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TEST Flüssigseifen: Sauber, sicher, sanft


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 28.12.2020

Hände waschen von morgens bis abends – das gehört jetzt zum Alltag. Doch welche Seifen eigenen sich dafür am besten? Immerhin drei Viertel der Flüssigseifen im Test sind „gut“ oder „sehr gut“.


Artikelbild für den Artikel "TEST Flüssigseifen: Sauber, sicher, sanft" aus der Ausgabe 1/2021 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 1/2021

ÖKO-TEST

RATGEBER

1

Milde Tenside und keine schädlichen Konservierungsmittel oder Duftstoffe: Alle 14 Seifen mit Naturkosmetik-Zertifikat und fünf konventionelle Produkte sind „sehr gut“.

2

Hände am besten mit kaltem Wasser waschen. In Verbindung mit Tensiden löst das Schmutz und Mikroorganismen ausreichend und schont den Hautschutzmantel.

3

Wenn schon Flüssigseife, dann gerne auch Nachfüllbeutel nutzen. Die sparen ...

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... Plastik, sind besser recycelbar und kosten weniger.

Leergefegte Seifenregale: Viele werden sich noch an diese Bilder vom vergangenen Frühjahr erinnern. Mit Beginn der Corona-Pandemie explodierten die Seifen-Verkäufe. Die Hersteller kamen überhaupt nicht mehr nach mit dem Produzieren und Verbraucherinnen und Verbraucher nahmen, was sie kriegen konnten: Hauptsache, Seife. Inzwischen sind die Regale wieder gefüllt, das Händewaschen aber ist geblieben. Fragt sich: Ist die eine Seife besser als die andere, um damit x-mal am Tag die Hände einzuschäumen? Wir wollten es wissen und haben 55 Flüssigseifen getestet.

Ausreißer nach unten

Unsere Antwort: Seife ist nicht gleich Seife – es gibt deutliche Unterschiede. Oben in der Tabelle finden sich in dunkelgrün 19 „sehr gute“ Seifen, darunter alle 14 Produkte mit Naturkosmetik-Siegel. Am unteren Ende fallen allerdings auch sieben Seifen mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ durch. In unserem vorigen Seifen-Test war keine Seife schlechter als „befriedigend“. Im aktuellen Test häufen die Rezepturen etliche Problemstoffe an. Darunter der Konservierungsstoff Chlormethylisothiazolinon (CIT), der zu den halogenorganischen Verbindungen gehört und als starkes Allergen gilt. In Kosmetika, die auf der Haut verbleiben und nicht wieder abgewaschen werden, dürfen die Hersteller dieses Konservierungsmittel gar nicht mehr einsetzen. In Produkten, die zum Abspülen gedacht sind, ist die Menge gesetzlich immerhin stark reglementiert.


„Die ,sehr gutenSeifen kosten im Durchschnitt mehr. Denn mildere Tenside haben ihren Preis.


Heike Baier ÖKO-TEST-Redakteurin

1 Hände befeuchten und so viel Seife nehmen, dass alle Handteile benetzt sind.
2 Hände mindestens 20 bis 30 Sekunden gründlich einschäumen.
3 Neben den Handflächen auch Handrücken, Fingerzwischenräume, Fingerspitzen, Daumen und Handgelenke nicht vergessen.
4 Abspülen und gut abtrocknen – am besten mit einem persönlichen Handtuch.

Umstrittene Duftstoffe

Für Notenabzüge sorgen auch die Duftstoffe: Zwei Flüssigseifen enthalten den synthetisch hergestellten Moschusduft Galaxolid. Er reichert sich im Gewebe von Menschen an und gefährdet Gewässer. Fünf Seifen sind mit dem Duftstoff Lilial parfümiert. Die EU hat den Duftstoff im Mai 2020 offiziell als Gefahrstoff der Kategorie 1B eingestuft. Laut Einstufung kann er die Fruchtbarkeit beinträchtigen und steht im Verdacht das ungeborene Kind zu schädigen. Deshalb steuert Lilial derzeit auf ein Verbot in Kosmetik ab 2022 zu. Punktabzug gab es überdies für jene beiden Produkte, die auf ihren Flaschen eine antibakterielle Wirkung versprechen: Der Zusatznutzen solcher Produkte ist keineswegs sicher erwiesen (siehe Seite 55).

Mit Corona kamen alte Rezepturen

Dass einige Noten diesmal viel schlechter ausfallen als im vorigen Test, liegt übrigens auch an Corona: So produzierte der Anbieter der „mangelhaften" Vivian Gray- Flüssigseife eine längst ausrangierte Rezeptur, weil er noch passende Etiketten und Flaschen am Lager hatte. Die Cleox Flüssigseife wird sonst gar nicht in Deutschland vertrieben, schreibt uns der Anbieter. Sie enthält jedoch so viele Problemstoffe, dass sie glatt „ungenügend" ist.

Milde Tenside

Flüssigseifen enthalten hauptsächlich Wasser und waschaktive Substanzen, so genannte Tenside. Tenside entfernen jedoch nicht nur den Schmutz von der Haut, sie lösen auch hauteigene Fette aus der Hautschutzbarriere. Verbindungen aus der Gruppe der PEG/PEG-Derivate gehen dabei besonders hartnäckig zu Werke. Sie können die Haut durchlässiger machen für Fremdstoffe. Immerhin 36 Seifen im Test enthalten PEG/PEG-Derivate, allen voran das Tensid Sodium Laureth Sulfate. Als kostengünstiger Rohstoff steckt es als Haupttensid in vielen der preiswerten Seifen. Aber auch die Handseife der teuren Lifestyle- Marke Rituals enthält den Stoff. Sehr viel milder reinigen Zuckertenside, etwa Coco-Glucoside, die in zahlreichen „sehr guten“ Seifen stecken. Wenige Produkte im Test, darunter die Marken Sodasan und Sonett, reinigen mit „echten“ Seifentensiden. Diese entstehen im traditionellen Siedeprozess aus Ölen und Fetten.

So haben wir getestet

Wir haben 55 Flüssigseifen in Drogerien, (Bio-)Supermärkten, Apotheken und Discountern eingekauft: 41 konventionelle Produkte, darunter zwei Produkte mit antibakteriellen Wirkversprechen und 14-mal zertifizierte Naturkosmetik. Bei der Auswahl der Marken haben wir uns an Marktforschungsdaten orientiert. Alle Flüssigseifen haben wir in verschiedenen Laboren auf eine Reihe von Problemstoffen prüfen lassen. Sind hautreizende Konservierer oder Duftstoffe, die Allergien auslösen können, Teil der Rezeptur? Schäumen die Produkte mit umstrittenen PEG-Verbindungen? Loben die Produkte antibakterielle Wirkungen aus, fragten wir die Anbieter nach Studien, die das stichhaltig belegen. Von Flüssigseife erwarten wir gerade jetzt, da die Menschen sich wegen der Corona-Krise noch häufiger als sonst die Hände waschen, dass sie die Haut nicht zusätzlich mit Problemstoffen belastet. Foto: skynesher/getty images

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Anbieter hat keine vollständige, überzeugende Wirksamkeitsstudie zur antibakteriellen Wirkung für das Produkt vorgelegt. 2) Weiterer Mangel: nicht erkennbarer hygienischer Vorteil für den Verbraucher durch ein Produkt mit ausgelobter antibakterieller Wirkung. 3) Laut Anbieter wird das Produkt künftig mit gleicher Rezeptur, jedoch mit geänderter Verpackung und dem EAN-Code 8719189416466 angeboten. 4) Enthält den bedenklichen UV-Filter Benzophenone- 3. Laut Anbieter handelt es sich um ein längst ausrangiertes Produkt, das infolge der Nachfrage in der Corona-Krise nochmals mit einer Stückzahl von 15.000 Stück produziert wurde, da noch Restbestände an Pumpen, Flaschen und Etiketten am Lager waren. Seit September werde das Produkt nicht mehr produziert. Das aktuelle Produkt „Vivian Gray Refreshing Citrus Luxury Cream Soap“ enthalte weder Polyquarternium-7 noch Benzophenone- 3, sei aber wegen eines Mangels an Pumpen vorübergehend nicht herstellbar gewesen. 5) Laut Anbieter ist das Produkt nur über den I+M-Webshop erhältlich. 6) Laut Anbieter ist ein Nachfüllbeutel mit 600 ml seit November 2020 auf dem Markt. 7) Enthält den bedenklichen UV-Filter Benzophenone-1. Laut Anbieter wird das Produkt ab Mitte 2021 frei von Lilial und Diethylphthalat sein. Ebenfalls solle Benzophenone-1 aus der Rezeptur entfernt werden. 8) Laut Hersteller ist das Produkt durch die mit der Corona-Pandemie gestiegene Nachfrage in Deutschland erhältlich. Aktuell werde eine lilialfreie Duftkomposition entwickelt. 9) Laut Anbieter hat das Produkt ab der Charge 0255 und höher eine neue Rezeptur, die frei von Lilial und weiteren Kunststoffverbindungen (Acrylate Copolymer, Styrene/Acrylates Copolymer) sei. 10) Laut Anbieter wurde das Produkt nur einmalig aufgrund der hohen Nachfrage in der Corona-Krise produziert. Das Nachfolgeprodukt „Salthouse Totes Meer Therapie Artzseife Sensitiv“ sei seit Oktober mit einem Nachfüllbeutel erhältlich. 11) Laut Hersteller wurde die Rezeptur des Produkts verändert. Das überarbeitete Produkt fließe seit Januar 2021 in den Handel ein. Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Chlormethylisothiazolinon (CIT) oder andere halogenorganische Verbindungen; b) Butylphenyl Methylpropional (Lilial); c) bedenkliche UV-Filter (hier: Benzophenone- 1, Benzophenone-3); d) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid/HHCB; in der Tabelle: künstlicher Moschusduft). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal); b) PEG/ PEG-Derivate; c) mehr als 10 bis 1.000 mg/kg Diethylphthalat. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Acrylate Copolymer, Polyquaternium-7, Styrene/Acrylate Copolymer); b) bei einem Produkt mit ausgelobter antibakterieller Wirkung keine vollständige, überzeugende Wirksamkeitsstudie zur antibakteriellen Wirkung für das Produkt vorgelegt; c) bei einem Produkt mit ausgelobter antibakterieller Wirkung ein nicht erkennbarer hygienischer Vorteil für den Verbraucher.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ und „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ und „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte – außer bestimmte antibakterielle Wirkungsversprechen durch entsprechende Studien – nicht überprüft haben.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest. de/M2101.
Einkauf der Testprodukte: August – September 2020. Preise können aufgrund der befristeten Mehrwertsteuersenkung geringfügig abweichen. Dieser Test löst den Test Flüssigseifen aus dem ÖKO-TEST Magazin 5/ 2009 ab und die Wiederveröffentlichungen im ÖKOTEST Jahrbuch für 2010 und in den Jahrbüchern Kosmetik für 2011 und 2013.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Was bringen antibakterielle Seifen?

Antibakterielle Seifen wirken im Alltag im Allgemeinen nicht besser gegen Keime als herkömmliche Seifen. Unseres Wissens nach gibt es bisher keine Studie, die das Gegenteil beweist. Vielmehr stehen viele antibakteriell wirkende Substanzen wegen ihrer Risiken in der Kritik und die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA verbot 2016 rund 20 antibakterielle Wirkstoffe. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung vertritt die Ansicht: Normale Hygienemaßnahmen wie häufiges und richtiges Händewaschen mit Seife schützen im Alltag ausreichend vor Schmierinfektionen, auch vor Viren wie SARS-CoV-2. Die beiden als antibakteriell ausgelobten Seifen in unserem Test wirken laut Hersteller durch den Inhaltsstoff Salicylsäure. Keiner der beiden hat uns jedoch die Effizienz dieses Wirkstoffs durch eine produktbezogene Studie überzeugend nachgewiesen.

WISSEN

Seife aus dem Spender

Hygienischer?

Feste Seifenstücke sind ökologischer als Flüssigseifen – doch sind sie ausreichend hygienisch? Ja, für den Einsatz zu Hause schon. Denn Studien zeigen, dass sich auf den festen Stücken zwar mehr Bakterien tummeln, dass diese beim Händewaschen aber nicht auf die Haut übertragen werden.

Nachfüllen!

Nachfüllbeutel sparen Verpackungsmüll. Sie bestehen zwar auch aus Kunststoff, doch das Umweltbundesamt rechnet vor: Ein 400-Milliliter-Nachfüllbeutel braucht 63 Prozent weniger Plastik als ein 500-Milliliter-Flüssigseifenspender. Zudem sind Beutel besser recycelbar, da sie aus weniger verschiedenen Materialien bestehen. Allein die Pumpe bei einem Seifenspender ist eine komplexe Konstruktion von über zehn verschiedenen Teilen. Viel zu schade, um sie nach einmaligen Gebrauch in die Tonne zu werfen. Und Nachfüllen schont auch den Geldbeutel. Ein Beispiel: Die 300-Milliliter- Flasche der Natürlich Handwaschseife by Evita kostet 2,99 Euro, der Nachfüllbeutel mit 600 Milliliter nur 1,99 Euro.


Foto: Aleksandra Suzi/Shutterstock

Foto: thomas w.cheney

Illustration: noun project; Natalia Sheinkin/Shutterstock

Foto: skynesher/getty images