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TEST FITNESSGERÄTE: Richtig fit!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 27.12.2019

Bewegen, trainieren, Kraft aufbauen – mit kleinen Fitnessgeräten geht das auch zu Hause. Einige Hanteln und Gymnastikbänder finden wir echt stark, andere disqualifizieren sich mit krebserregenden Stoffen komplett.


RATGEBER

1 Immerhin: Eine Kettlebell, eine Hantel, ein Gymnastikband und ein Handtrainer schneiden ”sehr gut” ab. Also los!

2 Auch wenn Sie mit Videos und Apps trainieren – lassen Sie die Übungen von einem Trainer korrigieren.

3 Fangen Sie einfach an. Und nehmen Sie sich nicht zuviel vor. Einmal pro Woche trainieren ist besser als keinmal. Wenn Sie Spaß an der Sache haben, werden Sie bald häufiger ...

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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 1/2020

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... trainieren.

Autsch: Schon ab 30 verlieren wir altersbedingt pro Jahr bis zu ein Prozent unserer Muskelmasse. Bis zum 80. Lebensjahr können bis zu 40 Prozent der Muskeln verschwunden sein. Wer dem etwas entgegensetzen will, muss etwas für die Kraft tun. Mit kleinen Fitnessgeräten wie Hanteln, elastischen Bändern und Gymnastikbällen lässt sich einfach und effektiv auch zu Hause trainieren. Dann mal los: Wir haben jeweils fünf Trainingsbänder, Hanteln, Gymnastik- und Medizinbälle und Handtrainer in die Labore geschickt. Als Ausrede, lieber nicht zu trainieren, taugt unser Test nicht. Zwei Bänder, zwei Hanteln und einen Handtrainer können wir mit „sehr gut“ und „gut“ empfehlen. Je ein Fingertrainer und ein Band schneiden immerhin mit „befriedigend“ ab. Viele der Geräte fallen aber auch mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ durch, vor allem wegen krebserregender oder krebsverdächtiger Substanzen.

Schadstoffträchtige Materialien
Das hat Gründe: Die kleinen, praktischen Fitnessgeräte sind oft entweder ganz aus weichem Kunststoff oder haben weiche Griffummantelungen für einen guten Grip. Solche Materialien sind oft mit schädlichen Weichmachern belastet. Dennoch: Es gibt gute Geräte, und das Training damit tut gut. Sie helfen, bestimmte Muskeln gezielt aufzubauen. Besonders die Armmuskulatur profitiert, wenn sie öfter einmal mehr Masse als das schlappe Eigengewicht der Arme bewegen muss. „Das fehlt uns Menschen seit wir auf zwei Beinen gehen“, sagt die Professorin Maren Witt, Sportwissenschaftlerin an Universität Leipzig. Mit den Geräten lassen sich gezielt auch die Muskeln ansprechen, die uns aufrecht, entspannt und schmerzfrei halten. Ein netter Nebeneffekt des Krafttrainings: Einmal aufgebaut verbrauchen die Muskeln nicht nur während des Trainings Kalorien, sonder auch im „Leerlauf“ – im Sitzen auf dem Bürostuhl und sogar im Liegen auf der Couch.

Sieben Krebsstoffe im Gorilla Ball
Eine Gerätekategorie fällt jedoch besonders ab: Keiner der fünf Gymnastik- und Medizinbälle ist besser als „mangelhaft“. In allen stecken polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Besonders kritische PAK-Verbindungen hat das beauftragte Labor im schwarzen Gorilla Sports Medizinball mit Griff, 3 kg, 25 cm nachgewiesen: Er enthält sieben als krebserregend eingestufte PAK-Verbindungen und zwei weitere, die im Verdacht stehen, Krebs auszulösen. PAK können zum Beispiel in Ruß enthalten sein, der zum Schwarzfärben von Kunststoff dient, sie stecken auch in Weichmacherölen.

Natürlich und belastet
Als Alternative zu synthetischen Kunststoffen gelten Latex und Kautschuk. Doch auch diese Materialien natürlichen Ursprungs sind nicht automatisch schadstoffarm: So stecken auch im WV Gymnastikball, 19 cm, 420 g, rot aus Kautschuk polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Im PTP Microbroband 03 Widerstandsschlaufe, grün kritisieren wir krebserregende Nitrosamine und nitrosierbare Vorstufen, im Übungsband der Marke Theraband nur die nitrosierbareren Vorstufen. Diese können im Körper in Nitrosamine umgewandelt werden. In Bändern mit Hautkontakt sollten sie aus unserer Sicht nicht enthalten sein.


„Wer etwas für seine Gesundheit tut, möchte dabei keine krebserregenden Stoffe im Hantelgriff oder Gymnastikball haben.“


Frank Schuster Redakteur ÖKO-TEST


Togu-Produkte mit hohen Gehalten von bedenklichen Phthalaten
Während Kautschuk von Natur aus flexibel ist, lassen sich bestimmte synthetische Kunststoffe erst durch zugesetzte Weichmacher biegen. So etwa der bekannte Kunststoff PVC, unter anderem Ausgangsmaterial des Togu Redondo Ball 22 cm, blau und des Handtrainers Togu Brasil. In beiden Trainingsgeräten haben die beauftragten Labore stark erhöhte Gehalte an Diisononylphthalat (DINP) und Diisodecylphthalat (DIDP) gefunden. Phthalate stehen im Verdacht, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen und außerdem wie ein Hormon zu wirken. In den Best Sporting Handgewichten 2 x 1 kg, blau/grau wies das Labor den bedenklichen Weichmacher Dipropylheptylphthalat (DPHP) nach.

Schadstoffarme Fitnessgeräte gibt es!
Nicht immer heißt weich auch schlecht. Es ist möglich, Griffe mit weicher Ummantelung oder Kautschukbänder ohne die üblichen verdächtigen Stoffe herzustellen. Das zeigen das Deuser Band Original und der Handtrainer Schildkröt Fitness Hand Grip Pro. Starke Leistung.

So haben wir getestet

Weiche Polsterungen, die den schwitzenden Händen Halt bieten, enthalten oft Schadstoffe. Darunter solche, die über die Haut in den Körper gelangen können.


Wir haben 20 Fitnesskleingeräte eingekauft und in die Labore geschickt: jeweils fünf Bälle, Bänder, Hanteln und Handtrainer. Beim Training können Problemstoffe auf die Haut gelangen und vom Körper aufgenommen werden. Deshalb haben wir die Materialien mit Hautkontakt einer umfangreichen Schadstoffprüfung unterzogen. Geräte mit Kunststoff- oder Schaumgummibestandteilen ließen wir unter anderem auf bedenkliche Weichmacher analysieren sowie auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige krebserregend oder krebsverdächtig sind.

Geräte und Produktteile aus Latex oder Kautschuk prüften die Laborexperten auf krebserregende Nitrosamine sowie auf Latexproteine. Letztere können Allergien auslösen. Textile Bestandteile ließen wir auf schädliche Farbstoffbausteine wie Anilin und andere aromatische Amine testen. Ebenfalls auf dem Prüfprogramm standen halogenorganische Verbindungen. Maßgeblich für das Gesamturteil ist unsere Beurteilung der Inhaltsstoffe. Unter dem Testergebnis Weiteren Mängeln gibt es Notenabzug für umweltschädliche Substanzen wie PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen und optische Aufheller.

INFO

Hanteln: Das stemmen wir!

Hanteln taugen für vielerlei Trainingsziele. Wer mit Kurzhanteln trainiert, kann seine Armmuskeln kräftigen, aber auch Wirkungen für den Rumpf erzielen. Empfehlenswert ist ihr Einsatz auch beim Laufen und Gehen:„Schon mit leichten Handgewichten beim Walken können Sie große Effekte erzielen“, sagt die Sportwissenschaftlerin Maren Witt von der Universität Leipzig. Am besten mit kleinen Gewichten einsteigen. Mit 100-Gramm-Gewichten anfangen zu walken. Für den Einstieg in Gymnastik mit Hanteln sind 500 Gramm pro Hantel geeignet. „Im Normalfall überschätzen wir uns, was das richtige Hantelgewicht betrifft”, sagt Witt.

Kettle Bells (Kugelhanteln) werden geschwungen, sodass ganze Muskelketten wie die Bauchmuskulatur es intensiv mit der Fliehkraft zu tun bekommen. Die Wirkung ist stark. Lassen Sie sich die richtigen Bewegungsabläufe unbedingt vom Experten zeigen.

Noch keine Hanteln im Haus? Als Hantelersatz taugen mit Wasser gefüllte Plastikflaschen. Auch mit dicken Büchern lässt sich Gewicht auf die Arme bringen.

Handtrainer: Das pack ich!

Die Kraft in Fingern und Händen hilft beim Klettern, beim Basketball und bei vielen weiteren Sportarten. Außerdem sind starke Hände und trainierte Finger ein Segen, wenn man ein Instrument wie Gitarre oder Klavier spielt.

Handtrainer, Fingerhanteln und -bälle kommen im Reha-Bereich zum Einsatz. Auch Gesunde können damit trainieren und nicht nur Hände und Finger stärken, sondern gleichzeitig die Unterarme. Das Training gleicht zudem einseitige Belastungen im Alltag aus.

Zum Trainieren eignen sich alle möglichen Formen von Handtrainern. Bei gartenscherenförmigen Handmuskeltrainern wie dem von Schildkröt lässt sich die Federkraft variabel einstellen. Durch Zudrücken trainieren Sie die ganze Hand. Tastaturartige Fingertrainer wie der von Gripmaster ermöglichen, die Finger einzeln zu kräftigen.

Federgriffhanteln muss man kräftig zusammendrücken, meist ohne weitere Einstellmöglichkeiten.

Weiche Bälle fürs Handtraining lassen sich relativ leicht zusammendrücken und stärken so auf schonende Art die Muskulatur. Wichtig ist, dass die Geräte zur Handgröße passen. Und: Lassen Sie das Training möglichst langsam angehen.

Gymnastikbänder: Zieht!

Gymnastikbänder gibt es schon lange. Die Geschichte der amerikanischen Firma Theraband etwa hat 1978 mit „einigen bunten Latexbändern“ begonnen. Bunte Latexbänder sind immer noch topaktuell, nicht nur in der Physiotherapie, sondern auch bei coolen Fitnessgurus.

Flexible Gymnastikbänder lassen sich für den ganzen Körper einsetzen und es gibt sie in unterschiedlichen Stärken. Sie trainieren Kraft, Gleichgewicht und Koordinationsfähigkeit. „Ideal sind kleine Bewegungen von zehn bis 15 Zentimentern, bei denen das Band einen gleichmäßigen Widerstand erzeugt“, sagt Sportwissenschaftlerin Maren Witt. Für einfache Bänder gibt es Zubehör, womit man sie an der Tür oder dem Klettergerüst als Widerstand befestigen kann. Andere sind wie das Deuserband ohnehin eine große geschlossene Schlaufe. Textile Bänder sind eine sichere Alternative für Latexallergiker. Das Multiband von Blackroll im Test lässt sich dank eingearbeiteter Schlaufen auf die eigene Körpergröße und Gelenkigkeit anpassen.

Tipp: Lassen Sie sich zur passenden Bandstärke beraten. Beim Klassiker Theraband stehen die Farben für die Stärken von leicht (gelb) bis spezial stark (schwarz).

Bälle: Und – halten!

Erinnern Sie sich an die rotbraunen Medizinbälle aus dem Sportunterricht in der Schule? Die neuen Modelle sind nicht mehr unbedingt braun oder rostrot, aber sie sind immer noch hart und schwer. Bei Medizinbällen liegen Spielfreude, harter Drill und erstaunlicher Muskelkater ganz nah beieinander. Das macht sich besonders bei Übungen mit ausgestreckten Armen bemerkbar.

Die weichen, leicht zusammendrückbaren Bälle für Pilates und Yoga können etwas anderes: „Wenn Sie bei bestimmten Übungen einen Ball zum Beispiel zwischen die Knie klemmen, bauen Sie eine gute Körperstatik auf und vermeiden etwa X-Beine“, erklärt Sportwissenschaftlerin Witt.

Bei anderen Übungen setzt oder stellt man sich auf die Bälle als wackeligen Untergrund. Das ist unter anderem ein wunderbares Rückentraining. Beim Versuch, das Gleichgewicht zu halten, kommt eine große Anzahl von Muskeln zum Einsatz, die für Stabilität sorgen.

Noch kein Ball im Haus? Statt eines Medizinballs können Sie daheim auch andere Gegenstände mit drei Kilo Gewicht bewegen – die Melone aber bitte nicht fallen lassen.


Foto: svetikd/getty images

Fotos: ÖKO-TEST (2); Anja Wägele

Illustrationen: Babkina Svetlana/Shutterstock; ÖKO-TEST

Illustrationen: Milos Kontic/Shutterstock; nale/Shutterstock