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TEST Handcremes: Eine Hand pflegt die andere


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 110/2019 vom 24.10.2019

Gute Nachrichten für beanspruchte Hände: Von 50 Handcremes ist die Hälfte „sehr gut“. Doch es gibt auch Enttäuschungen: Namhafte Marken enthalten Problemstoffe, auf die Hände und Umwelt gut verzichten können.


Artikelbild für den Artikel "TEST Handcremes: Eine Hand pflegt die andere" aus der Ausgabe 110/2019 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 110/2019

RATGEBER

1

Finger weg von Cremes mit schlechten Testergebnissen. Es gibt tadellose Alternativen.

2

Wenn die Haut an den Händen dauerhaft schuppt, brennt und rissig ist, konsultieren Sie einen Arzt.

3

Deponieren Sie eine Handcreme in der Schreibtischschublade und in der Handtasche. So können Sie die Hände jederzeit gut versorgen.

Wer sich häufig die Hände waschen muss, hat das ganze Jahr über eine Handcreme ...

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... griffbereit. In der kalten Jahreszeit hilft eine reichhaltige Handpflege jedem. Kälte- und Heizungsluft trocknen die Haut aus. Das ist unangenehm und sieht ungepflegt aus. Außerdem: Wenn die trockene Haut an den Händen rissig wird, gelangen auch leichter Bakterien, Viren und Schadstoffe in den Körper. Handcremes versorgen die Haut mit Fett und Feuchtigkeit. Ärgerlich, wenn die zum Schutz gedachten Cremes selbst problematische Inhaltsstoffe enthalten. Von neun der 50 Handcremes im Test raten wir Ihnen vorsorglich ab: Gesamturteil „mangelhaft“ und „ungenügend“. 25 „sehr gute“ eignen sich dagegen prima als Begleiter für jeden Tag, darunter alle Naturkosmetika. Elf weitere sind immerhin „gut“.

OʼKeeffeʼs Working Hands enttäuscht

Ausgerechnet einige namhafte Handcremes, die sich speziell an Menschen mit empfindlicher, strapazierter Haut richten, enthalten bekannte Problemstoffe und gehören deshalb zu den „mangelhaften“ und „ungenügenden“ Produkten im Test. Den Negativrekord in diesem Test holt ein Produkt, das sogar in Baumärkten zu finden ist. „Für alle, die sich Tag für Tag auf ihre Hände verlassen müssen, stellen wir die besten Hautpflegeprodukte her“, verspricht das Marketing der Handcreme aus den USA. Sorry, but no, sagen unsere Testergebnisse für dieOʼKeeffeʼs Working Hands . Das „hart arbeitende Hautpflegeprodukt“ arbeitet mit Diazolidinyl Urea, einem Konservierungsmittel, das Formaldehyd freisetzen kann. Formaldehyd ist ein krebsverdächtiger Stoff, der schon in geringen Mengen Schleimhäute reizt und Allergien auslösen kann. Über die Atemluft aufgenommen, gilt die Substanz als krebserregend. Der Einsatz von sogenannten Formaldehydabspaltern wie Diazolidinyl Urea ist gesetzlich trotzdem immer noch erlaubt. Wir raten Verbrauchern, einen Bogen um Produkte mit Formaldehyd/-abspaltern zu machen. In derOʼKeeffeʼs Creme w ies das Labor zudem Werte in einer Höhe, nach, wie wir sie in Kosmetiktests nur selten finden.

Unnötige künstliche Zutaten

PEG/PEG-Derivate stecken in acht Handcremes. Wir kritisieren diese Emulgatoren, weil sie die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. In Naturkosmetik dürfen sie nicht eingesetzt werden. Ebenso wenig wie Paraffine und/oder Silikone, mit denen sechs konventionelle Handcremes fetten. Diese Stoffe integrieren sich nicht so gut ins Gleichgewicht der Haut wie natürliche Öle und Fette. Ein weiteres Problem mineralölbasierter Fette und Wachse wie Paraffinum liquidum oder Cera Microcristallina: Sie können mit MOAH verunreinigt sein. Zu den MOAH gehören auch Verbindungen, die unter Verdacht stehen, Krebs zu erregen. In diesem Test waren in den Handcremes vonAtrix ,Dove undNeutrogena MOAH nachweisbar. Um welche Verbindungen es sich genau handelt, lässt sich mit der Untersuchungsmethode nicht sagen. Mit einer Creme ohne MOAH sind Sie in auf der sicheren Seite.

Weiterer Mangel: Plastik in 21 Cremes

Ein Umweltproblem können synthetische Polymere sein. Plastik steckt nämlich nicht nur in der Verpackung, sondern auch den Handcremes selbst. 21 Cremes bekommen dafür Notenabzug unter dem Testergebnis Weitere Mängel. Synthetische Polymere können schwer abbaubar sein und das Abwasser unnötig belasten. Auch wenn die Kläranlage sie erfolgreich herausfiltert, gelangen sie möglicherweise mit dem Klärschlamm auf die Felder und so in die Umwelt.

Gar nicht dufte

Einige Cremes duften mit Lilial. Der Duftstoff hat sich im Tierversuch als fortpflanzungsgefährdend erwiesen. In derMixa Reparierende Handcreme steckt ein allergisierender Duftstoff sowie eine künstlich Moschus-Verbindung. Moschus-Verbindungen können sich im Körper anreichern.

Klare Arbeitsanweisung:

Übrigens: Auf der Verpackung derWorking-Hands -Creme steht: „100-%-Geld-Zurück-Garantie: Wenn Sie mit den Ergebnissen der OʼKeeffeʼs-Produkte nicht völlig zufrieden sind, erstatten wir Ihnen 100 % des Kaufpreises zurück.“ Damit können wir arbeiten.


„Oliven und Kokosnüsse auf Tuben, in denen Fette aus Erdöl stecken oder Silikone – das ist Marketing und hat mit Naturkosmetik nichts zu tun.“


Meike Rix Redakteurin ÖKO-TEST


Womit Handcremes pflegen

1 Glycerin bindet die Feuchtigkeit in der Haut. Es kommt in der Natur als Bestandteil von tierischen und pflanzlichen Fetten und Ölen vor und entsteht vor allem bei deren Verseifung. Glyercin ist Zutat fast aller Handcremes, in Naturkosmetik wie in konventioneller.

2 Pflanzliche Öle versorgen die Haut mit wertvollen Fettsäuren. Essentielle ungesättigte Fettsäuren helfen die Elastizität zu erhalten. Die Position in der Zutatenliste ist ein Anhaltspunkt, ob natürliche Öle wirklich eine wesentliche Rolle in der Rezeptur spielen. In dem Fall tauchen sie auf einem der ersten Ränge nach Wasser auf. In Handcremes häufiger eingesetzte natürliche Öle und Fette (mit den sogenannten Inci-Namen in Klammern) sind: Olivenöl (Olea Europaea Oil), Sojabohnenöl (Glycine Soja Oil), Sheabutter (Butyrospermum Parkii Oil), Kokosnuss- (Cocos Nucifera Oil), Jojoba- (Simmondsia Chinensis Seed Oil), Mandel- (Prunus Amygdalus Dulcis Oil) und Sonnenblumenöl (Helianthus Annuus Seed Oil).

3 Panthenol undAllantoin werden vor allem in konventionellen Handcremes für stark beanspruchte Haut als beruhigende Feuchtigkeitsspender eingesetzt.

4 Für das gute Gefühl , dass die Creme gut einzieht, sorgen gut spreitende Öle. In konventioneller Pflege können das Isopropylverbindungen oder umweltbelastende Silikone sein, in Naturkosmetik zum Beispiel Ethylhexyl-Fettsäureester, Zutaten wie Isoamyl Laurate.

Liebe deine Hände! Damit die Haut im Winter schön und gesund bleibt, braucht sie mehr Zuwendung mit der richtigen Creme.


Die Werbeblüte des Monats

… geht, herzlichen Glückwunsch, an Unilever! DieDove Pflege Geheimnisse Handcreme mit Kokos- und Mandelduft ist „inspiriert von Ritualen indischer Frauen“, was nicht nur der Prosatext auf der Verpackung verkündet. Das Marketing hat sicherheitshalber noch ein Inspiriert-von-Ritualen- indischer-Frauen-Siegel entwickelt und auf die Vorderseite gedruckt. In ihrer Ironiefreiheit finden wir diese Werbung besonders bemerkenswert. Der Kontext Pseudo-Natürlichkeit mit dem großen Bild der frisch geknackten Kokosnuss ist dagegen schon beinahe langweiliger Usus im Kosmetikmarketing. Typischerweise steht die appetitliche natürliche Zutat in der nach Mengenanteilen sortierten kleingedruckten Zutatenliste weiter hinten. Bei derDove -Creme findet man Kokosöl an zwölfter Stelle unter anderem hinter einem Silikon, einem PEG/PEG-Derivat und zwei weiteren synthetischen Polymeren. Das Mandelöl steht noch weiter hinten auf Rang 28.

So haben wir getestet

Weil Handcremes etwas für fast jeden und fast jede sind, haben wir für Sie den großen Rundumschlag gemacht. Unsere Einkäufer haben50 Handcremes eingekauft, im Drogeriemarkt, Supermarkt, Biofachhandel und Reformhaus. Bekannte Marken, Verkaufsschlager, Eigenmarken, kleinere Anbieter und ein Startup sind dabei, Produkte die schnell einziehen, solche, die bereits rissige Hände pflegen sollen, und auch Normalo-Handcremes ohne spezielle Auslobung. Zwölf Cremes sind als Naturkosmetik zertifiziert. 75 Milliliter der günstigsten Eigenmarken kosten 51 Cent, die teuerste Creme kostet fast 34-mal so viel.
Wir haben eineumfangreiche Duftstoffanalyse der parfümierten Kosmetika beauftragt, außerdem haben wir nachkritischen Konservierungsmitteln und möglichenVerunreinigungen suchen lassen.
Sehen wir einen Mangel alsbesonders problematisch an, ziehen wir mehrere Noten ab.

WISSEN: Wohltaten für Hände im Winter

Schädigungen vorbeugen: Schützen Sie die Hände beim Spülen oder Putzen mit Handschuhen.

Sachte waschen: Bei trockener Haut die Hände besser mit pH-neutraler beziehungsweise milder Flüssigseife waschen und lauwarmes statt heißes Wasser nehmen.

Schnelle Handpflege aus der Küche: In die feuchten Hände etwas Bio-Kokosfett oder -Olivenöl einmassieren.

Hände, in die Maske bitte! Die Hände nachts mal mit fettiger Creme dick eincremen und Baumwollhandschuhe (z. B. aus der Apotheke) anziehen.

So reagierten die Hersteller

HerstellerBeiersdorf verweist zum Thema MOAH auf eine Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) von 2018. Gesundheitliche Risiken durch die in Kosmetika eingesetzten Mineralöle seien „nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu erwarten“, so das BfR. Unter anderem seienbisher keine gesundheitlichen Effekte durch die im Kosmetikbereich üblicherweise eingesetzten hochaufgereinigten Öle in Erscheinung getreten. Wir meinen: Mit Cremes ohne Mineralöl gehen Sie auf Nummer sicher.


Fotos: katleho Seisa/getty images; AmaPhoto/Shutterstock

Fotos: Anja Wägele; LightFieldStudios/getty images; imagehub/Shutterstock; ÖKO-TEST Illustration: RealVector/Shutterstock