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TEST Honig: Dreck im Langnese-Honig


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 20.10.2022

RATGEBER

1 Gegen ein Löffelchen Honig aufs Brot spricht hier nichts: Acht „sehr gute“ Honige im Test haben eine tadellose Qualität und kommen ohne Schmutzoder Pestizidrückstände aus.

2 Honig enthält in erster Linie Zucker und sollte wie dieser auch nur in Maßen genossen werden. Kinder im ersten Lebensjahr sollen gar keinen Honig essen.

3 Honig möglichst dunkel, kühl und gut verschlossenlagern, dann bleiben wertvolle Begleitstoffe länger erhalten. Optimal sind 15 bis 18 Grad.

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Dreck? Genau. Alles Mögliche haben wir erwartet, als wir die Honiggläser in die Speziallabore schickten. Nur das nicht: Der Langnese Flotte Biene Bio-Blütenhonig enthalte „starke Verunreinigungen“, schreibt das Labor. Unter dem Mikroskop hatte sich ein „bräunlicher Untergrund“ gezeigt. Oha. Honig – ein reines Naturprodukt? Leider ist das nicht garantiert, wie auch die übrigen Ergebnisse zeigen: Wir haben Zuckersirup ...

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... gefunden, Pestizidrückstände und genveränderte Pollen.

Aber auch viele Honige, in denen wirklich nichts anderes drin ist als Honig. Von 19 getesteten Produkten sind acht „sehr gut“ und drei „gut“ – alle in Bio-Qualität. Sechs Honige fallen aber mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch, auch darunter welche mit Bio-Siegel.

Aber noch mal zurück zum Dreck. Dass im Honig Pflanzenfasern und Bienenhaare drin sind, ist normal. Schließlich geht es hoch her im Bienenstock, wenn die Stockbienen den entstehenden Honig mehrfach über ihren Rüssel aufsaugen, wieder ablassen oder mit ihren Flügeln für schnelleres Eindicken sorgen. Unser Labor fand im Produkt von Langnese aber Mengen an Schmutz, die das gewöhnliche Maß deutlich übersteigen. Langnese schreibt uns, dass die Lieferanten oftmals keine aufwendigen Einrichtungen zum Sieben des Honigs hätten, und verweist auf die begrenzten Maschengrößen, die man für das Sieben einsetzen dürfe. Doch aus unserer Sicht ist völlig unklar, an welcher Stelle in der Produktion der Dreck in den Honig gelangt. Klar ist: Es geht auch besser. Die übrigen Honige im Test sind sauberer.

Zuckersirup im Honig ist verboten

Laut Gesetz dürfen Imker und Produzenten dem Honig weder Zusatzstoffe noch andere Zutaten zusetzen. Also natürlich auch keinen stinknormalen Zucker. Oder Zuckersirup. Genau den hat das beauftragte Labor aber in zwei Honigen gefunden: Im Dennree Blüten Honig und im Rapshonig der hessischen Imkerei Högler. Letzterer darf das Markenzeichen Echter Deutscher Honig mit den strengen Qualitätskriterien des Deutschen Imkerbunds tragen. Ein Bio-Honig und ein „echtes“ deutsches Qualitätsprodukt mit Zuckersirup?

Wir haben die Produkte im Test auf Fremdzucker und Zuckersirup prüfen lassen, weil Honig zu den meistgefälschten Lebensmitteln überhaupt gehört. Honig ist teuer, Zuckersirup ist billig. Fälschungen sind ein Riesengeschäft.

Fälschungen im Honig nachzuweisen, ist nicht einfach. Schließlich besteht Honig selbst zu knapp drei Vierteln aus den Einfachzuckern Glukose und Fruktose, die auch im Zuckersirup drin sind. Zwischen Fälschern und Laboren ist es ein Spiel wie zwischen Katz und Maus: Die Labore entwickeln ständig neue Analysemethoden, um den Fälschern auf die Spur zu kommen. Und die Fälscher finden neue Tricks, diese zu umgehen. Wir haben das große Besteck herausgeholt und die wichtigsten und aktuellsten Methoden zur Authentizitätsprüfung anwenden lassen. Angeschlagen hat eine relativ neue Methode, mit der das beauftrage Labor in den besagten Produkten sogenannte Sirupmarker nachweisen konnte: Das sind Verbindungen, die nur in Sirup vorkommen, nicht aber in Honig.

„Gleich zwei bienengiftige Pestizide – ausgerechnet im Honig! Absurder geht’s nicht.”

Heike Baier ÖKO-TEST-Redakteurin

TIPPS

Was macht Bio-Honig aus?

Ohne Pestizide? Erfreulich, dass wir in keinem der Bio-Honige im Test Pestizide gefunden haben. Denn: ein Bio-Imker kann seiner Biene nicht vorschreiben, nur ungespritzte Blüten anzufliegen. Bio-Imker sind allerdings angehalten, gewisse Vorkehrungen zu treffen, um ihren Bienen nur Bio-Nektar anzubieten. Zum Beispiel sollen sie ihre Bienenstöcke so aufstellen, dass eine Distanz von drei Kilometern zu konventionell bewirtschafteten Feldern und Industriebetrieben besteht. Im eng besiedelten Deutschland und Europas eine Herausforderung. Gute Absprachen mit den Landwirten und strenge Warenkontrollen bringen zusätzlich Sicherheit.

In der Haltung steckt viel Bio Was die Bienen-Haltung angeht, gelten für Bio-imker strenge Vorschriften. Wenn der Imker zur Überwinterung mit Zuckerwasser oder Sirup zufüttert, müssen diese aus biologischem Anbau stammen. Die Flügel der Bienenkönigin zu beschneiden ist tabu, ebenso wie synthetische Materialien für die Bienenstöcke. Schädlinge wie die Varroamilbe dürfen nur mit organischen Säuren wie Ameisen-, Milch- und Oxalsäure oder ätherischen Ölen behandelt werden.

Honig, der nicht Honig heißen dürfte

Für Zuckersirup im Honig gibt es zwei mögliche Erklärungen. Die eine: Es wurde gefälscht, und die Honige wurden tatsächlich mit Zuckersirup gestreckt. Die andere: Es wurde geschlampt, und der Sirup stammt aus der Zufütterung der Bienen mit Zucker oder Sirup. Wenn der Imker nicht ganz sauber arbeitet, können nach der Zufütterung zumindest Spuren in den Honig gelangen. Komplett ausschließen können wir weder Schlamperei noch Fälschung. So oder so: Unter dem Namen Honig hätte keines der beiden Produkte verkauft werden dürfen.

Zu wenig Akazie

Unstimmigkeiten gibt es auch bei einem der getesteten „Akazienhonige“: Honige dürfen sich Akazienhonig nennen, wenn mindestens 20 Prozent ihrer Pollen von der Pflanze stammen. Das ist wenig genug. Der Breitsamer Bio Akazien Honig aus Deutschland enthält allerdings nur fünf Prozent. Das finden wir dann doch ganz schön frech. Zumal er mit 12,68 Euro pro Pfund den weitaus höchsten Preis aufruft.

Gentechnik und Spritzgifte

Im Jeden Tag Blütenhonig cremig hat das beauftragte Labor Pollen mehrerer gentechnisch veränderter Pflanzen, darunter Soja, analysiert. Verbraucherinnen und Verbraucher, die genveränderte Bestandteile meiden möchten, haben ohne Laboranalysen keine Chance. Denn die Anbieter müssen genveränderte Inhaltsstoffe erst ab einem Gehalt von 0,9 Prozent auf der Verpackung kennzeichnen.

Spritzgifte fanden sich lediglich in einem konventionellen Produkt, dem Glück Honig aus Rapsblüten. Dafür aber gleich dreifach: Das vermutlich reproduktionstoxische Spritzgift Carbendazim nur in Spuren, die Pestizide Acetamiprid und Thiacloprid jedoch in einem Gehalt, den wir als „erhöht“ einordnen. Letztere gehören zur Gruppe der Neonicotinoide, die das Nervensystem der Bienen schädigen und ihren Orientierungssinn stören können. Thiacloprid steht laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) in Verdachtdie Fruchtbarkeit zu schädigen und ist als „vermutlich krebserregend“ eingestuft. Seit 2021 ist das Mittel in der EU nicht mehr zugelassen. Der Glück Honig kostet 8,31 Euro pro Pfund – ein stolzer Preis für ein in unseren Augen „ungenügendes“ Produkt. Positiv: In keinem der 16 Bio-Honige haben wir Pestizide auch nur in Spuren gefunden.

Qualität geht klar

Erfreulich auch: Die Qualität der Honige geht im Großen und Ganzen in Ordnung. Fünf Honige kritisieren wir wegen leichter Mängel in der Naturbelassenheit, etwa wegen eines niedrigen Gehalts des hitzeempfindlichen Enzyms Saccharase oder eines etwas höheren Wertes an Hydroxymethylfural (HMF), das bei längerer Erwärmung oder schlechter Lagerung entsteht. In diesem Punkt überzeugt der „Echte Deutsche Honig“ dann doch: Seine Saccharaseaktivität ist die mit Abstand höchste im Test.

TEST Wir haben getestet

So haben wir getestet

In unserem Einkaufskorb landeten vor allem Bio-Blütenhonige, einige davon sind konkrete Sortenhonige wie Akazien- oder Rapshonig. Akazienhonig ist natürlicherweise klar und flüssig, bei allen anderen griffen wir zur cremigen Version. Gab es von einer bekannten Marke keine Bio-Variante, wählten wir die konventionelle. Die Preise für 500 Gramm Honig rangieren zwischen 2,99 und 12,68 Euro. Für die Untersuchung im Labor wählten wir ein sehr umfassendes Analyseprogramm. Dieses beschäftigte sich neben den üblichen Handelsparametern wie pH-Wert, freien Säuren und Enzymaktivitäten ausgiebig mit der Authentizität von Honig. Eine große Rolle spielt hier die Pollenanalyse inklusive Herkunfts- und Sortenbestimmung, aber auch der unerlaubte Zusatz von Fremdzucker. Daher erfolgte nicht nur die Standardanalyse des Zuckerspektrums, sondern noch drei weitere aufwendige Analysen: Die 13C-Isotopenanalyse, eine NMR-Profilierung und die Untersuchung auf Sirupzugabe mittels LC-HRMS. Das beauftragte Labor untersuchte zudem den HMF-Gehalt, die Saccharaseaktivität, sowie die Diastaseaktivität und den Wassergehalt. Diese Gehalte können Aufschluss über eine Erhitzung oder Lagerschäden geben und sind Indikatoren für die Naturbelassenheit des Honigs. In einem naturbelassenen Honig sollten auch möglichst keine oder nur sehr wenige Rückstände und Kontaminanten zu finden sein. Wir ließen alle Produkte auf Rückstände von Pestiziden inklusive Glyphosat analysieren. Außerdem auf dem Untersuchungsprogramm: Pyrrolizidinalkaloide – das sind Gifte, die Pflanzen selbst produzieren –, das Bienenarzneimittel Chloramphenicol und Bestandteile gentechnisch veränderter Plfanzen.