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TEST Elektrotacker: In Klammern


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2016 vom 08.06.2016

Elektrotacker ersetzen vielerorts Hammer, Nägel und Schrauben. Der ÖKO-TEST mit zehn Produkten zeigt: Die Geräte sind sicher und tackern meist solide. Allerdings sind sie oft nicht gut zu handhaben und mit Schadstoffen belastet. Von Jörg Döbereiner


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Foto: Design Pics/Thinkstock

Den Dachboden dämmen, Wände vertäfeln oder Zierleisten anbringen – wo Heimwerker früher zu Hammer und Nagel griffen, haben sie heute eine bequemere Alternative. „Der Tacker ist auf dem Vormarsch und verdrängt auch die Schrauben“, sagt Michael Pommer, Trainer an der Do-it-yourself Academy mit Sitz in Köln und Fachmann für ...

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... Heimwerkerfragen. Besonders wenn größere Arbeiten wie eine Wohnungsrenovierung anstehen, wo Hunderte Klammern eingetrieben werden, zahlen sich Geschwindigkeit und Komfort von Elektrotackern aus. Ihre Kolben treiben Klammern, Nägel oder Stifte mit hoher Geschwindigkeit in das Untergrundmaterial: 20 bis 30 Schüsse pro Minute schaffen Geräte im Preissegment bis 100 Euro.

Wo Flexibilität eine große Rolle spielt, punkten Akku-Tacker. Sie unterscheiden sich allerdings deutlich hinsichtlich Ladedauer sowie Schusszahl pro Akkuladung. „Sofern es sich um Lithium-Ionen-Technologie handelt, würde ich immer ein akkubetriebenes Gerät vorziehen. Ich bin dann ungebunden, egal ob auf dem Dach oder im Garten“, meint Michael Pommer. Eher für Profis interessant sind Luftdrucktacker, mit dieser Technik wird auch in Polstereien gearbeitet.

Vor dem Kauf ist es wichtig, sich klar zu machen, was der Tacker später befestigen soll. Manche schaffen auch Hartholz ohne Probleme, aber längst nicht alle. Für die Länge der Klammern gilt die Faustregel: etwa ein Drittel für das Heftmaterial, zwei Drittel für den Untergrund. Bei Hartholz kann mit einem Verhältnis von eins zu eins kalkuliert werden. Insbesondere bei potenziell gefährlichen Befestigungen, etwa an der Decke, sollten Heimwerker verschiedene Längen ausprobieren und eine sichere Variante wählen. Manche Tackermodelle verarbeiten Klammern mit 6 bis 14 Millimeter Länge, andere sind für bis zu 30 Millimeter lange Klammern geeignet, mit denen dickere Materialien befestigt werden können. Viele Modelle können daneben auch Nägel eintreiben. 1.000 Klammern kosten circa zwei bis fünf Euro, es gibt sie teils auch im Set mit Nägeln.


Die Klammerlängen unterscheiden sich deutlich. Im Zweifel hilft nur ausprobieren


Sicherheit spielt beim Tackern eine besondere Rolle. Elektrotacker dürfen laut Norm entweder nur mit Kontakt zum Werk stück auslösen (sogenannte Freischusssicherung) oder sie müssen über eine zusätzliche Auslösesperre verfügen. In Kinderhänden haben sie dennoch nichts verloren. „Ich persönlich bevorzuge einen Tacker, den ich wirklich auf ein Werkstück aufsetzen muss, damit er auslöst“, sagt Michael Pommer.

„Bei den anderen kann sich immer noch versehentlich ein Schuss lösen.“ Er rät, bei mehreren Wochen Pause die Sicherung zu überprüfen: einen Blindschuss in ein Stück Holz setzen, dann das Gerät wenige Zentimeter anheben und auslösen; es darf sich kein Schuss lösen. ÖKO-TEST hat zehn Tacker, darunter drei Akku-Geräte, in die Labore geschickt. Neben umfangreichen Tests auf Sicherheit und Funktionalität wurde auch untersucht, ob die Werkzeuge Schadstoffe enthalten.

ÖKO-TEST rät

• Uneingeschränkt empfehlen können wir keinen der Tacker. Wer bereit ist, in Sachen Handhabung oder Schadstoffe Abstriche zu machen, für den kommen mehrere Modelle im Test infrage, die sicher sind und gut bis sehr gut tackern.
• Immer davon ausgehen, dass das Gerät geladen ist. Niemals zum Menschen hin auslösen. Bei längerem Arbeiten empfiehlt sich ein Gehörschutz.
• Im stationären Handel findet man Beratung zu den richtigen Klammern fürs Bauvorhaben. Und man kann ausprobieren, welcher Tacker am besten in der Hand liegt – die Unterschiede sind spürbar.

Das Testergebnis

Viel Mittelmaß. Kein Tacker schafft ein „sehr gutes“ oder „gutes“ Ergebnis. Neun Produkte landen auf „befriedigenden“ und „ausreichenden“ Plätzen. Lediglich ein Billigmodell fällt mit „mangelhaft“ durch.
Die meisten tackern gut. In der Praxisprüfung an unterschiedlich hartem Holz sowie Gipskarton erzielen acht Tacker ein „gutes“ oder „sehr gutes“ Ergebnis. Sie befestigen Klammern mit mehr oder weniger hohem Kraftaufwand sauber anliegend. Mit Kraftaufwand schaffen die meisten auch hartes Buchenholz. Negativ fiel der günstigste Ta-cker im Test auf. Der Meister Elektrotacker MET 14-16 verschießt mehrere Klammern auf einmal, zu viele halten nicht oder verklemmen. Auch beim Novus ProfiTacker J-105 verklemmen mehrere Klammern an Hartholz.
Alle Geräte sind sicher. Die Produkte sind ausreichend gegen versehentliches Auslösen geschützt. Der Novus ProfiTacker J-105 und der Rapid ESN530 verfügen über eine zusätzliche Sperre am Auslöseschalter. Alle anderen müssen das Werkstück berühren, damit sie auslösen. Auch die Prüfungen auf Spannungsund Isolationsfestigkeit bestanden alle Geräte ohne Mängel. Einziger Kritikpunkt: Die Gehäuse von vier kabelgebundenen Tackern erwärmten sich im Test auf mehr als 50 Grad Celsius, alle anderen erzielten deutlich geringere Werte. Die Prüfer lösten die Tacker 1.000 Mal aus, bei 20 Auslösungen pro Minute. Wir empfehlen Heimwerkern, bei längerem Arbeiten ein Auge auf das Gerät zu haben und eine Pause einzulegen, bevor es sich zu stark erhitzt.
Nicht gerade leise. Die mittleren Lautstärkepegel der Tacker liegen zwischen 80 (Bosch PTK 3,6 LI) und 90 Dezibel (dBA) (Stanley 6-TRE550). Wir raten deshalb dazu, gerade bei längeren Arbeiten einen Gehörschutz zu tragen. Während der Prüfung der Vibrationsübertragung auf den menschlichen Körper fiel keines der Geräte negativ auf.
Unterschiede in der Handhabung: Häufigster Kritikpunkt der Prüfer ist ein konstruktionsbedingter Abstand von der Klammer zur Wand von circa zwei Zentimetern oder mehr, wenn der Heimwerker in Randbereichen arbeitet. Vier Elektrotacker zeigen, dass es besser geht, mit ihnen können Heimwerker auch nahe an Wänden tackern. Tacker sind vielfältig einsetzbar, deshalb kann es sinnvoll sein, ihre Schlagkraft zu regulieren. Dies ermöglichen leider nicht alle, immerhin aber sieben Geräte.
Bescheidene Qualität: Am Novus Universal Tacker J-214 löste sich während der Praxistests die Handgriffabdeckung und rastete nicht mehr ein. Ein unnötiger Qualitätsmangel, ebenso wie die auffallend schwergängige Ladeschie ne und der unhandliche Griff des Black & Decker KX418E.
Akku-Tacker halten mit. Die drei kabellosen Geräte im Test werden von Lithium-Ionen-Akkus gespeist, sie stehen in puncto Tackern und Sicherheit den kabelgebundenen in nichts nach. Der Rapid BTX530 schaffte im Labor bei knapp zwei Stunden Ladezeit gut 1.500 Auslösungen, das beste Ergebnis innerhalb der Akku-Riege. Keiner der kabellosen Tacker war allerdings in der Lage, Klammern ganz nah an der Wand einzutreiben und alle drei lieferten in der anspruchsvollen Belastungsprüfung Indizien für mangelnde Robustheit der Geräte. Der Test mit 20.000 Auslösungen bei 20 Auslösungen pro Minute brachte insgesamt die Hälfte der Tacker über die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Für die andere Hälfte ist das Bestehen der Prüfung ein Zeichen für wertige Bauteile.
Überflüssige Schadstoffe: Umweltbelastende chlorierte Verbindungen finden sich in jedem der Tacker. In den meisten wiesen die Labore darüber hinaus weitere Schadstoffe nach, etwa das toxische Element Antimon oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), eine Gruppe von Stoffen, von denen manche krebserregend sind. In beiden Bosch-Geräten wies das beauftragte Labor das Kontaktallergen Triphenylphosphat sowie den hormonell wirksamen Stoff Isononylphenol nach, im Stanley-Modell auffällige Mengen des Ersatzweichmachers DEHT. Zudem fallen auch der Rapid ESN530 mit „ungenügend“ sowie der Einhell BT-EN 30 E Blue mit „mangelhaft“ durch die Schadstoffprüfung. Akut gesundheitsgefährdend sind die nachgewiesenen Mengen dieser Stoffe zwar nicht. Aber da es auch ohne sie geht, sollten Hersteller auf sie verzichten beziehungsweise sicherstellen, dass sie nicht enthalten sind.
Der Härtetest: Wir wollten wissen, wo die Grenzen der Tacker liegen, und ließen sie alle an Bongossi testen, einem besonders widerstandsfähigen Holz. Außerdem mussten sich alle an der harten Kunststoffschale eines Bürostuhls mit Stoffbezug beweisen. Beide Prüfungen bleiben bei der Bewertung außen vor. Die Kunststoffschale schafften neben den drei Akku-Tackern auch die Elektrotacker von Bosch, Einhell und Stanley. Das Bongossi erwies sich als härteste Nuss. Mit dem Bosch PTK 14 EDT Duo Tac gelang es mit Kraftaufwand, Klammern sauber einzutreiben. Der Einhell BT-EN 30 E Blue und der akkubetriebene Rapid BTX530 schafften es nahezu sauber, alle anderen scheiterten.

Elektrotacker sind flexibel. Abhängig von den verarbeitbaren Klammern können sie unterschiedliche Materialien fixieren.


Foto: Wimage72/iStock/Thinkstock

Kleine Klammerkunde

Beim Kauf lohnt es sich darauf zu achten, welche Klammern der Elektrotacker verarbeiten kann. Je flexibler er ist, desto größer das Anwendungsspektrum.
Feindrahtklammer: dünne, eher unauffällige Klammer, geeignet für leichte Materialien wie Stoffe oder Draht.
Flachdrahtklammer: breiter als die Feindrahtklammer, geeignet für Kunststofffolien oder Isoliermaterial.
Rund-/Kabelklammer: oben abgerundet, geeignet für Kabel oder Rundhölzer.
Schmalrückenklammer: deutlich länger als Fein- und Flachdrahtklammer, geeignet für schwerere Materialien wie Holzverkleidungen.

So reagierten die Hersteller

Isaberg Rapid schrieb zum Belastungstest des Rapid BTX530, ein Nachtest habe ergeben, dass die Elektromechanik der von ÖKO-TEST getesteten Charge 17/2015 unter gewissen Bedingungen Probleme bereiten könne. Diese Charge werde nicht mehr ausgeliefert. Produkte mit früheren oder späteren Herstellungsdaten hätten das Problem nicht gezeigt. Sollten Kunden Probleme bemerken, würden betroffene Geräte gegen neue getauscht.
Bosch teilte uns zum PTK 3,6 LI mit, die erzielten Resultate in Gipskarton deckten sich nicht mit den eigenen Testresultaten, auch könne man aus den Rückmeldungen der Kunden keine Auffälligkeiten feststellen. Zum Belastungstest schrieb Bosch, man teste den PTK 3,6 LI händisch mit Beladung auf minimal 25.000 Schuss und habe dabei bisher keine Auffälligkeiten festgestellt. AuchNovus schrieb, das Ergebnis der Belastungsprüfung des Novus Universal Tacker J-214 könne durch eigene Tests nicht bestätigt werden. Der Anbieter hat das Gerät nach eigenen Angaben mit Hand auf 50.000 Schuss mit Klammern getestet. Das von ÖKOTEST beauftragte Labor testete bei allen Modellen ohne Beladung auf 20.000 Schuss. Novus ließ uns zudem zum Novus ProfiTacker J-105 wissen, dass das Eintreiben von Klammern in Gipskarton in allen Tests der Firma keine Probleme bereitet habe. Zur lockeren Griffverkleidung des J-214 schrieb das Unternehmen, man wolle den Sachverhalt „eingehend prüfen, um dies zukünftig zu verbessern“.

So haben wir getestet

Der Einkauf
#In Baumärkten und online haben wir sieben Tacker mit Netzstecker und drei mit Akku eingekauft, darunter wichtige Marken wie Novus, Bosch oder Black & Decker. Die Tacker sollten für Heimwerker erschwinglich sein, für den günstigsten haben wir knapp 30 Euro bezahlt, den teuersten gab es für 94 Euro.

Der Praxistest
Im Labor mussten die Tacker ihr Können mit 10-Millimeter-bzw. 15-Millimeter-Klammern (Einhell) an mehreren Materialien unter Beweis stellen, darunter Weich- und Hartholz sowie Kunststoff. Natürlich wurden die Geräte auch auf sicherheitsrelevante Aspekte untersucht, etwa ob der Abzug gut gegen ungewolltes Auslösen gesichert ist und die Isolierung taugt. In der Belastungsprüfung mussten die Tacker 20.000 Auslösungen (ohne Klammern) schaff en. Lautstärke und Erwärmung prüften die Experten ebenso wie die Vibration, die vom Tacker auf die Hand übergeht. Schließlich testeten sie unter anderem auch, wie gut sich mit den Tackern in Randbereichen arbeiten lässt, ob man die Schlagkraft am Gerät regulieren kann und ob die mitgelieferten Informationen zum Produkt verbraucherfreundlich sind.

Die Inhaltsstoffe
Wir ließen im Labor analysieren, ob sich in Griff en polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff e befinden, eine Gruppe von Stoff en, von denen manche krebserregend sind. Außerdem wollten wir wissen, ob unnötigerweise phosphororganische Verbindungen eingesetzt werden, die häufig nervengiftig wirken – oder Weichmacher, von denen manche hormonell wirken. Zudem interessierte uns, ob sich auf den Platinen der Tacker Hinweise auf umweltschädliche bromierte Flammschutzmittel finden. Und die Untersuchung auf umweltbelastende chlorierte Verbindungen gehört bei ÖKO-TEST ohnehin zum Standard.

Die Bewertung
Tacker müssen gut funktionieren und dabei sicher sein, deshalb gehen das Teilergebnis Tackern zu 50 Prozent und das Teilergebnis Sicherheit zu 30 Prozent in das Testergebnis Praxisprüfung ein. 20 Prozent macht demgegenüber das Teilergebnis Handhabung und Gebrauchsanleitung aus. Das Testergebnis Praxisprüfung kann insgesamt nicht besser sein als das Teilergebnis Tackern und verschlechtert sich zudem um eine Note, wenn die Belastungsprüfung Indizien auf mangelnde Robustheit lieferte. Auff ällig hohe Mengen an Schadstoff en haben in Werkzeug nichts zu suchen, deshalb geht das Testergebnis Inhaltsstoff e zu 30 Prozent in das Gesamturteil ein.

Im Labor mussten die Tacker zeigen, was sie können. Die Prüfer testeten sie auch an unterschiedlich hartem Holz.


Der Handgriff des Akku-Tackers von Novus machte während der Praxisprüfungen Probleme.


Zusätzliche Sicherung: Um den Rapid ESN530 zu betätigen, muss man erst den gelben Schalter umlegen.


Fotos: Labor (3)