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TEST Hanfprodukte: Durchgerauscht


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 22.09.2022

RATGEBER

1Zu viel THC, Mineralöl, PAK: Die Hanföle fallen allesamt durch. Wer wegen der hohen Gehalte an Omega-3-Fettsäuren Hanföl kauft, kann stattdessen Leinöl nehmen. Eine ähnliche grüne Farbe wie Hanföl entwickelt Kürbiskernöl.

2Hanfsamen sind gesund und enthalten viele ungesättigte Fettsäuren. Vier Produkte können wir empfehlen – also rein damit ins Müsli.

3Mit Hanfsamen lässt sich auch gut kochen. Leckere Hanfbällchen zum Nachkochen gibt es ab Seite 66.

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Die Nutzhanflobby und der deutsche Rechtsstaat, Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Vor drei Jahren noch waren die Regale deutscher Geschäfte voll mit Hanftees, Blüten, Blätter, es gab alles. Dann kam das Landgericht Braunschweig und zack, verschwanden die Produkte schneller als sie gekommen waren. Denn: Das Landgericht hatte die Inhaber eines Hanfgeschäfts wegen ihres Verkaufs von Hanftees zu Bewährungsstrafen verurteilt – und der ...

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... Bundesgerichtshof bestätigte zumindest den Teil des Urteils, der besagt, dass die Tees unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

In Deutschland dürften sie nur verkauft werden, wenn ein Missbrauch ausgeschlossen werden könne. Denn sie enthalten zwar häufig erhöhte THC-Gehalte, THC (Tetrahydrocannabinol) ist aber wenig wasserlöslich. Vom Tee wird man also nicht high. Nur: Ein Hinweis auf der Verpackung, dass man die Tees nicht backen solle, könnte ja auch im Gegenteil als Rezeptidee verstanden werden. Deswegen ist der Ausschluss von Missbrauch ein eher schwieriger Auftrag.

Hanftees aus Blättern und Blüten sucht man in den Regalen deutscher Supermärkte deswegen inzwischen vergebens. Aber einige Anbieter aus Holland und Österreich etwa, wo der Verkauf legal ist, bieten tatsächlich auch an, die Tees nach Deutschland zu verschicken. Das dürfte allerdings mindestens mal nur so semilegal sein.

Was es aber noch gibt: Tees mit Hanfölgranulat, Hanf-Salatöle und Hanfsamen. Ob die Produkte uns in einen Rausch versetzen können? Wir haben sie weder gebacken noch geraucht (ehrlich nicht), aber ins Labor geschickt. Und wollten wissen: Wie viel THC enthalten sie? Stecken andere Verunreinigungen oder Schadstoffe in ihnen?

Die Salatöle: Durchgerauscht

Eine nussige Note versprechen viele Hanföle auf den Verpackungen. Was dort nicht steht: In fünf Produkten ist der THC-Gehalt deutlich höher, als man erst einmal annehmen sollte. Das Ergebnis überrascht deshalb, weil Hanfsamen, aus denen das Öl gepresst wird, eigentlich kein THC enthalten. Es handelt sich hierbei also um Kontaminationen mit den Blättern oder Blüten der Hanfpflanzen während der Ernte oder der Produktion. Die Mengen machen nicht high. Aber dasBioPlaneteHanfölnativüberschreitet die akute Referenzdosis (ARfD) der europäischen Lebensmittelbehörde Efsa schon bei einem Verzehr von zwei Esslöffeln Öl, vier weitere Produkte schöpfen sie bei derselben geringen Menge schon zu mehr als der Hälfte aus.

„Die teils hohen Gehalte von THC in Salatöl sind schon erstaunlich, da die Samen selbst ja gar kein THC enthalten. Da müssen die Hersteller sauberer arbeiten.“

Vanessa Christa ÖKO-TEST-Projektleiterin

WISSEN

Vielfältige Pflanze

FasernHanffasern werden schon seit Jahrhunderten eingesetzt – etwa für die Herstellung von Segeltuch und Tauen. Heute werden aus den Fasern auch etwa Papier, Textilien und Kunststoffe hergestellt.

SamenHanfsamen enthalten selbst überhaupt kein Tetrahydrocannabinol (THC), dafür viel Eiweiß, Zink, Eisen und Omega-3-Fettsäuren. Aus ihnen wird etwa Hanfmehl oder -öl hergestellt. Wenn die Endprodukte THC-haltig sind, dann handelt es sich um Kontaminationen mit Blättern oder Blüten während der Produktion oder der Ernte.

Blätter und BlütenDas psychoaktive und berauschende THC kommt vor allem in den Blüten und den blütennahen kleinen Blättern der weiblichen Hanfpflanze vor. Nur aus ihnen kann man also Marihuana herstellen. Das Harz aus den Blüten wird gepresst zu Haschisch.

Die ARfD gibt die geschätzte maximale Menge eines Stoffes an, die im Verlauf eines Tages ohne erkennbare körperlichen Auswirkungen mit der Nahrung aufgenommen werden kann. Die möglichen Auswirkungen: Müdigkeit, in erster Linie. Aber: Wir haben für die Berechnungen einen Erwachsenen von 60 Kilo angenommen. Mindestens Kinder und Schwangere sollten die Finger von den Ölen lassen – der Warnhinweis, dass Hanföle nichts für sie sind, fehlt allerdings auf zwei Produkten.

Zu viel THC ist allerdings nicht der einzige Kritikpunkt in den Salatölen, die allesamt durch unseren Test gerauscht sind. Alle (!) enthalten die Mineralölbestandteile MOSH in einer Höhe, die wir als „stark erhöht“ bewerten; imChironKaltgepresstesHanfölstecken sogar die besonders bedenklichen Bestandteile MOAH. Dabei handelt es sich um eine große Gruppe von Stoffen, von denen einige krebserregend sind. MOSH reichern sich im Kör-per an und sind die größte Verunreinigung im menschlichen Körper. Was sie dort anrichten, ist bisher noch völlig unklar.

Im Dennree-Hanföl steckt ein Gehalt an krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen PAK, den wir als „stark erhöht“ bewerten, in drei weiteren Ölen immerhin noch von uns als „erhöht“ eingestufte Gehalte. PAK entstehen bei der unvollständigen Verbrennung organischen Materials, etwa bei der Röstung von Ölsaaten. Sechs Hersteller schaffen es, Öle mit deutlich geringeren Gehalten an PAK herzustellen, die wir als Spuren bewerten. Retten tut sie das allerdings nicht: Wir empfehlen keins der von uns getesteten Produkte.

Die Samen: Besser

Verglichen mit den Ölen schneiden die Hanfsamen geradezu vorbildlich ab. Drei sind „sehr g ut“, ein weiteres Produkt schafft es auf ein „gut“. Und immerhin fällt keins der anderen durch. Wir kritisieren in drei Produkten von uns als „erhöht“ bewertete Verunreinigungen mit den Mineralölbestandteilen MOSH. Und das ProduktHanfNaturBioHanfHanfsamengeschältenthält aus unserer Sicht zu viel THC, die akute Referenzdosis wird schon bei 30 Gramm Samen zu mehr als der Hälfte ausgeschöpft. Hanfsamen gelten unter anderem wegen ihrer hohen Gehalte an Omega-3-Fettsäuren als gesund.

Die Tees: Sauber

Vollkommen sauber sind zwei Teemischungen, die wir ganz legal im Geschäft gekauft haben, weil sie nur ein bisschen Hanfölgranulat enthalten und in erster Linie mit Hanf als Zutat werben. Sie schneiden rundum mit „sehr gut“ ab. THC hat das von uns beauftragte Labor nicht in den Produkten nachgewiesen – was aber auch nur wenig überraschen kann, weil sie in erster Linie aus Kräutern und/oder Gewürzen bestehen und nicht aus Hanf. Aber auch die giftigen Pflanzenstoffe Pyrrolizidinalkaloide, die in Kräutertees häufig ein Problem darstellen, konnte das Labor genauso wenig nachweisen wie Pestizide.

Ob Öle, Samen oder Tees: Legal sind alle Produkte im Test. Derzeit gibt es zwar noch keine Grenzwerte für THC in Lebensmitteln, die EU hat aber welche beschlossen. Sie gelten ab Januar – und alle Produkte im Test halten diese künftigen Grenzwerte ein.

So haben wir getestet

Lebensmittel mit Hanf für den täglichen Gebrauch in der Küche sollten es sein – wir entschieden uns für zehn Salatöle, acht Samen und zwei Tees. Da es Tee aus Hanfblättern oder -blüten legal derzeit in Deutschland nicht gibt, haben wir uns für Bio-Teemischungen mit Hanfsamenölgranulat entschieden. Wir wollten natürlich wissen: Steckt trotzdem THC in den Tees? Zudem hat uns interessiert, ob sie mit Pyrrolizidinalkaloiden verunreinigt sind. Einige Beikräuter, die während der Ernte mit in die Tees gelangen können, enthalten diese natürlichen Pflanzengifte. Ein umfangreiches Pestizidscreening gehörte auch zu den Untersuchungen der Tees. Auch bei den Hanfsamen haben wir nur Bio-Produkte untersucht. Auf der Prüfliste der Labore: Verunreinigungen mit Mineralöl, Schimmelpilzgifte, Pestizide und der THC-Gehalt. Bei den Hanfölen legten wir den Fokus auf Mineralöl, weil die Produkte häufig während der Ernte oder Produktion mit Schmierölen verunreinigt werden. Zudem haben wir mögliche Verunreinigungen mit PAK sowie Rückstände von Pestiziden untersuchen lassen. Und, natürlich: die THC-Gehalte. Anders als bei den in Deutschland inzwischen illegalen Tees aus Hanfblättern handelt es sich bei den THC-Gehalten der Samen und Öle um Verunreinigungen. Denn: Hanfsamen enthalten von Natur aus kein THC.