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TEST: Kaffee: Wer handelt fair?


ÖKO-TEST Ratgeber Essen und Trinken - epaper ⋅ Ausgabe 95/2013 vom 17.05.2013

Halten die aufgedruckten Label und Auslobungen zum fairen Handel, was sie versprechen? Wir nahmen 23 Röstkaffees unter die Lupe und schickten sie selbstverständlich auch zur Schadstoffuntersuchung. Rundum empfehlen können wir nur sieben Marken.


Artikelbild für den Artikel "TEST: Kaffee: Wer handelt fair?" aus der Ausgabe 95/2013 von ÖKO-TEST Ratgeber Essen und Trinken. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: TransFair e.V./Christian Nusch

Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Gut 150 Liter trinkt jeder im Durchschnitt pro Jahr, mehr als Mineralwasser oder Bier. Meist wird Kaffee der Sorte Arabica getrunken – wegen seines feineren und milden Aromas. Robusta, die zweite bedeutende Kaffeesorte, schmeckt deutlich bitterer und derber. Arabica-Pflanzen ...

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... gedeihen am besten in höheren Lagen von 1.000 bis 2.000 Metern – im Unterschied zu Robustakaffee, der das tropische Tiefland bis 700 Meter bevorzugt. Hochwertiger Kaffee wird von Hand gepflückt, teilweise wird auch mit Maschinen geerntet.

Zur eigentlichen Kaffeebohne, wie wir sie kennen, wird der aus den Erzeugerländern importierte Rohkaffee erst durch das Rösten. Dies geschieht in großen Trommeln bei über 200 Grad. Dabei zerfallen die Kohlenhydrate und Eiweiße und es bilden sich die typischen Röstaromen. Allerdings entstehen auch unerwünschte Stoffe, vor allem die krebsverdächtigen Substanzen Acrylamid und Furan. Weil Kaffee in der Regel täglich konsumiert wird, trägt er entscheidend zur Aufnahme dieser Substanzen bei. Umso wichtiger, dass die Gehalte so niedrig wie möglich sind. Im Rahmen eines behördlichen Minimierungsprogramms konnten in den vergangenen Jahren zumindest die Acrylamidwerte gesenkt werden.

Ob das noch immer so ist, sollte der aktuelle Test von 23 Röstkaffees zeigen. Außerdem wollten wir wissen, inwieweit aufgedruckte Label und Auslobungen mit grundlegenden Kriterien des fairen Handels übereinstimmen.

Das Testergebnis

■ Wer „sehr guten“ und „guten“ Kaffee sucht, kann unter acht Bio-Marken wählen. Die übrigen fallen „befriedigend“ oder sogar nur „mangelhaft“ aus, davon viele konventionell hergestellte Kaffees.
■ In sechs Kaffees fand das beauftragte Labor Gehalte über dem zuletzt im Jahr 2010 festgelegten deutschen Signalwert. Acrylamid hat sich im Tierversuch als krebserregend und erbgutschädigend erwiesen, was wahrscheinlich auch für den Menschen gilt. Andere Problemstoffe wurden nur in Spuren gefunden.
■ In den Kaffeepackungen, die mit 100 Prozent Arabica werben, sind auch immer genügend Bohnen dieser Sorte enthalten. Das ergab die Analyse des Robustaanteils. Geringe Anteile von unter fünf Prozent werden toleriert.


Gar nicht fair: Mindestpreis nicht garantiert, Vorfinanzierung nicht gesichert


■ Insgesamt 13 Kaffees stufen wir als überwiegend unfair oder unfair ein. Denn sowohl Rainforest Alliance, UTZ Certified als auch die 4C Association garantieren in ihren Labelkatalogen weder einen Mindestpreis noch eine gesicherte Vorfinanzierung. Immerhin gewährleisten diese Siegel die Einhaltung der ILO Kernarbeitsnormen – und damit insbesondere das Verbot von Kinderarbeit – sowie die Zahlung gesetzlicher Mindestlöhne. Weil das Sicherheitsnetz des fairen Handels in Form von Mindestpreisen und einer zugesicherten Vorfinanzierung aber fehlt, beurteilen wir diese Produkte trotzdem bestenfalls mit „überwiegend unfair“.
■ Kaffee, der nach dem Kodex der 4C Association hergestellt wird, unterliegt keiner Produktzertifizierung. Das bedeutet, es ist unklar, inwieweit der Kaffee eines nach dem 4C-Kodex arbeitenden Herstellers in einer Packung ist oder nicht. Im Test sind drei Produkte mit dem Hinweis „Wir sind Mitglied der 4C Association und unterstützen den 4C Nachhaltigkeitsansatz“ ausgelobt. Alois Dallmayr hat die Mitgliedschaft mitgeteilt, ohne sie auf dem Produkt Dallmayr Prodomo auszuloben.
■ Auf den Kaffees von Eduscho, Onko und Mövenpick ist nicht von fairem Handel die Rede. Wir fragten die Hersteller trotzdem nach den von uns geforderten Kriterien. Da entweder gar nicht geantwortet wurde oder der Hinweis kam, diese Fragen seien für das Produkt nicht relevant, bleibt nur die Einstufung als „unfair“.
■ Auch Bio ist nicht immer fair: Die Bio-Kaffees von Kaufland und Edeka sind nur „befriedigend“, weil Mindestpreise nicht garantiert werden. Eine Vorfinanzierung sei laut Kaufland und Edeka zwar möglich, Nachweise dafür wurden aber nicht geliefert. Für den Alnatura Projekte Peru Café gibt es eine Note Abzug, weil ein Mindestpreis nicht festgeschrieben ist. Die 40 Cent je Päckchen Kaffee fließen laut Anbieter an Projekte von Terre des Hommes in Peru.

So reagierten die Hersteller

■ Das Unternehmen Ulrich Walter, das den Alnatura Projekte Peru Café herstellt, erklärte, dass sich das Unternehmen nicht auf Einzelaspekte fokussiere, sondern alle Aspekte einer fairen Partnerschaft gewährleiste. Das schließe auch schnelle, unbürokratische und direkte Hilfen vor Ort mit ein. Starre Mindestpreisregelungen würden gerade in Ausnahmesituationen nicht weiterhelfen.

Auch das noch: Kaffee aus Katzenkot

Schmeckt Ihr Kaffee wieder mal so richtig sch…? Dann könnte es sich vielleicht um Kopi Luwak handeln.
Das Besondere am Kopi Luwak, dem vielleicht teuersten Kaffee der Welt: Er wurde auf natürliche Weise fermentiert – in einem Katzendarm. Der Fleckenmusang, eine in Indonesien lebende Schleichkatze, frisst für ihr Leben gerne Kaffeekirschen – kann aber nur das Fruchtfleisch verdauen. Der Rest, die harte Kaffeebohne, wird mit dem Kot ausgeschieden. Kenner schwören auf das erdig- modrige Aroma mit „Untertönen von Dschungel und Schokolade“.
Die Preise für den ungewöhnlichen Kaffee sind enorm: Für 80 Gramm geröstete Bohnen werden um die 30 Euro verlangt. Doch wo viel Geld zu verdienen ist, können sich auch die Rahmenbedingungen schnell verschlechtern: Tierschützer kritisieren, dass die Schleichkatzen inzwischen auch in Käfigen gehalten werden und mit Kaffeekirschen regelrecht gemästet werden. Die Tierschutzorganisation Peta etwa prangert an, dass sich die eigentlich wild lebenden Tiere in den zu engen Käfigen kaum bewegen könnten.
Ob sich die Investion in die teure Spezialität überhaupt lohnt, ist eine andere Frage. Denn Experten geben zu bedenken, dass die Qualität des Kaffees nicht gleichbleibend sei, sondern von der gefressenen Bohne abhängt, und – bei tatsächlich wild lebenden Schleichkatzen – wie lange der Kot auf welcher Art von Boden lag. Schließlich sei nur über eine Laboranalyse nachzuvollziehen, ob es sich wirklich um Kopi Luwak handelt. Wieder einmal eine Idee, wie man aus Sch…Geld machen kann.


Foto: picture alliance/dpa