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TEST Eis für Kinder: Schleck oder Dreck?


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2016 vom 30.06.2016

Eis im Sommer – für viele Kinder eine Grundmahlzeit. Bei sieben der getesteten 16 Eissorten müssen wir allerdings abwinken. Sie enthalten Aromen unklarer Herkunft, zu viel vom Dickmacher Zucker und teils auch krebserregende Fettschadstoffe. Immerhin: Ein Produkt können wir empfehlen.Von Kai Thomas


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Foto: Christopher Robbins/iStock/Thinkstock

Tagein, tagaus, Dutzende Lastwagen, voll mit kalter, süßer Fracht: Im beschaulichen Heppenheim am Rande des Odenwalds läuft eine der größten Eismaschinen Europas. Das Werk gehört dem weltweit führenden Eisverkäufer: Unilever. Jährlich fallen dort nach eigenen Angaben ...

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... mehr als 1,5 Milliarden Portionen der Marke Langnese vom Band – mit Calippo und Flutschfinger auch bekannte Kinderprodukte.

Die Lebensmittelkonzerne Unilever und Nestlé dominieren das Geschäft. Laut den Marktanalysten Euromonitor verkaufen sie hierzulande allein ein Drittel des abgepackten Speiseeis. Mit fünf weiteren Firmen vertreiben sie dem Verband der Deutschen Süßwarenindustrie zufolge mehr als 80 Prozent. 2015 setzte die Branche demnach bundesweit rund zwei Milliarden Euro um.

Ganze 6,4 Liter Fabrikeis verputzten die Deutschen pro Kopf – rund 192 Kugeln. Einzelware aus Tankstellen und Kiosken macht davon jährlich nur einen Bruchteil aus. Das Gros schlecken Erwachsene und vor allem der Nachwuchs aus Haus- halts- und Multipackungen. Aber gibt es das überhaupt, Kindereis? Nein, erklärt die Landesuntersuchungsanstalt Sachsen (LUA). Kindereis, so die Experten, sei eine reine Fantasiebezeichnung für Speiseeis, das den Nachwuchs durch bunte Aufmachun gen oder auffällige Färbung ansprechen soll. Derartige Produkte unterliegen laut LUA den gleichen rechtlichen Vorschriften wie Speiseeis allgemein. Sie könnten zwar den Eindruck erwecken, besonders für die Kinderernährung geeignet zu sein. Es existierten aber keine speziellen Vorgaben. Das hält die Industrie nicht ab, etwa mit bunten Siegel, Eltern vorgeblich kindgerechte Portionen, Kalorien- und Zuckermengen zu garantieren.


Branche setzte 2015 zwei Milliarden Euro mit industriellem Speiseeis um


Gesundes Eis, das ist jedoch per se ein schwieriges Unterfangen: „Eis ist eine Süßware. Süßwaren enthalten in der Regel viel Energie in Form von Zucker und eventuell auch Fett, aber kaum lebensnotwendige Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe“, stellt Prof. Sabine Ellinger von der Hochschule Niederrhein klar. Die hohe Energiedichte von Eis sei daher grundsätzlich ungünstig, weil man vergleichsweise viel davon essen müsse, bis man satt sei, so die Ernährungswissenschaftlerin. Eis zähle daher wie andere Süßwaren zu den geduldeten Lebensmitteln oder auch Extras. „Klar, Kinder lieben sie, brauchen sie aber eigentlich nicht“, sagt auch Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Ihr Anteil sollte daher nicht mehr als zehn Prozent des täglichen Energieverbrauchs betragen. Entscheidend sei ihre Einbettung in eine ausgewogene, vollwertige Ernährung und das Erlernen eines maßvollen Umgangs.

Gerät der aus den Fugen, machen Zucker und Fett dick und krank. „Wenn sich ein schlankes Kind viel bewegt, kann es auch ohne Probleme mal ein stark gezuckertes Eis essen. Wenn ein Kinder aber träge und bereits übergewichtig ist, dann kann schon eine kleine Eisportion zu viel sein“, erläutert Dr. Hermann Kahl. Der Kinderkardiologe warnt vor zu viel gezuckerten Lebensmitteln. Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf- und Gelenkerkrankungen, Diabetes bis hin zu psychischen Problemen seien die Folge. „Kinder machen zu viele Süßigkeiten hyperaktiv und unkonzentriert. Ab einem bestimmten Level besitzt ihr Konsum Suchtcharakter.“ Adipöse Kinder seien sehr schwer zu entwöhnen.

Wir wollten wissen, wel- che Qualität Speiseeis besitzt, das die Zielgruppe Kinder knallbunt umwirbt. Lassen sich Schadstoffe nachweisen? Und vor allem: Sind die Zuckermengen in den Bechern und an den Schleckstielen noch vertretbar? Dazu haben wir 16 Eis aus Supermarkt-Kühltruhen eingekauft: die eine Hälfte auf Wasser-, die andere auf Milchbasis.

Das Testergebnis

Uncool: Nur ein Eis können wir als „gute“ Schleckerei empfehlen. Notenabzug gibt es vor allem für ernährungsphysiologisch ungünstige Zuckermengen sowie Aromenzusätze. Neun Eis bewerten wir so noch mit „befriedigend“, vier mit „ausreichend“. Von zwei Produkten raten wir mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ ab.
Versüßt: Wer gesund leben möchte, sollte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge höchstens zehn Prozent seines täglichen Energiebedarfs mit Zucker decken. Denn zu viel Süßes auf dem Teller macht nicht nur dick, sondern schädigt auch die Zähne. Als problematisch gelten dabei so ziemlich alle Zuckerarten, die sich im getesteten Eis finden: zugesetzter Kristallzucker sowie natürlicher Zucker in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten. Noch besser sei es daher, den Zuckerverzehr gleich auf fünf Prozent zu reduzieren, heißt es in der WHO-Richtlinie von 2015. Für ein etwa dreijähriges Kind sind das umgerechnet 15 Gramm (fünf Würfelzucker). Weil in Kinderbäuche am Tag auch andere Süßigkeiten und Limonade passen, sollte eine sinnvolle Eisportion aus unserer Sicht deutlich weniger enthalten. Dass das geht, zeigt etwa das Eismann Panda-Eis mit unter 7,5 Gramm. Mehr Zucker steckt hingegen in den Portionen der Anbieter Dedert Ijs, Bofrost, Lidl, Aldi Nord, Penny, Nestlé, Unilever, Rewe und Real. Solches Eis kann für Kinder nicht mehr „sehr gut“ sein. Kritisch wird’s bei den Eisbechern der Anbieter Edeka, Norma und Netto. Alle drei enthalten mehr als 15 Gramm Zucker. Viel Fett macht sie zudem zu Energiebomben: fast 200 Kilokalorien schlemmt ein Kind mit jeder der Portionen.
Billigheimer: Hochwertige Zutaten? Fehlanzeige. Stattdessen verrühren die Hersteller oft jede Menge Hilfsstoffe (siehe Kasten). Das macht das getestete Eis haltbarer und drückt den Preis; aber eben auch die Qualität. Zwischen ihnen und hochklassigem Speiseeis liegen Welten. So ist es kein Zufall, dass nur ein Eis auf Milchbasis auf dem Karton im Kleingedruckten „Milcheis“ heißt. Die Leitsätze für Speiseeis aus dem deutschen Lebensmittelbuch erlauben den Namen nur, wenn im Eis mindestens 70 Prozent Vollmilch stecken. Das schafft nur das Mucci Dino’s Confetti von Aldi Nord. In den anderen sieben Produkten, die nach Milcheis aussehen, steckt vor allem entrahmte Milch. Die gemessenen Milchfettmengen sind gering. Stattdessen wird billiges Fett aus Palmöl, Kokos- und Sheanüssen verarbeitet.
Appetitverderber: Mit Palmfett zergeht das Eis zwar auch cremig. Es birgt allerdings ein erhebliches Risiko. Während seiner Herstellung unter hohen Temperaturen können die äußerst bedenklichen Schadstoffe der Gruppe 3-MCPD- und Glycidylester entstehen. Das beauftragte Labor wies sie im Smarties Pop up von Nestlé sowie im Bofrost Botinchen nach. Die bereits in einer Portion Smarties Pop up enthaltene Menge liegt deutlich über der tolerierbaren Tagesdosis der EFSA. Der Gehalt im Bofrost-Produkt überschreitet sie über die Hälfte. Erst im März verschärfte die oberste EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit ihre Bewertung der Stoffgruppe. Demnach ist Glycidol eindeutig erbgutschädigend und krebserregend. Es wird im Körper offenbar vollständig aus Glycidylester freigesetzt. In Tierversuchen führte freigesetztes 3-MCPD in höheren Mengen zu Nierenschäden und Bildung gutartigerTumore. Vor allem für Kinder besteht laut EFSA schon bei durchschnittlicher Aufnahme beider Stoffe über Lebensmittel ein erhöhtes Gesundheitsrisiko.
■ Geschmackssache: 13 Hersteller peppen ihr Eis geschmacklich auf. Neun Eiskartons weisen „natürliches Aroma“ aus, drei „Aroma“ und einer gleich beides. Aus welchen Rohstoffen es genau stammt, bleibt im Dunkeln. Die Hersteller schwiegen dazu auf Anfrage. Was sie als „natürliches Aroma“ bezeichnen, muss nicht tatsächlich aus echten Früchten oder anderen Lebensmitteln stammen. Denn die EU-Aromenverordnung erlaubt auch Zusätze, die mit Bakterien, Pilzen oder Hefen aus anderen biologi- schen Grundstoffen gewonnen werden. Möglich ist auch eine gentechnologische Herstellung. Auf dem Rios Bambino Orangen Fruchteis von Penny täuscht die Zutatenliste. Dort ist nur zu lesen: „natürliches Orangen-Aroma“. Doch das beauftragte Labor wies eindeutig Spuren des Aromastoffs Allylhexanoat im Eis nach, womit die Deklaration des Geschmacksstoffs als „natürliches Orangel-uroma“ alleine falsch ist. Unilever bewirbt seinen Langnese Flutschfinger auf dem Karton mit „ohne künstliche Farbstoffe und Aromen“. Das führt in die Irre. Denn in der Deklaration steht nur nebulös „Aromen“. Der Begriff kann natürliche, aber auch synthetisch hergestellte Aromenzusätze meinen.
■ Unnötige Zusätze: Der Emul gator E 476 im Eismann Panda-Eis sorgte in Tierversuchen für Leber- und Nierenvergrößerungen. Auch die verrührten Vitamine im Multivitamin Eis von Dedert Ijs sind unsinnig: Ein ausgewogener Speiseplan führt Kindern ausreichend Nährstoffe zu.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Produkt enthält den Farbstoff Patentblau V. 2) Produkt enthält den Farbstoff echtes Karmin. 3) Produkt wurden die Vitamine C, E, B6, B2, B1, B12, Niacin, Pantothensäure, Folsäure und Biotin zugesetzt. 4) Weiterer Mangel: Anbieter bewirbt Produkt mit der Auslobung „ohne künstliche Farbstoffe und Aromen“. In der Zutatenliste finden sich aber Aromen. 5) Auf dem Produkt ist nur natürliches Orangenaroma deklariert. Nachgewiesen wurde der Aromastoff Allylhexanoat. Allylhexanoat ist ein Aromastoff, der in der Zubereitung von Lebensmitteln (beispielsweise in Knoblauchkäse) entsteht. Er genügt aber nicht den Anforderungen der europäischen Aromenverordnung an natürliche Aromen, da er nicht direkt in der Natur nachgewiesen wurde. Zumindest Teile der Aromenindustrie bestreiten das. 6) Laut Anbieter wurde das Eis aus dem Sortiment genommen. 7) Laut Anbieter ist ab Juli 2016 eine überarbeitete Version des Eis unter dem Namen „Mucci Dino’s Confetti mit Vanille Eis mit Erdbeersoße und mit Schokolinsen, mit färbenden Lebensmitteln“ im Handel erhältlich. Die getestete Version befinde sich bereits im Abverkauf. 8) Laut Anbieter ist eine neue Version des Multipack mit sechs statt bisher zwölf Eis sowie veränderter Rezeptur und Aufmachung im Handel erhältlich. Auf der Verpackungsfront ist eine Schlange statt einem Skateboard-Jungen abgebildet. 9) Laut Anbieter enthält eine Eisportion seit dem 21. März 2016 einen Zuckergehalt von 8,8 Gramm.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein Gehalt von mehr als 6 μg Glycidylester je Portion (in der Tabelle: „Fettschadstoffe stark erhöht“) und/oder eine Summe der Fettschadstoffe 3-MCPD-Fettsäureester und Glycidyl-Fettsäureester (berechnet als 3-MCPD) von mehr als 12 μg je Portion (in der Tabelle: „Fettschadstoffe stark erhöht“). Diese Menge entspricht mehr als 100 Prozent des TDI für freies 3-MCPD der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, bezogen auf ein dreijähriges Kind mit einem Körpergewicht von 15 kg. Zur Abwertung um zwei Noten führen: a) ein Gehalt von mehr als 3 μg Glycidylester je Portion (in der Tabelle: „Fettschadstoffe erhöht“) und/oder eine Summe der Fettschadstoffe 3-MCPD-Fettsäureester und Glycidyl-Fettsäureester (berechnet als 3-MCPD) von mehr als 6 μg je Portion (in der Tabelle: „Fettschadstoffe erhöht“). Diese Menge entspricht mehr als 50 Prozent des TDI für freies 3-MCPD der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, bezogen auf ein dreijähriges Kind mit einem Körpergewicht von 15 kg; b) ein Zuckergehalt (gemessener Gesamtzuckergehalt abzüglich Lactose), der die WHO-Empfehlung von 15 Gramm Zucker täglich mit einer Portion überschreitet („Zucker stark erhöht“). Zugrunde gelegt wurden der Richtwert für eine durchschnittliche Energiezufuhr von 1.200 Kilokalorien eines etwa dreijährigen Kindes pro Tag (in Anlehnung an die Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) der Zusatz von Aromen/natürlichen Aromen; b) der Zusatz von Vitaminen und/oder Mineralstoffen; c) der Emulgator E 476 (Polyglycerin-Polyricinoleat); d) ein Zuckergehalt (gemessener Gesamtzuckergehalt abzüglich Lactose), der die WHO-Empfehlung von 15 Gramm Zucker täglich mit einer Portion zu mehr als 50 Prozent ausschöpft („Zucker erhöht“). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) die Auslobung „ohne künstliche Aromen“, wenn Aromen zugefügt sind; b) der Nachweis des Aromastoffs Allylhexanoat, wenn ausschließlich natürliches Orangenaroma deklariert ist. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Die Angaben zu Zucker- und Fettgehalten in der Tabelle basieren auf gemessenen Werten. Bei Eis auf Wasserbasis entsprechen die Fettgehalte deklarierten Werten.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1607“ eingeben.Einkauf der Testprodukte: April 2016

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Ein spielungen in elektronischen Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

Das „gute“ oder die „befriedigenden“ Eis ohne Schadstoffe dürfen Kinder selbstredend ab und zu genießen.
Essen ist auch Genuss: Bringen Sie Ihren Kindern besser einen maßvollen Umgang mit Süßem bei, statt Verbote auszusprechen.
Fruchtspieße oder Melone sind im Sommer gesunde Alternativen zu Industrieeis. Mit und ohne Eismaschine gelingt zuckerarmes Eis aus gefrorenem Joghurt und Früchten.
Besseres Eis trägt im Kleingedruckten rechtliche Qualitätsbegriffe wie Milcheis, Eiscreme oder Sahneeis.

Experte

Foto: privat

Süßwarenindustrie geht es nicht um Gesundheit

„Die Industrie ist gefragt, vernünftige Süßigkeiten auf den Markt zu bringen. Bislang komponiert sie Süßigkeiten mit allen psychologischen Marketingtricks so, dass sie ein maximales Verlangen bei Kindern wecken. Der Industrie geht es dabei vor allem um Umsatz und nicht um die Gesundheit.“

Dr. Hermann Kahl ist Kinderkardiologe in Düsseldorf und Bundessprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte.

Was Eis auf der Zunge zergehen lässt

Hilfsstoffe müssen in der EU zugelassen sein. Sie bergen in der Regel kein Gesundheitsrisiko.Stabilisatoren wie Guarkernmehl aus der Guarbohne und das Mehl vom Johannisbrotkernbaum verdicken die Eismasse und mindern die Kristallbildung. Das Eis schmilzt und zergeht besser auf der Zunge, ist leichter portionierbar.Emulgatoren wie Mono- und Disaccharide von Essigsäureestern fördern den Lufteinschlag ins Eis. Zudem binden sie Fett und Wasser zu einer gleichmäßigen Masse. Frisches Eis kommt ohne die Helfer aus.
Farbstoffe geben Eis seine individuelle Färbung. Laut Experten setzt die Branche zunehmend statt synthetischer natürliche Farbstoffe oder Frucht- und Pflanzenkonzentrate ein. Einige Azo-Farbstoffe und Chinolingelb sind seit 2008 europaweit in Speiseeis verboten. Sie stehen im Verdacht, die Aufmerksamkeit von Kindern zu beeinträchtigen. Die „Schlumpffarbe“ Patentblau V gilt heute als relativ harmlos, stand jedoch in früheren US-Studien unter Verdacht, Kinder hyperaktiv zu machen. Echtes Karmin wird aus Schildläusen gewonnen.
Aroma: Hinter dem Begriff „Aroma“ können sich künstliche oder natürliche Geschmacksgeber verstecken. Steht nur „Natürliches Aroma“ drauf, ist in der Regel ein Gemisch natürlicher Aromastoffe enthalten, so wie es nicht in der Natur vorkommt. Natürliche Aromastoffe können aus beliebigen Stoffen gewonnen werden, die in der Natur nachweisbar sind. So kann ein Aromastoff aus Baumrinde durchaus nach Erdbeere schmecken.

So haben wir getestet

Der Einkauf
In unserem Einkaufskorb landeten 16 Eis-Multipacks aus Supermarkt-Kühltruhen: die eine Hälfte auf Wasserbasis, die andere auf Milchbasis. Die Anbieter bewerben sie entweder als Eis für Kinder oder Produktname und -gestaltung richten sich an Kinder.

Die Inhaltsstoffe
Gehörten Fruchtanteile zur Rezeptur, ließen wir nach Pestiziden fahnden. Stand Palmöl auf dem Karton, analysierten Chemiker das Eis auf die Fettschadstoffe 3-MCPD-und Glycidylester. Auf Chlorat, Perchlorat und Schwermetalle haben wir alle Produkte gecheckt. Zudem prüften wir, ob unerwünschte Zusätze wie kritische Farbstoffe oder Vitamine in dem Eis stecken und welcher Art das zugesetzte Aroma ist. Um die Qualität beurteilen zu können, ließen wir die angegebenen Zucker- und Fettgehalte bestimmen.

Die Bewertung
Schadstoffe und unnötige Zusätze sind keinem Kind zuzumuten. Auch ein übermäßiger Zuckergehalt ist ernährungsphysiologisch nicht akzeptabel. Ins Gewicht fallen auch „Weitere Mängel“: irrige Auslobungen, etwa über den Verzicht auf künstliche Aromen, oder vollmundige Bezeichnungen als Fruchteis, wenn kaum Frucht im Eis steckt.

Aufbereitung im Reagenzglas: In der Eismasse der Speiseeissorten für Kinder fahndete ein akkreditiertes Labor nach Fettschadstoffen.


Foto: Labor