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TEST Fertigspachtelmassen: Das Gips doch nicht!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2015 vom 27.03.2015

Einfach aus der Tube drücken, glatt ziehen – und weg ist das Loch: Das erwartet der Verbraucher von einer Fertigspachtelmasse. Doch im Praxistest konnten viele Produkte nicht ganz überzeugen. Zudem kritisieren wir problematische Konservierungsstoffe .


Artikelbild für den Artikel "TEST Fertigspachtelmassen: Das Gips doch nicht!" aus der Ausgabe 4/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 4/2015

Kleine Löcher in der Wand – zum Beispiel an Stellen, an denen vorher Dübel Halt für Bilder, Regale und Schränke gegeben haben – müssen spätestens beim Umzug geschlossen werden.

Und zwar möglichst so, dass sie nicht mehr sichtbar sind.

Möglicherweise haben gerade mühsam eingesetzte Dübel auch nicht gehalten, ein Stück Wand ist herausgebrochen und nun klafft ...

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... ein größeres Loch. Eigentlich braucht man jetzt nur etwas Gips, den man mit Wasser anrühren und verspachteln muss. Findige Hersteller hatten jedoch die Idee, ein Fertigprodukt anzubieten, das diesen kleinen Arbeitsschritt einspart: Fertigspachtelmassen, die aus der Tube direkt in das Loch oder den Riss gedrückt und dann glatt gezogen werden.

Letztlich bestehen auch die Fertigspachtelmassen meist aus Gips oder ähnlichen Bindemitteln.

Da sie fast immer mit Wasser vermischt sind, müssen sie mit Konservierungsmitteln haltbar gemacht werden. Und diese sind oft gesundheitlich nicht unproblematisch.

Meist fügen die Hersteller noch Kunststoffe oder Kunstharze zu, welche die Massen geschmeidiger machen sollen.

Profis unterscheiden zwischen Füll- und Feinspachtel: Der gröbere Füllspachtel eignet sich zum Füllen von Löchern, Rissen und Fugen, der hochwertigere Feinspachtel zum Nachspachteln, um eine schöne glatte Oberfläche zu erzielen.

Die Spachtelmassen aus dem Baumarkt sind allerdings eher selten in diese Kategorien eingeteilt.

Wir kauften 16 weiße Fertigspachtelmassen ein, um sie sowohl auf Inhaltsstoffe als auch in der praktischen Anwendung prüfen zu lassen.


Mit Wasser angerührte Rezepturen enthalten Konservierungsmittel


Das Testergebnis

• Meist nur Mittelmaß. Voll überzeugen kann keine Fertigspachtelmasse. Im Praxistest gibt es bei allen mehr oder weniger kleine Schwächen und mit einigen Konservierungsmitteln sind wir auch nicht einverstanden. Dennoch können wir drei „gute“ Produkte empfehlen. Fünf Spachtelmassen landen mit „mangelhaft“ am Testende.
Problematische Konservierungsmittel. Die meisten Rezepturen sind mit Isothiazolinonen konserviert, die Allergien auslösen können. Wir werten jedoch nur hohe Gehalte sowie chlorierte Isothiazolinonverbindungen (CIT) ab, da Letztere ein besonders hohes sensibilisierendes Potenzial haben und bereits kleine Mengen reichen, um allergische Reaktionen auszulösen. Nicht einverstanden sind wir auch mit Formaldehyd/-abspaltern. Hinzu kommt, dass sich die Hersteller sehr verschwiegen zeigen und die eingesetzten Konservierungsmittel nicht deklarieren. Auch eine Allergiker-Hotline sollte bei Produkten mit Isothiazolinonen angeboten werden. Ledig lich die Molto-Spachtelmasse braucht wegen des enthaltenen Alkohols nicht konserviert zu werden. Dafür riecht diese bei der Anwendung ganz ordentlich, das verflüchtigt sich aber schnell.
• Nachspachteln ist angesagt. Nur einmal spachteln und fertig, das wäre schön. Das leistet keine untersuchte Spachtelmasse, auch bei Aufträgen von nur vier bis fünf Millimetern wie in unserem Test. Alle schrumpfen beim Trocknen und bilden eine Delle. In fünf Fällen sank die Masse zwar nur leicht ein, dennoch muss ein zweites Mal gespachtelt werden, wenn man eine glatte Oberfläche haben will. Auf anderslautende Versprechen einiger Hersteller darf man sich also nicht verlassen. Eine zweite Spachtelschicht empfehlen die Anbieter – wenn überhaupt – meist nur bei dickeren Spachtelaufträgen. Der Knauf Rotband Reparaturspachtel machte unseren Testern jedoch schon vorher das Leben schwer: Die Masse mit „Mikroperlen-Technologie“ bekommt man nur unter Aufbietung aller Kräfte aus der Tube; will man gar einen Riss oder einen Schlitz schließen, kann man schier verzweifeln.

ÖKO-TEST rät

• Die „guten“ Spachtelmassen eignen sich eher für kleine Löcher oder Risse. Eventuell mehrere dünne Schichten aufbringen.
• Wenig Gips in etwas Wasser einrühren – fertig ist die Spachtelmasse, mit der sie auch größere Löcher und Lücken stopfen können. Gips bindet allerdings schnell ab! Im Baumarkt bekommen Sie auch kleine Tüten Bau-, Hobby- oder Modelliergips.
• Vor allem für Isothiazolinon-Allergiker sind Fertigspachtelmassen nicht empfehlenswert.

• Lückenhafte Anwendungshinweise. Gute Anleitungen sind Mangelware. Anscheinend gehen die Hersteller nur von versierten Anwendern aus. Wie man mit schwierigen Untergründen umgehen soll, zum Beispiel, wenn er sandig oder porös ist, teilen etliche Hersteller nicht mit. In so einem Fall muss nämlich unbedingt grundiert werden, sonst hält nichts, warnt unser Experte. Besonders dürftig sind die Hinweise von Hellweg und Hornbach.
• Keine oder falsche Auskünfte. Einige Hersteller werben mit einer besonderen Info-Telefonnummer, nur einer gibt eine Allergiker-Hotline an. Diese riefen wir an und fragten nach den eingesetzten Konservierungsmitteln. In drei Fällen schienen die Auskunftgebenden aber nicht gut informiert: „Da dürften keine Isothiazolinone drin sein“, meinte unsicher der Ansprechpartner bei Knauf – obwohl die beauftragten Labore im Produkt welche nachgewiesen haben. Und: „Ja, da sind Isothiazolinone drin“, erklärte man uns bei Anruf der Infonummern der Marken Sycofix und Toom, deren Spachtelmassen aber tatsächlich mit Formaldehydabspaltern konserviert sind. Im Fall der Aviana Füllspachtel blieb die versprochene Antwort ganz aus.

Wie spachtele ich Löcher oder Risse zu?

• Loch oder Riss mit einem Pinsel gut säubern, Staub und lose Teile entfernen.
• Größere Löcher und poröse Untergründe mit Pinsel oder Schwamm vornässen, damit die Spachtelmasse nicht zu schnell trocknet und dadurch Risse bildet oder nicht haftet.
• Wenn der Untergrund sandig, bröselig und nicht tragfähig ist, vor dem Spachteln eine Grundierung (Tiefgrund) aufbringen.
• Gips oder Pulver-Spachtelmasse langsam ins Wasser rieseln lassen und rühren, sodass eine geschmeidige Masse entsteht.
• Alternativ Fertigspachtelmasse verwenden, falls die Löcher oder Risse nicht zu tief sind.
• Spachtelmasse direkt in das Loch oder in den Schlitz füllen oder spritzen, dabei etwas überfüllen, so dass die Masse über die Oberfläche ragt.
• Mit breitem Spachtel (breiter als das Loch) hineindrücken und glatt streichen. Am besten eignet sich ein flexibler Metallspachtel (Japanspachtel).
• Nach etwa ein bis zwei Minuten Spachtel masse nachfüllen und wieder glatt ziehen.
• Falls sich dennoch eine Delle gebildet hat, Vorgang wiederholen.
• Falls es nach dem Trocknen unebene oder erhabene Stellen geben sollte, mit feinem Schmirgelpapier abschleifen.
• Nach dem Trocknen (in der Regel nach etwa einer Stunde, Angaben der Hersteller beachten) kann das Loch überstrichen oder über tapeziert werden.
• Bei mehreren Schichten jedoch besser einen Tag trocknen lassen.

Die Spachtelmasse wird am besten mit einem dünnen breiten Spachtel – zum Beispiel Japanspachtel – glattgestrichen.


So reagierten die Hersteller

• J. W. Ostendorf, Hersteller der Spachtelmassen von FLT und Toom, teilte uns mit, dass er den Zulieferer wechseln wolle. Die analysierten Konservierungsmittel entsprächen nicht seinen Vorgaben.
• Akzo Nobel, Hersteller von Molto, weist auf den begrenzten Platz auf einem Gebinde hin, weshalb nicht alle Anwendungshinweise genannt würden. Er biete im Internet eine ausführlichere Anleitung an, dazu gibt es einen Hinweis auf der Deklaration. Wir meinen jedoch, dass sich kaum ein Normalverbraucher die Mühe machen wird, vor der Anwendung einer Spachtelmasse ins Internet zu gehen oder ein Beratungstelefon anzurufen. Solche Infos gehören mit auf die Verpackung. Laut Akzo Nobel sei das Produkt zudem für kleinere Löcher und Risse ausgerichtet, bei denen in der Regel die einmalige Spachtelung ausreiche. Dass das nicht stimmt, hat unser Test gezeigt, auch die Molto-Spachtelmasse schrumpfte, wenn auch nur leicht. Für größere Löcher empfiehlt der Hersteller das Material überhöht einzufüllen und mit einem leichten Hügel zu spachteln. Auch diese Variante wurde von unserem Fachmann geprüft: Es blieb eine Unebenheit, die abgeschliffen werden muss – also auch keine Garantie für nur einen Arbeitsgang.
• Knauf schrieb uns, dass sich der Kollege am Infotelefon bei unserer Anfrage nach dem eingesetzten Konservierungsmittel am Sicherheitsdatenblatt und der darin enthaltenen Zusammensetzung des Produkts orientiert habe, darin sei aber kein Konservierungsmittel aufgeführt. Das aktuelle Sicherheitsdatenblatt würde nun um die Gefahrenhinweise für Isothiazolinone ergänzt.

So haben wir getestet

Der Einkauf
16 weiße Fertigspachtelmassen in der Tube, überwiegend aus Baumärkten: Reparatur-, Renovier-, Füll-, Fein- oder Fertigspachtel. Die Preise liegen bei zirka 3,50 bis 5,50 Euro pro Tube, bei unterschiedlich schwerem Inhalt.

Die Inhaltsstoffe
In der Regel sind die Fertigspachtel wasserbasiert und konserviert. Zu diesem Zweck landen zum Beispiel problematische Formaldehyd/-abspalter oder Isothiazolinone in der Tube, die reizen und Allergien auslösen können. Besonders die chlorierte Verbindung Chlormethylisothiazolinon (CIT) hat ein hohes allergenes Potenzial. Noch kritischer sehen wir Formaldehyd, weil es unter Krebsverdacht steht. Wir ließen die Produkte unter anderem auf verschiedene Konservierungsmittel testen.

Die Praxisprüfung
Wie sich die Spachtelmassen verarbeiten lassen, das prüfte ein Berufsschulfachlehrer und Malermeister. Als Vorbereitung fertigte er zirka vier Millimeter tiefe Schlitze in verputzten Oberflächen, in Holzwerkstoffplatten und in gestrichenen Platten an, um diese dann – je nach Angaben der Hersteller – mit den Fertigmassen auszuspachteln und mit einem flexiblen Metallspachtel (Japanspachtel) zu glätten. Nach dem Trocknen wurde die Fuge fachmännisch geprüft und mit Dispersionsfarbe überstrichen. Außerdem nahm unser Experte die Verarbeitungs-, Lager- und Entsorgungshinweise unter die Lupe.

Die Schlitze sind nach einem Arbeitsgang noch nicht eben, sondern mehr oder weniger eingedellt.


Die Weiteren Mängel
ÖKO-TEST prüfte eingehend die verbraucherrelevanten Angaben zur Rezeptur: Welche Konservierungsmittel werden eingesetzt? Werden Gefahrstoffe richtig deklariert? Wird eine Hotline für Isothiazolinon-Allergiker angeboten und bekommt man dort und am Infotelefon auch richtige Auskünfte? Außerdem ließen wir die Verpackung auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen testen.

Die Bewertung
Inhaltsstoffe haben bei unserer Bewertung oberste Priorität, denn der Verbraucher möchte zu Hause keine dicke Luft haben. Das heißt, ein Gesamturteil kann nicht besser sein als dieses Testergebnis. Die Weiteren Mängel beziehen sich auf die Deklaration der Inhaltsstoffe und verschlechtern somit dieses Testergebnis.


Foto: imago/imagebroker

Foto: Peter Hoffmann

Foto: Peter Hoffmann

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