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TEST Fanartikel von Pop- und Youtube-Stars Starallüren


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2015 vom 31.07.2015

Millionen Fans hören auf ihre Meinung, kaufen ihre Produkte oder lösen bei zu viel Kritik an ihrem Idol einen Shitstorm aus: Youtube-Promis und junge Popstars sind bei ihren Fans angesagt wie niemand sonst. Ihr Ruf ist allerdings besser, als es ihre Fanklamotten sind: Mehr als ein Drittel der Textilien fällt in unserem Test mit „mangelhaft“ und schlechter durch.Von Daniel Waldschik


Artikelbild für den Artikel "TEST Fanartikel von Pop- und Youtube-Stars Starallüren" aus der Ausgabe 8/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 8/2015

Wenn sie an den damals noch jungen und rebellischen Mick Jagger zurückdenkt, der Mitte der 60er-Jahre oberkörpfrei seine unerfüllte sexuelle Befriedigung herausposaunte, bekommt so manche Rockoma noch immer Hitzewallungen – ...

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... und so manche Mama erleidet noch heute Schnappatmung, wenn sie an ihre Konzertbesuche bei den Backstreet Boys oder Take That zurückdenkt. Elvis, The Beatles, Nirvana oder Bushido: Jede Generation hat ihre Stars, die wiederum merklichen Einfluss auf ihre Fans ausüb(t)en. Heutzutage fällt das Künstlern und Newcomern durch die sozialen Medien besonders leicht.

Was die Stars von heute auf Youtube und Co. verbreiten, ist allerdings nicht immer unkritisch zu sehen. Ein negatives Beispiel gab im Mai dieses Jahres Julien Sewering auf seinem Kanal Juliens Blog ab. 1,2 Millionen Abonnenten hat er auf Youtube. In seinem Video, das laut Medienberichten in kurzer Zeit mehr als 200.000-mal angeklickt worden sein soll, tobt Sewering über die Streikwelle der Lokführergewerkschaft GDL. Sogar Holocaustvergleiche scheut er nicht. „Wisst ihr noch, wie die Juden mit Zügen nach Auschwitz transportiert wurden? Man sollte die Zugführer alle dahinbringen“, kommentiert er, während Schwarz-Weiß-Bilder Juden bei ihrer Deportation zeigen. Nicht bei allen Fans stieß der Youtuber, der zu den beliebtesten in Deutschland gehören soll, auf Zustimmung – und das, obwohl er ansonsten für seine scharfen und beleidigenden Töne gefeiert wird. Andere hingegen schlugen sich auf die Seite ihres Idols. Leidenschaftlich und völlig unkritisch verteidigten sie ihn und den Beitrag in den sozialen Medien und Kommentarspalten diverser Zeitungswebsites. „Schwarzer Humor“ sei das Anti-GDL-Video laut einer Stellungnahme Sewerings gewesen. Viele seiner Teeniefans kauften ihm das ab.


„Was die Kids da sehen, hat mit der Realität wenig gemein.“


Spaßiger geht es bei anderen Videobloggern (kurz: Vlogger) zu, etwa bei Erik Range alias Gronkh, der Let’s Play-Videos hochlädt und sein Publikum beim Zocken zuschauen lässt sowie bei den Comedy- und Musiktrios ApeCrime und Y-Titty. Eine gefeierte Youtuberin ist DagiBee. In ihren Videos spricht sie über Mode, gibt Stylingtipps oder zeigt ihrer Community, was sie in ihrer Handtasche herumschleppt. What’s in my bag nennen sich solche Videos, in denen sie etwa ein nicht rezeptpflichtiges Grippemedikament vor die Linse hält, ihre Haarkur in den Himmel lobt oder sich mit einer pinken Bürste durch die Haare streicht. Die Markennennung darf da nicht fehlen.

Freilich sprechen Dagl-uee und Co. keine Kaufempfehlung offen aus. Dennoch: Große wie kleine Unternehmen sind längst hellhörig geworden bei Werbereichweiten innerhalb einer jungen Zielgruppe, die außerhalb dieser wachsenden Szene ihresgleichen suchen. Das ist dann wohl auch ein Grund, weshalb nur wenige Videos starten, ohne dass ein Werbeclip vorgeschaltet ist oder wenigstens davon unterbrochen wird. Abgerechnet wird nach Klickzahlen, der Youtuber entsprechend beteiligt. Wie sehr, bleibt trotz wilder Spekulationen ein Geheimnis. „Zum Leben reicht’s“, so die Standardantwort. Gut, dass einige Vlogger – dank, oder besser, gerade wegen ihrer Reichweite – mehrere Standbeine haben. Eine Einnahmequelle ist der Verkauf von Merchandiseartikeln. Die Preise dafür haben es teilweise in sich.

ÖKO-TEST wollte deshalb wissen: Wie strapazierfähig sind die Fanklamotten von beliebten Youtube- und Popstars wie Die Lochis, Simon Desue oder Revolverheld nach häufigem Waschen? Färben der Stoffoder die Aufdrucke ab? Welche Schadstoffe sind in den Textilien verborgen? Um das herauszufinden, haben wir Shirts, Hoodies und andere Accessoires von 17 Stars in Laboren untersuchen lassen. Darunter waren auch Produkte aus Bil-uaumwolle. Auf der Strecke geblieben sind die Fanartikel von Justin Bieber, Miley Cyrus und der Band Fifth Harmony: Sie wurden über deren Onlineshops aus den USA geordert, um nicht versehentlichen Produktfälschern aufzusitzen. Weil die Waren selbst nach mehr als sechs Wochen nicht geliefert wurden, fielen sie aus dem Test raus.

Das Testergebnis

Yolo! Dieses Motto vieler Jugendlicher – „You only live once“ – gilt für mit gesundheitsschädigenden Stoffen verseuchte Fanshirts besser nicht. Insgesamt 7 von 17 Produkten fallen im Schadstofftest mit „mangelhaft“ oder schlechter durch. Nur vier Textilien schnitten immerhin beim Testergebnis Inhaltsstoffe mit „gut“ ab, wobei drei davon aufgrund der schlampigen Verarbeitung nicht über das Gesamturteil „befriedigend“ hinauskamen.
Schöner Mist! Die T-Shirts, Hoodies und anderen Fanartikel sehen mit ihren aufgedruckten Sprüchen und Motiven zwar recht gut aus. Aber vor allem in den Motivdrucken stecken Schadstoffe wie der problematische Weichmacher DINP im Selena Gomez „Slow Down“ Junior Dolman, black und dem Torge Freshaltefolie T-Shirt „I Love Torge“, weiß. Viele andere Aufdrucke enthalten bislang noch schlecht erforschte Ersatzweichermacher. Im Dil-uochis Playbutton Shirt, weiß fand das Labor mit DiNCH, ATBC, DEHA, Diethylenglokyldibenzoat und Dipropylenglykoldibenzoat gleich fünf Ersatzweichmacher in hohen Mengen. Da ihre Auswirkungen auf den Menschen noch unklar sind, werten wir sie ab, wenn auch nicht so stark wie die Phthalate. Immerhin: Sechs Produkte kamen ohne (Ersatz-)Weichmacher aus.
Verzettelt! Ein Wasch- und Pflegehinweis fürs Lieblingsteil ist sicher sinnvoll. Wenn aber, wie im aktuellen Test, in Etiketten von 16 Produkten optische Aufheller nachgewiesen werden, die durch den Schweiß aus der Faser gelöst und bei Sonneneinstrahlung auf der Haut aller gisierend wirken können, war’s das mit ihrem guten Zweck. Optische Aufheller, auch Weißmacher genannt, stecken zudem oft im Hauptmaterial weißer Textilien – in unserem aktuellen Test in drei Produkten.
Starpotenzial hat in unserem Test allenfalls die Waschechtheit, die bei den allermeisten Produkten in Ordnung war. Nur der Gronkh Hoody „The Lurch of us“, schwarz färbte im Waschtest deutlich ab. Was den Fans aber sicherlich gar nicht passen wird, ist die Qualität der Klamotten in Sachen Maßänderung nach dem Waschen: 14 getestete Textilien liefen längs und/oder quer ein und erfüllten damit nicht die brancheninternen Mindestanforderungen laut Dialog Textil-Bekleidung (DTB) und German Fashion Modeverband Deutschland. Am stärksten veränderten sich das Torge Freshaltefolie TShirt „I Love Torge“, weiß, das One Direction Four Black T-Shirt und das Luca Hänni Sommer T-Shirt, weiß. Bei der Reibechtheit im nassen und trockenen Zustand hielten sieben Produkte den Kriterien nicht Stand.

So reagierten die Hersteller

■ Viele der Stars erfahren wahrscheinlich erst durch unsere Testveröffentlichung, dass sie ihren prominenten Namen für qualitativ schlechten Produkte her geben. Denn: Ansprechpartner für ÖKO-TEST waren die Onlineshops, die ihre Fanshirts vertreiben. Die Promis selbst haben mit der Rohstoff-Auswahl (Textilien, Druckfarben etc.) ja normalerweise nichts zu tun.
■ Bei einem Youtuber ist genau das besonders dumm gelaufen: Kanzlerinnen-InterviewerLeFloid , dessen Hoodie mit „mangelhaft“ durchgefallen ist, scheint von dem Vertreiber seiner Produkte, der FirmaYvolve , über das Abschneiden des Produkts nämlich falsch informiert worden zu sein. Der Grimme-Onlinl-uward-Preisträger bewarb das Teil lange vor Veröffentlichung unseres Tests auf seiner Facebookseite: „Hnihihi … Stiftung Öko-Test hat Stuffaus meinem Mercl-uhop getestet … Note: Sehr gut! Hnihihihihi!! *gnarf* Das ist ja auch nicht umsonst Fail-uear und Premium und so … wer bei solchen Angaben bescheißt glaubt auch nicht an seine Sachen oder lügt extrem dreist, was genau so asi ist …“ Was da passiert ist, können wir uns nur so erklären: ÖKO-TEST schickt standardmäßig die Messwerte der Labore an die Anbieter und bittet sie – journalistisch sorgfältig – um eine Stellungnahme dazu. Im aktuellen Test standen auf dem Datenblatt auch die Prüfergebnisse des Materialtests in Schulnoten. Vermutlich wurden LeFloid diese Labordaten vom Shopbetreiber als Gesamtergebnis im ÖKO-TEST mitgeteilt, denn auch Yvolve verbreitete vollmundig das falsche Gesamturteil via Twitter und Instagram ins World Wide Web – und stellte zu allem Überfluss auch noch ein falsches Produktfoto dazu.
■ Ein Anbieter machte telefonisch unmissverständlich klar, bei einem schlechten Ergebniss „ein ernstes Wörtchen mit der Druckerei“ reden zu wollen. Seine schriftliche Stellungnahme blieb leider aus – schade!

Die Fanklamotten dieser Youtube- und Popstars landeten im Test

Unge (auch Simon Unge) heißt eigentlich Simon Wiefels und wurde mit Spielereviews bekannt. Er sorgte Ende 2014 für Schlagzeilen, nachdem er sich in einem Video über die Zusammenarbeit mit seinem (Ex-)Vermarkter Mediakraft beklagte.


Foto: Eventpress Monika Sandel/picture alliance

AlexiBexi , gebürtig Alexander Böhm, vloggt über Technikthemen und performt Songs, die er aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Seit März 2015 steht er unter anderem für den Radiosender N-Joy, der zum NDR gehört, am Mikro.


Foto: Alexander Böhm

Ariana Grande machte sich international einen Namen durch ihre Schauspielrollen in bekannten Kinder- und Jugendserien, bevor sie eine Karriere als Sängerin wagte. Zum Durchbruch verhalfen ihr auch Coversongs, die sie auf Youtube hochlud.


Foto: imago/AFLO

DagiBee widmet sich den Themen Fashion, Beauty und Lifestyle. Im März 2015 schnappte sie Sami Slimani den Kid’s Choice Award in der Kategorie „Lieblings-Video-Blogger Deutschland, Österreich, Schweiz“ vor der Nase weg.


Foto: Eventpress Monika Sandel/picture alliance

Sami Slimani gilt als der IT-Boy unter den Youtube-Stars. Wegen seiner Kosmetiktipps kürte ihn eine deutsche Boulevardzeitung zum „Schmink-Guru“. 2014 veröffentlichten er und seine beiden Schwestern den Ratgeber Das Slimani-Prinzip.


Foto: Marcus Golejewski/Geisler-Fotopress/picture alliance

Luca Hänni wurde 2012 durch seinen Sieg der RTL-Castingshow Deutschland sucht den Superstar berühmt. Das Debütalbum des Exmaurerlehrlings aus der Schweiz erlangte in seiner Heimat und in Österreich Goldstatus.


Foto: imago/STAR-MEDIA

Simon Desue startete seinen Youtube-Kanal im Juli 2009. Einen ersten Erfolg feierte er mit einem Post über die ehemalige Social-Media-Plattform Schüler VZ. 2013 war der Internetcomedian einer der Bewohner im Promi Big Brother-Container


Foto: imago/DeFodi

Freshaltefolie (auch Freshtorge) ist der Comedian Torge Oelrich. Dessen jüngstes (Kino-) Filmprojekt heißt Kartoffelsalat – Nicht fragen! Kinostart war Mitte Juli 2015. Sogar Starkomiker Otto Waalkes spielt darin eine Rolle.


Foto: picture alliance/rtn - radio tele nord

LeFloid , bürgerlich Florian Mundt, kommentiert unter anderem Nachrichten und Schlagzeilen aus der Boulevardpresse. 2014 erhielt er den Grimme Online Award, eine nichtdotierte Auszeichnung für publizistische Qualität im Internet.


Foto: Henning Kaiser/picture alliance/dpa

Selena Gomez gelang der Durchbruch spätestens 2007 mit ihrer Hauptrolle in der Sitcom Die Zauberer vom Waverly Place, für die sie auch den Titelsong aufnahm. Zudem war sie mit Mädchenschwarm Justin Bieber liiert.


Foto: imago/APress

Gronkh „soll so was wie ein einfältiger Troll sein“, erklärte Erik Range sein Online-Altel-ugo 2013 im Interview mit Stefan Raab. Range wurde mit Let’s Play-Videos bekannt. Darin kommentiert er Spiele und erzählt aus seinem Leben.


Foto: Jens Kalaene/picture alliance/ZB

Die Lochis sind die Zwillinge Heiko und Roman Lochmann. Sie machen Songparodien und Wir klären auf-Videos. Kürzlich lösten sie auf dem Hessentag in Hofgeismar Kreischalarm bei den Kids aus. Ihr erster Kinofilm ist derzeit in Planung.


Foto: Horst Galuschka/picture alliance/dpa

Alberto (auch Albertoson) startete seine Youtube-Karriere mit Beatbox-Videos. Seit geraumer Zeit nimmt er in humorvollen Clips diverse Charaktere an, die sich zu jugendrelevanten Themen äußern oder Zuschauerfragen beantworten.


Foto: imago/koall 4227

Y-Titty ist ein Musik- und Comedytrio, das unter anderem Songparodien und Sketche ins Netz stellt. 2014 gewann die Gruppe einen Echo in der Kategorie „Bestes Video National“


Foto: Paul Zinken/picture alliance/dpa

One Direction ist eine britisch-irische, vierköpfige Boyband, deren Konterfeis Zigmillionen Mädchenzimmer schmücken. Für Tränen sorgte unlängst die Meldung, dass Sänger Zayn Malik die Band verlässt.


Foto: imago/Matrix

Revolverheld gewann 2014 den Bundesvision Song Contest (Pro7) für Bremen, Sänger Johannes Strate war Jurymitglied in der Castingshow The Voice Kids (Sat1).


ApeCrime ist eine weitere Musik- und Comedl-uormation im unendlichen Youtube-Universum. Ihr Maskottchen ist Apic, ein roter Affe mit schwarzer Augebinde im Zorrostil


Foto: imago/Future Image

ÖKO-TEST rät

 Dreimal „ungenügend“, viermal „mangelhaft“ und viermal „ausreichend“: fettes Dislike! Auch wenn die Klamotten cool aussehen: Verbraucher sollten Textilien mit gummierten Aufdrucken, die häufig (alternative) Weichmacher enthalten, lieber in den Regalen liegen lassen.
 Den Import von Fanartikeln aus dem Nicht-EU-Ausland sollten Fans besser vermeiden. Die Fracht ist sehr lange unterwegs. Außerdem werden je nach Warenwert zusätzlich zum Kaufpreis und den Portokosten noch die Einfuhrumsatzsteuer (19 Prozent) und Zollgebühren fällig.
 Wasch- und/oder Pflegeetiketten enthalten fast immer optische Aufheller, die besser nicht mit der Haut in Kontakt kommen. Schneidet die Zettel einfach vorsichtig ab.

Kompakt: Das gilt beim Onlinekauf

Personen ab 18 Jahren sind voll geschäftsfähig und können unbeschränkt Verträge eingehen. Zwischen dem 7. und 18. Lebensjahr sind Kinder beschränkt geschäftsfähig. Sie können dann zum Beispiel ihrem Alter entsprechende Geschäfte, die sie von ihrem Taschengeld bezahlen, ohne Zustimmung der Eltern eingehen. Abhängig von der Höhe des Taschengeldes und dem Kaufpreis dürfte der Kauf eines Fanshirts in vielen Fällen dazu zählen. Ein wirksam geschlossener (Kauf-) Vertrag kann innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden. Die Frist beginnt für das Beispiel Onlinekauf von Fanshirts in der Regel mit dem Erhalt der Ware. Eine Begründung ist nicht erforderlich. Zur Fristwahrung genügt das rechtzeitige Absenden des Widerrufs. Danach hat der Verbraucher die gekaufte Ware in der Regel innerhalb von zwei Wochen an den Verkäufer zurückzusenden. Dieser kann den Kaufpreis bis zum Erhalt der Ware zurückbehalten. Über das Widerrufsrecht, einschließlich der Bedingungen, Fristen und des Verfahrens, hat der Verkäufer vor Vertragsschluss aufzuklären. Zudem muss er dem Käufer ein Musterwiderrufsformular zur Verfügung stellen. Die Hinsendekosten – ohne Eilzuschläge oder Ähnliches – trägt der Händler. Die Rücksendekosten trägt der Käufer, sofern der Verkäufer ihn ordnungsgemäß belehrt und die Kosten nicht freiwillig übernommen hat.

Foto: wwwebmeister/Shutterstock

Medienpädagoge: Kids müssen „System Youtube“ durchschauen lernen

Youtuber sind für viele junge Menschen extrem wichtig. „Klar“, sagt Medienpädagoge Markus Gerstmann, „schließlich leben sie ein Leben vor, das ihre Fans auch gern hätten.“ Sami Slimani zum Beispiel reise für Modeketten zu deren Shows und nehme seine Fans in „Follow me arounds“ mit an die Laufstege. Er residiere in tollen Hotels, sei auf Du und Du mit etlichen anderen „Promis“. „Was die Kids da sehen, hat mit der Realität wenig gemein“, kritisiert Gerstmann. „Finanzierte Leben“ nennt er das – gesteuert und bezahlt von Vermarktern wie Tube One oder Mediakraft, die so die noch recht unerfahrene Zielgruppe verführten. Vorallem gelinge das über suggerierte Nähe zu den Idolen: Fans stellen Fragen über Twitter und Instagram oder direkt unter einem Video. Bekommen sie darauf eine Reaktion von den Stars, fühlen sie sich mit ihnen verbunden. Das mache Fans beeinflussbar: Was ein Youtuber sagt, hat Gewicht; Produkte, die er zeigt, sind automatisch gut. Eltern sollten daran aber nicht verzweifeln, rät Gerstmann, sondern „Interesse an den Schwärmereien zeigen und ihre Lebenserfahrung einfließen lassen“. Wichtig sei, aufzuklären, auch in der Schule. Etwa darüber, dass eben nicht nur „die Leidenschaft zählt“, wie es viele You tuber weismachen. „Die meisten können die massiven Fanmails nicht mehr allein beantworten. Im Hintergrund läuft eine riesige Maschinerie mit teils mehreren Mitarbeitern.“ Dass Fragen mitunter von denen beantwortet würden, bleibe im Verborgenen. „Die Naivität vieler Kinder und Jugendlicher wird ausgenutzt“, kritisiert Gerstmann. Denn auch wenn Youtuber immer wieder behaupten, Authentizität sei für den Erfolg ausschlaggebend: Viele Videos seien bis ins kleinste Detail durchinszeniert und damit nichts Anderes als die gestellten Scripted-Realitl-uormate auf RTL und Co. „Die Fans lassen sich nicht für dumm verkaufen“, meint Gerstmann. Nur dafür müssten die Kids das „System Youtubl-utar“ durchschauen lernen. Erwachsene müssen hingegen lernen, dass bei Youtube auch eine in Teilen qualitativ hochwertige Jugendkultur entstanden ist.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Nach einer ersten Recherche, welche Youtube- und Popstars aktuell hoch im Kurs stehen, haben wir einen Mix aus den Bereichen Comedy, Musik, News und anderen Formaten zusammengestellt. Um einen versehentlichen Einkauf gefälschter Fanartikel zu vermeiden, haben wir die Produkte über die – soweit ersichtlich – persönlichen oder „offiziellen“ Fanshops eingekauft. Deshalb, und weil Fans das im Internet auch sehr einfach tun können, bestellten wir manche Produkte direkt in den USA. Am Ende landeten 17 Produkte im Test, vor allem T-Shirts und Hoodies. Von Sami Slimani haben wir einen unbedruckten Schal gekauft, weil wir zum Einkaufszeitpunkt kein bedrucktes Kleidungsstück im Internet finden konnten.

Die Inhaltsstoffe
Da in gummierten Textilaufdrucken häufig Weichmacher verwendet werden, haben wir alle Produkte darauf überprüfen lassen. Die Chemikalien Formaldehyd sowie Antimon bei Textilien mit Polyesteranteil standen mit auf dem Prüfplan. Außerdem wurden die Fan artikel auf optische Aufheller und halogenorganische Verbindungen untersucht. Nonylphenolethoxylate, die bereits mehrfach in importierten Textilien nachgewiesen werden konnten, gehörten mit zum Prüfprogramm. Weil der Inhaltsstoffzu Umweltproblemen führt, haben wir ihn als Weiteren Mangel um zwei Noten abgewertet.

Viele Aufdrucke waren mit Schadstoffen belastet.


Foto: Labor

Die Praxisprüfung
Wir wollten wissen, ob die Textilien nach dem Waschen und Trocknen gemäß Pflegeetikett/Pflegeanleitung ihre ursprünglichen Maße behalten, einlaufen oder ausleiern. Deswegen haben wir einen Test auf Maßänderung bei allen waschbaren Kleidungsstücken beauftragt. Außerdem ließen wir die Artikel auf Farbechtheit überprüfen: Färben sie auf andere Textilien ab? Wie reibecht sind die Farben im trockenen und nassen Zustand?

Die Bewertung
Die praktischen Wasch- und Reibtests machen zusammen 50 Prozent des Gesamturteils aus. Weil die Fanshirts aber nicht nur gut aussehen und passen, sondern auch frei von bedenklichen und problematischen Inhaltsstoffen sein sollen, konnte das Gesamturteil nicht besser ausfallen als das Testergebnis Inhaltsstoffe.