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TEST Erkältungsmittel: Wilde Mischung


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2017 vom 29.12.2016

Pillen und Säfte, die einen Mix aus Wirkstoffen gegen Erkältungsbeschwerden enthalten, bescheren den Apotheken besonders in den Wintermonaten gute Umsätze. Von 15 Produkten im Test schneidet nur ein Mittel mit „gut“ ab. Alle anderen Produkte enttäuschen: Sie enthalten sinnlose und auch bedenkliche Wirkstoffkombinationen – Nebenwirkungen gibt es inklusive.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 1/2017

Eine kalte Nase ist der ideale Ort für Schnupfenviren. Bei Temperaturen von 33 bis 34 Grad, die etwas unter der normalen Körpertemperatur liegen, vermehren sich die Keime prächtig. Es folgt ein Kribbeln in der Nase, Niesanfälle. Schließlich stellen sich ...

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... Beschwerden wie eine verstopfte Nase, Schnupfen, Kopfschmerzen, ein Stauungsgefühl im Gesicht oder der Verlust des Geruchssinns ein, die typisch für eine normale Erkältung sind. Mediziner bezeichnen das Krankheitsbild als akute Rhinosinusitis, weil der Schnupfen (Rhinitis) meist mit einer Entzündung der Nebenhöhlen (Sinusitis) einhergeht.

Die Rhinoviren können mit einem Nebel aus Tröpfchen direkt in die Atemorgane und Tränenkanäle geraten. Häufig gelangen sie auch über die Hand an ihre Wirkungsstätte. Denn an die Hände heften sich die hartnäckigen Keime durch den bloßen Kontakt mit kontaminierten Gegenständen wie Türklinken. Dort können sie bis zu 48 Stunden überleben.

Der grippale Infekt ist eigentlich harmlos und heilt in der Regel innerhalb einer Woche aus. Ruhe und Schonung hilft, den Infekt zu überwinden. Hausmittel können das Wohlbefinden fördern, beispielsweise die Wasserdampfinhalation mit Kamille, eine Tasse heißer Tee oder Milch mit Honig. Bei ganzen Generationen von Kindern rieb die Mutter die Brust mit einer Mentholduft verströmenden Salbe ein – Mittel wie Wick Vaporub sind bis heute in vielen Hausapotheken eine Selbstverständlichkeit. Ein Apotheker hat das Wick-Erkältungsmittel vor mehr als 100 Jahren in den USA erfunden. Es hatte seinen Durchbruch im Jahr 1918, als eine Grippepandemie in Amerika, Europa und Asien grassierte, wie das Unternehmen Procter & Gamble auf seiner Homepage informiert. So weit die Werbung.


Hartnäckige Rhinoviren: sie überleben bis zu 48 Stunden auf Türklinken


Doch was empfehlen Mediziner? Sie raten dazu, die lästigsten Beschwerden zu lindern. Jedoch gibt es derzeit keine entsprechende, aktuelle medizinische Leitlinie. „Es ist ein Armutszeugnis, dass die deutschen Fachgesellschaften momentan keine gültigen Leitlinien zur Rhinosinusitis veröffentlicht haben“, bemängelt Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt. Experten kritisieren zudem, dass bei normalen Erkältungen zu häufig und vorschnell Antibiotika verordnet werden. Gegen die durch Viren verursachten Erkältungen können Antibiotika jedoch nichts ausrichten. Sie sorgen bestenfalls für Nebenwirkungen wie Durchfall oder Hautausschläge. Die sorglose Antibiotikagabe fördert überdies die Ausbreitung von Resistenzen gegen diese lebenswichtigen Arzneimittel. Erst wenn Symptome auftreten, die auf eine Beteiligung von Bakterien hindeuten, wie grünlicher Auswurf, starke Kopfschmerzen im Bereich der Stirnhöhle oder Brustschmerzen und Probleme beim Luftholen, sollte ein Arzt über das weitere Vorgehen entscheiden.

Im Gegensatz zur echten Grippe, die sich durch hohes Fieber und schlagartig auftretende Symptome wie starke Gliederschmerzen äußert, existiert keine Impfung gegen einen grippalen Infekt. Die Grippeschutzimpfung im Herbst wird von der ständigen Impfkommission für Menschen ab 60 Jahre, Schwangere, chronisch Kranke und Immunschwache empfohlen. Gesunde Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter 60 Jahren können, müssen aber nicht geimpft werden.

Hausmittel fördern das Wohlbefinden: Manche schwören auf die Inhalation von Wasserdampf mit oder ohne Kamille, andere auf heiße Milch mit Honig.


Foto: imago/Westend61

Zwei- bis viermal im Jahr erwischt eine Erkältung Erwachsene. Sie ist damit einer der häufigsten Krankheiten. Und sie verursacht erhebliche Kosten durch Arztbesuche, Ausgaben für überflüssige Antibiotika und freiverkäufliche Arzneimittel, Krankheitstage und eine eingeschränkte Produktivität im Job. Um bei einem grippalen Infekt weiter zu funktionieren, greifen viele Menschen offenbar zu Erkältungsmitteln. Darauf deuten hohe Umsatzzahlen hin. Allein im Jahr 2015 setzten Anbieter mit rezeptfreien Mitteln zur Linderung von Erkältungsbeschwerden 1,8 Milliarden Euro um. Die fünf Kassenschlager: drei abschwellende Nasensprays, ein Hustenlöser, eine Pflanzenmedizin. Aber auch Produkte wieGrippostad C undAspirin Complex aus unserem aktuellen Test gingen in der vergangenen Erkältungssaison bestens.


1,8 Milliarden Euro wurden im Jahr 2015 mit Erkältungsmitteln umgesetzt


Wir haben 15 rezeptfreie Arzneimittel eingekauft: Darunter sind einfache Schmerzmittel mit Vitamin C bis hin zu All-in-one-Produkten. In ihnen stecken bis zu vier Wirkstoffe, die von den Pharmaunternehmen gegen Erkältungsbeschwerden angepriesen werden.

Das Testergebnis
■. Vorsicht Wirkstoffmix. Gerade einmal ein Produkt, das nur ein Schmerzmittel enthält, können wir mit der Note „gut“ empfehlen. Sieben Produkte sind noch „ausreichend“. Bei sieben Produkten sehen wir rot: Sie enthalten einen Wirkstoffmix, der bedenklich, nicht sinnvoll, schlicht überflüssig ist oder nichts nützt. Etliche Produkte enttäuschen mit „ungenügend“ und Notenabzügen, die unsere Bewertungsskala sprengen.

Schmerzmittel helfen. Die Schmerzmittel Ibuprofen, Ace tylsalicylsäure (ASS) und Paracetamol helfen gegen Kopf- und Gesichtsschmerzen. Ibuprofen sollten Kranke zur Schonung des Magens nur in Verbindung mit einer Mahlzeit einnehmen und ASS als Brausetablette oder Granulat in Wasser auflösen. Keinerlei Hinweise zur Dosierempfehlung mit Bezug zum Körpergewicht werten wir bei Mitteln mit Paracetamol als Deklarationsmangel ab: Der Abstand zwischen der therapeutischen Dosis und der Dosis, die Leberschäden verursacht, ist gering. So dürfen Kinder bis zwölf Jahre und Menschen mit einem Körpergewicht von weniger als 43 Kilogramm pro Tag höchstens 2.000 mg Paracetamol einnehmen.
Nebenwirkungen inklusive. Elf Produkte enthalten die Sympathomimetika Pseudoephedrin, Phenylpropanolamin, Phenylephrin oder Ephedrin, die abschwellend auf die Nasenschleimhäute wirken. Mit Tabletten oder Säften eingenommen, gibt es aber auch Nebenwirkungen wie Unruhe, Angst und Schlafstörungen inklusive. Die aufputschenden Sub stanzen Ephedrin und Pseudo ephedrin listet die Welt-Doping-Agentur WADA gar als verbotene Dopingmittel. In einem großen Übersichtsartikel des Cochrane-Netzwerkes erwiesen sich die Kombination von Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol mit Pseudoephedrin oder Phenylpropanolamin zwar als wirksam gegen eine verstopfte Nase, nicht aber gegen eine laufende Nase, Niesen und Husten. Zudem litt fast jeder fünfte Studienteilnehmer in der Wirkstoffgruppe unter einer ganzen Reihe von Nebenwirkungen, während es in der Placebogruppe nur elf Prozent waren. Aufgrund der Nebenwirkungen werten wir Sympathomimetika um drei Noten ab. Eine Note schlechter kommt Phenylpropanolamin weg: Laut der US-Gesundheitsbehörde FDA erhöht die Substanz das Risiko für Gehirnblutungen.
All-in-one: bedenklich bis überflüssig. Die Kombination der zwei Schmerzmittel ASS und Paracetamol in den Grippal+C Ratiopharm, Brausetabletten stufen wir als bedenklich ein. Experten sind der Ansicht, eine solche Kombination verursache eher einen medikamentenbedingten Kopfschmerz als einzelne Schmerzmittel. Ein akuter Husten im Rahmen eines Infektes sollte nur in Ausnahmefällen mit Hustenblocker behandelt werden und mit Schleimlöser überhaupt nicht, erklärt ÖKO-TEST-Berater Schubert-Zsilavecz. Ihren Zusatz monieren wir in denBasoplex Erkältungs-Kapseln und dem Wick Daymed Kombi Erkältungsgetränk, Pulver, in denen der Hustenreizdämpfer Dextromethorphan oder der Schleimlöser Guaifenesin stecken. Auch der Zusatz von Vitamin C in den ASS + C-Ratiopharm gegen Schmerzen, Brausetabletten, den Grippal+C Ratiopharm, Brausetabletten und denGrippostad C, Hartkapseln hat keine Vorteile bei einer Erkältung.

Eine Erkältung verläuft meist harmlos: Manchmal fühlt man sich trotzdem richtig krank. Ruhe und Schonung hilft, den Infekt rasch zu überwinden.


Foto: Photographee.eu/Shutterstock

Nutzen fraglich. Die Wirksamkeit von Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel in den Angocin Anti-Infekt N Filmtabletten ist wenig überzeugend belegt. Nur eine produktspezifische Studie zeigt, dass die Wirksamkeit bei akuter Sinusitis und akuter Bronchitis mit der eines Antibiotikums vergleichbar ist. Dagegen ist der Nutzen des Sympathomimetikums Phenylephrin bei einer normalen Erkältung ebenso wenig belegt wie derjenige der Antihistaminika Chlorphenamin und Doxylamin. Daher stufen wir den Nutzen von Präparaten, die diese Wirkstoffe neben anderen enthalten, als nur teilweise belegt ein. Antihistaminika sind sinnvoll, wenn Beschwerden wie eine laufende Nase durch eine Allergie ausgelöst sind. Im Übrigen gelten diese müde machenden Allergiemittel als veraltet.
Hinweis auf Wirkstoffmix fehlt. In vielen Beipackzetteln wird der Hinweis gegeben, dass ein Kombiprodukt nur dann einzunehmen ist, wenn der Erkrankte tatsächlich alle Symptome zeigt, für deren Bekämpfung Wirkstoffe im Produkt enthalten sind. In drei Beipackzetteln vermissen wir einen entsprechenden Hinweis und werten das als Deklarationsmangel ab.
Überflüssige Farbstoffe. Weitere Notenabzüge hagelte es für die Farbstoffe Erythrosin (E 127) und/oder Chinolingelb (E 104) in den Grippostad C, Hartkapseln, den Wick Daymed Kombi Erkältungsgetränk, Pulver und den Wick Medinait Erkältungssirup für die Nacht. Im Letzteren monieren wir zudem mehr als fünf Volumenprozent Alkohol.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 124.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.2) Laut Anbieter wurde das Produkt aus dem Handel genommen.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) die bedenkliche Kombination mehrerer Schmerzwirkstoffe; b) das Sympathomimetikum Phenylpropanolamin (Norephedrin). Zur Abwertung um jeweils drei Noten führen: a) eine durch Studien nur „wenig überzeugend“ belegte Wirksamkeit (hier: Kapuzinerkressenkraut, Meerrettichwurzel); b) die Sympathomimetika Pseudoephedrin, Ephedrin, Phenylephrin; c) das halogenorganische Antihistaminikum Chlorphenamin. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) die nicht sinnvolle Kombination eines Schmerzwirkstoffes mit einem Hustenmittel (Dextromethorphan, Guaifenesin); b) das Antihistaminikum Doxylamin; c) eine durch Studien nur „teilweise“ belegte Wirksamkeit (bei Kombinationspräparaten ist für einen Wirkstoff die Wirksamkeit bei Erkältungskrankheiten nicht belegt (hier: Phenylephrin, Chlorphenamin, Doxylamin). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) die überflüssige Kombination eines Wirkstoffes mit Vitamin C (Ascorbinsäure); b) Deklarationsmangel: Hinweis zur Einnahme eines Präparats mit nur einem Wirkstoff (Monopräparat) fehlt, sofern nur eines der genannten Symptome vorliegt; c) Deklarationsmangel: keinerlei Dosierempfehlung nach Körpergewicht bei Präparaten mit dem Wirkstoff Paracetamol.
Unter dem Testergebnis Hilfsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: der Farbstoff Erythrosin (E 127). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) der Farbstoff Chinolingelb (E 104); b) mehr als 5 Vol-%. Alkohol in Sirups. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel. Ein Testergebnis Hilfsstoffe, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.Preisberechnung basiert auf dem kleinstem Produktangebot und der höchsten Einzeldosis.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unterwww.oekotest.de → Suchen → „M1701“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Mai und September 2016.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben in Apotheken vor Ort und im Internet 15 Arzneimittel eingekauft, die die lästigen Symptome einer Erkältung lindern oder wie Angocin Anti-Infekt N die „Beschwerden bei akuten entzündlichen Erkrankungen der Bronchien, Nebenhöhlen (Atemwegsinfekte) …“ bessern sollen. Darunter sind drei Produkte der Marke Wick, die nach eigenen Angaben „weltweit meistverkaufte Erkältungsmarke“, sowie Grippostad C und Aspirin Complex, die laut Daten der Marktforscher von ISM Health im Jahr 2015 zu den umsatzstärksten Präparaten bei den Erkältungsmitteln gehörten.

Brausetabletten verbessern die Magenverträglichkeit des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure.


Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel
Ist die Wirksamkeit der Mittel bei Erkältungen stichhaltig belegt und überwiegt der Nutzen die Risiken? Dafür hat Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt in medizinischen Literaturdatenbanken nach Studien gefahndet, diese ausgewertet und den Nutzen und die Risiken der Wirkstoffe und Mittel beurteilt. Zudem hat er die Beipackzettel aller Präparate auf wichtige Gebrauchs- und Warnhinweise durchgesehen.

Die Hilfsstoffe
In den Kapseln, Tabletten, Granulaten und dem Sirup stecken viele weitere Substanzen wie Überzugsmittel, Füllstoffe, Süßstoffe, Aromen oder Alkohol. All diese Stoffe sind im Beipackzettel aufzuführen. Wir haben geprüft, ob Problemstoffe darunter sind.

Die Bewertung
Eine Erkältung verläuft in den meisten Fällen harmlos. Mit Arzneimitteln, die nur einen Wirkstoffenthalten, lassen sich lästige Symptome wie Kopfschmerzen oder eine verstopfte Nase gezielt lindern. Präparate, in denen Schmerzmittel, Vitamin C, schleimhautabschwellende Substanzen oder Hustenmittel in einer bedenklichen, unsinnigen oder überflüssigen Weise miteinander kombiniert waren, erhielten von uns Notenabzüge. Wirkstoffe mit einem ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis werteten wir rigoros ab und ebenso den Zusatz von Allergiemitteln. Für Letztere ist der Nutzen bei einer normalen Erkältung überhaupt nicht belegt.

ÖKO-TEST rät

 Wenn es bei einer Erkältung ein Arzneimittel sein muss, dann um gezielt Beschwerden wie Schmerzen oder eine verstopfte Nase zu lindern. Abschwellende Nasensprays sollten frei von Konservierern sein. „Sehr gute“ Schmerzmittel gibt es im ÖKOTEST Fieber- und Schmerzmittel unterwww.oekotest.de.

 Erkaltungsmittel können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, etwa Mittel mit Doxylamin, Chlorphenamin, Ephedrin und Dextromethorphan, die in den getesteten Grippostad C, Wick Medinait Erkältungssirup und Basoplex Erkältungs-Kapseln stecken.

 Vorsicht Abhängigkeit: Die Schnupfenmittel maximal sieben Tage anwenden und vor erneutem Nutzen eine Woche pausieren.

 Vorbeugen: Häufig die Hände mit normaler Seife waschen, die Hände vom Gesicht fernhalten, nicht aus Tassen und Gläsern trinken, die schon andere benutzt haben.

Im Überblick Wirkstoffe in Erkältungsmitteln

■.Schmerzmittel wieIbuprofen, Acetylsalicylsäure oderParacetamol helfen, wenn bei einer Erkältung Kopf-, Hals- und Gesichtsschmerzen stören. Präparate mit Acetylsalicylsäure immer als Brausetablette oder als Granulat im Wasser aufgelöst einnehmen, um den Magen zu schonen und Ibuprofen nach einer Mahlzeit. Nur als Monopräparate einnehmen und, da auch rezeptfreie Schmerzmittel nicht ohne Risiken sind, immer gut abwägen, ob es überhaupt eine Tablette sein muss.

■.Der Zusatz vonKoffein in einem Schmerzmittel ist in Ordnung, er bringt aber gegenüber einem einfachen Schmerzmittel keinen Vorteil.

■.Schleimhautabschwellende Mittel, sogenannte Sympathomimetika wiePseudoephedrin, Phenylephrin, Ephedrin undPhenylpropanolamin wirken auf die Nasenschleimhautwände. Aufgrund ihrer Nebenwirkungen wie Unruhe, Herzklopfen und Schlafstörungen raten wir jedoch davon ab, Tabletten oder Säfte einzunehmen, die diese Wirkstoffe enthalten.

■.Hustenmittel wie der HustenblockerDextromethorphan oder der SchleimlöserGuaifenesin sind bei einer akuten Erkältung überhaupt nicht empfehlenswert.

■.Antihistaminika wieDoxylamin undChlorphenamin haben keinen Nutzen bei einer akuten Erkältung. Es handelt sich dabei um müde machende Allergiemittel der ersten Generation, deren Einsatz veraltet ist.

■.Der Zusatz vonVitamin C in einem Schmerzmittel bringt nichts und ist daher überflüssig.

Experte

Aus ärztlicher Sicht nicht rational

Foto: privat

„Erkältungsmittelkombinationen sind Produkte, die vom Marketing aufgebaut werden und für die in der Werbung eine zuverlässige Wirksamkeit auf alle möglichen Symptome suggeriert wird. Sie werden eingenommen, obwohl der eine oder andere Bestandteil der Kombination de facto nicht benötigt wird. Rational erscheint mir dies nicht.“

Wolfgang Becker-Brüser ist Arzt, Apotheker und Geschäftsführer der FachzeitschriftArznei-Telegramm.


Foto: imago/Contrast

Foto: plprod/Shutterstock