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TEST Eistee: Tee facto


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2010 vom 10.08.2010

Kinder und Jugendliche lieben Eistee – und das nicht nur an heißen Sommertagen. Doch als süffiges Alltagsgetränk können wir den Tropfen nicht empfehlen. Denn der besteht vor allem aus Zuckerwasser, das ordentlich mit Aroma aufgepeppt wurde.


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Es gibt Erfindungen , die Jahrzehnte brauchen, bevor sie sich richtig durchsetzen. Der Eistee gehört dazu. Zwar wird dessen Erfindung schon ins Jahr 1904 datiert. Doch jahrelang fristete er als hausgemachtes Sommergetränk ein Schattendasein. Für Generationen von Kindern war Eistee nicht mehr als der Versuch verzweifelter Eltern, dem ...

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Es gibt Erfindungen , die Jahrzehnte brauchen, bevor sie sich richtig durchsetzen. Der Eistee gehört dazu. Zwar wird dessen Erfindung schon ins Jahr 1904 datiert. Doch jahrelang fristete er als hausgemachtes Sommergetränk ein Schattendasein. Für Generationen von Kindern war Eistee nicht mehr als der Versuch verzweifelter Eltern, dem Nachwuchs an heißen Sommertagen etwas Gesünderes anzubieten als klebrige Limo.

Dann kam im Jahre 1973 mitLipton Ice Tea der erste fertig gemischte Eistee nach Deutschland. Doch selbst von da an sollte es noch rund 20 Jahre dauern, bis riesige Eisteekartons nahezu gleichberechtigt neben der Colaflasche im Kühlschrank standen.

Was wir heute als Eistee kennen, hat allerdings nicht mehr viel zu tun mit der ursprünglichen Mixtur aus kalt gewordenem Tee, einem Spritzer Zitrone, Zucker und ein paar Eiswürfeln. Heute gibt es Eistees mit Mango, Kaktusfeige oder Mandarine. Selbst Varianten, die nach Cola schmecken, sind im Angebot. Und weil Schwarztee nicht jedermanns Sache ist, sind auch Eistees aus Grüntee, Rooibos oder Früchtetee im Angebot.

Aber was ist außer Wasser, Zucker und Säuerungsmitteln eigentlich noch drin im Eistee? Genau geregelt ist das leider nicht. Denn der Eistee als solcher taucht in keinem Gesetz, in keinem Branchenkodex auf. Während man bei einem Fruchtsaftgetränk, einer Limonade oder einer Brause recht genau sagen kann, was in die Flasche darf, fallen die meisten Eistees unter den Oberbegriff „Erfrischungsgetränk“. Und das kann so ziemlich alles sein, was keinen Alkohol enthält, aber auch kein Saft und kein Wasser ist. Nennt der Hersteller seine Mischung Teegetränk, fordern die Leitsätze für Tee und teeähnliche Getränke zumindest, dass 0,12 % Teeextrakt oder mehr enthalten sein müssen. Also auf einen Liter Getränk etwa das, was in einer Tasse Tee steckt.

ÖKO-TEST wollte wissen, was die Deutschen jedes Jahr literweise in sich hineinschütten. Dazu haben wir uns nicht nur die Etiketten von Eistees ganz genau angeschaut, sondern die Produkte auch auf problematische Inhaltsstoffe untersuchen lassen. Im Test: 26 Marken, vor allem mit Pfirsich- und Zitronengeschmack.

Das Testergebnis

■ Der Hit sind die Eistees wirklich nicht. Auch wenn kein Produkt sang- und klanglos durchfällt, haben wir an fast jedem einiges auszusetzen. Gerade mal ein Bio-Eistee kommt auf die Note „gut“. Alle anderen müssen sich mit schlechteren Noten zufriedengeben – die meisten bekommen nur ein „ausreichend“.
■ Mit Zucker wird nicht gespart. Wir haben die Produkte mit einer Apfelschorle aus etwa 60 Prozent Mineralwasser und etwa 40 Prozent Saft verglichen. Diese enthält knapp 47 Gramm Zucker pro Liter. Viel süßer sollte ein Getränk unserer Ansicht nach auch nicht sein. Produkte, bei denen wir mehr als 50 Gramm Zucker pro Liter gemessen haben, sind eindeutig zu süß – und werden abgewertet. Denn zu viel Zucker ist in doppelter Hinsicht problematisch: Er macht Getränke zu Kalorienbomben und kann die Entstehung von Karies begünstigen.


„30 % weniger Zucker“ steht auf der Verpackung. Verglichen wird aber mit zuckersüßen Softdrinks


■ Eine Frechheit finden wir den Aufdruck auf den Produkten von Pfanner und Rauch: „30 % weniger Zucker“ heißt es dort. Und viel kleiner steht darunter noch: „als herkömmliche mit Zucker gesüßte Softdrinks“. Das werten wir unter Weitere Mängel ab. Denn erstens entsteht hier der Eindruck, dass es sich um weniger gezuckerte Eistees handelt. Dabei steckt in den betreffenden Getränken in Wahrheit etwa gleich viel Zucker wie in anderen Eistees. Zweitens sind übersüßte Softdrinks wie Cola oder Zitronenlimonade nun wirklich kein Vergleichsmaßstab.
■ Alle Hersteller bilden auf ihren Eisteeverpackungen mehr oder wenig deutlich erkennbare Früchte ab. Dann sollte aber auch eine entsprechende Menge Fruchtsaft enthalten sein – selbst wenn dies nirgendwo vorgeschrieben ist. Wer zu Hause eine kleine Zitrone auspresst und den Saft mit einem Liter kalten Tee auffüllt, hat einen Eistee mit einem Fruchtgehalt von etwa fünf Prozent. Die gleiche Menge Zitronensaft in einem kleinen Putzeimer (5 Liter) voll Schwarztee ergibt immerhin noch einen Fruchtgehalt von in etwa einem Prozent. Unserer Ansicht nach sollte in einem Zitronen-Eistee, der auf der Verpackung mit Zitronen wirbt, mindestens ein Prozent an Frucht enthalten sein. In Produkten, die Pfirsiche oder Beeren abbilden, mindestens zwei beziehungsweise 1,6 Prozent, denn diese Früchte schmecken nicht so intensiv wie Zitrone. Ein ganz klarer Ausreißer nach oben ist derBio Eis Tee Pfirsich-Zitrone von Voelkel. Er enthält insgesamt zwölf Prozent Fruchtsaft. Manche Hersteller kommen dagegen mit lächerlichen 0,1 Prozent Fruchtgehalt aus – oder verzichten sogar ganz auf den Saft.


Viel zu süß: In den meisten Produkten stecken pro Liter umgerechnet mehr als 20 Stück Würfelzucker


■ Angesichts der geringen Fruchtgehalte wundert es einen schon, wie fruchtig die Eistees schmecken. Dies ist aber leider der Leistung von Aromen geschuldet, die fast allen Produkten im Test zugesetzt wurden. Dabei stammen natürliche Aromen üblicherweise nicht aus Früchten, sondern werden im Labor aus allen möglichen natürlichen Materialien gewonnen. Wir sind aber der Ansicht, dass der Fruchtgeschmack eines Eistees allein aus Früchten kommen sollte, deshalb werten wir den Einsatz von Aromen ab.
■ In keiner Marke fanden wir Abbaustoffe, die auf den Einsatz des Kaltentkeimungsmittels Dimethyldicarbonat (DMDC) hinweisen. Der Stoff zerfällt kurze Zeit nach der Anwendung – und muss deshalb auch nicht deklariert werden.


Vier Eistees kommen ganz ohne Fruchtanteile aus. Den Geschmack liefert allein das zugesetzte Aroma


■ Die drei Volvic-Produkte sind mit Kaliumbenzoat konserviert. In Anwesenheit von Ascorbinsäure (Vitamin C) kann daraus giftiges und krebserregendes Benzol entstehen. Wir sehen den Einsatz dieses Stoffes, der auch Allergien auslösen kann, kritisch – und werten um eine Note ab. Allerdings konnte das von uns beauftragte Labor nur in einem der Produkte Benzol nachweisen – und das auch nur in einer winzigen Menge, die als unproblematisch gilt.
■ Bedenkliche Schwermetalle wie Uran oder Nickel haben wir meist nur in Spuren gefunden. ImRauch Ice Tea Peach steckte jedoch eine erhöhte Menge Nickel. Dieses Metall kann bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen.
■ Alle Eisteeverpackungen im Test sind Einwegverpackungen. Doch welche Verpackung ist vorteilhafter, der Getränkekarton oder die PET-Einwegflasche? Bei Fruchtsaft scheint der Karton klar im Vorteil zu sein, denn hier ist die Herstellung der PET-Flaschen recht aufwendig. Bei Eistee, so hat vor einigen Jahren das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) gezeigt, ist der Abstand zumindest kleiner. Inzwischen hat aber das gleiche Institut herausgefunden, dass sich auch die Öko-Bilanz der PET-Flasche verbessert hat. Ein direkter aktueller Vergleich für Eistee liegt noch nicht vor. Aus diesem Grund bewertet auch das Umweltbundesamt den Getränkekarton auf der Grundlage der von ihm erstellten Öko-Bilanzen weiterhin als ökologisch vorteilhafte Verpackung. Daran haben wir uns orientiert und werten die PET-Einwegflasche unter Weitere Mängel um eine Note ab. Übrigens lässt sich Eistee auch ohne Probleme in Mehrwegflaschen abfüllen, wie einige kleinere – und deshalb nicht im Test vertretene – Hersteller zeigen.

So reagierten die Hersteller
■ Rewe kündigte eine Rezepturumstellung desJa! Eistee Pfirsich und desComet Ice Tea Pfirsich an. In Zukunft wolle man unter anderem den Gesamtzuckergehalt auf unter 70 Gramm pro Liter reduzieren. Wir finden aber, dass alles über 50 Gramm pro Liter einfach zu viel ist.
■ Danone Waters, der Hersteller der Volvic-Produkte, dankte uns für den Hinweis, dass Spuren von Benzol in dem ProduktVolvic Tee/Waldfrucht gefunden wurden. Die Firma erklärte, man werde dies zum Anlass nehmen, den Qualitätssicherungsprozess nochmals zu überprüfen. Noch besser wäre es allerdings, wenn auf den umstrittenen Konservierungsstoff Kaliumbenzoat komplett verzichtet würde, da dieser eine Benzolquelle sein kann.

Mit Früchten nicht geizen: Zitronen geben dem Eistee erst den richtigen Geschmack.


Foto: irisblende.de

Unsere Empfehlungen

• Bei selbst gemachtem Eistee weiß man, was drin ist. Für Kinder-Eistees eignen sich Kräuter- und Früchtetees, die mit Fruchtsaft vermischt werden. Die darin enthaltene Süße ist völlig ausreichend.

• Eistee auf Schwarzteebasis ist kein Getränk für kleine Kinder, denn es enthält Koffein.

Kompakt

Genuss für die ganze Familie
■ Kalt gewordener Tee hat schon zu viel Aroma verloren. Deshalb besser heißen Tee auf Eis schockartig herunterkühlen.
■ Zum Abkühlen eignet sich ein hitzebeständiger Krug, der zu zwei Dritteln mit Eiswürfeln gefüllt ist. Praktisch sind auch kleinere Eisblöcke. Dazu einfach leere Joghurtbecher mit Wasser füllen und tiefgefrieren.
■ Nicht nur Schwarztee, sondern auch Grüntee und weißer Tee enthalten Koffein.
■ Frisch gezupfte Blätter von der Zitronenmelisse sind eine erfrischende Abwechslung.
■ Es muss nicht immer Zitronensaft sein. Auch Pfirsichsaft, schwarzer Johannisbeernektar oder Himbeersaft eignen sich zum Abschmecken.

Foto: irisblende.de

Eistee mit Milch?
Im Ausland hat man andere Geschmacksvorlieben. So gibt es in Frankreich die Sorten Tonic und Minze zu kaufen, Engländer greifen auch mal zu Grüntee mit Orange. Eistee mit Milch, den es in Japan gibt, dürfte da schon etwas gewöhnungsbedürftiger sein. In den USA schließlich gibt es auch „Iced Tea to go“: Eisteepulver in kleinen Tütchen, das man unterwegs in seine Wasserflasche schütten kann. Kurz schütteln – fertig ist der Eistee.

Starker Eistee – ohne Tee?
Viel Tee steckt nie drin. Aber ein „Eistee“ kommt auch ganz ohne aus: Der Long-Island Iced Tea, der nur optisch an Eistee erinnert. Tatsächlich handelt es sich um den wohl alkoholreichsten Cocktail, den die Getränkekarte zu bieten hat. Die Inhaltsstoffe können je nach Rezept unterschiedlich sein. Meist ist aber eine Mischung aus Gin, Wodka, Rum und Tequila die Basis des Drinks. Zitronensaft und Cola werden mehr zum „Abrunden“ ins Glas gegeben.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Pfirsich ist die mit Abstand beliebteste Eisteesorte der Deutschen, gefolgt von Zitrone. Deshalb haben wir hier auch beim Einkauf unsere Schwerpunkte gesetzt. Aber Eisteetrinker sind experimentierfreudig und kaufen auch viele andere Sorten. Deshalb sind auch ein paar ungewöhnlichere Geschmacksrichtungen im Test. Diesmal haben wir uns allein auf die großen, überregional erhältlichen Marken und die Eigenmarken des Handels konzentriert. Kleinere Hersteller haben wir ausgeklammert, ebenso Marken, die hauptsächlich in der Szenegastronomie verkauft werden.

Die Inhaltsstoffe
Was ist eigentlich drin im Eistee? Der Zuckergehalt ist zwar deklariert, wir haben die Angaben aber nachgeprüft, denn aus anderen Tests wissen wir, dass die Deklarationen nicht immer richtig sind. Auch sonst hat uns gerade das interessiert, was nicht auf dem Etikett steht. Zum Beispiel ob giftige und bedenkliche Schwermetalle wie Blei oder Nickel enthalten sind, die im Trinkwasser nur in sehr geringen Mengen vorkommen dürfen. Auch der Konservierungsstoff DMDC hat uns interessiert, er taucht ebenfalls nicht auf dem Etikett auf. Muss er laut Gesetz auch nicht. Denn dieses Kaltentkeimungsmittel zerfällt sehr schnell nach dem Abfüllen. Im Eistee ist der Stoff selbst dann nicht mehr nachweisbar. Wohl aber kann das Labor, mit dem wir bei diesem Test zusammengearbeitet haben, die Abbauprodukte des Konservierungsstoffes finden. Auf eine sensorische Prüfung, also einen Geschmackstest, haben wir diesmal bewusst verzichtet. Bei diesem Getränk, das es in so vielen unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und Varianten gibt, dürfte jeder andere Geschmacksvorlieben haben.

Die Bewertung
Zu viel Zucker, künstliche Süßstoffe und Aroma, das auch aus dem Labor kommen kann, haben wir abgewertet. Denn ein richtig guter Eistee kommt ohne all diese Zutaten aus. Für Geschmack sollten Fruchtbestandteile sorgen, also zum Beispiel Zitronensaft. Haben die Hersteller hiermit gegeizt, auf der Verpackung aber Früchte abgebildet, gab auch das Minuspunkte. Bei der Bewertung von PET-Einweg beziehen wir uns auf das Umweltbundesamt: Es sieht diese Flaschen, verglichen mit Getränkekartons, als ökologisch unvorteilhafter an. Wir werten hier unter „Weitere Mängel“ um eine Note ab.