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TEST GEMÜSESÄFTE: SÜSSES ODER SAURES


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2018 vom 25.01.2018

Gemüsesaft – das klingt gesund. Ist es auch. Meistens jedenfalls, wie unser Test von Möhren-, Rote-Bete- und Sauerkrautsäften zeigt. In einigen Säften steckt allerdings überraschend viel Zucker.


Artikelbild für den Artikel "TEST GEMÜSESÄFTE: SÜSSES ODER SAURES" aus der Ausgabe 2/2018 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 2/2018

ÖKO-TEST RÄT

► Gemüsesaft muss nicht teuer sein. Selbst in Bio-Qualität bekommt man ein „sehr gutes“ und viele „gute“ Produkte zum kleinen Preis.
► Wer Informationen zum Zuckergehalt der unterschiedlichen Sorten sucht, ndet die Angaben in den Nährwerttabellen auf den Packungen.
► Rote-Bete-Saft sollten Sie wegen der Belastung mit Nitrat nicht zu häug trinken. Nutzen Sie stattdessen die Vielfalt der Saftsorten und ...

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► Gemüsesaft muss nicht teuer sein. Selbst in Bio-Qualität bekommt man ein „sehr gutes“ und viele „gute“ Produkte zum kleinen Preis.
► Wer Informationen zum Zuckergehalt der unterschiedlichen Sorten sucht, ndet die Angaben in den Nährwerttabellen auf den Packungen.
► Rote-Bete-Saft sollten Sie wegen der Belastung mit Nitrat nicht zu häug trinken. Nutzen Sie stattdessen die Vielfalt der Saftsorten und probieren Sie auch Mischungen aus.

Morgens ein schnelles Frühstück, einen Coffee to go und mittags zum Dönerstand oder in die Pizzeria. So oder so ähnlich ernähren sich viele Berufstätige. Julian Engels, Betreiber des Getränkeblogs Uniquedrinks sagt: „Meistens ist es doch so, dass die Performance und Konzentration nach einer reichhaltigen Mittagsmahlzeit stark nachlässt.“ Der 25-Jährige aus München, der sich beruflich mit Getränketrends beschäftigt, greift daher gerne einmal zum Gemüsesaft oder zum Gemüsesmoothie – als Ausgleich für die persönliche Kalorienbilanz und um das schlechte Gewissen am Dönerstand zum Schweigen zu bringen. So wie ihm ergehe es vielen, gerade jungen Leuten in seinem Umfeld. „Sie möchten einfache Lösungen und sind bereit, dafür auch etwas mehr Geld zu zahlen.“ Obstsäfte sind für den Jungunternehmer hingegen keine Alternative. Diese enthalten sehr viel Zucker und machen trotzdem nicht satt, glaubt Engels. Und dass zu viel Zucker einigermaßen schädlich sei, habe sich hinlänglich herumgesprochen.

„Gemüsesäfte können von Natur aus viel Zucker enthalten, obwohl sie nicht unbedingt süß schmecken. Auf zusätzliche Süßungsmittel sollten die Hersteller daher unbedingt verzichten.“

Birgit Hinsch, Oecotrophologin und ÖKO-TEST-Redakteurin


Foto: Anja Wägele

Gemüsesäfte treffen den Nerv der Zeit. Der Verzehr der Deutschen liegt mit unter zwei Litern pro Kopf und Jahr zwar noch auf einem niedrigen Niveau – allerdings mit stark steigender Tendenz. Unterstützung erhält der Trend zum Gemüse von kompetenter Seite. Bereits seit den 90er Jahren rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) dazu, mehr Gemüse und Obst zu essen. „Das Gemüse haben wir dabei schon immer an erster Stelle genannt, da es in größerer Menge verzehrt werden sollte“, sagt Antje Gahl von der DGE. Konkret empfiehlt die Organisation mindestens drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag. Eine Portion entspricht in etwa einer Handvoll.


Gemüsesäfte sind kein vollwertiger Ersatz für die täglichen Gemüseportionen – besonders wenn man sie fertig kauft.


Gemüse und Obst versorgen uns mit reichlich Vitaminen und Mineralstoffen sowie sekundären Pflanzenstoffen. Gemüse zeichnet sich zudem dadurch aus, dass es oft mehr Ballaststoffe liefert als Früchte und in der Regel energieärmer ist. In der Gesamtschau kann ein erhöhter Gemüse- und Obstverzehr das Risiko für Herz-Kreislauf- und andere Erkrankungen senken. Das hat eine umfangreiche Auswertung der Datenlage erst kürzlich bestätigt.

Bleibt die Frage, was Säfte zu einer gesunden Ernährung beitragen können. Klar ist, dass durch die Verarbeitung Nährstoffe verloren gehen. Weil Gemüsesäfte in der Regel Direktsäfte sind, ist die Herstellung vergleichsweise schonend. Nach dem Zerkleinern, Pressen und Filtern geht sie aber immer mit einer Pasteurisierung, also einer Erhitzung, zum Haltbarmachen einher. Größere Verluste gibt es daher insbesondere bei hitzeempfindlichen Vitaminen, etwa Vitamin C. Je nach Saftsorte bleiben gut 50 bis 70 Prozent auf der Strecke, während etwa der gemüsetypische Mineralstoff Kalium besser wegkommt und größtenteils erhalten bleibt. Positiver sieht die Bilanz für das orangefarbene Betacarotin etwa in Möhrensaft aus. Es leidet zwar eben falls, ist aber aufgrund der Verarbeitung zu Saft für den Menschen leichter verfügbar. Um die Ballaststoffe steht es hingegen grundsätzlich schlecht: Sie gehen weitgehend verloren.

Gemüsesäfte sind deshalb kein vollwertiger Ersatz für die täglichen Gemüseportionen, insbesondere dann nicht, wenn man sie fertig kauft. In frisch zubereiteten Säften oder Smoothies bleiben deutlich mehr gesunde Inhaltsstoffe erhalten. Nach den Empfehlungen der DGE kann ein Glas Gemüse- oder Obstsaft eine der angeratenen fünf Portionen gelegentlich ersetzen. Wir haben für den Test 20 Möhren-, Rote-Bete- und Sauerkrautsäfte eingekauft und im Labor gründlich untersuchen lassen.

DAS TESTERGEBNIS

Überwiegend grün. So präsentieren sich die meisten Produkte: Insgesamt elf sind „gut“ und drei erreichen sogar die Bestnote. Die übrigen Säfte schneiden mit „befriedigend“ und in einem Fall mit „mangelhaft“ ab. Erfreulich: Alle Produkte sind frei von Pestizidrückständen.
Überraschend süß. Wer hätte das gedacht? Mit bis zu 100 Gramm Zucker pro Liter reichen Gemüsesäfte fast an den Zuckergehalt von Obstsäften heran oder übersteigen ihn sogar. Orangensaft etwa enthält rund 80 Gramm pro Liter. Der Zuckergehalt hängt von der Gemüsesorte ab: Die höchsten Werte fand das beauftragte Labor in den Rote-Bete-Säften und die niedrigsten in den Sauerkrautsäften. Möhrensaft ist mit 70 bis über 80 Gramm fast so zuckerhaltig wie die Säfte aus der Roten Bete.
Überflüssig gesüßt. Gemüsesaft darf gesüßt werden. So steht es in den Leitsätzen für diese Erzeugnisse. Doch nicht alles, was erlaubt ist, ist auch gut. Sieben der acht Möhrensäfte enthalten Honig und das, obwohl Karotten bereits von Natur aus zu den süßer schmeckenden Gemüsen gehören. Eine Erklärung wäre, dass die Hersteller Unterschiede im Zuckergehalt der Ausgangsware ausgleichen wollen. Da viele Menschen Gemüsesäfte aus gesundheitlichen Gründen trinken, ist die zugesetzte Süße jedoch kritisch zu sehen. Laut Deklaration enthalten die Säfte zwei bis drei Prozent Honig. Umgerechnet auf ein Glas mit 250 Millilitern gehen demnach bis zu 7,5 Gramm Zucker allein auf das Konto des Honigzusatzes – und das sind schon mehr als zwei Stück Würfelzucker. Der K-Bio Karottensaft zeigt, dass Möhrensäfte auch ohne Honig auskommen.

Übermäßig salzig. Allen Sauerkrautsäften ist Salz zugesetzt. Beim DmBio Sauerkrautsaft, milchsauer vergoren, Eden Sauerkrautsaft mit Meersalz, Naturland und Grünfink Sauerkrautsaft, milchsauer vergoren ist es mehr als eine Prise. Alle drei Säfte liefern pro 250 Milliliter mehr als zwei Gramm Salz. Das ist reichlich für ein Glas Saft, legt man den Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zugrunde. Die DGE empfiehlt, täglich nicht mehr als sechs Gramm Salz zu verzehren.
Überdurchschnittlich belastet. Rote Bete speichert von Natur aus vergleichsweise viel Nitrat, dementsprechend hohe Gehalte stecken daher auch in den Säften. Als „erhöht“ bewerten wir Gehalte die die akzeptable Aufnahmemenge pro Tag (ADI) zu mindestens der Hälfte ausschöpfen, als „stark erhöht“ sehen wir Gehalte über dem ADI an – jeweils berechnet für einen Erwachsenen von 60 Kilogramm Gewicht und einer täglichen Portion von 250 Milliliter Saft. Experten raten, die Nitrataufnahme zu begrenzen. Der Stoff selbst ist zwar relativ unbedenklich, kann im Körper aber zu Nitrit umgebaut werden, was die Bildung problematischer Nitrosamine begünstigt. Nitrosamine sind im Tierversuch krebserregend. Dass auch Sauerkrautsaft recht viel Nitrat enthalten kann, zeigt das Produkt von Heirler.
Überzeugend im Geschmack. Fast alle Säfte haben den Sensorikexperten geschmeckt. Lediglich im Dennree Rote Bete Saft fanden sie muffige und untypische Noten im Geruch sowie untypische Noten im Geschmack. Die geruchlichen Abweichungen in den Säften von Jacoby und Penny sind nur leicht und führen zu einem „gut“ in der Sensoriknote.
Übersichtlich deklariert. Das trifft auf die meisten Produkte zu. In den Säften von Amecke, Dm und A. Dohrn & A. Timm kann man hingegen leicht übersehen, dass Honig oder Salz zugesetzt sind. Die Hersteller weisen darauf lediglich im Kleingedruckten hin. Ein prominenter Hinweis wäre jedoch sinnvoll, gerade weil man derartige Zusätze in Säften nicht erwartet.


Gemüse liefert mehr gesunde Ballaststoffe und ist in der Regel auch energieärmer als Früchte.


INTERVIEW: EINE WOCHE NUR SAFT UND WASSER

ÖKO-TEST: Im Frühjahr boomen Fastenkuren. Welche Bedeutung haben Säfte?
Michalsen: Das Saftfasten ist die bekannteste Form des klassischen Heilfastens. Menschen, die damit Erfahrungen gemacht haben, beschreiben das Saftfasten als eine besonders bekömmliche und gut umsetzbare Methode.

Wie wirkt Fasten?
Der Haupteffekt geht auf das Nichtessen zurück. Dadurch kommt es zu einem Fettabbau und zu einer hormonellen Umschaltung, um Reserven zu mobilisieren. Diese Vorgänge führen zu einer messbaren Verringerung des Blutdrucks, des Blutzuckers und des Cholesterins, zugleich verbessert sich nach einigen Tagen die Stimmung. Ein Vorteil des Saftfastens ist die kleine Menge an Energie, die zugeführt wird. Sie verhindert einen zu starken Abbau von Protein und damit von Muskelmasse.

Sind die Effekte wissenschaftlich belegt?
Bislang fehlen ausreichend große klinische Studien. Zahlreiche kleinere klinische Untersuchungen kommen aber übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass sich günstige Effekte für das Fasten abzeichnen. Das betrifft vor allem positive Wirkungen bei Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder rheumatoider Arthritis.

Professor Dr. med. Andreas Michalsen ist Chefarzt für Naturheilkunde an der Berliner Charité.


Foto: imago/Rolf Kremming

Wer sollte nicht fasten?
Menschen mit Essstörungen, Gicht, einer nicht eingestellten Schilddrüsenüberfunktion oder Unterernährung sollten nicht fasten. In jedem Fall ist es ratsam, vorab einen Arzt zu befragen. Das gilt besonders für das therapeutische Fasten. In diesem Fall ist eine ärztliche Überwachung ratsam.

SO HABEN WIR GETESTET

Der Einkauf

Aus dem großen Angebot an Gemüsesäften wählten wir reine Möhren-, Rot-ete- und Sauerkrautsäfte aus. Möhren- und Rote-Bete-Säfte gehören zu den beliebtesten Gemüsesäften. Sauerkrautsaft hat wegen seiner verdauungsfördernden Eigenschaften im Frühjahr Saison, wenn viele Menschen ans Entschlacken und Fasten denken. Etliche Hersteller, darunter Supermärkte und Drogerieketten, bieten bereits alle drei Sorten an, viele davon in Bio-Qualität.

Die Inhaltsstoffe

Bevor ein Saft in der Flasche oder im Tetrapak landet, hat er einige Verarbeitungsschritte hinter sich. Dennoch könnten Rückstände von Pestiziden vorhanden sein, auf die wir die Produkte umfangreich prüfen ließen. Weitere Labore untersuchten die Gehalte an Zucker und Säuren sowie den Nitratgehalt, der insbesondere bei Rote Bete hoch sein kann. In Säften, denen die Hersteller Salz zusetzen, haben wir messen lassen, wie viel davon drinsteckt. Möhrensäfte ließen wir auf giftiges Benzol prüfen, das im Zuge der Herstellung entstehen kann.

Die Sensorik

Fünf erfahrene Prüfer beurteilten das Aussehen, den Geruch, den Geschmack und das Mundgefühl der Säfte. Jeder Prüfer bewertete die Säfte zunächst für sich, anschließend erarbeiteten die Experten einen Konsens.

Schmeckt‘s? Sensorikexperten haben überprüft, ob die Säfte aromatisch, arttypisch und fehlerfrei riechen und schmecken.


Foto: Labor

Die Weiteren Mängel

Sind die Produkte so gekennzeichnet, dass Verbraucher alle wesentlichen Informationen auf einen Blick erhalten? Ist die Verpackung ökologisch sinnvoll? Das sahen wir uns genauer an.

Die Bewertung

Für Gemüsesafttrinker sind gesundheitliche Aspekte besonders wichtig. Daher können Möhrensäfte mit Honig und Sauerkrautsäfte mit höheren Salzgehalten bestenfalls mit „gut“ abschneiden. Bei den Rote-Bete-Säften und einem Sauerkrautsaft führen Nitratwerte, die wir als „erhöht“ oder „stark erhöht“ ansehen, zu Abzügen. Drei Produkte stecken in Glas-Einweg-Flaschen, die eine schlechtere Öko-Bilanz aufweisen als Mehrwegflaschen und Kartonverpackungen. Dafür gibt es Abzüge unter den Weiteren Mängeln.