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TEST Einkaufstrolleys: Rentnervolvo reloaded


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2016 vom 25.08.2016

Seit gut einem halben Jahrhundert gibt es Einkaufstrolleys – zunächst fast ausschließlich im Schottenmuster mit wackligem Griff und quietschendem Rad. Doch das Oma-Image ist der „Hackenporsche“ los: Immer mehr Junge kaufen umweltbewusst mit den Wagen ein, die es jetzt auch in cool und sogar mit integrierten Lautsprechern gibt. Leider heißt es in Sachen Schadstoffe: Nachbessern!


Artikelbild für den Artikel "TEST Einkaufstrolleys: Rentnervolvo reloaded" aus der Ausgabe 9/2016 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Nina Flauaus/ÖKO-TEST

Ein|kaufs|trol|ley, der (m.); Pl.: die; Substantiv. Gestell auf zwei Rädern, von denen im Durchschnitt eins quietscht, und einem in Schottenmuster karierten taschenähnlichen Behältnis zum Transport von ...

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... Einkäufen, das von älterer Hand an einem zumeist wackligen Griff bei einer Geschwindigkeit von bis zu zwei Stundenkilometern holpernd gezogen wird. Synonyme: Einkaufsroller, Rentner volvo (ugs., ostdeutscher Raum), Hackenporsche (ugs.), Kartoffelmercedes (ugs.).

So hätte man bis vor einigen Jahren noch den Einkaufsroller definieren können. Das ist aber längst vorbei. Das Transportmittel hat sein staubiges Image abgelegt; immer mehr junge Leute, gerade in Großstädten, nutzen die praktische Einkaufshilfe. Und es spricht ja auch einiges dafür: kein Schleppen, keine Plastiktüten, keine Abgase, kein Lärm. Das Einkaufen mit dem Trolley ist eine umweltfreundliche Alternative zum Auto und zur Tüte. Das alte Schottenmuster sieht man allerdings kaum noch. Die Hersteller haben sich einiges einfallen lassen, um die junge Zielgruppe zu gewinnen. Stoffe aus angesagter gebrauchter Lkw-Plane sind ein Beispiel dafür, coole Farben und Muster ein weiteres. Die Wagen haben auch technisch aufgerüstet, sie lassen sich jetzt gut ziehen, versprechen Regendichte sowie einfachen Treppentransport und sehen dabei noch gut aus.


Luft nach oben: „Sehr gute“ oder „gute“ Einkaufstrolleys sind nicht dabei


Wir wollten genau wissen, ob die Einkaufstrolleys nur gut aussehen oder ob sie das auch sind. Deswegen haben wir zehn Wagen ausgewählt und ins Labor geschickt, um sie gewohnt umfangreich auf Schadstoffe prüfen zu lassen. Außerdem hat ein Institut die Trolleys im Praxistest auf Herz und Nieren, Halt und Nähte geprüft.

Das Testergebnis

Luft nach oben: Keine Abgase, kein Plastikmüll, kein Lärm – wir würden wirklich gern wenigstens einen der getesteten Trolleys empfehlen. Aber ein „gut“ oder ein „sehr gut“ hat sich leider keiner verdient. Immerhin schneiden vier Wagen mit einem „befriedigend“ ab. Irgendwas ist immer: Bestand ein Trolley den Schadstofftest mit „sehr gut“, zerhaute es ihn in der Praxisprüfung. Und hielt er der Praxisprüfung ohne Wenn und Aber stand, steckte er voller Phthalate und giftiger zinnorganischer Verbindungen.
Zerbrochen, zerrissen, durchgescheuert: Der Belastungsprüfung haben gerade einmal vier Einkaufstrolleys standgehalten. Die Aufgabe: 72 Kilometer unbeschadet auf einer Prüftrommel überstehen. Die Strecke ist zu zwei Dritteln eben, zu einem Drittel uneben wie etwa auf Pflastersteinen. Wenn der Supermarkt einen Kilometer entfernt liegt, sind das gerade einmal 35 Einkäufe. Damit war Reisenthel schon überfordert: Nach nur 26 Kilometern zerbrach der Griff und Löcher klafften in der Tasche, sodass der Belastungstest des Reisenthel Trolley M, baroque taupe abgebrochen wurde. Im Anschluss mussten die anderen Wagen noch 1000-mal eine simulierte Bordsteinkante überwinden. Da stieg Ikea aus: Der Griff des Knalla Einkaufsroller grau-weiß zerbrach.
Auslaufmodelle: Fünf Minuten lang hätten sie der Regen- dusche (knapp elf Liter pro Minute) standhalten müssen, die Trolleys – damit waren neun von zehn überfordert. Nur der Andersen Royal Shopper Ortlieb silber schützt die Einkäufe sicher. Alle anderen wurden innen feucht, in fünf Taschen stand sogar das Wasser.

Plastiktüte ade: Wer auf einen Einkaufstrolley umsteigt, kann nicht nur auf das mühsame Schleppen verzichten, sondern reduziert nebenbei auch noch die Berge an Plastikmüll, die das Einkaufen sonst verursacht.


Foto: imago/Ralph Peters

Untragbar: „Kein Tragegriff, unbequem, schwer, schmerzhaft“ – die Beschreibungen der Tester in Sachen Trolley-Tragen machen wenig Lust darauf, einen der Wagen in den fünften Stock einer Altbauwohnung zu schleppen. Aber wir bleiben fair: Die Einkaufswagen sind zum Schieben und Ziehen gebaut, das Tragen nimmt nur einen sehr kleinen Teil der Nutzung ein. Deswegen gehen nur die Rolleigenschaften ins Testergebnis ein. Aber auch da hakt es bei einigen: Nur an den Andersen-Modellen und dem Einkaufstrolley von Burley haben die Tester, die in drei Körpergrößenkategorien (klein, mittelgroß und groß) zur Prüfung antraten, nichts zu bemängeln. Die anderen Wagen schlingern oder eiern, sind schwergängig oder benötigen einiges an Kraft beim Ziehen oder Schieben. Immerhin: Schlechter als „befriedigend“ schneidet in dieser Kategorie kein Wagen ab.
Schöne Schadstoffschleudern:
So hübsch sie aussehen, so giftig sind die meisten. Die rühmlichen Ausnahmen: Der Knalla Einkaufsroller grauweiß von Ikea, der unsere strenge Prüfung meisterte, und der Burley Travoy Hich Kit, grey, in dem wir lediglich umstrittene halogenorganische Verbindungen bemängeln. Alle anderen mussten wir deutlich abwerten. Auffällig hoch waren die stark erhöhten Gehalte von bedenklichen Weichmachern aus der Gruppe der Phthalate in vier der Einkaufs trolleys. So hohe Werte finden wir selten. Diese Verbindungen stehen im Verdacht, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen und wie ein Hormon zu wirken. Auch die sehr giftigen und in der Umwelt nur schwer abbaubaren zinnorganischen Verbindungen haben wir in der Hälfte der Taschen gefunden – sie werden etwa als Stabilisatoren für PVC eingesetzt. Eine weitere, völlig unnötige Umweltbelastung: die giftigen Schwermetalle Cadmium, Blei und Chrom. Auch sie stecken in der Hälfte der Einkaufstrolleys, im Gimi Tris Einkaufsroller mit Treppensteigerrollen, blau ist der Cadmiumgehalt sogar sehr stark erhöht. Cadmium wird in Kunststoffen oft als Stabilisator eingesetzt oder steckt in den Farbstoffen. Außerdem in den Taschen: phosphororganische Verbindungen, die etwa als Flammschutzmittel eingesetzt werden und von denen einige möglicherweise krebserregend sind, PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in den Griffen der Wagen. PAK können über die Haut aufgenommen werden; einige der Stoffe sind krebserregend. Ganze sechs Mal heißt das Testergebnis Inhaltsstoffe wegen dieser Schadstoffe „ungenügend“.

So reagierten die Hersteller

Andersen sagt zu der in unserem Test überdurchschnittlichen Schadstoffbelastung nur so viel: „Ihre Anmerkungen werden wir selbstverständlich zur Produktverbesserung nutzen, um unsere Produkte weiter zu optimieren.“ Das hoffen wir.
Reisenthel legt großen Wert darauf, dass „sämtliche gesetzliche Bestimmungen eingehalten worden sind“. Demnach bestünden auch keine Bedenken bezüglich einer Gesundheitsgefährdung. Dazu, dass der Griff des Reisenthel- Trolleys während der Belastungsprüfung brach, schreibt der Anbieter: „Der Griff des Trolley M ist ausgelegt für zwölf Kilogramm und als Standardtestdistanz geben wir 36 Kilometer vor. Ihre Belastungsprüfung geht von 19,8 Kilogramm und 72 Kilometer aus, diese kann der Trolley nicht bestehen und fällt damit durch.“ Zwölf Kilogramm? 36 Kilometer? Das ist mal knapp. Eine Angabe, wie viel Kilogramm das Gestell trägt, haben wir bei Reisenthel nicht gefunden, von zwölf Kilo ist da keine Rede. Die Tasche soll 43 Liter fassen – wohl eher in Salatköpfen gerechnet als in Milchtüten.

Andersen Royal Shopper Ortlieb silber

Preis: 235 Euro

Hätte, hätte Fahrradkette: Es hätte so gut laufen können für Andersen (Gestell) und Ortlieb (Tasche). Den Belastungstest hat der Andersen Royal Shopper Ortlieb silber mit Bravour bestanden; er ist sogar der einzige wasserdichte Trolley im Test. Auch die Rolleigenschaften haben überzeugt. Aber: Die Tasche steckt voller Schadstoff e. Und wenn wir sagen „voller“, meinen wir das auch. Phthalate und zinnorganische Verbindungen, phosphororganische Verbindungen, Chrom und PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen in der Tasche – eigentlich mehr als „ungenügend“. Aber derPraxistest reißt’s raus:
Gesamturteil „befriedigend“

Andersen Unus Shopper Pepe Türkis

Preis: 115 Euro

Praxis top, Schadstoff e hop: Ganz ähnlich wie das deutlich teurere Andersen/Ortlieb-Modell schneidet auch der Andersen Unus Shopper Pepe Türkis ab. Zwar ist er nicht ganz wasserdicht, insgesamt hat er aber die Praxisprüfung mit einem soliden „gut“ bestanden. Die Tasche ist leicht vom Gestell abzunehmen; auch ans Fahrrad kann man den Trolley anhängen (extra Kupplung nötig). Der Griff zum Ziehen ist stufenlos höhenverstellbar. Eigentlich alles gut, wäre da bloß nicht diese lange Liste an Schadstoff en. Der Praxisprüfung seiDank:
Gesamturteil „befriedigend“

Burley Travoy, grey

Preis: 229,90 Euro

Ein Trolley fürs Radl: Der klare Vorteil des Burley Travoy, grey, ist, dass er (auch) fürs Fahrrad gemacht ist. Und sich binnen Sekunden mit der Sattelstütze des Rads verbinden lässt. Es hakt allerdings an drei Stellen: Bei der Belastungsprüfung sind Löcher im Taschenboden entstanden, die Tasche hält so gut wie kein Wasser ab und im Stoff stecken umstrittene halogenorganische Verbindungen. Die Tester bemängeln außerdem, dass die Griff e sehr hart seien und dieTaschenwände instabil. Immerhin:
Gesamturteil „befriedigend“

Playmarket Go Up, rojo

Preis: 118,02 Euro

So mittel auf ganzer Linie:
Die Praxisprüfung wie den Schadstoff test hat der Playmarket Go Up, rojo mit „befriedigend“ bestanden. Er hält ein bisschen Regen ab und schlingert ein bisschen. Etwas mehr als ein bisschen erhöht ist der Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoff en in dem weichen, schwarzen Griff . Dagegen spricht außerdem: Die Tasche muss umständlich abgeschraubt werden. Auch einen Extratragegriff gibt es nicht, wodurch der Wagen umständlich am Gestell Treppen hochgehievt werden muss. Dafür spricht, dass in dem Trolley weniger Schadstoff e stecken als in den meisten anderen.
Alles in allem:
Gesamturteil „befriedigend“

Rolser Logic Tour Ecomaku, Carbon

Preis: 120,94 Euro

Echt jetzt? „Nie war Umweltbewusstsein so elegant“, schreibt der Anbieter auf seiner Homepage über den Rolser Logic Tour Ecomaku, Carbon. „Eco“ wohlgemerkt stehend für „Öko“. Bei der Tasche handle es sich um den „Inbegriff ökologischen Denkens“, trägt der Hersteller dick auf. Gut: Die Tasche sei zu 100 Prozent aus recyceltem Material, das ist löblich. Aber wer einen „Öko“-Einkaufstrolley kauft, erwartet zu recht auch Schadstoff freiheit. Und die ist mit phosphororganischen Verbindungen, PVC/ PVDC/chlorierten Verbindungen, Chrom und halogenorganischen Verbindungen nicht gegeben. Auch im Praxistest überzeugt der „Öko“- Trolley nicht wirklich. Bei der Belastungsprüfung entstand ein Loch in der Tasche, außerdem ist sie nicht wasserdicht und beim Schieben schlingert der Wagen. Weiterhin ist die Öff nung etwas schmal und die Seitenwände instabil. Mehr Öko,bitte:
Gesamturteil „ausreichend“

Metaltex Shopping Line Daphne, rot

Preis: 17,99 Euro

Läuft nicht so: Beim Metaltex Shopping Line Daphne, rot hakt es an mehreren Stellen. Der Belastungstest: Der Griff bricht an (aber nicht durch), der Stoff scheuert durch. Die Praxis: Ziehen ist schwer, beim Schieben schlingert der Trolley leicht. Die Seitenwände der Tasche sind etwas instabil, der Deckel liegt lose auf. Immerhin: Er hält zumindest etwas Wasser ab. Die Schadstoff e: Phthalate, Ersatzweichmacher, zinnorganische Verbindungen, halogenorganische Verbindungen, Cadmium, Blei, PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen. Gut, dass der Hersteller uns mitteilt, ein Internet- Vergleichsportal habe den Trolley bereits getestet und für „gut (2.0)“ empfunden. Dann sollten wir unser Urteil wohl vielleicht noch einmal überdenken. Lassen Sie uns kurz überlegen …nein :
Gesamturteil „mangelhaft“

Vienna Shopping Trolley, lime

Preis: 52,40 Euro

Wasser marsch: „Oben feuchte Stellen, unten komplett nass, Wasser steht in der Tasche“, beschreiben die Tester das Ergebnis des Beregnungstests des Vienna Shopping Trolley, lime. Blöd, wenn der Hersteller die Tasche auf seiner Internetseite als „wasserabweisend“ auslobt. Blöd außerdem: dass sich die Tasche nach 200-mal Öff nen und Schließen nicht mehr einfach öff nen und schließen lässt, weil der Kordelstopper hakt. Die Verarbeitung ist auch nur so mittel: Der Griff besteht aus hartem, glatten Kunststoff , der aufgrund einer mittigen Naht unangenehm in der Hand liegt. Und zum Thema Schadstoff e nur so viel: Fast alles, auf das wir getestet haben, war auch drin.Nachbessern :
Gesamturteil „mangelhaft“

Gimi Tris Einkaufsroller mit Treppensteigerrollen, blau

Preis: 35,58 Euro

Zu viel ist zu viel: Die Liste an Schadstoff en im Gimi Tris Einkaufsroller mit Treppensteigerrollen, blau ist dermaßen lang, dass dafür im Grunde eine neue Note erfunden werden müsste – alles in allem gibt es rekordverdächtige 16 Noten Abzug. Besonders kritisch: der sehr stark erhöhte Cadmiumgehalt, schlicht eine Umweltsauerei. Das giftige Schwermetall ist in vielen Kunststoff en, unter anderem PVC, verboten, wenn der Gehalt über 100 mg/kg liegt. Das von uns beauftragte Labor hat einen der Kunststoff e als PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen identifi ziert und darin einen Cadmiumgehalt von 200 mg/kg festgestellt. Das gibt fünf Noten Abzug – und ein Produkt, das derart ökologisch bedenklich ist, kann auch im Gesamturteil nicht besser abschneiden.
Gesamturteil „ungenügend“

Ikea Knalla Einkaufsroller grau-weiß

Preis: 19,99 Euro

Ein halber Knaller: Der Knalla Einkaufsroller grau-weiß von Ikea hat zwar als einziger (!) im Test unsere strenge Schadstoff prüfung mit Bravour bestanden. In der Praxis versagt er allerdings auf ganzer Linie: Auf der Prüftrommel ist der Griff beim Belastungstest zerbrochen. Da hilft alle Schadstoff freiheit nix – kaputt ist kaputt. Deswegen kann der Trolley auch im Gesamturteil nicht besser als mit „ungenügend“ abschneiden. Auch die Handhabung hat nicht überzeugt, beim Ziehen muss viel Gewicht abgefangen werden, beim Schieben schlingert der Wagen. An der Verarbeitung bemängeln die Tester: „Griff gratig, Gestell sehr instabil, klapprig“. Echte Qualität gibt’s halt nicht für diesen
Preis :
Gesamturteil „ungenügend“

Reisenthel Trolley M, baroque taupe

Preis: 47,95 Euro

Wenn schon durchfallen, dann konsequent: Den Schadstoff test wie die Praxisprüfung hat der Reisenthel Trolley M, baroque taupe gleichermaßen überzeugend mit einer glatten Sechs abgeschlossen. Bei der Belastungsprüfung ist der Griff bereits nach 26 Kilometern gebrochen, sodass der Test abgebrochen wurde. Wasser lässt der Stoff konsequent durch und während das Ziehen noch problemlos funktioniert, schlingert der Wagen beim Schieben. Treppen und Bordsteinkanten zu überwinden, ist nicht ganz leicht, außerdem scheuert die Tasche an den Stufen und reißt auf. Phthalate in stolzer Höhe und zinnorganische Verbindungen ziehen das Testergebnis Inhaltsstoff e auf ein „ungenügend“.
Auf ganzer Linie:
Gesamturteil „ungenügend“

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: DBT = Dibutylzinn; DEHP = Diethylhexylphthalat; DIBP = Diisobutylphthalat; DIDP = Diisodecylphthalat; DOT = Dioktylzinn; DPHP = Dipropylheptylphthalat; DINP = Diisononylphthalat; MOT = Monooktylzinn; PAK = Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff e.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern fi nden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: optische Aufheller im Etikett.2) Die Bewertung unter dem Teilergebnis Rolleigenschaften bezieht sich auf die Körpergrößenkategorie „kleine Menschen“. Mittelgroße Personen empfangen das Ziehen und Schieben als problemlos, bei großen Menschen stoßen die Räder beim Ziehen an die Fersen an.3) Für sehr große Menschen ist der Einkaufstrolley eher nicht geeignet, da der Griff sehr niedrig und nicht höhenverstellbar ist.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Teilergebnis Belastung / Beregnung führt zur Abwertung um fünf Noten: Griff während der Belastungsprüfung gebrochen. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Griff während der Belastungsprüfung angebrochen; b) nach Belastungsprüfung Loch/Löcher in der Tasche u./o. „Stoff durchgescheuert“; c) Inhalt nach Beregnungsprüfung komplett nass. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Inhalt nach Beregnungsprüfung feucht; b) nach Belastungsprüfung kleine Scheuerlöcher in der Tasche, wenn nicht bereits wegen Löchern um zwei Noten abgewertet wurde; c) nach 200-mal Öff nen u. Schließen franst Zuziehschnur aus, Kordelstopper hakt beim Öff nen und Schließen.
Unter dem Teilergebnis Rolleigenschaften führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) bei Ziehen und/oder Schieben „schwer“, „schwergängig“, „Gewicht muss abgefangen werden“ und/oder „Kraft nötig“; b) „schlingert“ u./o. „schlingert leicht“ beim Ziehen u./o. Schieben; c) Stange sehr instabil und klapprig beim Ziehen u./o. Schieben. Alle Bewertungen unter dem Teilergebnis Praxistest beziehen sich auf mindestens eine der drei getesteten Körpergrößenkategorien (kleine, mittelgroße und große Menschen). Unter dem Testergebnis Inhaltsstoff e führt zur Abwertung um fünf Noten: ein „sehr stark erhöhter“ Gehalt von mehr als 100 mg/kg Cadmium in einem Kunststoff . Zur Abwertung um jeweils vier Noten führen: a) ein „stark erhöhter“ Gehalt von mehr als 10.000 mg/kg der Phthalate DEHP u./o. DINP und/ oder DPHP; b) ein „stark erhöhter“ Gehalt von mehr als 1.000 μg/kg Dioktylzinn u./o. Dibutylzinn. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein „erhöhter“ Gehalt von mehr als 1.000 bis zu 10.000 mg/kg der Phthalate DEHP u./o. DIDP u./o. DIBP, wenn nicht bereits wegen „stark erhöhter“ Phthalatgehalte um vier Noten abgewertet wurde; b) ein „erhöhter“ Gehalt von mehr als 100 bis zu 1.000 μg/kg Dioktylzinn u./o. Dibutylzinn und/oder ein „erhöhter“ Gehalt von mehr als 1.000 bis zu 10.000 μg/kg Monooktylzinn, wenn nicht bereits wegen „stark erhöhter“ zinnorganischer Verbindungen um vier Noten abgewertet wurde; c) ein „erhöhter“ Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 μg/kg einer oder mehrerer PAK-Ein zelverbindungen, sofern diese in der Summe 1.000 μg/ kg nicht übersteigen; d) ein „stark erhöhter“ Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg Blei. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1.000 mg/kg Ersatzweichmacher (hier: DEHT = Dioctylterephthalat und/ oder ATBC= Acetyltributylcitrat), wenn nicht bereits wegen „stark erhöhter“ oder „erhöhter“ Phthalatgehalte um vier oder um zwei Noten abgewertet wurde; b) ein „erhöhter“ Gehalt von bis zu 1.000 mg/kg Blei; c) ein „erhöhter“ Gehalt von mehr als 5 bis zu 50 mg/kg Cadmium; d) mehr als 100 mg/kg Chrom; e) PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen im Produkt; f) halogenorganische Verbindungen; g) mehr als 10 bis 1.000 mg/kg phosphororganische Verbindungen. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung: optische Aufheller ohne Hautkontakt. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ deeiligen Methode. Das Testergebnis Praxisprüfung setzt sich zu jeweils 50 Prozent aus den Teilergebnissen Belastung / Beregnung und Rolleigenschaften zusammen. In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Praxisprüfung zu 60 Prozent und das Testergebnis Inhaltsstoff e zu 40 Prozent ein. Das Test ergebnis Praxisprüfung sowie das Gesamturteil können nicht besser sein als „ungenügend“, wenn das Produkt während der Belastungsprüfung zerstört wurde („Griff zerbrochen“). Das Gesamturteil kann nicht besser sein als „ungenügend“, wenn eine „sehr stark erhöhte“ Belastung eines Kunststoff s mit Cadmium zu einem „ungenügenden“ Testergebnis Inhaltsstoff e führt.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis unterwww. oekotest.de - Suchen - „M1609“ eingeben.

Einkauf der Testprodukte: Mai 2016.Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofi lme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

Keine guten Nachrichten für Sparfüchse: Alle vier Einkaufswagen im Test, die mit „befriedigend“ und somit am besten abgeschnitten haben, kosten mehr als 100 Euro.

Unser Test zeigt: Neun von zehn Taschen sind nicht wasserdicht. Wenn Sie Ihre Einkäufe bei Regen schützen wollen, kaufen sie eine Regenhülle dazu.

Mehr zum Thema

Mit welchen Taschen Sie Ihre Einkäufe am besten mit dem Rad nach Hause transportieren können, lesen Sie im ÖKO-TEST Fahrradtaschen (ÖTM 04/2015), den Sie im Internet aufwww. oekotest.de kaufen können. Und falls es doch ein Rucksack sein soll: Auch die haben wir getestet, zuletzt im ÖKO-TEST Wanderrucksäcke (ÖTM 05/2015).

So haben wir getestet

Der Griff bricht: Das Ikea-Modell ist bei der Belastungsprüfung auf der Prüftrommel ausgestiegen.


Foto: Labor

Der Einkauf

Verschiedene Rollensysteme, als Anhänger fürs Fahrrad verwendbar, höhenverstellbare Griff e, cool und bunt oder schlicht und uni: Aus dem breiten Angebot an Einkaufstrolleys haben wir zehn ganz unterschiedliche ausgewählt. Auch die Preise variieren erheblich: vom Sparpreis von 17,99 bis zu stolzen 235 Euro.

Die Inhaltsstoff e

Unsere Tests zeigen immer wieder: Die Stoffe von Taschen, besonders den als wasserdicht ausgelobten, stecken voller Schadstoffe. Deshalb haben wir umfangreiche Analysen beauftragt: Krebserregende aromatische Amine, die in den Farben stecken können, standen auf der Prüfl iste, genauso wie giftige zinnorganische Verbindungen, die zum Beispiel als Stabilisator für PVC verwendet werden, giftige Schwermetalle wie Blei und Cadmium, bedenkliche Phthalate und andere Weichmacher.

Die Praxisprüfung

Einkaufstrolleys sollen nicht nur schick aussehen, sie sollen vor allem belastbar sein. Um das zu prüfen, hat das von uns beauftragte Labor den Alltagsgebrauch simuliert. Die Wagen mussten einer Strecke von 72 Kilometern standhalten, die zu zwei Dritteln eben, zu einem Drittel uneben war. Zusätzlich mussten sie 1000-mal eine simulierte Bordsteinkante überwinden. Die Prüfer haben die Verschlüsse 500-mal geöff net und geschlossen, um deren Belastungsfähigkeit zu testen. Auch einen fünfminütigen Regenschauer hatten die Trolleys bei geschlossenem Deckel zu bestehen. Jeweils zwei kleine, mittlere und große Menschen prüften die Wagen außerdem daraufhin, wie gut sie zu schieben, ziehen und tragen sind. Außerdem auf dem Prüfplan: Wie einfach lassen sich die Einkaufstrolleys befüllen? Und verstauen? Wie sind sie verarbeitet?

Die Bewertung

Klar: Der Idealfall wäre ein stabiler Einkaufswagen, der schadstoff frei jedem Regenschauer trotzt und dauerhaft den Belastungen des Alltags standhält. Deswegen fl ießen die Testergebnisse Praxisprüfung und Inhaltsstoff e ins Gesamturteil ein. Die Schadstoff belastung haben wir mit 40 Prozent allerdings etwas geringer bewertet, weil der Körperkontakt nur gering ist. Wenn ein Wagen jedoch zerstört aus der Belastungsprüfung hervorging, hilft auch keine Schadstoff - freiheit weiter – kaputt ist kaputt.