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TEST Fingermalfarben: Farbe im Spiel


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 25.11.2021

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RATGEBER

1 Das Testergebnis ist diesmal erfreulich: 13 Produkte können wir mit „sehr gut“ empfehlen.

2 Welche Farbe verwendet die Kita oder der Kindergarten Ihres Kindes? Falls es eine ist, die bei uns durchfällt, informieren Sie die Einrichtung darüber.

3 An den beklecksten Fingern lecken kann schon mal passieren. Die Kinder sollten aber die Farben nicht mit Absicht trinken oder essen.

Mit Fingerfarben haben Kinder viel Spaß. Ob auf Fensterscheiben oder einem Blatt Papier – mit den Händen zu malen ist etwas ganz anderes als mit Pinsel oder Stift. Schon ganz kleine Kinder können damit große Werke schaffen, und auch ältere Kinder experimentieren ab und an gern mit Farben an den Händen. Fingermalfarben fördern die Fantasie und Kreativität, sprechen mehrere Sinne an und trainieren die Motorik. Sie sind pädagogisch wertvoll.

Doch leider gerieten Fingerfarben in der Vergangenheit häufig durch bedenkliche ...

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... Inhaltsstoffe in die Schlagzeilen: unter anderem primäre aromatische Amine wie das krebsverdächtige Anilin oder das krebserregende o-Anisidin als Bausteine der eingesetzten Farbstoffe. Da die Kinder die Farben beim Malen für längere Zeit auf der Haut haben und die Farben auch mal ablecken, ist das besonders kritisch.

Gute Nachrichten

Auch bei ÖKO-TEST erzielten Fingerfarben in der Vergangenheit immer wieder katastrophale Ergebnisse. Im September 2013 rasselten beinahe alle Produkte mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ durch den Test. In unserem jüngsten Test vor zwei Jahren kassierte rund ein Drittel der Produkte das Gesamturteil „ungenügend“. Insofern ist das Ergebnis unseres aktuellen Tests äußerst erfreulich: 13 von 19 Produkte können wir mit „sehr gut“ empfehlen. Die Messwerte für die problematischen Farbstoff bausteine lagen unter der Bestimmungsgrenze. Schlechte Ergebnisse gibt es aus anderen Gründen.

„Keine Angst vor farbigen Fingern: Die Fingerfarben sind besser geworden.“

Dimitrij Rudenko ÖKO-TEST-Redakteur

WISSEN

Problemfall Anilin

Endlich ein Grenzwert Die europäische Spielzeugrichtlinie schrieb lange keinen Grenzwert für Anilin fest, obwohl die EU ihn als krebsverdächtig einstufte. Im Juni 2021 hat die EU-Kommission endlich eine Änderung der Spielzeugrichtlinie verabschiedet, wonach in Fingermalfarben höchstens 10 mg/kg sowie in Textil-und Lederspielzeug höchstens 30 mg/kg nachweisbar sein dürfen.

Erfolg für ÖKO-TEST In ihrer Entscheidung stützte sich die Kommission unter anderem auch auf die Ergebnisse „ einer deutschen Verbraucherzeitschrift“ – ÖKO-TEST. Wir kritisieren Anilin seit vielen Jahren. ÖKO-TEST findet den Stoff regelmäßig – nicht nur in Fingermalfarben, sondern zum Beispiel auch in Textilien und Lederprodukten. Auf Anfrage der EU-Kommission hatten wir 2017 zusammengestellt, in welchen Kinderartikeln ÖKO-TEST Anilin nachgewiesen hat.

Umstrittene Konservierungsmittel

Fingermalfarben sind anfällig für Keime. Deshalb setzen Anbieter Konservierungsstoffe ein. Diese können allerdings selbst zum Problem werden. In den Crayola Minikids 4 Fingerfarben und den Malinos 6 x Fingerfarben kritisieren wir Formaldehyd/-abspalter. Formaldehyd reizt schon in geringen Mengen die Schleimhäute und kann Allergien auslösen.

Die aktuell gültige EU-Norm DIN EN 71.7 für Fingermalfarben listet mehr als hundert zulässige Konservierungsstoffe auf. Methylisothiazolinon (MIT) ist nicht dabei. Trotzdem hat es das von ÖKO-TEST beauftragte Labor in zwei Produkten nachgewiesen. Die gefundenen, recht geringen Gehalte sprechen jedoch nicht dafür, dass MIT widerrechtlich zur Konservierung der Fingermalfarben eingesetzt wurde, sondern vielmehr dafür, dass konservierte Rohstoffe MIT eingetragen haben.

Da Isothiazolinone Allergien auslösen und die Augen und Haut reizen können, haben sie unserer Meinung nach auch in geringen Mengen nichts in Fingerfarben zu suchen. Die Viva Decor Fingerfarbe 4 x 100 ml und die Art & Fun Wasserlösliche Fingermalfarben 600 g werten wir daher streng ab.

Weitere Problemstoffe

An drei Produkten bemängeln wir halogenorganische Verbindungen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Stoffen, von denen viele allergieauslösend sind. Eines der drei Produkte, die Giotto be-bè 4 Finger-farben, enthält zudem Natrium-Orthophenylphenol (E 232). Die phenolische Verbindung wird als Pilzhemmer eingesetzt, sie kann die Haut reizen.

Bitter genug

Kinder sollten nicht von den Farben naschen. Deshalb mischen die Anbieter Denatoniumbenzoat bei. Der Stoff gilt als bitterste bekannte Substanz überhaupt. Es genügt eine sehr geringe Konzentration, um Kinder daran zu hindern, die Farben zu verschlucken. Alle von uns getesteten Produkte enthielten den synthetisch produzierten Stoff. Ein Labor testete für uns, ob auch die mit Wasser verdünnten Farben noch bitter genug schmecken. Das war bei allen Produkten der Fall.

ÖKO-TEST Wir haben getestet

So haben wir getestet

Wir haben 19 Fingermalfarbensets eingekauft. Mit dabei stets die Farben Blau, Gelb, Rot und Grün. Unter den Produkten sind bekannte Marken und welche, die als „bio“, „eco“ oder „aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen“ ausgelobt sind.

Bei der Prüfung orientierten wir uns an der aktuellen EU-Norm DIN EN 71.7 für Fingermalfarben. Sie erlaubt nur bestimmte Farbmittel und Konservierungsstoffe und legt zulässige Höchstkonzentrationen von Substanzen fest.

Die von uns beauftragten Labore fahndeten nach bedenklichen und umstrittenen Inhaltsstoffen, darunter Bausteine von Azo-Farbstoffen wie das krebsverdächtige Anilin sowie andere aromatische Amine, von denen sich einige im Tierversuch als krebserzeugend erwiesen haben. Zudem suchten die Labore nach Formaldehyd/ -abspaltern und allergisierenden Isothiazolinonen, die als Konservierungsstoffe zum Einsatz kommen. Im Fokus standen zudem weitere problematische Substanzen wie krebserregende Nitrosamine, halogenorganische Verbindungen, Kobalt und Phenol, das im Verdacht steht, das Erbgut zu schädigen.

Fünf geschulte Prüfer testeten, ob auch die mit Wasser verdünnten Farben noch bitter genug schmecken. Bitterstoffe wie Denatoniumbenzoat sollen Kinder davon abhalten, die Farben zu trinken oder zu essen. Auch die Deklarationen schauten wir uns an: Bitter- und Konservierungsstoffe sind laut Norm auf der Verpackung anzugeben.

Unsere Anforderungen sind hoch, denn die Farben sind für Kinderhände gedacht. So sind wir bei der Bewertung von Inhaltsstoffen strenger als geltende Normen.