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TEST Gruner Tee: Rot für grün


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2012 vom 27.01.2012

Gruner Tee gilt als gesund und belebend. Aber kann man Gruntee – der meist aus Ostasien kommt – nach der Atomkatastrophe von Fukushima noch trinken? Wir haben festgestellt: Es gibt ganz andere Probleme. Schon aber, dass es auch gute und sehr gute Produkte gibt.


Artikelbild für den Artikel "TEST Gruner Tee: Rot für grün" aus der Ausgabe 2/2012 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 2/2012

Tee geht durch viele Hande, bevor er in der Tasse dampft. Das gilt besonders fur den Grunen. Denn der kommt haufig aus China, einem Land, in dem der Teeanbau – anders als in Indien oder Kenia – traditionell eher kleinteilig ist: Eine Bauernfamilie, die ihr Haus in der Regel mitten in der Farm hat, wirtschaftet fur sich selbst und liefert immer ...

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... wieder kleine Ertrage bei einer Kooperative ab. Die Rechte, ein bestimmtes Stuck Land bewirtschaften zu durfen, werden oft von Generation zu Generation weitervererbt.

Klingt nach Idylle – fur die Importeure kann aber genau das ein gro.es Problem sein. Denn wenn tausend Landwirte an eine Sammelstelle liefern, kann kaum zuruckverfolgt werden, wer geschlampt hat, wenn mit dem Tee etwas nicht stimmt. Zu hohe Pestizidmengen auf einem Feld? In der Mischung geht’s unter! Erfassung der Warenlieferung per Computer? Systematische Pestizidanalysen? Fehlanzeige! Teils arbeite man noch so, wie man es in Deutschland aus den 1950er- und 1960er-Jahren kenne. Das alles erzahlt uns der Mitarbeiter eines gro.en Deutschen Tee-Importeurs, der seinen Namen aber nicht in OKO-TEST lesen will. Denn in der Branche ist man vorsichtig und zuruckhaltend geworden. Besonders wenn es um Pestizidruckstande geht. Die Idealvorstellung des anonymen Importeurs: Es sollen gar keine Pestizidruckstande im Tee sein.

Aber keinen Einsatz von Pestiziden zu verlangen oder zumindest Analysenberichte zu jedem Tee, ware eine Illusion: In einem Markt mit weltweit steigender Nachfra-ge ist kein Handler darauf angewiesen nach Deutschland zu liefern. Importeure aus anderen Landern stellen solche Fragen gar nicht erst. Die Konsequenz des von uns befragten Importeurs: Er hat fast sein komplettes China-Geschaft auf Bio-Ware umgestellt (selbst wenn dieser Tee nachher auch in konventionellen Mischungen verschwindet) und lasst trotzdem jedes Warenmuster in Deutschland erst auf Pestizide testen, bevor die komplette Lieferung bestellt wird. Sicher ist sicher.

Strahlenbelastung? Es gibt drängendere Probleme

Ein ganz neues Ostasien Problem besteht seit vergangenem Fruhjahr: Wie sieht es mit der Radioaktivitat aus? Noch im vergangenen Jahr stammte Japan Tee fast ausnahmslos aus den Ernten vor Fukushima. Jetzt erst gehen die Vorrate langsam, aber sicher zur Neige – und der Tee der Ernte 2011 kommt in die Regale. Kein einfaches Procedere. Denn wer heute Lebensmittel aus Japan in die EU einfuhrt, hat diese erst anzumelden und gegebenenfalls Bescheinigungen vorzulegen. Zusatzliche Kontrollen sollen zudem dafur sorgen, dass keine verstrahlte Ware zu uns kommt. Bei Tee Gschwendner, der neuerdings Japan Tees der neuen Ernte im Sortiment hat, setzt man nach eigenen Angaben auf intensive zusatzliche Analysen, selbst wenn die Tees aus Gegenden im Suden Japans kommen, weitab von Fukushima. Anderswo in der Branche uberlegt man dagegen, ob sich der Handel mit Japan-Tee nach Fukushima uberhaupt noch lohnt, erklart ein Anbieter. Das Hauptproblem sei aber nicht die Strahlung, sondern vielmehr die Pestizidproblematik. Japanische Tees seien hier immer wieder auffallig gewesen.

Ein Verzicht auf Japan-Tee ware ohnehin nur fur Kenner ein Verlust. Den hochpreisigen Grunen aus Japan findet man fast nur im Fachgeschaft. Wir wollten wissen, ob Sie den Tee, den Sie derzeit kaufen konnen, bedenkenlos trinken konnen und haben eingekauft: 22 Gruntees, einige davon auch aromatisiert. In verschiedenen Laboren lie.en wir die Produkte untersuchen – bei Proben, die aus verdachtigen Gegenden kamen oder bei denen keine Herkunft angegeben war, auch auf radioaktive Belastung.

Das Testergebnis

Tee gehört zu den Lebensmitteln, die relativ häufig mit Schadstoffen belastet sind. Nach unserem Test konnen wir einigen wenigen Marken gute Noten attestieren. Bei vier Tees hat es nur fur die Note „ungenugend“ gereicht, der gro.e Rest ist „ausreichend“ oder „befriedigend“.

Im Teeanbau ist der Einsatz von Pestiziden offenbar nach wie vor verbreitet. Als wir im Herbst 2008 Tees untersuchten, sind gleich mehrere Produkte durchgefallen, weil darin Pestizidmengen jenseits der erlaubten Hochstmenge steckten. Auch jetzt haben wir noch bis zu 14 verschiedene Spritzmittel in einem Produkt nachgewiesen. Das ist eindeutig zu viel, auch wenn es sich in den meisten Fallen nur um Spuren handelt. Erhohte Mengen haben wir dagegen in aromatisiertem Tee gefunden – teils liegen sie sogar uber den Werten, die eigentlich derzeit in Tee erlaubt waren. Allerdings gibt es fur aromatisierte Tees keine gesetzlichen Hochstmengen fur das Produkt, sondern nur fur die Zutaten, also etwa fur Zitronenschalen oder Bluten. Da hier die zulassigen Gehalte aber uber denen von Tee liegen konnen, kann es sein, dass in einem aromatisierten Tee dem Gesetz nach viel hohere Pestizidmengen stecken durfen als in einem reinen Tee. Doch ein Teebeutel ist ein Teebeutel – ob aromatisiert oder nicht. Deshalb haben wir uns auch bei aromatisiertem Tee an den gesetzlichen Vorgaben fur nicht aromatisierten Tee orientiert.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Die Testprodukte haben wir sowohl im Lebensmittelhandel als auch in Teegeschaften und im Versandhandel gekauft. Darunter sind auch einige aromatisierte Gruntees, die immer beliebter werden. Bewusst haben wir auch einen japanischen Tee aus der Ernte von 2011 eingekauft – auch wenn dieser zur Zeit des Einkaufs noch selten war.

Die Inhaltsstoff e

Im Tee konnen sich Ruckstande von Pfl anzenschutzmitteln fi nden. Deshalb haben wir in einem darauf spezialisierten Labor in zwei unterschiedlichen Verfahren nach mehr als 400 dieser Stoff e suchen lassen. Diese lassen sich schon in winzigen Mengen nachweisen. Au.erdem lie.en wir nach Ruckstanden radioaktiver Stoff e suchen, die in der Natur nicht vorkommen, sondern nur aus Atomkraftwerken oder auch von Atombombentests stammen konnen. In einem auf Aromenanalysen spezialisierten Labor haben wir bei bestimmten Tees prufen lassen, ob die Aromen wirklich aus den Fruchten stammen, mit denen geworben wird.

Im Labor kommt man kunstlicher Strahlung auf die Spur.


Die Bewertung

Bei Pestiziden gibt es fur uns zwei Orientierungsgro.en: Die eine ist die gesetzlich erlaubte Hochstmenge, die aber auch nur zum Teil ausgeschopft werden sollte. An der Hochstmenge fur nicht aromatisierten Tee haben wir uns ubrigens auch beim aromatisierten Tee orientiert. Denn fur Letzteren gibt es keine klar defi nierte Hochstmenge. Die zweite Orientierungsgro.e ist fur uns die branchenubliche Regel fur Bio-Ware, die nur geringste Ruckstande erlaubt, die etwa aus belasteten Boden kommen konnen.

Tee mit Öl? In 17 Produkten wies das von uns beauftragte Labor Ruckstande von Mineralol nach. Dieses kann sich aus Druckfarben losen, die zum Beispiel in Recyclingkartons stecken. Bei der Frage, was Mineralol im Korper anrichten kann, ist die Forschung aber noch sehr am Anfang. Beim Tee ist es sogar wahrscheinlich, dass nur ein geringer Teil – oder auch gar nichts – in den Tee ubergeht. Trotzdem: Mineralol im Tee ist eine unerwunschte Verunreinigung, die vermeidbar ist, wie mehrere Hersteller zeigen. _ Radioaktive Teilchen: Konnte der Tee nach Fukushima radioaktiv belastet sein? Dies haben wir bei allen Tees, die aus betroffenen Regionen stammen konnten, prufen lassen. Tatsachlich wurden in einigen Proben Spuren von solchen radioaktiven Teilchen gefunden, wie sie nur bei atomarer Kernspaltung entstehen. Dass die Teilchen aus Fukushima stammen, ist damit aber noch nicht gesagt. Viel wahrscheinlicher ist sogar, dass es sich um Uberbleibsel fruherer Atombombentests handelt – eine schwache Hintergrundbelastung kann auch noch nach Jahrzehnten in vielen Regionen der Welt in Lebensmitteln nachweisbar sein. Auf jeden Fall liegen die Mengen in den untersuchten Produkten aber sehr weit unter den Grenzen, ab denen Lebensmittel beanstandet werden.

Aroma aus dem Labor: Wenn ein Tee aromatisiert wird, sollte das mit Fruchtextrakten, Krautern oder Bluten geschehen. Das ist bei den untersuchten Produkten von Alnatura und Schrader (Aromatisierter Gruntee China Mandarin, lose) der Fall. Auf anderen Tees verrat schon die Zutatenliste, dass „naturliches Aroma“ oder schlicht „Aroma“ enthalten ist – also Stoffe aus einer sehr gro.en Gruppe von Substanzen, hinter denen sich zumeist synthetische oder biotechnologisch gewonnene Aromen verstecken, in der Regel aber keine Fruchtauszuge. War dagegen in der Zutatenliste von „naturlichem Zitronenaroma mit anderen naturlichen Aromen“, „Himbeeraroma“ oder Ahnlichem die Rede, haben wir im Labor prufen lassen, was drinsteckt. Das Ergebnis: Es waren jedes Mal auch synthetische bzw. biotechnologisch gewonnene Aromen mit im Tee.

So reagierten die Hersteller

• Gepa suche „mit Nachdruck“ nach der Quelle der Verunreinigung mit Mineralol, um sie schnellstmoglich abzuschalten. Eine Losung konnten Folien aus kompostierbarem Kunststoff sein. Verpackungen mit Aluminiumbedampfung kommen dagegen aus okologischen Grunden nicht infrage. Beunruhigt zeigte sich Gepa auch uber die zwei in Spuren gefundenen Pestizide – die vielleicht aber auch aus dem Teebeutelmaterial kommen konnten. Vorsorglich halte man den Tee im Lager zuruck, bis weitere Analysen vorlagen, erklarte Gepa. _ Alnatura erklarte ebenfalls, man prufe verschiedene Moglichkeiten gegen Mineralolspuren, unter anderem den Einsatz neuer Folien. _ Goldmännchen erklarte, das Produkt Gruner Tee Orange Sahne-Ginkgo werde derzeit auf biologisch erzeugte Zutaten umgestellt. Die neue Bio-Mischung sei „frei oder nahezu frei von Pflanzenschutzmitteln“.

Kompakt

Gesundes Kraut

Dem grunen Tee werden viele Wirkungen nachgesagt: Er soll zum Abnehmen gut sein, dem Herz-Kreislauf-System helfen und sogar Krebs vorbeugen. Der Deutsche Teeverband fuhrt eine ganze Reihe von Studien an, die zeigen sollen, wie gesund Tee ist. Doch was steckt dahinter? Tatsachlich zeigen Studien, dass es positive Effekte gibt. Trotzdem sollte man keine allzu hohen Erwartungen haben. So werden in den Untersuchungen beispielsweise oft hohe Verzehrsmengen vorausgesetzt. Dass die Effekte auch bei Teetrinkern eintreten, die nur gelegentlich eine Tasse trinken, ist damit noch lange nicht gesagt. Auch wenn in der Forschung gezeigt wurde, dass gruner Tee bei der Gewichtsreduzierung hilft, hei.t das nicht, dass die Kilos „von alleine“ purzeln. Tee kann hier hochstens ein Baustein sein, Sport und eine Umstellung auf eine gesunde Ernahrungsweise sind unverzichtbar.

Vom Deutschen Krebsforschungszentrum hei.t es, dass es durchaus deutliche Hinweise gibt, dass gruner Tee der Entstehung bestimmter Krebsarten vorbeugen kann, endgultige Beweise seien dies aber noch nicht. Bedenken solle man auch, dass die Rahmenbedingungen der Studien nicht immer ubertragbar sind: So stammen viele Studien zu grunem Tee aus dem asiatischen Raum, wo grundsatzlich eine andere Lebensweise herrscht. Werden hier positive Effekte festgestellt, kann dies neben dem Tee auch andere Grunde haben, etwa eine andere Ernahrung.

Schadstofffrei ist gruner Tee ohne Frage ein gesundes Getrank. Trotzdem sollte man keine Wunder erwarten.