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TEST Intimwaschlotionen: Trügerisch frisch


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 26.08.2021

RATGEBER

1 Zwei „sehr gute“ und sechs „gute“ Intimwaschlotionen können wir für eine sanfte Reinigung empfehlen.

2 Klares Wasser ist völlig ausreichend zur Reinigung des Intimbereiches. Verwenden Sie eine Waschlotion deshalb besser nur ausnahmsweise.

3 Jucken, Brennen oder unangenehme Gerüche können ein Zeichen für eine Infektion sein. Sie sollten nicht weggewaschen, sondern besser ärztlich abgeklärt werden.

Artikelbild für den Artikel "TEST Intimwaschlotionen: Trügerisch frisch" aus der Ausgabe 9/2021 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Gynäkologen sagen es ganz klar: Für die tägliche Reinigung des Intimbereiches ist pures Wasser das Beste. Denn es stört das natürliche Scheidenmilieu am wenigsten. Ist alles im Gleichgewicht, hält das Milieu schädliche Bakterien und Gerüche ganz gut unter Kontrolle. Wenn frau aber dennoch das Bedürfnis nach einer etwas gründlicheren Reinigung hat, zum Beispiel nach dem Sport, dann kann eine Intimwaschlotion gegenüber einem gewöhnlichen Duschgel die bessere Wahl sein. Allerdings nur unte der ...

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... Voraussetzung, dass sie gut gemacht ist. Im Idealfall reinigt eine Intimwaschlotion besonders mild und unterstützt zudem den sauren pH-Wert der Scheidenflora. Alle 20 Intimwaschlotionen in unserem Test werben genau damit, manche sind als „sensitiv“ ausgelobt. Doch halten sie dieses Versprechen auch?

Von wegen „sensitiv“

Wirklich „sensitiv" oder besonder sanft sind nach unseren Maßstäben die wenigsten Produkte. Komplett einverstanden sind wir nur mit zwei „sehr guten“ Intimwaschlotionen, sechs sind immerhin noch „gut“. Von den drei „ungenügenden“ Schlusslichtern stammen zwei aus der Apotheke: die Sagella pH 3,5 Waschlotion für die Pflege des Intimbereichs und die Kade Femin Intimwaschlotion. Beschämend.

Die Sagella-Waschlotion gibt sich seriös: „Ein bis zwei Mal täglich“ angewendet, soll sie „befeuchtend und abschwellend“ wirken, schreibt der Anbieter auf der Verpackung. Allerdings enthält das Produkt Formaldehyd/-abspalter. Und Formaldehyd reizt schon in geringen Mengen die Schleimhäute.

Duftstoffe unerwünscht

Und damit nicht genug: In der Sagella-Intimwaschlotion steckt zudem der synthetische Duftstoff Lilial. Diese Verbindung ist seit Mai 2020 im EU-Recht als „wahrscheinlich reproduktionstoxisch“ eingestuft und wird voraussichtlich von März 2022 an in Kosmetik verboten sein. Überhaupt: Duftstoffe. In unseren Augen sind sie in Intimwaschlotionen grundsätzlich fehl am Platz, die dünne Haut der inneren Vulva sollten Frauen nicht damit belasten. Denn sie gaukeln allenfalls eine trügerische Frische vor. Deshalb gibt es bei diesem Test auch Punktabzug, sobald Parfüm oder ätherische Öle in den Produkten enthalten sind.

„Parfüm auf der hauchdünnen Scheidenhaut? Pfui. Die Hersteller der Intimwaschlotionen müssten es besser wissen.“

Heike Baier ÖKO-TEST-Redakteurin

WISSEN

Sauer hält sauber

Vulva und Vagina sind ein selbstreinigendes System – und ihr leicht saurer pH-Wert ist Teil dieses Prinzips. Denn in der gesunden Scheidenflora überwiegen verschiedene Arten von „guten“ Milchsäurebakterien, die dafür sorgen, dass schädliche Keime nicht die Oberhand gewinnen. Unter dem Einfluss von Östrogen verstoffwechseln die Bakterien Glykogen zu Milchsäure und produzieren auf diese Weise den sauren pH-Wert des Scheidenmilieus: Bei einer Frau vor der Menopause liegt er in der Vagina zwischen 3,8 und 4,5 und auf der Vulva etwas darüber – ein saurer Bereich, in dem sich die meisten Bakterien und auch Pilze nicht wohlfühlen. Und der sogar unangenehme Gerüche in Schach hält. Die beste Hygiene ist also, diese Mikroflora möglichst wenig zu stören. „Ein Problem bei der Verwendung von Seife und Duschgel ist aber auch, dass dadurch die schützenden Fettsäuren der Haut ausgewaschen werden“, sagt Christian Albring, Gynäkologe und Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte. „Das kann auch mit Reinigungsmitteln mit einem sauren pH passieren.“

Ab der Menopause sinkt der Östrogenspiegel und der pH-Wert steigt Richtung 7. Es sollte deshalb erst recht kein Waschgel angewandt werden, rät Albring.

Erschreckend: Nur drei Waschlotionen sind überhaupt parfümfrei. Noch erschreckender: In den Produkten der Marken Kade und Vionell steckt der künstliche Moschusduft Galaxolid. Galaxolid gelangt über die Haut in den Organismus des Menschen und reichert sich dort im Fettgewebe an. Der Stoff baut sich sehr schwer wieder ab und ist deshalb inzwischen nicht nur in der Muttermilch zu finden, sondern auch in Flüssen, Seen und deren Organismen. Die Duftstoffe Farnesol und Citronellol werten wir zwar nicht zusätzlich ab, wir führen sie aber in der Tabelle auf, damit empfindliche Frauen Produkte mit diesen Allergenen meiden können.

Allergien auslösen können übrigens auch manche Stoffe aus der großen Gruppe der halogenorganischen Verbindungen, die das Labor in zwei Waschlotionen nachwies.

Tenside können Selbstschutz stören

Nahezu alle Produkte im Test sind laut Verpackung für die tägliche Reinigung ausgelobt. Das kann man an sich schon kritisch sehen, denn es widerspricht medizinischem Rat (siehe dazu Seite 82). Umso wichtiger aber ist es, dass die Hersteller mit waschaktiven Substanzen arbeiten, die die Scheidenhaut nicht reizen und so wenig wie möglich der Fettsäuren herauswaschen, die sie vor dem Austrocknen schützen. Vorbildlich sind hier Zuckertenside, wie sie die beiden „sehr guten“ Marken Jessa und Natuvell hauptsächlich verwenden. Sehr viel aggressiver reinigt dagegen das Tensid Sodium Laureth Sulfate (SLES), das bei einigen Herstellern gleich an oberster Stelle der Zutatenliste steht. Es gilt als hautreizend und gehört zur Gruppe der PEG/PEG-Derivate, von denen einige die Haut durchlässiger machen können für Fremdstoffe. Das braucht keine Frau auf der Haut der Vulva, wo die schützende Hornhautbarriere teilweise nur hauchdünn ist. Die Hälfte aller Produkte enthält jedoch PEG/PEG-Derivate.

pH-Wert: Alles im sauren Bereich

Ein wichtiges Verkaufsargument der Hersteller von Intimwaschlotionen: Deren pH-Wert ist – meist mithilfe von Milchsäure – auf das leicht saure Scheidenmilieu eingestellt, das in der Vagina zwischen 3,8 und 4,5 liegt und auf der Vulva nach außen weniger sauer wird, bis knapp über 5. „Nach dem Waschen kann es Stunden dauern, bis der gesunde pH-Wert der Haut wieder hergestellt ist und in dieser Zeit haben es Keime einfacher zu überleben", sagt uns der Hannoveraner Gynäkologe Christian Albring. Ein dem Scheidenmilieu angepasster pH-Wert macht deshalb Sinn. Wir haben die pH-Werte überprüfen lassen und festgestellt: Alle Hersteller machen korrekte Angaben. Die sauren pH-Werte der Waschlotionen reichen von 3,5 bis 5,2.

Wir haben 20 Intimwaschlotionen eingekauft, die als „sensitiv“ ausgelobt sind oder mit einer sanften oder milden Reinigung werben. Darunter Eigenmarken aus Supermärkten, Discountern und Drogerien sowie aus Apotheken. Als Naturkosmetik sind zwei Produkte zertifiziert. Bezahlt haben wir für 200 Milliliter Inhalt zwischen 1,17 Euro und stolzen 23,90 Euro.

Die von uns beauftragten Labore analysierten die Waschlotionen auf Duftstoffe, umstrittene halogenorganische Verbindungen und bedenkliche Formaldehyd/- ab spalter. In der Liste der Inhaltsstoffe (kurz INCI) schauten wir, ob die Waschlotionen Paraffine, Silikone und andere synthetische Polymere enthalten. Ein weiteres Labor prüfte die Verpackungen auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen. Auch die pH-Werte der Produkte ließen wir messen und verglichen sie mit den Angaben auf der Verpackung.

Eine „sehr gute“ Intimwaschlotion kommt ohne Substanzen aus, die für die Gesundheit bedenklich sein können.