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TEST Erdbeerjoghurt: Auf Beerenfang


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2013 vom 28.12.2012

Mal ehrlich: Sie stellen sich doch auch vor, dass in Ihrem Erdbeerjoghurt richtig viele Früchte stecken. Doch mit dieser wertvollen Zutat geizen viele Hersteller. Und übertünchen den fehlenden Geschmack mit Aromen - und gaaanz viel Zucker.


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Foto: [M] Anna Kucherova/Fotolia.com; Sergey Galushko/Fotolia.com

Wo sind denn die Erdbeeren? Sechs Prozent der roten Früchte gehören mindestens in einen Erdbeerjoghurt. Ein Blick auf die Becher im Supermarkt zeigt, dass manche Hersteller mehr auch gar nicht für nötig halten. Andere verschleiern den Fruchtgehalt gleich ganz, und schreiben nur, wie viel ...

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Wo sind denn die Erdbeeren? Sechs Prozent der roten Früchte gehören mindestens in einen Erdbeerjoghurt. Ein Blick auf die Becher im Supermarkt zeigt, dass manche Hersteller mehr auch gar nicht für nötig halten. Andere verschleiern den Fruchtgehalt gleich ganz, und schreiben nur, wie viel „Fruchtzubereitung“ enthalten ist. Aber wie viel sind überhaupt sechs Prozent? Verdammt wenig! Neun Gramm pro Becher – das entspricht vielleicht gerade so einer Erdbeere. Und das auch nur, wenn diese sehr, sehr mickrig ist. Schmecken soll es dann aber wieder so, wie auf dem Deckel abgebildet: nach einer prallen Portion Beeren. Was auf der Zunge tanzt, ist aber vor allem Aroma. Zumindest bei Herstellern, die immer noch mit Früchten geizen und stattdessen lieber Geschmack aus dem Labor einsetzen.

Aber die werden langsam weniger. Denn in den vergangenen Jahren hat sich das Produkt Erdbeerjoghurt verändert. Und das auch wegen der zahlreichen Untersuchungen von ÖKO-TEST, die in den Molkereien mit großem Interesse gelesen werden. Mehr Frucht, weniger Aroma, heißt der Trend heute. Vorreiter dieser Bewegung sind seit jeher die Bio-Hersteller. Barbara Steiner-Hainz, Marketingleiterin der Milchwerke Berchtesgadener Land, weiß natürlich, dass man „ohne Aroma nicht den gleichen Geschmack hinbekommt“. Aber will den der Verbraucher überhaupt? „Klar schmeckt unser Joghurt anders“, sagt sie. „Aber der Kunde weiß dann auch, dass der Geschmack wirklich aus den Erdbeeren kommt und akzeptiert das.“ „Frischer“ und „natürlicher“ sind Attribute, die Steiner-Hainz dem Joghurt aus ihrem Haus zuordnet, im Gegensatz zu „bonbonartig“, was bei konventionellen Herstellern lange Zeit als Trend galt. Auch bei Bio-Hersteller Andechser geht man keine Kompromisse ein und verzichtet auf Aroma – selbst wenn der Erdbeergeschmack zum Mindesthaltbarkeitsdatum stärker abnehmen kann als bei einem aromatisierten Produkt, wie Qualitätsmanager Gerd-Peter Simon erklärt.

Klar ist aber auch: Mit sechs Prozent ist es da nicht getan. 15 Prozent Erdbeeren sind im Joghurt der Andechser Molkerei enthalten. Wenn die Ernte in einem Jahr mal nicht so gut war, müsse man sich eben nach aromatischeren Sorten oder nach Erdbeeren aus anderen Ländern umsehen, damit der Joghurt nachher trotzdem noch so schmeckt, wie man es erwartet. Ein Aufwand, der seinen Preis hat. Aber er führt offenbar zum Erfolg. Denn „der Bio-Gedanke wird heutzutage auch von konventionellen Herstellern abgekupfert“, sagt Simon. 14 Prozent Erdbeeren setzt Mövenpick seinem Rahmjoghurt zu – und verzichtet auf Aroma. Nur drei Zutaten – Joghurt, Erdbeeren, Rohrzucker – setzt Danone für seinen neuen Activia Pur Erdbeere ein, und weist darauf auch stolz auf der Vorderseite der Verpackung hin. Das Problem: „Das Aroma von Erdbeeren im Joghurt ist nicht besonders stabil, es zerfällt schnell“, erklärt Katja Minak, Head of Health Affairs bei Danone. Die Lösung: Ein Knick-Becher mit zwei getrennten Kammern. Erst kurz vor dem Verzehr kommen Naturjoghurt und Fruchtpüree zusammen. Dafür gibt es auch noch einen anderen Grund: Würde man die Erdbeeren nämlich gleich in den Joghurt mischen, sähe das Produkt ziemlich blass aus, der Verbraucher würde die Nase rümpfen und sich fragen, wo denn die Erdbeeren im Joghurt seien. Mitbewerber Zott setzt zwar Aromen ein, doch selbst hier ist Zurückhaltung angesagt: Ein „spitzes“ Aroma, wie Dr. Konrad Naßl aus dem Qualitätsmanagement von Zott einen überdrehten Geschmack nennt, sei bei der bayerischen Molkerei noch nie angesagt gewesen.


Zucker und Laboraromen – oder einfach nur Erdbeeren


Doch noch vor wenigen Jahren fand ÖKO-TEST regelmäßig Joghurtdrinks und Kinderprodukte, die 100 oder gar 500 (!) mal so viele Aromen enthielten wie die wenigen enthaltenen Früchte. Ein Geschmacksfeuerwerk, das nichts mit dem zu tun hat, was an Frucht wirklich enthalten ist. „Überaromatisiert“ nennen dies Geschmacksexperten. Bei einem Erdbeerjoghurt-Test im Jahr 2008 haben wir in mehr als jedem zweiten konventionellen Produkt 10-, 20- oder 50-fache Überaromatisierungen festgestellt. Allen voran die Joghurts mit geringen Fruchtgehalten. Stichprobenhalber haben wir für diesen Test einen Joghurt mit einem besonders geringen Fruchtanteil von nur 6,2 Prozent untersuchen lassen. Dieser wies nach Einschätzung unseres beauftragten Aromenexperten zwar immer noch etwa fünf bis zehn Mal mehr Aroma auf, als in der geringen Menge Frucht zu erwarten gewesen wäre, aber das gilt noch nicht als krasse Überaromatisierung.

ÖKO-TEST rät

• Wenn Sie die drei „guten“ Bio-Joghurts noch ein wenig mit purem Joghurt „strecken“, sind sie nicht mehr ganz so süß. In Sachen Inhaltsstoffe, Fütterung und Gen-Technik war Bio in unserem Test auf jeden Fall erste Wahl.
• Vorsicht bei Angaben zum Fruchtgehalt: „Fruchtzubereitung“ besteht nur zum Teil aus Frucht. Der Rest sind Zucker, modifizierte Stärke und andere Stoffe.
• Sie können Fruchtjoghurt auch selber machen. Dazu einfach Früchte der Saison pürieren oder klein schneiden und mit der doppelten Menge Naturjoghurt verrühren.

Joghurt ist gleich Joghurt? Falsch! Nur wer Bio kauft, kauft wirklich Qualität – und das schmeckt auch den kleinen Schleckermäulern, wie man sieht.


Foto: Andriy Petrenko/fotolia.com

Wir haben Erdbeerjoghurt mal wieder genauer unter die Lupe genommen und wollten wissen, welche Marken den strengen ÖKO-TEST-Kriterien standhalten. Eingekauft wurde sowohl Joghurt mit als auch ohne Aromenzusatz. In spezialisierten Laboren wurden die insgesamt 20 Produkte auf ihre Inhaltsstoffe untersucht. Außerdem haben wir uns auch die Deklaration ganz genau angeschaut und die Hersteller nach der Fütterung der Kühe gefragt.

Das Testergebnis

Keine Konkurrenz für einen selbst gemachten Erdbeerjoghurt: Die meisten Produkte kommen über ein mittelmäßiges Ergebnis nicht hinaus. Einige landen sogar im roten Bereich, weil einfach zu viele Mängel zusammenkommen.
Zucker, Zucker, Zucker: Alle Joghurts sind viel zu süß. Als Vergleichsgröße haben wir hier einen selbst gemachten Joghurt genommen, hergestellt aus 50 Gramm Erdbeeren und 100 g Naturjoghurt. Nur 4,5 Prozent Zucker enthält diese Mischung – und das trotz des extrem hohen Fruchtanteils! Alle Joghurts im Test enthalten aber mehr als das anderthalbfache dieser Menge, einer sogar mehr als das vierfache. Gerade in überdimensionierten Bechern stecken Unmengen Zucker. Spitzenreiter ist der Joghurt von Real Quality. In dem 250-g-Pott steckt Zucker, der dem Gehalt von 10,4 Stück Würfelzucker entspricht!
Es schmeckt immer nach Erdbeere, …aber nicht immer zu Recht: Fünf Produkte haben einen Fruchtgehalt von nicht einmal zehn Prozent. Wo wenige Beeren drin sind, es aber nach viel Frucht schmecken soll, muss mit Aroma nachgeholfen werden. Dabei gibt es unterschiedliche Arten von Aromen (siehe Kasten). Interessanterweise fand das von uns beauftragte Aromenlabor aber in den Produkten von Weihenstephan und Landliebe Stoffe, die nicht in der Erdbeere vorkommen und damit auch nicht im Becher stecken sollten, wenn „natürliches Erdbeeraroma“ deklariert ist. Was genau als „natürliches Erdbeeraroma“ bezeichnet werden darf, ist ein Punkt, über den sich Experten des Lebensmittelrechts noch nicht einig sind. So oder so: Reines oder fast reines Erdbeer aroma ist es auf keinen Fall. Die gute Nachricht: Wenn ein Hersteller nur „Erdbeere“ oder „Erdbeerpüree“ auf den Becher schreibt, konnte man sich bei den untersuchten Produkten wirklich darauf verlassen, dass nicht gemogelt wurde. Auch hier hat ÖKO-TEST schon ganz anderes erlebt.

Aroma ist nicht gleich Aroma

Achten Sie auf das Kleingedruckte in der Zutatenliste: Denn hinter Bezeichnungen mit „Aroma“ kann sich Unterschiedliches verbergen.
Aroma: Eine Sammelbezeichnung für Stoffe unterschiedlichster Herkunft, die Geschmack in Lebensmittel bringen. Das sind in der Regel Aromen aus chemischen Ausgangsstoffen. Die Bezeichnung „künstliches Aroma“ wird nicht mehr verwendet.
Naturidentisches Aroma: Damit sind chemische Stoffe gemeint, die von ihrer Molekülstruktur baugleich mit Aromastoffen aus der Natur sind. Die Bezeichnung darf auf Lebensmittelverpackungen nicht mehr verwendet werden. Stattdessen wird nun für diese Stoffe die Bezeichnung „Aroma“ verwendet.
Natürliches Aroma: Aroma, das aus irgendwelchen natürlichen Ausgangsstoffen gewonnen wurde, nicht aber aus Stoffen, die wir üblicherweise essen. Natürliches Aroma kann man etwa aus Baumrinde mit Hilfe von Bakterien oder Pilzen gewinnen. Die Stoffe können dann durchaus nach Lebensmitteln schmecken, z. B. nach Erdbeere. Weil man aber mit dem Begriff „Pilzaroma“ oder „Rindenaroma“ eine falsche Vorstellung verbindet, verwendet man die Bezeichnung „natürliches Aroma“.

Foto: Alexander Raths/istockphoto.com

Natürliches Erdbeeraroma: Jetzt wird es kompliziert! Eigentlich müsste dieses Aroma aus der namensgebenden Frucht gewonnen werden – in diesem Fall aus Erdbeeren. Ein Erdbeeraromaextrakt also. Um Qualitätsschwankungen auszugleichen, erlaubt der Gesetzgeber aber sehr geringe Beimischungen anderer Aromen in Höhe von maximal fünf Prozent. Diese dürfen auch nur bestimmte geschmackliche Nuancen beisteuern und nicht den für die Erdbeere charakteristischen Geschmack verfälschen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat in einem rechtskräftigen Urteil entschieden, dass sich die Fünf-Prozent-Beimischung allein auf die Aromastoffe bezieht, nicht auch auf die Lösungsmittel, in denen Lebensmittelaromen immer vorliegen. Schreibt ein Hersteller „natürliches Erdbeeraroma“ auf den Becher, erwartet jedenfalls ÖKO-TEST, dass keine Aromen enthalten sind, die nicht aus Erdbeeren stammen.
Natürliches Erdbeeraroma mit anderen natürlichen Aromen: Dies ist die korrekte Bezeichnung für natürliches Erdbeeraroma, dem mehr als fünf Prozent andere Aromen beigemengt wurden.
Erdbeeraroma: Diese Bezeichnung für ein rein aus Erdbeeren stammendes Aroma wird kaum verwendet und wenn man sie auf einer Verpackung liest, sollte man skeptisch sein: Denn in der Industrie gibt es auch die Auffassung, mit dieser Bezeichnung sei ein beliebiges (auch künstliches) Aroma gemeint, das nach Erdbeere schmeckt.

Keime mit fragwürdigem Effekt: Von probiotischem Joghurt kann man halten was man will. Wer sich damit besser fühlt, soll ihn ruhig weiter kaufen. Aber wissenschaftlich belegt ist eine positive Wirkung nicht, wie auch die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa zuletzt festgestellt hat. Die Zeiten, in der Hersteller munter gesundheitsbezogene Werbesprüche à la „stärkt die Abwehrkräfte“ oder „fördert die Verdauung“ auf die Becher drucken durften, sind damit passé. Unstrittig sollte aber sein, dass Keime auch in ausreichender Zahl vorhanden sein müssen, wenn man sie auf der Packung auslobt. Der Danone Activia Pur, Erdbeere erfüllt das mit Bravour. Dagegen war im Produkt von Söbbeke nur eine vergleichsweise geringe Anzahl der Keime enthalten, die der Hersteller extra auf der Packung genannt hatte.

Mehr als in den Becher passt

Jens Becher, Koch an der Genussakademie 7Sinn in Leipzig.


„Um einen Erdbeerjoghurt zu machen, der richtig nach was schmeckt, brauche ich mehr Erdbeeren als überhaupt in so einen Becher passen. Das geht auch nur im Sommer, wenn die Früchte schön reif sind. Außerdem sollte man richtige Erdbeerstücke erkennen. Der Joghurt aus dem Supermarkt hat mit Erdbeeren nicht mehr viel zu tun.“

Wenig Gras im Futtermix: Wir waren bei der Fütterung der Kühe nicht dabei – und trotzdem können wir Rückschlüsse auf das Futter ziehen. Denn wenn Kühe viel Grünfutter und dafür weniger Kraftfutter bekommen haben, ist der Anteil bestimmter Fettsäuren in der Milch höher. Hersteller, die mit „Weidemilch“ und grünen Wiesen auf der Verpackung werben, obwohl die Kühe wohl nur selten Gras gesehen haben, werden so entlarvt. Während die Joghurts der konventionellen Hersteller praktisch durchweg Werte aufweisen, die als „nicht grünfuttertypisch“ bezeichnet werden müssen, konnten die Bio-Produkte durch die Bank weg mit einem hohen Anteil dieser Fettsäuren überzeugen: Die Bio-Kühe haben also viel Grünfutter bekommen. Gen-Technik aus dem Futter lässt sich dagegen im Joghurt nicht nachweisen. Darum haben wir bei den Herstellern nachgefragt, ob gentechnikfrei gefüttert wurde, und um Belege gebeten. Nur ein konventioneller Hersteller konnte entsprechende Beweise liefern. Für die meisten anderen war dies auch gar nicht von Belang, da sie ohnehin keine gentechnikfreie Fütterung fordern.

So reagierten die Hersteller

Landliebe und Weihenstephan war die Sache mit dem „natürlichen Erdbeeraroma“ wohl doch nicht so geheuer. Beide Hersteller erklärten, das Aroma jetzt umzustellen. Dies habe aber natürlich nichts mit unserem Test zu tun. Der Landliebe-Hersteller verbessert sein Produkt aber nicht etwa, indem er mehr Erdbeeren einsetzt, sondern kündigte an, jetzt „natürliches Aroma“ einzusetzen.
Söbbeke hat weitere Untersuchungen zu den eingesetzten und ausgelobten Keimen angekündigt. Schon heute werde dem Joghurt so viel der Kultur zugesetzt, wie vom Kulturenhersteller empfohlen.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Die Lieblingssorte der Deutschen ist und bleibt der Erdbeerjoghurt. In unserem Test mit dabei sind große Marken wie Zott, Müller und Landliebe, Produkte mit „Premium“-Image wie Weihenstephan und Mövenpick, aber auch preiswerte Handelsmarken. Selbstverständlich sind unter den insgesamt 20 ausgewählten Joghurts auch Marken aus dem Bio-Laden.

Die Inhaltsstoffe

Naturjoghurt, Frucht, Zucker und Aroma – das sind die Hauptkomponenten eines gewöhnlichen Erdbeerjoghurts. Alle Produkte haben wir auf Standardparameter wie den Zucker- und Fettgehalt sowie auf krankmachende Keime untersuchen lassen. Hat ein Hersteller laut Zutatenliste „Aroma“ oder „natürliches Aroma“ eingesetzt, ist der Fall klar: Diese Aromen haben nichts mit der Erdbeere zu tun. Gibt der Hersteller aber in der Zutatenliste an, er würde nur Erdbeeren oder „natürliches Erdbeeraroma“ aus der Frucht einsetzen, haben wir dies im Labor auf den Wahrheitsgehalt prüfen lassen. Auch besonders ausgelobte Keimkulturen wurden in einem Spezialverfahren analysiert. Denn wenn solche Kulturen überhaupt etwas bringen sollen, dann nur, wenn sie auch in ausreichender Zahl im Becher stecken.

Foto: A. Wägele

Welches Aroma ist im Joghurt? Das verrät die Zutatenliste. „Natürliches Aroma“ ist dabei keinesfalls ein Qualitätsmerkmal, wie uns dieses Zeichen vorgaukelt. Denn dieses Aroma stammt gar nicht aus Erdbeeren.

Die Weiteren Mängel

Was haben eigentlich die Kühe gefressen – Gras von der Weide oder Gen-Futter? Dies kann man im Labor zwar nicht direkt feststellen, aber man kann über eine Analyse bestimmter Fettsäuren darauf schließen, ob mehr Grün- oder doch mehr Kraftfutter im Trog war. Um in Sachen Gen-Futter sicherzugehen, haben wir bei den Molkereien nach Musterverträgen gefragt, um zu prüfen, ob eine Fütterung mit gentechnisch verändertem Futter verboten ist.

Die Bewertung

Zu viel Zucker, zu wenige Erdbeeren, stattdessen Aroma aus dem Labor, das womöglich noch als „natürliches Erdbeeraroma“ verschleiert wird – ein solcher Joghurt kann von ÖKO-TEST auf keinen Fall empfohlen werden. Kein Wunder also, dass die meisten Marken durchfallen. Weil aber auch die Fütterung der Kühe ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung eines Joghurts ist, gibt es zusätzliche Abwertungen für alle Molkereien, die ihren Landwirten noch immer eine Fütterung mit Gen-Pflanzen erlauben. Für sich betrachtet sind dies alles noch keine gravierenden Mängel, bei manchen Produkten summieren sie sich aber derart, dass am Ende ein enttäuschendes Gesamturteil steht.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 140.
Anmerkungen: 1) Laut Anbieter wurde das Produkt verändert. Seit KW 45 enthält es „natürliches Aroma“, zu erkennen an der Deklaration. 2) Weiterer Mangel: Deklarationsmangel. Der gemessene Fettgehalt weicht um mehr als 15 Prozent vom deklarierten Wert ab. 3) Mangel Inhaltsstoffe: Ausgelobte Keime in zu niedriger Zahl enthalten. 4) Der Preis bezieht sich auf eine Aktionspackung mit 200 g Inhalt, die gegenüber der Standardpackung 50 g mehr enthält. 5) Laut Anbieter wird das Produkt in Bezug auf das Aroma verändert. Die Markteinführung könne produktionstechnisch bedingt bis Ende Dezember 2012 dauern.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: Zugesetzte Aromen, die nicht aus der Erdbeere stammen, ohne dass dies deklariert ist (Hier: Nachweis von synthetischen Aromastoffen, die nicht dem genuinen Erdbeeraroma entstammen, in einem Produkt, das der Deklaration nach „natürliches Erdbeeraroma“ enthält). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Zusatz von „natürlichem Aroma“ und/oder „Aroma“; b) ausgelobte Keime, die in einer Menge von weniger als jeweils 1 Mio. KBE/g enthalten sind; c) ein erhöhter Zuckergehalt (Summe Saccharose, Fructose, Glucose) von mehr als 6,8 g/100 g bzw. 10,1 g pro 150 g. Als Vergleich diente eine Zubereitung aus 100 g Joghurt und 50 g Erdbeeren mit einem Gesamtzuckergehalt von 4,5 Prozent; abgewertet wurde ab dem 1,5-Fachen dieses Gehalts; d) ein Gehalt von insgesamt weniger als 10 Prozent Erdbeeren/ Erdbeersaft. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) das Fehlen einer vertraglichen Verpflichtung zum Einsatz von gentechnikfreiem Futter; b) der fehlende Nachweis über eine vom Hersteller angegebene vertragliche Verpflichtung zum Einsatz von gentechnikfreiem Futter; c) ein zu niedriger Gehalt an Omega- 3-Fettsäuren von weniger als 0,8 g pro 100 g Fett, wenn eine Abbildung auf der Verpackung nahelegt, dass die Milch überwiegend auf Basis von Grünfutter gewonnen wurde. Zur Ab wertung um eine Note führt: ein zu niedriger Gehalt an Omega-3-Fettsäuren von weniger als 0,8 g pro 100 g Fett; d) ein gemessener Fettgehalt, der um mehr als 15 Prozent vom deklarierten Wert abweicht, wenn der deklarierte Wert bei 10 g/100 g oder höher liegt. Das Testergebnis basiert auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1301“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: September bis Oktober 2012.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.