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TEST Gartenmöbel aus Tropenholz: Aus welchem Holz bist du geschnitzt?


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2012 vom 25.05.2012

Darf man Gartenmöbel aus Tropenholz kaufen oder fördert man dadurch die Zerstörung des Regenwaldes? Unser Test von elf Produkten versucht, diese Frage zu klären – und liefert eine Antwort.


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Wie es duftet. Wie warm es sich anfühlt. Und wie Teakholz, wenn es etwa zum traditionellen Deck-Chair verarbeitet ist, Eleganz, Prunk und Pracht berühmter Luxusschiffe in den heimischen Garten zaubert. „Es wird viel experimentiert – mit Aluminium, Edelstahl, keramischen Tischplatten, Glas“, weiß Martin Marx, Prokurist beim bekannten Gartenmöbelanbieter Weishäupl. „Aber bei all den ...

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Wie es duftet. Wie warm es sich anfühlt. Und wie Teakholz, wenn es etwa zum traditionellen Deck-Chair verarbeitet ist, Eleganz, Prunk und Pracht berühmter Luxusschiffe in den heimischen Garten zaubert. „Es wird viel experimentiert – mit Aluminium, Edelstahl, keramischen Tischplatten, Glas“, weiß Martin Marx, Prokurist beim bekannten Gartenmöbelanbieter Weishäupl. „Aber bei all den Experimenten werden nach wie vor klassische Gartenmöbel gekauft.“ Und klassisch heißt oft auch: aus Tropenholz.

Für die Kritiker ist allerdings klar: Die Nutzung von Tropenhölzern zerstört entweder naturnahe Wälder oder erfolgt auf künstlichen Riesenplantagen, in denen Pestizide gespritzt werden, um diese Monokulturen vor Schädlingen zu schützen. Der Verkauf und Kauf von Produkten aus Tropenholz heißt für sie Umweltzerstörung, Ausbeutung und Verdrängung der Ureinwohner sowie Klimaerwärmung durch Vernichtung der gewaltigen CO2- Speicher, die Tropenwälder bekanntlich sind. Es ist den Kampagnen der großen Umweltverbände zu verdanken, dass Tropenholz lange Zeit einen äußerst schlechten Ruf hatte. Das spürten immer mehr Unternehmen in immer mehr Ländern. Deshalb begannen Holzhändler, ihre Produkte mit Aussagen über deren Umweltqualität aufzupeppen. Eine vom WWF in Auftrag gegebene Studie ergab damals, dass von mehr als 600 Firmen, die den Anspruch auf ‚Nachhaltigkeit‘ erhoben hatten, nur die Hälf te diesen Anspruch auf Anfrage bekräftigten. Nach detaillierteren Recherchen bei 80 Händlern konnten nur drei ernsthafte Ansätze vorweisen. Keine der Firmen war in der Lage, die Herkunft ihres „nachhaltigen“ Produktes vollständig zu klären.

ÖKO-TEST rät

Wenn Gartenmöbel aus Tropenholz FSC-zertifiziert sind, werden dafür keine Regenwälder zerstört. Es stammt jedoch meist von Plantagen, auf denen Pestizide gespritzt werden.
Robinie ist aufgrund der guten Witterungsbeständigkeit ein fast gleichwertiger Ersatz für Tropenholz. Robinie wird allerdings ebenfalls oft auf Plantagen angebaut.
Das FSC-Siegel ist zwar verbesserungsbedürftig, aber nicht zertifizierte Gartenmöbel und Holz sind nicht akzeptabel.

Daher entwickelten Umweltschützer, Holzhändler und Menschenrechtsorganisationen die Idee zum Aufbau eines unabhängigen Zertifizierungssystems. So entstand im Jahr 1993 das Forest Stewardship Council (FSC). Von vornherein sollte dabei grundsätzlich die Beteiligung aller Interessengruppen wie Vertreter der Holzwirtschaft, der Umwelt- und Sozialverbände und von indigenen Völkern garantiert sein. Die FSC-Standards sind weltweit für alle Waldtypen gültig und sollen in einem fortlaufenden Prozess weiterentwickelt werden.

Heute ist das FSC-Siegel ein etabliertes Zertifikat. Es prangt auf Büchern, Getränkekartons, Recyclingpapier – und eben Gartenmöbeln. Ein FSC-Siegel erhalten nicht nur Produkte, die zu 100 Prozent aus zertifiziertem Holz bestehen, wie etwa Gartenmöbel, sondern auch Produkte, in denen Anteile aus zertifiziertem Holz und legal geschlagenem, aber nicht zertifiziertem Holz enthalten sind. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz schreibt in seiner begleitenden Erklärung zu den Regeln für die Beschaffung von Holzprodukten durch den Bund, dass das FSC-Zertifikat neben dem PEFC-Zertifikat ein glaubwürdiges Zertifikat für Nachhaltigkeit ist. Die vielen Kritiker von FSC beeindruckt das allerdings nicht. Vom PEFC halten sie – zu Recht – überhaupt nichts (siehe PEFC und FSC im Vergleich).

Kompakt

So kontrolliert der FSC
Will ein Waldbesitzer seinen Betrieb prüfen lassen, schickt nicht etwa der FSC einen Kontrolleur, sondern der Interessent sucht sich einen aus der Liste der vom FSC zugelassenen Zertifizierer aus. Der handelt mit dem Auftraggeber den Preis für die Prüfung aus und führt diese dann anhand der Kriterien, die der FSC-Landesverband festgelegt hat, vor Ort durch. Nachdem der Betrieb gegebenenfalls nötige Verbesserungen vorgenommen hat, stellt der Prüfer das FSC-Zertifikat aus. Bis es bei großen Forstbetrieben – besonders in Übersee – so weit ist, können Jahre vergehen. Entsprechend hoch sind die Kosten. Ein Jahr lang darf der Waldbesitzer mit dem FSC-Zeichen werben und sein Holz entsprechend kennzeichnen. Dann muss die Prüfung wiederholt werden. Ebenso müssen sich Holzhändler, Sägewerke und Weiterverarbeiter zertifizieren lassen, wenn sie FSC-Holz einsetzen wollen. Bei jeder Station der Lieferkette werden die Mengen der FSC-Produkte verglichen, die ein- und ausgehen, damit nicht Betrüger unzertifizierte Ware beimischen können.
Die Zertifizierer sind allesamt Mitarbeiter von Prüffirmen wie des TÜV Nord, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG oder etwa der Schweizer Société Général de Surveillance (SGS), ein Multi, der Inspektionen und Tests fast aller Art durchführt und in Deutschland 2.600, weltweit 67.000 Mitarbeiter beschäftigt. Um die Prüfer zu schulen, zuzulassen und mindestens einmal im Jahr zu überprüfen, hat FSC die Tochtergesellschaft Accreditation Services International (ASI) mit Sitz in Bonn gegründet. Sie wird auch tätig, wenn Beschwerden über Zertifizierungen nicht innerhalb eines Landesverbands geklärt werden können.

Das FSC-System wiederum hat ihrer Ansicht nach schon im Ansatz nichts mit nachhaltiger Forstwirtschaft zu tun, da auch Primärwälder, also weitgehend unberührte Wälder, zertifiziert werden. Und Holzeinschlag – wie behutsam er auch aufgrund der Prinzipien des FSC sein mag – ist in natürlichen Wäldern nie ohne große Auswirkungen auf das Öko-System Wald möglich. Außerdem stimme das Hauptargument der FSC-Befürworter nicht, das lautet: Durch die Steigerung des Marktwerts von Tropenholz durch das Siegel erhalten Wälder einen wirtschaftlichen Wert. Dadurch unterbleiben noch zerstörerischere Formen der Landnutzung, wie etwa der Kahlschlag zur Palmölproduktion oder zur Schaffung von Weideland für Rinder. Einige Kritiker wie der Holzhändler Gerriet Harms oder die Betreiber der FSC-kritischen Internetseitewww.fsc-watch.org halten Forstwirtschaft und Kahlschlag nämlich nicht für konkurrierende wirtschaftliche Optionen. Vielmehr schaffe die forstwirtschaftliche Nutzung von entlegenen Wäldern eine Verkehrsinfrastruktur, die den Zugang für zukünftige Kahlschläge mit anschließender landwirtschaftlicher Nutzung oder Besiedlung erst ermögliche.

Keine Alternative zu FSC

Ulrich Bick vom Johann Heinrich von Thünen-Institut für Weltforstwirtschaft hält das Argument für falsch, dass Primärwälder prinzipiell nicht ohne Schaden für das Öko-System bewirtschaftet werden können. Voraussetzung sei aber eine exakte Inventur: „Es darf nie mehr eingeschlagen werden als zuwächst“. Zwar lasse sich die Gefahr nicht ausschließen, dass die von der Forstwirtschaft geschaffene Infrastruktur auch für den Missbrauch des Tropenwaldes genutzt werde. Bick, am Institut zuständig für räumliche Expertisen, nachhaltige Waldbewirtschaftung sowie forstliche Zertifizierung, ist aber überzeugt, dass es keine Alternative zu Zertifizierungssystemen wie FSC gibt: „Man könnte die Systeme verbannen, aber dann steht irgendwann kein Baum mehr.“

Der FSC erlaubt auch die Zertifizierung von Plantagen, sofern diese nicht aus einer Umwandlung von Naturwald hervorgegangen sind oder diese Umwandlung vor November 1994 stattgefunden hat. Das ist das Datum, seitdem der FSC für Plantagen das Siegel vergibt. Kritiker des FSC halten Plantagen für nicht akzeptabel, denn Monokulturen seien prinzipiell unökologisch und würden wegen ihrer Anfälligkeit für Schädlinge auch noch mit Pestiziden getränkt. Tatsächlich verbietet der FSC nur Pestizide der von der WHO als besonders gefährlich bezeichneten Kategorien Ia (extrem gefährlich) und Ib (hoch gefährlich).

Illegaler Holzeinschlag bedroht nach wie vor die Regenwälder der Erde. Deshalb sollten Verbraucher Tropenholzprodukte ohne FSC-Siegel meiden.


Foto: Brasil 2/istockphoto.com

PEFC und FSC im Vergleich

International sind zwei Zertifizierungssysteme verbreitet. Es gibt das „Programme for the Endorsement of Forest Certification Shemes“ (PEFC). Dieses fungiert als Dachorganisation für verschiedene nationale Zertifizierungssysteme. Daneben gibt es das „Forest Stewardship Council“ (FSC) als international eingesetztes Siegel mit nationalen Arbeitsgruppen. Die Regeln zur öffentlichen Beschaffung des Bundes sehen in beiden Zertifikaten einen Beweis für verantwortungsvolle Waldwirtschaft. Auch Ulrich Bick, zuständig für forstliche Zertifizierung und räumliche Expertisen am Institut für Weltforstwirtschaft des Johann Heinrich von Thünen-Instituts, macht zwischen beiden Systemen keinen Unterschied.
Anders die Umweltverbände. Sie lehnen PEFC ab. So warnt der BUND in seinem Ratgeber „Ökologischer Holzeinkauf“, das bei PEFC-zertifizierten Möbeln „echte Skepsis“ angebracht sei. Das in Europa verbreitetste Forstzertifizierungssystem bewerte pauschal ganze Regionen, führe nur stichprobenartige Kontrollen durch und vertraue auf die Selbstverpflichtung der Forstbetriebe. Die beiden Systeme im Vergleich:
Zertifikatvergabe: PEFC vergibt Zertifikate an Regionen. Die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung wird deshalb auf regionaler Ebene kontrolliert, weil Nachhaltigkeitskriterien wie etwa Biodiversität laut PEFC auf der Ebene einzelner Betriebe nicht überprüfbar sind. Der FSC vergibt Zertifikate an Einzelbetriebe oder Gruppen von Forstbetrieben.
Voraussetzung für Zertifikatvergabe: Mit einer freiwilligen Selbstverpflichtungserklärung erhält der Antragsteller eine PEFC-Urkunde, die seine Zertifizierung belegt. Die Verpflichtung besagt, dass der Waldeigentümer den Zugang zu allen Flächen gewähren muss und alle Informationen darüber zu liefern hat. Die Einhaltung der Standards wird stichprobenartig durch eine unabhängige Gesellschaft vor Ort geprüft. Dagegen nimmt im FSC-System vor einer erstmaligen Zertifizierung ein unabhängiger Zertifizierer zunächst eine Prüfung des jeweiligen Betriebs vor Ort vor. Wird zertifiziert, finden jährlich Audits in jedem Betrieb statt.
Akkreditierung von Zertifizierern: FSC und PEFC zertifizieren nicht selbst, sondern lassen zertifizieren. Das PEFC-System sieht dafür keine eigenständige Akkreditierung von Zertifizierungsunternehmen nach eigenem Regelwerk vor. Die vom PEFC bevollmächtigten Akkreditierer müssen aber internationale ISO-Standards erfüllen. Deshalb müssen Zertifizierer im Auftrag des PEFC bei einer nationalen Akkreditierungsstelle nach internationalen Normen für Produktzertifizierung akkreditiert sein. Der FSC akkreditiert Zertifizierungsunternehmen selbst auf Grundlage eines Regelwerks. FSC überprüft seine Zertifizierer jährlich und kontrolliert, ob sie im Sinne der internationalen ISO-Anforderungen vorgehen und nach den Regeln des FSC prüfen.

Prinzipiell verboten sind in FSC-Wäldern dagegen gentechnisch veränderte Baumarten. Für den FSC spricht zudem: Die Zertifizierung sorgt für eine Kontrolle der zertifizierten Unternehmen. Die Firmen müssen ihre Bücher öffnen, die Trennung von zertifiziertem und nicht zertifiziertem Holz belegen. Auch der genutzte Wald, der Forst, die Plantage werden kontrolliert. Die großen Umweltverbände sind alle Mitglied im FSC. Dieselben Gruppierungen, die früher zum Tropenholzboykott aufgerufen haben, unterstützen heute die Zertifizierungsorganisation, begleiten sie in vielen Fällen aber kritisch.

Wir haben jetzt elf Gartenmöbel aus Tropenholz in die Labore geschickt. Von den Anbietern haben wir Nachweise zum Herkunftsland des verarbeiteten Holzes und zur ursprünglichen Waldformation verlangt, in denen das verarbeitete Holz gewachsen ist. Außerdem interessierte uns, ob das Material aus kontrollierter Waldwirtschaft stammt.

Das Testergebnis

• Schadstoffbelastung hui, Befragung der Anbieter pfui: Im Gesamturteil gibt es sehr gute und gute Möbel. Mittelmaß erbrachten die Untersuchungen nicht, aber vier Möbel können wir wegen der schlechten Testergebnisse nicht empfehlen.
• Schadstofffrei und rostfrei: Alle elf Gartenmöbel schnitten im Testbereich Inhaltsstoffe mit „sehr gut“ ab – problematische Substanzen wie Weichmacher, Schwermetalle oder schädliche Holzschutzmittel: Fehlanzeige. Auch waren alle verarbeiteten Metallteile legiert oder gleich aus Edelstahl. Hässliche braune Streifen, verursacht durch vom Regen abgewaschenen Rost, sind hier also keine Gefahr.
• Nachhaltige Waldwirtschaft? Vielleicht. Wir hatten die Unternehmen aufgefordert, uns Nachweise dafür vorzulegen, dass das Holz, aus dem die Gartenmöbel gefertigt sind, aus einer kontrollierten Waldwirtschaft stammt. Die Anbieter Hornbach, Kettler, Max Bahr, Zeus/Hagebau, Bahag (Bauhaus) und Toom-Baumarkt haben das durch ein gültiges FSC-Zertifikat getan.
• Garpas Verwirrspiel: Ob der 390 Euro teure Stuhl der Edelmarke Garpa ebenfalls FSC-zertifiziert ist, konnten wir zunächst nicht feststellen, da Garpa seine FSC-Produkte nicht mit einem Siegel kennzeichnet. Dahinter steckt vermutlich Strategie. Denn Garpa verkauft auch nicht FSC-zertifizierte Produkte. Erst auf mehrmaliges Nachfragen beim Unternehmen bekamen wir den Nachweis, dass der von uns untersuchte Stuhl aus FSCHolz ist. Zuvor hatte Garpa versucht, mittels seines sogenannten FSC-Chain-of-Custody-Zertifikats (Lieferketten-Zertifikat) Aussagen über die FSC-Zertifizierung des Testprodukts, des Herkunftslands und der Waldformation des verarbeiteten Holzes zu machen. Das ist aber laut FSC-Deutschland nicht möglich. Ein Lieferkettenzertifikat ist nur eine Erlaubnis dafür, FSC-Produkte herzustellen und zu kennzeichnen. Aussagen zu individuellen Möbeln lässt dieses Zertifikat nicht zu. Das Teakholz für die nicht FSCzertifizierten Garpa-Möbel stammt übrigens vom umstrittenen staatlichen indonesischen Unternehmen Perum Perhutani.
• Indonesien und die Korruption: Auch das Holz für Fischer’s Stuhl Johannson Teak aus Java und den Stapelstuhl Bora Java Exclusiv, Teak massiv, mit Armlehne von MBS stammt von einer Perum-Perhutani-Plantage. Das Unternehmen hatte jahrelang ein FSC-Zertifikat. Aufgrund von Korruption und illegalem Holzhandel verlor das Unternehmen aber im Jahr 2001 sein Zertifikat, und bekam es erst 2011 für einen Teil der Fläche zurück. Die von Perum Perhutani selbst ausgestellten Zertifikate, die uns Udo Fischer und MBS vorgelegt haben, reichen uns daher nicht als Nachweise für eine nachhaltige Waldwirtschaft.

Ab 2013 sind Holzverkäufer in der Pflicht

Foto: PEFC Deutschland

Der illegale Holzeinschlag beschäftigt auch die Politik: So hat die Europäische Kommission im Jahr 2003 den sogenannten Aktionsplan „Forest Law Enforcement, Governance and Trade – FLEGT (übersetzt: Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor) beschlossen. Der soll zu einer verlässlichen Einfuhr von legal erzeugten Holzprodukten führen. Wesentliche Instrumente des FLEGT-Aktionsplans sind der Legalitätsnachweis für eingeschlagenes Holz und freiwillige, aber verbindliche Partnerschaftsabkommen, sogenannte „Voluntary Partnership Agreements“ (VPA) zwischen der EU und den Regierungen der Erzeugerländer. Zurzeit haben zehn Länder – darunter zum Beispiel Ghana, die Republik Kongo, die Republik Kamerun und Indonesien – die Verträge ratifiziert. Weitere Staaten stehen in Verhandlungen mit der EU. Im Rahmen der Partnerschaftsabkommen (VPA) richten die Partnerländer der EU ein Genehmigungs- und Lizenzsystem ein, um zu gewährleisten, dass nur legal eingeschlagenes Holz in die Europäische Union importiert wird. Im Gegenzug unterstützt die EU die Länder bei der Verbesserung der Kapazitäten in den Bereichen der Waldbewirtschaftung und Rechtsdurchsetzung. Beteiligt sind alle betroffenen Akteure, also Politik, Industrie und Zivilgesellschaft. Auf lange Sicht sollen so in den Holz exportierenden Ländern Reformen unterstützt werden, die den illegalen Holzeinschlag vor Ort eindämmen und gleichzeitig seine Ursachen wie Korruption oder uneindeutige Gesetzeslage bekämpfen. Für Holzimporte aus Ländern, die kein solches Abkommen mit der EU unterzeichnet haben, ändert sich erst im März 2013 die Situation grundlegend: Ab dann tritt die EU-Holzhandelsverordnung (EU Nr. 995/2010) in Kraft. Sie verbietet, illegal geschlagenes Holz oder Produkte daraus in die EU zu importieren. Dann gilt: Wer Holz und Holzprodukte als Erster in der EU auf den Markt bringt („Erstinverkehrbringer“), muss deren legale Herkunft nachweisen. Das ist bei einer Produktionskette vom geschlagenen Baumstamm bis zum Endprodukt nur möglich, wenn die Lieferkette lückenlos zurückzuverfolgen ist. Ulrich Bick, Zertifizierungsfachmann am Institut für Weltforstwirtschaft des Johann Heinrich von Thünen-Instituts, geht davon aus, dass dann auch das FSC-Siegel sowie das PEFC-Siegel als Nachweis für legal geschlagenes Holz gelten.

So haben wir getestet

Foto: Labor

Der Blick des Fachmanns Dr. Gerald Koch und der Abgleich mit der größten Holzmustersammlung der Welt klären, aus welchem Holz die Gartenmöbel sind. Das Institut für Holztechnologie besitzt 26.000 Holzmuster.

Einkauf
Wir haben elf Gartenmöbel, die als Tropenholz deklariert waren, in Baumärkten gekauft und im Internethandel bestellt. Mit dabei sind Stühle, Tische, Liegen und Bänke. Wir besorgten mit dem FSCSiegel gekennzeichnete Ware und solche ohne Siegel. Mit dabei ist ein Stapelstuhl von Garpa für 390 Euro, aber auch eine günstige Zweisitzerbank von Hornbach für 79,95 Euro.

Inhaltsstoffe
Holz ist ein Naturprodukt, das häufig noch behandelt wird. Deshalb haben wir die Möbel auf problematische Holzschutzmittel sowie Schwermetalle und Weichmacher untersuchen lassen, die in Lasuren oder Imprägnierungen bei der Holzbearbeitung zum Teil eingesetzt werden. Auch ist es ärgerlich, wenn das gekaufte Teakholzmöbel über Jahre dem Regen trotzt, die schöne silbergraue Patina annimmt, aber nicht legierte Metallteile für hässliche braune Streifen am Möbel sorgen, wenn der Regen den Rost der Schrauben in das Holz wäscht. Ein Labor prüfte deshalb alle verarbeiteten Metallteile auf Rostschutz.

Bestimmung der Holzart
Wer für ein FSC-Möbel, das aus Teakholz sein soll, Geld ausgibt, glaubt auch, ein hochwertiges Produkt zu erhalten. Doch Betrügereien auf dem Holzmarkt sind keine Seltenheit. Deshalb haben wir das Holz der Testprodukte bestimmen lassen.

Waldwirtschaft und Transparenz
Wir haben den Anbietern der Gartenmöbel aus Tropenholz einen Fragebogen zugeschickt. Wir wollten wissen, aus welchem Land das verarbeitete Holz stammt und aus welcher Waldformation. Und uns interessierte natürlich auch, ob das Holz aus einer kontrollierten Waldwirtschaft und einem kontrollierten Holzeinschlag stammt. Wir fragten auch nach Dokumenten, die die gemachten Antworten belegen können.

Bewertung
Umweltverbände, Forstexperten und Kritiker der Holzzertifizierungssysteme, sofern sie diese nicht völlig ablehnen, sind sich einig: Die Voraussetzung, um überhaupt über die Nachhaltigkeit eines Tropenholzproduktes nachzudenken, ist ein FSC-Zertifikat. FSC fordert und überprüft eine kontrollierte Waldwirtschaft. Und in vielen Fällen stellt sie die auch sicher. Deshalb werten wir Produkte ohne FSC-Zertifikat ab. Aber Verbraucher haben auch ein Recht darauf, zu erfahren, aus welchem Land und welcher Waldformation das verarbeitete Holz stammt. Da das FSC-System hier nachbesserungsbedürftig ist, konnte es auch für FSC-zertifizierte Produkte Punktabzug geben. Möbel aus Tropenholz sollen schadstofffrei sein und aus einer kontrollierten Waldwirtschaft kommen – Inhaltsstoffe und Waldwirtschaft sind gleich wichtig. Deshalb kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.

• Sonnen Partner und das WWF-Dokument: Den Nachweis für kontrollierte Waldwirtschaft wollte Anbieter Sonnen Partner ausgerechnet mit einem Zertifikat für seinen indonesischen Holzlieferanten, ausgestellt vom WWF Indonesien, liefern. Hierbei handelt es sich laut Aussage des WWF Deutschland aber nicht um ein Forstzertifikat, sondern um eine Mitgliedsbestätigung im Global Forest and Trade Network. Das ist ein Entwicklungsprogramm für Unternehmen, um diese auf dem Weg zu einer glaubwürdigen Zertifizierung zu begleiten. Das Zertifikat ist außerdem von 2006 und war nur bis 2008 gültig. Sonnen Partner schickte uns außerdem noch ein Lieferkettenzertifikat sowie ein Schreiben eines Zertifizieres, das bestätigt, dass der indonesische Lieferant der deutschen Firma ebenfalls ein Lieferkettenzertifikat besitzt. Aber wie erwähnt, erfährt der Verbraucher durch Lieferkettenzertifikate nichts über die Herkunft des im einzelnen Produkt verarbeiteten Holzes.

• Für zusätzliche Sicherheit und mehr Transparenz, dass legales Holz verwendet wurde, könnten Herkunftsnachweise sorgen. Doch nur fünf Anbieter konnten uns glaubwürdige Nachweise zum Herkunftsland des Holzes sowie zur Waldformation (Primärwald, Wirtschaftswald/ Forst, Monokultur/ Plantage), aus dem es stammt, senden. Denn nicht einmal das FSC-System liefert diese Informationen. Daher erhielten in diesem Punkt auch die FSCzertifizierten Produkte von Hornbach, Toom, Kettler und Garpa einen Notenabzug. Das Qualitätsmanagement von Zeus/Hagebau bringt diesen Nachteil auf den Punkt: „Wir bedauern, dass es bisher nicht möglich ist, die Lieferkette von FSCzertifizierten Produkten automatisch über den FSC zurückverfolgen zu können. Dies würde eine bessere Transparenz über die Herkunft der mit dem FSC-Logo ausgezeichneten Produkte aus Tropenholz liefern.“
• Recyceltes Bauholz? Kann sein, kann nicht sein: Die Firma Holzland Becker konnte nicht belegen, dass es sich bei der Bank Madagaskar 220 cm Teakholz alt & recycled tatsächlich um ein Produkt aus Recyclingholz handelt. Die Holzanalyse verrät das nicht. Da nämlich Tropenholz gleichmäßig wächst und deshalb keine Jahresringe aufweist, ist etwa das Alter eines Möbels durch die gängigen Untersuchungen nicht zu bestimmen.

• Richtig deklariert: Die Laboruntersuchung der verarbeiteten Hölzer auf ihre botanische Gattung ergab: Die Angaben zur verarbeiteten Holzart entsprachen bei allen elf Möbeln der Wahrheit. Neun Produkte sind aus Teak, eines aus Bangkirai, eines aus Gmelina. Das ist im Holzmarkt nicht immer der Fall. Denn einige „schwarze Schafe“ nutzen die Nachfrage nach Teak und deklarieren minderwertige Harthölzer als Teak.
Mirko Kaiser

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Alternativen zum Tropenholz

Eisen

Foto: O.Y. Gundogdu/istockphoto.com

Auch Tische, Stühle und Bänke aus Gusseisen, Bandeisen oder Schmiedeeisen werden für den Garten produziert. Um für Korrosionsschutz zu sorgen, werden die Metallteile der Möbel legiert und/oder pulverbeschichtet. Allerdings sind auch moderne Lacke auf Dauer kein Schutz vor Sonne und Feuchtigkeit. Deshalb sind Eisenmöbel nur bedingt für den Dauereinsatz im Garten geeignet. Eisenmöbel sollten unbedingt gegen härtere Witterungsbedingungen geschützt werden und drinnen überwintern. Manche Hersteller raten nach zehn Jahren zu einer neuen Lackierung. Möbel aus Guss- und Schmiedeeisen – oft mit Holz kombiniert – sind sehr schwer. Leichtere Modelle gibt es aus Bandeisen.

Eukalyptus, Lärche, Douglasie

Foto: xstock/istockphoto.com

Immer mehr Anbieter haben Gartenmöbel aus Eukalyptus im Sortiment. Der Eukalyptusbaum hat seine Heimat in Australien sowie Tasmanien und der Osthälfte Indonesiens. Heute wachsen manche Arten auch in vielen anderen subtropischen Gebieten der Welt. Eukalyptusholz gilt ebenfalls als witterungsbeständig, allerdings erreicht es nicht die Werte wie Teakholz, Bangkirai oder Robinie. Das Problem: Es gibt über 500 Eukalyptusarten mit unterschiedlichen Eigenschaften. Eukalyptusholz stammt in der Regel aus Plantagen. Diese riesigen Monokulturen verdrängen an vielen Orten Urwälder. Auch hier sollte man FSC-zertifiziertes Holz kaufen. Lärchenholz und Douglasienholz gelten nur als mäßig dauerhaft. Deshalb sind Gartenmöbel aus diesen Hölzern oft lasiert. Bekommt die Schutzschicht Risse, nimmt die Haltbarkeit deutlich ab.

Polyrattan

Foto: Inna Felker/Fotolia.com

Polyrattan ist ein Sammelbegriff für Möbel, die aus geflochtenen Polyethylenfasern bestehen. Der Rahmen der Möbel besteht oft aus Aluminium. Manche Produkte sind bunt, andere wirken aufgrund ihrer bräunlichen Färbung auf den ersten Blick wie echtes Rattan. Viele Anbieter bewerben die pflegeleichten Möbel als „wetterbeständig“ und beständig gegen Ultraviolettstrahlung. Ob die Plastikmöbel halten, was sie versprechen, belegen Nachweise über einen standardisierten Test zur Überprüfung der Wetterbeständigkeit nach der DIN-Norm ISO 4892. Da Polyrattan wie die meisten Kunststoffe aus Mineralöl produziert wird, verbraucht die Herstellung viel Energie und belastet die Umwelt.

Aluminium

Foto: Himmelssturm/Fotolia.com

Gartenmöbel aus Aluminium in Kombination mit Kunststoff-beziehungsweise Stoffbezug oder Holzteilen sind sehr beliebt. Aluminium ist leicht. Reines Aluminium bildet an der Luft eine dünne Oxidschicht. Diese macht das Leichtmetall sehr korrosionsbeständig. Allerdings ist die Herstellung des Metalls sehr energieaufwendig, die Öko-Bilanz ist deutlich schlechter als die von Holzmöbeln. Für Aluminium spricht dagegen die hohe Wiederverwendbarkeit des Materials.

Thermoholz und Wachsholz

Foto: www.iter-moebel.com

Zwei Verfahren können auch mäßig dauerhafte Hölzer beständiger machen. Beim Thermoholzverfahren wird das Holz bis zu zwei Tage lang stark erhitzt (170 bis 250 Grad). Dabei bauen sich die Holzbestandteile ab, das Holz „karamellisiert“ sozusagen. So wird es widerstandsfähiger. Thermoholz wird zurzeit vor allem als Terrassenbelag eingesetzt. Möbel aus Thermo findet man kaum. Zudem ist nicht immer klar, wie widerstandsfähig und dauerhaft das Holz nach der Behandlung wirklich ist. Man sollte Händler nach einem Nachweis für die Dauerhaftigkeit des behandelten Holzes fragen und sich Prüfberichte vorlegen lassen. Es gibt normierte Prüfverfahren, die die Resistenz und Dauerhaftigkeit von Holz belegen. „Wachsholz“ entsteht, indem frisch aufgeschnittene Stämme unter Druck und Hitze mit Paraffin durchtränkt werden. Auch hier wäre der Nachweis zur geprüften Dauerhaftigkeit interessant. Da Dauerholz zu einem großen Teil aus Paraffin, einem Mineralölprodukt besteht, ist es aber keine Alternative zu unbehandeltem Holz.

Robinie

Foto: www.iter-moebel.com

Der beste Ersatz für Tropenholz ist Robinie. Sie stammt ursprünglich aus Nordamerika. In Südosteuropa wächst sie in ausgedehnten Forsten. Zu kritisieren ist, dass die Pflanzung oft in Monokulturen erfolgt. Verbraucher sollten auf zertifiziertes Holz achten. Robinienholz hat nach DIN EN 350-2 die Dauerhaftigkeitsklasse 1–2 (sehr dauerhaft bis dauerhaft) – wie Teak. Josef Krauhausen von der Fachzeitschrift Holzzentralblatt weist darauf hin, dass es auf dem Markt oft Robinienholz von minderer Qualität gibt. Das Holz gilt als schwer zu bearbeiten. Andererseits ist auch Teak nicht gleich Teak: Die Witterungsbeständigkeit von natürlich gewachsenem Teak ist höher als von Plantagenteak. Und dessen Qualität hängt davon ab, wie lange es gewachsen ist.