Lesezeit ca. 5 Min.

TEST Erkältungsbäder: Abgetaucht


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 110/2019 vom 24.10.2019

Wannenbäder mit ätherischen Ölen gelten als Hausmittel bei aufziehenden Erkältungen. Doch so wohltuend sie auch bei verstopfter Nase und Gliederschmerzen sein mögen – was Wirkung und Anspruch der kosmetischen Badezusätze und Arzneibäder betrifft, fehlen aus unserer Sicht wissenschaftliche Belege.


Artikelbild für den Artikel "TEST Erkältungsbäder: Abgetaucht" aus der Ausgabe 110/2019 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 110/2019

Kribbelnde Nase, kalte Füße, ein Kratzen im Hals, Kopf- und Gliederschmerzen: Wenn sich die ersten Erkältungssymptome bemerkbar machen, schwören viele auf ein Wannenbad mit ätherischen Ölen. Pünktlich zur Schnief-Saison haben wir 20 Erkältungsbäder in die Labore geschickt – 13 Arzneimittel und 7 ...

Weiterlesen
Artikel 2,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 110/2019 von Gut durch den Alltag: GUT DURCH DEN ALLTAG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Gut durch den Alltag: GUT DURCH DEN ALLTAG
Titelbild der Ausgabe 110/2019 von ÖKO-TEST WIRKT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÖKO-TEST WIRKT
Titelbild der Ausgabe 110/2019 von Gemeinsam besser: GEMEINSAM BESSER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Gemeinsam besser: GEMEINSAM BESSER
Titelbild der Ausgabe 110/2019 von ÖKOLOGIE IM AUSLAND Teil 2. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÖKOLOGIE IM AUSLAND Teil 2
Titelbild der Ausgabe 110/2019 von Megatrend Vegan: Gesellschaftsfähig. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Megatrend Vegan: Gesellschaftsfähig
Titelbild der Ausgabe 110/2019 von VEGAN: TEST VEGANE BURGER: Fast Fleisch. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VEGAN: TEST VEGANE BURGER: Fast Fleisch
Vorheriger Artikel
TEST Handcremes: Eine Hand pflegt die andere
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Kurz & klar
aus dieser Ausgabe

... Kosmetikprodukte. Über ein „befriedigend“ kommt keiner der Badezusätze im Test hinaus. Sechs gehen sogar komplett baden – sie sind „ungenügend“.

DER HAKEN AN DER SACHE

Die Arzneibäder im Test haben bestenfalls mit „befriedigend“ abgeschnitten. Denn: So wohltuend diese Bäder auch sein mögen, die Datenlage ist ausgesprochen dünn. Zwar legt der Erfahrungsschatz aus der Volksmedizin nahe, dass ätherische Öle aus Eukalyptus, Pfefferminze oder Nadelhölzern wie Latschenkiefern, Fichten oder Edeltannen Erkältungssymptome wie eine verstopfte Nase lindern können – etwa über das subjektive Gefühl, wieder besser durchatmen zu können. Doch ihre Anwendung erfolgt nicht auf Basis einer evidenz- basierten Phytotherapie und wird dementsprechend auch nicht in Leitlinien empfohlen. Wir quittieren das mit zwei Noten Abzug. Zumal das traditionelle Wissen nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die Anwendung ätherischer Öle durchaus Risiken birgt.

DAS DILEMMA DER KOSMETIK

Sie sollen wirken, ohne wirken zu dürfen. So in etwa lässt sich das Dilemma der kosmetischen Badezusätze im Test auf den Punkt bringen. Konkret: Wirkversprechen von Kosmetika müssen wissenschaftlich belegt sein, sonst darf ein Hersteller sie nicht ausloben. Auf der anderen Seite darf Kosmetik keine einem Medikament vergleichbare Wirkung haben. Sonst würde sie unter die strengen Auflagen des Arzneimittelgesetzes fallen. Folglich lassen die Hersteller der kosmetischen Erkältungsbäder kräftig Marketing-Wasserdampfschwaden aufsteigen und loben ihre Produkte als „wohltuend“ und „befreiend“ aus. Sie preisen wohltuende Effekte bei Erkältungen und auf die Atemwege an, versuchen aber, medizinische Wirkversprechen wie bei den Arzneimitteln zu vermeiden. Wir sehen auch in den Formulierungen auf den Kosmetika einen Anspruch, bei Erkältungen zu helfen. Da der Anspruch – wie auch bei den Arzneimitteln – nach Auffassung unseres Gutachters bestenfalls teilweise belegt ist, ziehen wir auch hier zwei Noten ab.

WENIG NUTZEN, HOHES RISIKO

Sechs Anbieter setzen in ihren Erkältungsbädern Kampfer ein. Der hat nur einen geringe therapeutische Breite – bei möglicherweise gravierenden Nebenwirkungen. Daher ist sein Einsatz in der Medizin umstritten. So kann es bei äußerer Anwendung zu Hautekzemen kommen. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern besteht durch die Aufnahme Vergiftungsgefahr – und das Risiko von Krampfanfällen oder eines Atemstillstands.



Um Duftstoffallergiker zu schützen, müssten die Hersteller der Arzneibäder allergene Duftstoffe deklarieren. Sie reden sich aber heraus. Das ist schäbig.


Annette Dohrmann Redakteurin ÖKO-TEST


NATÜRLICH, ABER ALLERGEN

In Bädern, die als Wirkstoff Nadelholzöle wie Fichtennadel-, Kiefernnadel- oder Latschenkiefernöl enthalten, stecken häufig hohe Mengen an Delta-3-Caren. Das ist zwar ein natürlicher Bestandteil der Öle, gilt aber leider auch als starkes Allergen. Wir werten um zwei Noten ab, wenn der im Labor nachgewiesene Gehalt an Delta- 3-Caren die Grenze von 100 Milligramm pro Kilogramm überschreitet.

UNERWÜNSCHTER MITSCHWIMMER

Ob Arzneimittel oder Kosmetikum – bei 15 Erkältungsbädern landen Abkömmlinge von Polyethylenglykolen in der Wanne. Die sorgen in den Badezusätzen dafür, dass zwei eigentlich nicht mischbare Flüssigkeiten – etwa Öl und Wasser – doch miteinander vermengt werden können. Eigentlich eine feine Sache. Doch die PEG-basierten Emulgatoren können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Das ist dann keine feine Sache, sondern ein unerwünschter Effekt, für den es Notenabzug gibt.

GAR NICHT DUFTE

Anbieter Li-iL beduftet seinLi-iL Erkältungs-Arzneibad Thymian unter anderem mit Lilial. Völlig unverständlich, da mittlerweile bekannt ist, dass der künstliche Duftstoff in begründetem Verdacht steht, die Fortpflanzung zu beeinträchtigen. Das EU-Verbraucherschutzkomitee für Kosmetik bewertet den Duftstoff daher als nicht sicher. Nun ist der Badezusatz von Li-iL zwar kein Kosmetikum, sondern ein Arzneimittel – wer sich auf der Suche nach Erholung damit ein Wannenbad einlässt, dem ist dieser Unterschied, vermuten wir mal, relativ schnurz. Lilial hat daher unserer Meinung nach weder in Kosmetik noch Arzneimitteln irgendetwas zu suchen.

DAS RIECHT NACH BILLIGER AUSREDE
Keiner der Anbieter von Arzneibädern hat deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können, aufgeführt. Mit der Begründung, dass die seit 2017 auch für Arzneimittel wie Bäder und Salben geltende Vorgabe nur ätherische Öle oder Parfum betrifft, die in Hilfsstoffen stecken. In ihren Badezusätzen seien ätherische Öle jedoch als Wirkstoff enthalten. Wir meinen, wer so argumentiert, genügt damit zwar der Vorgabe, hilft aber dem Allergiker nicht. Denn ein Duftstoffallergiker muss die für ihn gefährliche Substanz unbedingt meiden. Ohne vollständige Deklaration hat er dazu keine Chance.

FEHLENDE HINWEISE
Da die Anwendung von Erkältungsbädern und ätherischen Ölen nicht ganz risikofrei ist, sollte man unter bestimmten Umständen lieber darauf verzichten oder sich zumindest bei seinem Arzt kundig machen. Tabu sind Erkältungsbäder beispielsweise für Kinder unter zwei Jahren oder Asthmatiker. Fehlen entsprechende Hinweise auf den Verpackungen oder Beipackzetteln der Bäder, werten wir das als Deklarationsmangel ab. Ebenso, wenn die Hersteller nicht darauf aufmerksam machen, dass man bei Fieber, unklaren Hauterkrankungen, hohem Blutdruck, Herzinsuffizienz oder als Schwangere vorsichtshalber ärztlichen Rat einholt, bevor man sich in ein Erkältungsbad gleiten lässt.

So haben wir getestet

Wir haben 13 Arzneibäder zur unterstützenden Behandlung bei Erkältungskrankheiten in Apotheken, Drogerien, (Bio)-Supermärkten, Reformhäusern und Discountern eingekauft. Sieben kosmetische Badezusätze landeten aufgrund ihrer Bezeichnung wie „Erkältungszeit Bad“ und „Erkältung & Atemfrei“ in unserem Einkaufskorb und/oder weil auf der Verpackung „wohltuend für die Atemwege“ und Ähnliches ausgelobt ist.

ÖKO-TEST Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz von der Universität Frankfurt hat die aktuelle Studienlage zu den Wirkstoffen beurteilt. Zudem haben wir die Anbieter der Kosmetika gebeten, Studien vorzulegen, die den ausgelobten Anspruch bei Erkältungen belegen.

Alle Produkte wurden im Labor auf problematische Konservierungsstoffe und Allergien auslösende Duftstoffe analysiert. Zudem haben wir die Inhaltsstofflisten auf umstrittene Substanzen gecheckt.

Wenn Anbieter versprechen oder darauf hinweisen, dass ihre Produkte Erkältungskrankheiten lindern, erwarten wir eine stichhaltige Datenlage. Basiert das Anwendungsgebiet eines Arzneimittels jedoch vor allem auf Erfahrungen aus der Volksmedizin, dann schneidet ein Erkältungsbad bestenfalls „befriedigend“ ab. Auch für die kosmetischen Erkältungsbäder erwarten wir Studien, die ihre Produktauslobungen belegen. Fehlende Warnhinweise verschlechterten das Ergebnis.

RATGEBER

1

Wenn Sie ein Erkältungsbad kaufen wollen, dann besser eines, das über eine Zulassung als Arzneimittel verfügt. Hier haben sie die Wahl unter acht immerhin „befriedigenden“ Marken.

2

Allerdings haben Duftstoffallergiker bei den Arzneibädern keine Chance zu erkennen, ob möglicherweise jener Duftstoff mit in der Wanne schwimmt, auf den sie empfindlich reagieren.

3

Wohltuend sind auch DIY-Badezusätze: Drei Beutel Kräutertee (Pfefferminz, Thymian und/oder Fenchel) mit einem Liter kochenden Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen, abseihen, den Sud anschließend ins Badewasser geben. Dazu einen Esslöffel Olivenöl, damit die Haut nicht austrocknet.

INFO: ERKÄLTUNGSBAD: SO GEHT’S RICHTIG

Erkältungsbäder entfalten ihre wohltuenden Effekte zum einen über die Wärme, die den Körper besser durchblutet, aufwärmt und entspannt. Der Wasserdampf und ätherische Öle stimulieren zum anderen die bei Erkältung trockene und gereizte Nasenschleimhaut. So steigt das Gefühl, durchatmen zu können. Ein paar Tipps für ein wirksames Erkältungsbad:

Temperatur: Ideal für ein Wannenbad sind 32 bis 38 °C. Bei lauwarmem Wasser bleibt der gewünschte Effekt aus.

Dauer: 10 bis 20 Minuten reichen aus, um den Körper zu durchwärmen. Alles darüber hinaus kann den Kreislauf belasten. Wer das Bad als zu anstrengend empfindet, steigt früher raus.

Füllhöhe: Die meisten Wannen eignen sich für Dreiviertel-Bäder, bei denen Schultern, Arme und Knie aus dem Wasser ragen. Das ist für den Kreislauf weniger anstrengend als ein Vollbad.

Zeitpunkt: Lassen Sie sich ein warmes Bad ein, sobald sich die ersten Symptome einer Erkältung zeigen: Gliederschmerzen, Halskratzen, Frösteln, ein Kribbeln in der Nase oder eiskalte Füße. Sind Husten und Schnupfen schon voll ausgebrochen, belastet ein Wannenbad den Körper eher.

Danach: Das warme Wasser weitet die Blutgefäße und lässt den Blutdruck sinken. Richten Sie sich daher vorsichtig auf und halten sich beim Ausstieg gut fest. Hüllen Sie sich nach dem Bad warm ein und legen sich zur Ruhe.

Meiden: Verzichten Sie auf Erkältungsbäder bei Fieber, hohem Blutdruck, offenen Wunden, großflächigen Hauterkrankungen oder Asthma. Wer Krampfadern oder Probleme mit den Venen oder dem Herz-Kreislauf-System hat, fragt den Hausarzt, ob heiße Wannenbäder ok sind. Das gilt auch für Schwangere. Tabu sind Erkältungsbäder mit ätherischen Ölen für Kinder unter zwei Jahren.


Foto: UfaBizPhoto/Shutterstock; Illustrationen:Istry Istry/Shutterstock

Foto: ÖKO-TEST