Baubegleitung durch den Experten bezuschusst die KfW-Bank mit 50 Prozent beziehungsweise maximal 4.000 Euro.

Abseits finanzieller Aspekte und rechtlicher Vorgaben sollte die Wahl der Dämmstoffe von gesundheitlichen und ökologischen Aspekten abhängen. ÖKO-TEST hat deshalb 15 Produkte aus nachwachsenden und konventionellen Rohstoffen in die Labore geschickt.

DAS TESTERGEBNIS

Guter Schnitt. Bereits im vorangegangenen ÖKO-TEST Dachdämmstoffe 2009 hatten Holzfaserprodukte tendenziell die Nase vorn. Und so ist es auch dieses Mal. Die drei entsprechenden Modelle sind „sehr gut“. Die Dämmstoffe aus Polyurethan und Schafwolle fallen durch.
Brennpunkt. Gut ist es, wenn die Produkte nicht gleich Feuer fangen. Schlecht hingegen, wenn Hersteller dafür schädliche Stoffe einsetzen. Im Puren Protect WLS 023 stecken große Mengen des Flammschutzmittels TCPP, das zu den phosphor- und halogenorganischen Verbindungen zählt. Die Substanz ist gewässergefährdend und hat in Tierversuchen vereinzelt Haut und Augen gereizt. Noch stärker schlagen verhältnismäßig große Mengen zinnorganischer Verbindungen zu Buche – vor allem Dibutylzinn, das mitunter in Vor- und Zwischenprodukten als Konservierer eingesetzt wird. Bereits in kleinen Dosen beeinträchtigt es das Immun- und Hormonsystem von Tieren und vermutlich auch das des Menschen.
Hohe Pestizidbelastung. Die Woolin Dämmplatte aus 85 Prozent Schafschurwolle beweist, dass der grundsätzlich lobenswerte Einsatz natürlicher Rohstoffe Tücken haben kann. Das Produkt enthält äußerst viel Permethrin – ein besonders problematisches Pestizid, das Wolle vor Motten schützen soll. ÖKOTEST wertet Permethrin vor allem wegen seiner nervengiftigen Wirkung streng ab. Außerdem enthält das Produkt organschädigendes Quecksilber.
„Schlechter“ Nährboden. Die mikroskopische Untersuchung des Corktherm 040 und des Thermo Jute 100 Plus be legte starke Rückstände von abgestorbenen Schimmelpilzsporen. Unter Laborbedingungen siedelten sich auf Erstgenanntem auch sehr viele neue Mikroorganismen an. Darunter waren ebenfalls Schimmel pilze, die etwa Allergien auslösen können. Dringt Feuchtigkeit in den Dämmstoff ein, kann es auch in der Praxis zu heftigem Befall kommen. Laut dem von uns beauftragten Labor ist das Produkt aus Kork deshalb für den „Einsatz im Innenraum nicht zu empfehlen“.
Auch problematisch. Die drei getesteten Einblasdämmungen aus Zellulose enthalten Borverbindungen als Flammschutzmittel. Viele Substanzen dieser Stoffgruppe stehen unter dem Verdacht, fortpflanzungsgefährdend zu sein. Einige sind gemäß der Europäischen Chemikalienverordnung als reproduktionstoxisch (Kategorie 1B) eingestuft. Auch in den Glasfaserprodukten befinden sich Borverbindungen. Allerdings sind sie hier fest im Material gebunden und daher weniger bedenklich.
Mangelnde Weitsicht. In acht Dämmstoffen hat das von uns beauftrage Labor bedenkliche Schwermetalle gefunden. Einmal ins Dach eingebaut, stellt die Belastung zunächst kein größeres Problem dar. Allerdings ist auch ein Dämmstoffleben endlich, sodass schädliche Schwermetalle wie Chrom irgendwann in die Umwelt gelangen können. Zudem ist es nicht ausgeschlossen, dass etwa nervengiftiges Blei bei unsachgemäßem Ein- und Ausbau von Produkten, in denen es nicht fest gebunden ist, vom menschlichen Körper aufgenommen wird.

SO REAGIERTEN DIE HERSTELLER

Thermo-Natur erklärt die mikrobielle Belastung durch Stäube, die bei Ernte und Produktion nachwachsender Rohstoffe entstehen. Eine gewisse „natürliche Hintergrundbelastung“ sei bei Faserprodukten normal. Deshalb erhitze man den Dämmstoff während der Produktion, sodass dieser „keimfrei“ vom Band komme. Sobald der Verarbeiter auf der Baustelle das Paket öffne, beginne die natürliche Kontamination aber von Neuem.

ÖKO-TEST RÄT

► Die Dachdämmstoffe von Gutex, Pavatex und Steicozell schneiden im Schadstofftest nicht nur „sehr gut“ ab, sondern erzielen auch die erforderlichen Dämmstandards zu vergleichsweise günstigen Preisen. Für einen besonderen Brandschutz empfehlen sich die „guten“ Produkte aus Mineralfasern (Glas-, Steinwolle), denn sie sind nicht entflammbar.
► Laien sind gut beraten, für den Dämmstoffeinbau einen Fachbetrieb zu beauftragen.
► Informationen über mögliche Förderprogramme gibt es im Internet unterenergiefoerderung.info oder direkt auf der Internetseite der KfW-Bank,kfw.de , unter dem Punkt „Privatpersonen“.

SOMMERLICHER WÄRMESCHUTZ

Foto: brizmaker/Shutterstock

Im vorangegangenen Test Dachdämmstoffe 2009 hat ÖKO-TEST in einer aufwendigen Simulationsrechnung den sommerlichen Wärmeschutz bewerten lassen. Das Ergebnis: Fast alle Produkte schirmten ausreichend gegen Hitze von außen ab. Deshalb haben wir dieses Mal bewusst auf eine Berechnung verzichtet. Wer trotzdem ein besonders verträgliches Klima wünscht, sollte folgende Faustregel berücksichtigen: Schwerere Produkte, also solche mit größerer Masse, sind in der Regel besonders effektiv gegen Hitze. Hierzu zählen vor allem Holzfaserdämmstoffe. Im vorangegangenen Test haben sie auch überdurchschnittlich hinsichtlich des sommerlichen Wärmeschutzes abgeschnitten.