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TEST Fert igparkett: Holzauge, sei wachsam


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2008 vom 19.09.2008

Die gute alte Eiche ist wieder im Kommen. Unser Test von Fertigparkett zeigt aber, dass man nicht ohne Vorbereitung in den Bauoder Fachmarkt gehen sollte. Denn viele Fertigparkettmarken haben keine sehr dicke Nutzschicht. Aus einigen Modellen gasen Schadstoffe aus.


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Foto: Bauwerk Parkett AG

Parkett war als hochwertiger und edler Bodenbelag nie bestritten, auch wenn Laminat ihm jahrelang den Rang abgelaufen hat. Heute schätzen jedoch wieder mehr Menschen die Vorzüge des Holzes. Die Nachfrage nach Parkett steigt, wobei die gute, alte Eiche wieder fast so beliebt ist wie Buchenholz, das jahrelang die ...

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Parkett war als hochwertiger und edler Bodenbelag nie bestritten, auch wenn Laminat ihm jahrelang den Rang abgelaufen hat. Heute schätzen jedoch wieder mehr Menschen die Vorzüge des Holzes. Die Nachfrage nach Parkett steigt, wobei die gute, alte Eiche wieder fast so beliebt ist wie Buchenholz, das jahrelang die Hitliste anführte.

Das Fertigparkett wird mit unterschiedlichen Oberflächen angeboten: Es ist entweder lackiert oder geölt, wobei es hier unterschiedliche Möglichkeiten gibt: Ein mit Naturölen eingelassenes Parkett braucht meist noch eine Endbehandlung, eine weitere Einölung nach dem Verlegen. Dagegen sind sogenannte UV-geölte Oberflächen meist wohnfertig. Sie werden industriell mit intensivem UVLicht ausgehärtet. Ein solcher Bodenbelag darf nicht mit einem Naturöl nachbehandelt werden. Geöltes Holz wirkt nicht nur sehr natürlich, sondern ist auch atmungsaktiv. Es hat den Vorteil, dass kleine Beschädigungen einfach ausgebessert werden können. Die Oberfläche bleibt lange schön und muss seltener abgeschliffen werden als eine lackierte, die leichter verkratzt.

Besonders gefragt sind zur Zeit die großen Formate der Landhausdielen, deren Deckschicht aus einer ungeteilten Fläche besteht. Diese Dielen oder das traditionelle Schiffsbodenformat kauften wir 18 Mal als Fertigparkett in Eiche natur mit geölter Oberfläche im Fachhandel oder in Baumärkten ein, um es auf problematische Inhaltsstoffe untersuchen zu lassen. Dabei interessierte uns vor allem, ob Verbindungen ausgasen und die Dicke der Eichenholznutzschicht.

Das Testergebnis

■ Fast die Hälfte des Testfeldes schneidet mit „sehr gut“ und „gut“ ab. Danach folgt ein großes Mittelfeld. Lediglich zwei Fertigparketts sind nur „ausreichend“. Die Spitzenreiter kommen von Osmo und Weitzer Parkett.
■ Wir haben die Nutzschichtdicke an mehreren Brettern einer Packung jeweils an zehn Punkten messen lassen. Wenn sie im Durchschnitt um mehr als 0,2 Millimeter unterschritten wurde, halten wir dies für eine Verbrauchertäuschung. Grundsätzlich sollte die Nutzschichtdicke mindestens 3,5 Millimeter betragen. Viele Modelle liegen deutlich darunter.

■ In einer Prüfkammer wurde gemessen, inwieweit aus den Parkettproben Stoffe ausgasen und die Raumluft belasten. In derHaro 4000 Eiche Landhausdiele Markant stellte das Labor eine größere Menge Formaldehyd fest, das ausgast. Formaldehyd gilt nach neuesten Erkenntnissen als krebserregend. Schon geringe Konzentrationen können bei sensiblen Menschen zu Augenreizungen führen.
■ Gleichzeitig wurden in der Prüfkammer auch die flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) erfasst. Dabei handelt es sich umeine Stoffgruppe aus zahlreichen Einzelverbindungen, die in ihrer Summe besonders für empfindliche Menschen zum Problem werden und etwa Kopfschmerzen und Benommenheit hervorrufen können. Zum Teil stammen diese Stoffe wahrscheinlich aus dem Holz selbst und entweichen etwa als Terpene, Phenole und Aldehyde. Oder sie kommen aus den Mitteln der Oberflächenbehandlung und der Verleimung. In zwei Produktenwar die Summe zahlreicher Einzelverbindungen stark erhöht.
■ Unter den VOCs gibt es neben relativ harmlosen auch besonders problematische Verbindungen. Für sensible Menschen können Terpene zum Problem werden, vor allem die Verbindung Delta-3-Caren hat ein hohes allergisierendes Potenzial und wurde in nennenswerten Konzentrationen beim ProduktFamily Eiche und imKährs Jersey Eiche nachgewiesen. Viele Verbindungen aus der Gruppe der Aldehyde fallen wegen ihres Geruchs auf. Wir haben Hexanal ab einer bestimmten Konzentration abgewertet, da es besonders unangenehm und stechend riecht.

So reagierten die Hersteller

■Die Hamberger Flooring betont, dass die Emissionen desHaro -Parketts auf die aus natürlichem Holz abgegebenen Stoffe zurückzuführen seien. Bei dem von uns getesteten Parkett habe es sich um sehr frisch verarbeitetes Holz gehandelt. Vergleichbare Ware hätte sehr viel niedrigere Schadstoffwerte. Der Verbraucher und Heimwerker kann den Gehalt aber nicht erkennen und verarbeitet die gekaufte Ware in der Regel direkt!
■ Auch einige andere Anbieter wiesen uns darauf hin, dass die Menge und Art der VOCsmit der Holz- und der Ölqualität sowie der Holzart zusammenhängen können.
■ Meisterwerke Schulte schrieb uns, dass zur Herstellung desMeister Trittec 2,5 Cottage Eiche vital 1-Stab eine widerstandsfähige HDF-Mittellage verwendet wird. Deshalb und aus ökologischen Gründen würde überwiegend eine Nutzschichtdicke von 2,5 mm genutzt.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den Parametern finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen: 1) Enthält Terpene. 2) Bei dem Produkt handelt es sich um ein Zwei-Schicht-Parkett. 3) ÖKOTEST hat das Produkt im Handel als LandhausdieleEiche Country des Anbieters Zug gekauft. 4) Gemessene Nutzschichtdicke weniger als 3,5 Millimeter. 5) Laut Anbieter stammen die VOC-Emissionen ausschließlich aus dem natürlichen Holz selbst. Lösungsmittel oder andere künstliche Stoffe, die weitere VOC verursachen können, würden nicht eingesetzt werden. 6) Unterschreitung der angegebenen Nutzschichtdicke um mehr als 0,2 Millimeter. 7) mehr als 200 bis 1.000 μg/ m³ flüchtige organische Verbindungen (VOC). 8) mehr als 1.000 μg/m³ flüchtige organische Verbindungen (VOC). 9) Formaldehydemission. 10) Hexanal. 11) Laut Anbieter wird bei dem Produktaufbau eine HDF-Mittellage und nicht – wie bei vielen anderen Herstellern – eine weiche Mittellage aus Fichtenholz verwendet. Deshalb und aus ökologischen Gründen verwendet der Anbieter überwiegend eine Nutzschichtdicke von 2,5 mm. 12) Delta-3-Caren. 13) Laut Anbieter befinden sich keine Produkte mehr im Handel. 14) Laut Anbieter ist das Produkt zur Zeit nicht im Handel. Der Hersteller ist insolvent.15) Der Anbieter hat die Nutzschichtdicke mit einer großen Bandbreite angegeben. Bei der Bewertung sind wir vom Mittelwert 3,8 Millimeter ausgegangen. 16) Das IBR-Prüfsiegel bezieht sich auf das ungeölte Parkett.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Abwertungen Inhaltsstoffe: Zur Abwertung um jeweils zwei Stufen führen: a) mehr als 1.000 μg/m³ flüchtige organische Verbindungen (VOC); b) mehr als 0,05 bis 0,1 ppm Formaldehyd. Zur Abwertung um jeweils eine Stufe führen: a) deutlich mehr als 200 bis 1.000 μg/ m³ flüchtige organische Verbindungen (VOC); b) mehr als 5 μg/m³ Styrol; c) mehr als 25 μg/m³ Delta-3-Caren; d) mehr als 20 μg/m³ Hexanal. Abwertungen Praxisprüfung: Zur Abwertung um jeweils eine Stufe führen: a) eine Nutzschichtdicke von weniger als 3,5 Millimetern; b) eine Unterschreitung der angegebenen Nutzschichtdicke um mehr als 0,2 Millimeter. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Praxisprüfung und dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.
Testmethoden: Prüfkammerbedingungen: DIN ISO 16000-9 und DIN EN 717-1 i. A., Kammervolumen 0,125 m³, Temperatur 23 °C, relative Luftfeuchte 50 Prozent, Luftdruck normal, Luft gereinigt, Luftwechselrate 0,5 h-1, Anströmgeschwindigkeit 0,3 m/s, Beladung 0,4 m²/m³, spez. Luftdurchflussrate 1,25 m³/ m²*h; Probengeometrie: Probe abgeklebt, Verhältnis offene Kanten zu Oberfläche U/A = 2, Rückseite abgeklebt; Beladung bezogen auf die Fläche. Formaldehyd: Emissionsprüfung (Prüfkammer, s.o.) nach drei Tagen, DIN ISO 16006-3. Flüchtige organische Verbindungen (VOC): Emissionsprüfung (Prüfkammer, s.o.) nach drei Tagen, DIN ISO 16000-6. Schwermetalle: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Elementbestimmung mittels ICP-MS. Halogenorganische Verbindungen: Elution mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur; Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Nutzschichtdicke: nach DIN EN 13647; dabei wurden drei bis sechs Elemente einer Packungseinheit in fünf Querschnitte geteilt; Messung an jedem Querprofil an zwei Stellen in 10 und 20 mm Abstand von der Schmalseite der Elemente, dadurch je Element zehn Messungen; Durchschnittswert kaufmännisch auf eine Stelle gerundet.
Die Preisangaben sind inklusive Mehrwertsteuer und beruhen auf den uns im Handel berechneten Preisen, sofern uns die Anbieter nicht ihre empfohlenen Preise mitgeteilt haben.
Erstveröffentlichung: ÖKO-TEST-Magazin 11/2007. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Änderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Einkauf weiterer Produkte: Mai 2008.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 157.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Kompakt

FSC

Das FSC-Siegel unterliegt strengen Kriterien und jährlichen Kontrollen. Nur dieses Zeichen garantiert, dass das Holz ökologisch unbedenklich abgeholzt und verarbeitet wurde, unter sozialverträglichen Arbeitsbedingungen.

PEFC

Der Pan-European Forest Certification Council der Forstwirtschaft ist weniger streng als die FSC. Es finden nur stichprobenartige Kontrollen statt. Soziale Aspekte spielen keine Rolle, der Urwaldschutz ist unzureichend.

Blauer Engel

Der Blaue Engel wird für emissionsarme Produkte aus Holz und Holzwerkstoffen vergeben. Nach 28 Tagen in der Prüfkammer werden für Formaldehyd und VOC in etwa Grenzwerte gefordert, wie ÖKO-TEST sie für Messungen nach drei Tagen zugrunde legt.

IBR-Prüfsiegel

Hinter „geprüft und empfohlen vom Institut für Baubiologie Rosenheim“ steckt eine Untersuchung auf Schadstoffe wie Formaldehyd und VOC, diese jedoch nicht in der Prüfkammer. Zudem sind die Grenzwerte relativ weich.

Emissionsarm Eco-Umweltinstitut

Die Grenzwerte der 28-tägigen Emissionsprüfung sind ähnlich, aber nicht ganz identisch mit den Abwertungsgrenzen von ÖKO-TEST.

LGA-schadstoffgeprüft LGA-Qualitätszertifikat

Die LGA in Nürnberg prüft Holzwerkstoff-Bodenbeläge, Decken- und Innenwandbekleidungen nach 28 Tagen in der Prüfkammer auf Schadstoffe. Die Grenzwerte sind teilweise ähnlich, teilweise lascher als die von ÖKO-TEST. Qualitäts- und Produktionskriterien des Zertifikats werden in Absprachemit demHersteller aufgestellt und jährlich geprüft.

Natureplus

Natureplus ist ein Qualitätszeichen für umweltgerechte und gesundheitsverträgliche Baumaterialien. Bodenbeläge aus Holz- und Holzwerkstoffenwerden wie bei ÖKO-TEST auf Gebrauchstauglichkeit und Inhaltsstoffe untersucht.