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TEST Holzlasuren für innen und außen: Schutzlos ausgeliefert


ÖKO-TEST Jahrbuch Bauen & Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 12/2009 vom 09.11.2009

Holzlasuren sollen das Holz schützen. Der Schutz der Verbraucher scheint für die Produzenten aber ein Fremdwort zu sein: Sie werden unzureichend informiert und den vielfältigsten Schadstoffen ausgesetzt. Die gute Nachricht: Produkte auf der Basis von Wasser sind weitgehend empfehlenswert.


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Foto: irisblende.de

Wer sein Holz im Innen- oder Außenbereich mithilfe einer Lasur schützen will, hat die Wahl zwischen wasserbasierten Holzlasuren, die emissionsarm sind und weniger gesundheitliche Risiken bergen und lösemittelbasierten Lasuren, die gut in das Holz eindringen und so besser vor Feuchtigkeit schützen. ...

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Wer sein Holz im Innen- oder Außenbereich mithilfe einer Lasur schützen will, hat die Wahl zwischen wasserbasierten Holzlasuren, die emissionsarm sind und weniger gesundheitliche Risiken bergen und lösemittelbasierten Lasuren, die gut in das Holz eindringen und so besser vor Feuchtigkeit schützen. ÖKO-TEST kaufte insgesamt 20 Produkte ein und ließ Inhaltsstoffe und Deklaration unter die Lupe nehmen.

Das Testergebnis

■ Wasserbasierte Holzlasuren können wir weitgehend empfehlen. Lösemittelhaltige sind dagegen meist mit Schadstoffen belastet. Das ist insbesondere bei einer Anwendung im Innenraum problematisch. Probleme mit der Deklaration haben indes beide Produktgruppen: Die Informationen für den Endverbraucher sind vielfach unzureichend und verschleiernd. Schlimm finden wir auch, dass viele Lasuren für Kinderspielzeug geeignet sein sollen, und das sogar dann, wenn sehr bedenkliche Inhaltsstoffe im Produkt stecken, wie bei derOsmo Einmal-Lasur HS Plus .
■ Flüchtige organische Verbindungen (VOC), also die Stoffe, die nach und nach ausgasen, sind in lösemittelhaltigen Lacken deutlich mehr enthalten als bei wasserbasierten Produkten. Das liegt einfach in der Natur der Sache. Zur Ehrenrettung der Anbieter muss gesagt werden, dass sie – gezwungen durch gesetzliche Grenzwerte – an den Rezepturen gearbeitet haben und jetzt deutlich unter den Vorgaben bleiben. Dennoch liegen die Gehalte weiterhin eindeutig über dem, was der Blaue Engel als emissionsarm definiert. Problematisch sind in erster Linie die aromatischen Kohlenwasserstoffe. Sie können das Nervensystem schädigen und sind teilweise krebsverdächtig. Im Test nachgewiesen wurde auch das besonders gefährliche Benzol, das beim Menschen Krebs auslösen kann.

■ Ein weiteres Problem der lösemittelbasierten Holzlasuren ist das Hautverhinderungsmittel 2-Butanonoxim. Diese Verbindung steht ebenfalls unter Krebsverdacht und kann Allergien auslösen. Lediglich dieLivos Kaldet-Holzlasur kommt in dieser Gruppe oh- ne diesen Gefahrstoff aus. Isothiazolinone, Kobalt und Kobaltverbindungen sowie Acrylate können Allergien auslösen und werden in höheren Konzentrationen von uns abgewertet. Kobaltsalze werden von Naturfarbenherstellern und in lösemittelhaltigen Produkten als Trocknungsmittel eingesetzt. Besondere Vorsicht ist hier beim Abschleifen geboten, denn Kobaltstäube können beim Einatmen sogar Krebs erzeugen. Deshalb fordert ÖKOTEST in diesen Fällen auch den Hinweis, dass eine Schutzmaske zu tragen ist.

Anmerkungen: 1) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. Laut Anbieter ist nur beim 0,375-Liter-Gebinde im Bereich der Deckeldichtung eine PVC-haltige Beschichtung aufgetragen, nicht beim 0,75- Liter-Gebinde. Seit September 2009 fülle man nur noch in PVC-freie Dosen ab. Erkennbar sind die neuen 0,375-Liter-Dosen an einem Deckel, der bündig mit der Dose abschließt. 2) Laut Anbieter wurde das Etikett mittlerweile überarbeitet; es trage nun den Warnhinweis für Kobaltoktoat. 3) Laut Anbieter wurde die Rezeptur mittlerweile leicht verändert und durch einen Regenschutz (Aquastop) ergänzt. 4) Laut Anbieter ist auf Anfrage und im Internet eine Volldeklaration erhältlich. 5) Laut Anbieter wurde das Etikett mittlerweile überarbeitet. 6) Das Etikett nennt als Hersteller ICI Paints Deco. Laut Anbieter firmiert die Firma jedoch seit Juli 2008 unter Akzo Nobel Deco. Das Etikett werde bei nächster Gelegenheit geändert. 7) Laut Etikett werden auch chlorierte Isothiazolinone (MCI) als Konservierungsmittel eingesetzt; das von uns beauftragte Labor konnte sie jedoch nicht nachweisen. 8) Laut Anbieter wurde Anfang 2009 die Rezeptur verändert; es werde ein anderer Kobalttrockenstoff eingesetzt mit einer Einsatzmenge von 0,099 Prozent bezogen auf die Gesamtrezeptur, auch der VOC-Gehalt sei deutlich gesenkt worden. 9) Laut Anbieter handelt es sich bei den Inhaltsstoffangaben auf dem Technischen Merkblatt um eine Volldeklaration. 10) Sicherheitshinweise unvollständig. 11) Flüchtige organische Verbindungen (VOC). 12) Laut Anbieter wird das Produkt seit Mitte 2008 ohne den Zusatz von Boraten hergestellt. Das Etikett sei deshalb nicht mehr aktuell und werde bei einer Neuauflage geändert. Auf der Homepage befinde sich die aktuelle Deklaration. 13) Laut Anbieter wird ein spezieller Kobaltkomplex mit einer Konzentration von 0,09 Prozent eingesetzt; darüber hinausgehende Kobaltanteile kämen möglicherweise aus Pigmenten oder anderen Füllstoffen. 14) Laut Deklaration geprüft nach DIN 53160 (Schweiß- und Speichelechtheit) und DIN EN 71, Teil 3 (Spielzeugnorm, Migration bestimmter Elemente). 15) Benzol. 16) Aromaten stark erhöht. 17) Aromaten erhöht. 18) Naphthalin. 19) Flüchtige Acrylate. 20) Problematische Glykole. 21) 2-Butanonoxim stark erhöht. 22) 2-Butanonoxim erhöht. 23) Kobalt. 24) Isothiazolinone erhöht. 25) Keine Angabe von Inhaltsstoffen auf dem Etikett, sondern nur im Technischen Merkblatt. 26) Keine Angabe zu Konservierungsmitteln bzw. nur lediglich der Begriff „Konservierungsmittel“. 27) Unpräzise Nennung des Konservierungsstoffs mit dem Begriff „Isothiazolinon“. 28) Unpräzise Nennung des Konservierungsstoffs mit dem Begriff „Konservierungsmittel“ gekoppelt mit einemHinweis auf eine Hotline für Isothiazolinon-Allergiker. 29) Keine Angabe einer Hotline für Isothiazolinon-Allergiker. 30) Keine Angaben von Schutzmaßnahmen (Staubmaske), wenn bei kobalthaltigen Lasuren ein Zwischenschliff oder ein Abschleifen bei Nachbehandlung empfohlen wird. 31) Kein Warnhinweis Kobaltsalze. 32) Kein Warnhinweis Holzöl. 33) Deklaration als „lösemittelarm“ unangemessen. 34) Gefahrensymbol reizend für Holzöl und R43 fehlen. 35) Angabe von Konservierungsstoffen nur im Technischen Merkblatt (BIT/MIT).

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Testergebnis Inhaltsstoffe: Zur Abwertung um drei Noten führt: ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg 2-Butanonoxim. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg aromatische Kohlenwasserstoffen (Aromaten); b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 mg/kg 2-Butanonoxim. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) in der Summe mehr als 100.000 mg/kg flüchtige organische Verbindungen (VOC), wenn nicht schon ein stark erhöhter Gehalt von aromatischen Kohlenwasserstoffen abgewertet wurde; b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 mg/kg aromatische Kohlenwasserstoffen, wenn nicht schon VOC abgewertet wurden; c) mehr als 2 bis 10 mg/kg Benzol, wenn nicht schon VOC abgewertet wurden; d) mehr als 10 bis 100 mg/kg Naphthalin, wenn nicht schon aromatische Kohlenwasserstoffe/VOC abgewertet wurden; e) mehr als 1.000 mg/kg problematische Glykole (Ethylenglykole), wenn nicht schon VOC abgewertet wurden; f) mehr als 100 mg/kg flüchtige Acrylate; g) mehr als 100 mg/kg Kobalt; h) mehr als 200 mg/kg Isothiazolinone.
Testergebnis Deklaration: Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein fehlendes Gefahrensymbol reizend (im Falle von mehr als 1 Prozent Holzöl) mit dem Satz: Enthält Holzöl – Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich (R43); b) eine Deklaration „lösemittelarm“ trotz eines VOC-Gehalts von mehr als 10 Prozent = 100.000 mg/kg; c) keine Angabe von Schutzmaßnahmen (Staubmaske), wenn bei kobalthaltigen Lasuren ein Zwischenschliff oder ein Anschleifen bei Nachbehandlung empfohlen wird; d) keine Angaben zu Konservierungsstoffen bzw. lediglich der Begriff „Konservierungsmittel“. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) kein Warnhinweis „Enthält Holzöl – kann allergische Reaktionen auslösen“ bei einem Gehalt von über 0,1 bis 1 Prozent Holzöl; b) kein Warnhinweis „Enthält Kobalt … (Name des Stoffes) – kann allergische Reaktionen auslösen“ bei einem Gehalt von über 0,1 bis 1 Prozent Kobaltsikkative, wenn nicht schon fehlende Angaben von Schutzmaßnahmen bei kobalthaltigen Lacken abgewertet wurden; c) keine Angabe von Inhaltsstoffen auf dem Etikett, sondern nur im Technischen Merkblatt; d) eine unpräzise Nennung des Konservierungsstoffs mit dem Begriff „Isothiazolinon“; e) eine unpräzise Nennung des Konservierungsstoffs mit dem Begriff „Konservierungsmittel“ gekoppelt mit Hinweis auf eine Hotline für Isothiazolinonallergiker; f) keine Angabe einer Hotline für Isothiazolinonallergiker, falls Isothiazolinone enthalten; g) unvollständige Sicherheitshinweise bei gefährlichen Zubereitungen mit Gefahrensymbol (S2 und/oder S46 fehlen); h) keine Angabe von Konservierungsstoffen auf dem Etikett, sondern nur im Technischen Merkblatt.

Testergebnis Weitere Mängel: Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/ PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung.
In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 70 Prozent und das Testergebnis Deklaration zu 30 Prozent ein. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Deklaration oder Inhaltsstoffe um eine Stufe.
Testmethoden: Isothiazolinone: Homogenisieren des Probenmaterials; Extraktion mit Acetonitril im Ultraschallbad; Filtration des Extrakts durch Membranfilter; Trennung, Identifizierung und Quantifizierung mittels HPLC/DAD bei unterschiedlichen Wellenlängen. Schwermetalle: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Elementbestimmung mittels ICP-MS. 2-Butanonoxim (falls nicht deklariert): LC/MS nach Extraktion mit Methanol. Flüchtige organische Verbindungen (VOC): GC/MS nach Extraktion mit Dichlormethan/Methanol; alle nicht näher identifizierbaren Verbindungen wurden als Toluol-Äquivalent berechnet. Dichte: Wägung eines auf 20 °C temperierten definierten Volumens. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse.Preisberechnung basiert auf den Gebindegrößen zwischen 375 und 2.500 Millilitern und der durchschnittlichen, vom Hersteller angegebenen Reichweite.

Erstveröffentlichung: ÖKO-TEST-Magazin 4/2009. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/ zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Unsere Empfehlungen

■ Lösemittelbasierte Lasuren belasten beim Trocknen die Raumluft sehr stark. Im Innenbereich deshalb wasserbasierte Produkte verwenden. In jedem Fall beim Verstreichen und Trocknen kräftig lüften.
■ Beim Abschleifen von Holz unbedingt eine Staubmaske tragen, denn der Holzstaub kann Krebs erzeugen. Das gilt auch für Kobalt und Kobaltsalze, die in etlichen Produkten enthalten sind.
■ Allergiker sollten auf jeden Fall die Deklaration prüfen. Vor einer großflächigen Anwendung eventuell kleine Musterflächen anfertigen lassen, um zu prüfen, ob man mit einem bestimmten Produkt klarkommt. Das Anstreichen übernehmen am besten andere Personen.