Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

TEST Kindergeschirr: Pseudo-Öko


ÖKO-TEST Jahrbuch Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 1/2017 vom 19.01.2017

Die meisten Plastikteller und -tassen für Kinder sind – außer bei großer Hitze – unbedenklich. Hellhörig sollte man bei vermeintlichem Bambusgeschirr werden, denn es ist zumindest nicht so natürlich, wie die Hersteller der Testprodukte behaupten.


Artikelbild für den Artikel "TEST Kindergeschirr: Pseudo-Öko" aus der Ausgabe 1/2017 von ÖKO-TEST Jahrbuch Kinder und Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago/BE&W

Plastikgeschirr für Kinder wird uberwiegend aus Melaminkunstharz gefertigt. Eine Alternative sind sogenannte Bio-Kunststoffe. Wie viel Bio im Bio-Kunststoff steckt, schwankt allerdings. Hersteller vermischen Bambus fasern und Starkepulver in der Regel noch mit Anteilen an Melaminharz oder Polylactat, um dem Material eine bestandige Form und ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 8,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Jahrbuch Kinder und Familie. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 1/2017 von TEST Gemüsebreie: Glas? Klar!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Gemüsebreie: Glas? Klar!
Titelbild der Ausgabe 1/2017 von TEST Muttermilchersatz, Anfangsnahrung 1 und Pre: Es muss besser gehen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Muttermilchersatz, Anfangsnahrung 1 und Pre: Es muss besser gehen
Titelbild der Ausgabe 1/2017 von TEST Stilltees: Still und leise. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Stilltees: Still und leise
Titelbild der Ausgabe 1/2017 von TEST Eis für Kinder: Eis, Eis, Baby!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Eis für Kinder: Eis, Eis, Baby!
Titelbild der Ausgabe 1/2017 von TEST Reiswaffeln: Verpufft. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Reiswaffeln: Verpufft
Titelbild der Ausgabe 1/2017 von TEST Trinkpäckchen: Unsaftig. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Trinkpäckchen: Unsaftig
Vorheriger Artikel
TEST Stilltees: Still und leise
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel TEST Eis für Kinder: Eis, Eis, Baby!
aus dieser Ausgabe

Plastikgeschirr für Kinder wird uberwiegend aus Melaminkunstharz gefertigt. Eine Alternative sind sogenannte Bio-Kunststoffe. Wie viel Bio im Bio-Kunststoff steckt, schwankt allerdings. Hersteller vermischen Bambus fasern und Starkepulver in der Regel noch mit Anteilen an Melaminharz oder Polylactat, um dem Material eine bestandige Form und Festigkeit zu geben.

„Wenn bei der Aufmachung von sogenanntem Bambusgeschirr nicht erkennbar ist, dass die Gegenstande aus Kunststoff hergestellt wurden, ist der Tatbestand der Verbrauchertauschung erfullt“, erklart Dr. Uwe Lauber vom Chemischen Veterinar und Unter suchungsamt (CVUA) Stuttgart.

ÖKO-TEST hat 14 Geschirrsets fur Kinder eingekauft und auf bedenkliche Inhaltsstoffe und mogliche Materialtricksereien prufen lassen.

Das Testergebnis

■ Elf Kunststoffgeschirrsets sind mit der Bestnote empfehlenswert. Allerdings sind alle Bambusprodukte im Test aus unserer Sicht „ungenugend“ und meist „nicht verkehrsfahig“.

■ Die Geschirrsets der Marken Zuperzozial, Trudeau und Biobu sind nicht das, was sie vorgeben zu sein: hergestellt aus naturlichen Rohstoffen wie Bambus und Maismehl. Zwar hielten die drei Produkte die EU-Grenzwerte fur Melaminund Formaldehydabsonderungen ein, sie sind somit gesundheitlich unbedenklich. Doch das von uns beauftragte Labor wies eindeutig Melamin als Materialbestandteil nach. Zusatzlich zersetzte das Labor das Geschirr in verdunnter Salzsaure, in der sich Melaminharz und Maismehl auflost. Vom Gesamtgewicht ubrig blieben nur Bruchteile an weitgehend erhaltenen Pflanzenfasern: Spielraum fur hohe Beimengungen an Kunstharz. Auf den Verpackungen ist vom Plastik jedoch kein Wort zu lesen. Auf der Verpackung von Zuperzozial steht beispielsweise: „Die Raw Earth Kollektion besteht aus Naturmaterialien wie Bambus und Mais, ist biologisch wieder abbaubar und hat ein erdnahes Aussehen.“ Aus unserer Sicht ist das Verbrauchertauschung.

■ Ekobo, der Anbieter des Biobu by Ekobo Kindergeschirr-Sets, teilte uns nach dem erstmaligen Erscheinen des Tests mit, auf der Verpackung bereits seit April 2015 ausdrucklich auf das melaminhaltige Bindemittel hinzuweisen. Daraufhin schickten wir unsere Einkaufer noch einmal los. Zwei Verpackungen waren unverandert, vier der erworbenen Exemplare trugen lediglich auf der Ruckseite den klein gedruckten Hinweis: „This product combines biogradable bamboo fibre with a 100 % food-grad melamine resin binder.“ Diese Erganzung, neben Englisch auch auf Franzosisch, reicht der von uns befragten Uberwachungsbehorde nicht, um die sonstige tauschende Aufmachung des Geschirrsets aufzuheben. Denn auf den Schauseiten ist weiterhin (in Englisch und Franzosisch) ausschlie.lich von Bambus, biologischer Abbaubarkeit und Okologie die Rede. Nur ein weiteres Exemplar, das wir in einem Weltladen einkauften, den uns der Anbieter selbst empfahl, trug seitlich einen gro.eren Aufkleber. Darauf ist auf Deutsch zu lesen: Biobu-Produkte stellen „eine echte Alternative zu herkommlichen Kunststoff-, Einweg- oder Porzellangeschirr“ dar. Die „kompostierbaren Bambusfasern“ seien „mit einem 100 % lebensmittelechten Melamin-Bindemittel kombiniert“. Aus Expertensicht ist nun strittig, ob die Verpackung so noch den Verbraucher tauscht oder doch verkauft werden darf. Uns uberzeugt der Sticker angesichts der ansonsten unveranderten Verpackung nicht. Zumal alle Biobu-Produkte zwischen 40 und 71 Prozent Melaminkunststoff enthalten, wie Ekobo auf unsere Nachfrage mittlerweile offenlegte. Moglich, dass Uberwachungsbehorden das Produkt jetzt als „verkehrsfahig“ einstufen werden. Wir halten es nach wie vor fur Verbrauchertauschung und bleiben bei unserem Urteil „ungenugend“. Die unterschiedlichen Versionen haben wir auch in die Testtabelle aufgenommen.

Anmerkungen: 1) Geschirrset setzt sich aus Einzelprodukten des Anbieters zusammen. 2) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 3) Geschirrset setzt sich aus Einzelprodukten des Anbieters zusammen. Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 4) Mängel Testergebnis Inhaltsstoffe: irreführende Materialangaben (Melamin nur auf Aufkleber deklariert). Diese Version trägt seitlich einen nachträglich aufgebrachten Aufkleber auf Deutsch, dass das Produkt aus Bambusfaser und Melamin besteht. 5) Mängel Testergebnis Inhaltsstoffe: irreführende Materialangaben (Melamin nur auf Englisch deklariert). Diese Version trägt einen klein gedruckten Hinweis auf Englisch und Französisch, dass das Produkt aus Bambusfaser und Melamin besteht. 6) Mängel Testergebnis Inhaltsstoffe: irreführende Materialangaben (enthält nichtdeklariertes Melamin). Version aus dem ÖKOTEST 2/2016: kein Hinweis des Anbieters auf Melamin im Produkt vorhanden. 7) Mängel Testergebnis Inhaltsstoffe: irreführende Materialangaben (enthält nichtdeklariertes Melamin).

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: ein nachweisbarer Melamingehalt oder Hinweise auf den Gehalt von Formaldehyd-Kunststoffverbindungen in Kombination mit einer irreführenden Produktaufmachung und/oder Bewerbung, die suggeriert, das Produkt enthalte keine Kunststoffe und bestehe ausschließlich aus natürlichen Materialien. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden: siehe www.oekotest.de → Suchen → „J1701“ eingeben.

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Ratgeber Kleinkinder 2016. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

ÖKO-TEST rät

■ Besser sich für eines der mit „sehr gut“ bewerteten Plastikkindergeschirre entscheiden. Teures Bio-Bambusgeschirr hält nicht, was es verspricht.

■ Kindergeschirr aus Melamin niemals zum Kochen oder in der Mikrowelle verwenden. Ab Temperaturen von 70 Grad Celsius können gesundheitsgefährdende Mengen an Melamin und Formaldehyd in Lebensmittel übergehen.

■ Kinder lernen essen und trinken genauso gut mit regulären Tassen, Tellern und Metallbesteck für Erwachsene.

■ Bio-Kunststoff gehört derzeit noch in den Restmüll. Er ist weder umweltgerecht verrottbar, noch recyceln ihn Entsorgungsbetriebe.