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TEST Kinderjeans: Hosen runter!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2013 vom 26.04.2013

Jeans sind praktisch, robust. Doch viele Testmodelle strotzen nur so vor Schadstoffen. Wenn es um Informationen zu Lieferanten und Arbeitsbedingungen geht, lassen nur wenige Anbieter die Hosen runter.


Artikelbild für den Artikel "TEST Kinderjeans: Hosen runter!" aus der Ausgabe 5/2013 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Marko Morelli/Fotoila.com

K inderkleidung kaufen macht Spaß. Kinderjeans sehen großartig aus, fast so wie die Modelle für Erwachsene – mit aufwendigen Waschungen, Spezialeffekten wie ausgebleichten Oberschenkeln, Flicken, aufgerautem Gewebe oder Knitterlook. Teuer sind sie auch nicht – beim Textildiscounter sind Kinderjeans für rund zehn Euro zu haben.

Doch die Freude an den günstigen schicken Hosen ...

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... wird getrübt, wenn man sich vor Augen führt, unter welchen Bedingungen die Kinderkleidung hergestellt wird und wie hoch der Preis ist, den die Arbeiterinnen in Entwicklungsländern für unsere billigen Jeans bezahlen müssen: Im November 2012 kamen bei einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch 112 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben – die Sicherheitsstandards waren nicht eingehalten worden. Brandkatastrophen wie diese kommen immer wieder vor. Sie sind die tragischste Konsequenz aus den miserablen Zuständen in vielen Produktionsstätten. Obwohl sich die meisten Unternehmen der Textilbranche mittlerweile soziale Verantwortung auf die Fahnen geschrieben haben, sieht die Realität für die Arbeiterinnen und Arbeiter vielerorts immer noch düster aus. Nichtregierungsorganisationen wie die Kampagne für saubere Kleidung beklagen Lohndumping, Diskriminierung und die Missachtung von Arbeitnehmerrechten.


Wer es immer billiger haben will, fördert damit miserable Arbeitsbedingungen


„Die sogenannten Verhaltenskodexe der Unternehmen sind oft das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind“, sagt Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von Femnet, einer Trägerorganisation der Kampagne für saubere Kleidung. In der Praxis würde das Recht auf Organisationsfreiheit verletzt und Zwangsüberstunden angeordnet. Die Diskriminierung von Frauen sei in Ländern wie Indien oder Bangladesch an der Tagesordnung. Um in den Bekleidungsfabriken der Welt bessere Bedingungen zu erreichen, muss noch viel getan werden. Ein erster, wichtiger Schritt auf dem Weg dahin ist mehr Transparenz. Die Anbieter müssen ihre Lieferanten nennen und sich der Kontrolle der Öffentlichkeit stellen. Zu den Überprüfungen vor Ort sollten Trainings und Schulungen für die Mitarbeiter kommen. Zudem brauchen die Textilanbieter eine faire Einkaufspolitik: Wer immer billiger und schneller produzieren lässt, setzt seine Lieferanten unter enormen Druck und fördert miserable Arbeitsbedingungen. Gefragt sind aber auch die Konsumenten: Wer es immer noch billiger haben will, fördert das Leid all jener Menschen, die unter unwürdigen Bedingungen und oft für einen Hungerlohn schuften müssen.

Wir haben bei unserem ÖKOTEST von 20 Kinderjeans auch die Produktionsbedingungen der Hosen unter die Lupe genommen und uns dabei auf die Bewertung der transparenten Darstellung der angestrebten Arbeitsbedingungen konzentriert. Außerdem haben wir prüfen lassen, ob die Jeans schädliche Substanzen enthalten.

Das Testergebnis

Tote Hose. So schlecht waren die Ergebnisse bei einem ÖKOTEST Jeans noch nie. Keine einzige Kinderjeans ist „gut“ oder „sehr gut“. Vier Hosen schaffen ein „befriedigendes“ Gesamturteil. Mehr als die Hälfte der getesteten Jeans fällt mit einem „ungenügend“ durch.
Verbotene und problematische Farbstoffe. Mehr als die Hälfte der Hosen enthält problematische Farbstoffbestandteile. Das ist ungewöhnlich und ärgerlich, denn eigentlich werden Bluejeans mit dem ungefährlichen Farbstoff Indigo gefärbt. Doch diesmal hat das beauftragte Labor in vielen Hosen krebsverdächtiges Anilin nachgewiesen. In den Jeans der Anbieter Ernsting’s Family, Levi Strauss und Takko wurde sogar ein krebserregendes aromatisches Amin gefunden. Offenbar kommen in den belasteten Jeans neben Indigo weitere Farbstoffe zum Einsatz, um bestimmte Farbeffekte zu erzielen oder eine bestimmte Farbvorgabe genau zu treffen.
Transparenz? Oft Fehlanzeige! Die Antworten auf unseren umfangreichen Fragebogen zu sozialer Verantwortung und Produktionsbedingungen fielen sehr unterschiedlich aus. Völlig unakzeptabel: Die Firma Mexx hat überhaupt nicht geantwortet. Schon besser: Alle anderen haben sich mit mehr oder weniger um fangreichen Antworten gemeldet. Eine große Gruppe von Anbietern schickte zwar Verhaltenskodexe und Regelwerke, die Standards zu Mindestlöhnen, zum Arbeitsschutz und zu den zentralen ILO-Kernarbeitsnormen wie der Vereinigungsfreiheit oder dem Verbot von Zwangsarbeit beinhalten. Konkrete Namen von Lieferanten und Produzenten, Daten und Nachweise fehlten aber weitgehend. Am besten: Die Anbieter Bon Prix, Frugi, C&A, Otto, Serendipity und Zara haben die Namen der an der Produktion beteiligten Firmen genannt und Nachweise – etwa Kopien von Rechnungen – geliefert.

Die Expertin

Dr. Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von Femnet, einer Trägerorganisation der Kampagne für saubere Kleidung.


Transparenz ist möglich

„Die Textilanbieter reden sich gerne damit heraus, dass die Lieferkette von Kleidung ja so komplex sei. Aber: Bei jeder Schraube von einem Auto wissen die Hersteller genau, woher die kommt. So viel komplizierter ist das in der Textilindustrie auch nicht. Transparenz ist nur eine Frage des Wollens.“

ÖKO-TEST rät

► Bei Jeans auf GOTS-Zertifizierung achten. Das Label garantiert den Bio-Anbau der Rohstoffe, verbietet viele problematische Chemikalien und schließt einige soziale Mindeststandards mit ein. Das Label Fairtrade Certified Cotton steht für Kleidung aus fair gehandelter Baumwolle.

► Kinderkleidung ist gut und günstig auch aus zweiter Hand zu haben. Gebrauchte Kleidung weitergeben.

► Wer mehr tun will, findet auf der Internetseite der Kampagne für saubere Kleidung Petitionen und Protestmailaktionen zu aktuellen Missständen in der Textilbranche. www.sauberekleidung.de


Die meisten Jeansanbieter nennen ihre Lieferanten nicht


Keine Verantwortung für die komplette Produktionskette: Bon Prix, Otto und Zara haben zwar Nachweise dafür geliefert, dass sie sich bemühen, ihre Verhaltensregelungen auch umzusetzen. Diese Nachweise, zum Beispiel Auszüge aus Kontrollaudits oder unterschriebene Verhaltenskodexe, beziehen sich aber meist nur auf das letzte Glied der Produktionskette, die Produktionsstätte, in denen die Jeans zusammengenäht wird. Über die Bedingungen bei den Garnlieferanten etwa wird keine Rechenschaft abgegeben.
Bio vorne mit dabei: Die Jeans aus BioBaumwolle schneiden mit am besten ab. Die Anbieter Frugi und Serendipity haben die Lieferkette offengelegt und durch GOTS-Zertifikate und teilweise durch Zertifikate von Sozialaudits (SA 8000) ihre Kontrollen bestätigt. Lücken gibt es bei den Unterlagen zum Brandschutz. Auch die C&A Jeans ist aus BioBaumwolle gefertigt, für die Garne liegen GOTS-Zertifikate vor. GOTS steht für „Global Organic Textile Standard“ und ist die am weitesten verbreitete Zertifizierung für Naturtextilien. Neben Vorgaben für den BioAnbau der Rohstoffe sowie strengen Regeln für den Einsatz von Chemikalien in der Textilverarbeitung, schließt der GOTS-Standard auch soziale Mindeststandards mit ein.
Brandschutz tut not. Immer wieder kommt es in Textilfabriken zu verheerenden Brandkatastrophen. Wir wollten von den Anbietern deshalb wissen, ob sie eigene Regelungen zum Brandschutz vorgeben und wie sie deren Einhaltung überprüfen. Einige haben uns konkrete Checklisten aus Sicherheitskontrollen vorgelegt. Trotzdem: Die Praxis in den Fabriken sieht oft ganz anders aus, denn durch Kontrollen wird nur eine Momentaufnahme abgebildet.
Sandstrahlen ist out. Eine besonders umstrittene Technik in der Verarbeitung von Jeans ist die Sandstrahltechnik. Dabei wird quarzhaltiger Sand aus Düsen oder Schläuchen mit hohem Druck auf das Material geschossen. Die Oberflächen können so aufgeweicht und verformt werden. Die Folge für die Arbeiter: Silikose, eine tödliche Lungenkrankheit. Die meisten Anbieter im Test wollen von dieser Technik nichts mehr wissen und verbieten sie in ihren Regelwerken.
Keine gute Hilfe. In der Levi’s Jeans kritisieren wir Formaldehyd, das als Hilfsmittel in der Textilindustrie immer noch verbreitet ist. Formaldehyd steht unter Verdacht, Krebs auszulösen.
Umstrittene Stöffchen. In zwölf Jeans stecken halogenorganische Verbindungen. Viele Vertreter dieser Stoffgruppe können Allergien auslösen. Die Verbindungen können aus Farbmitteln oder anderen Textilhilfsmitteln stammen.
Schlecht für die Umwelt. Nonylphenolethoxylate (NPE) wurden in den Jeans von C&A, Serendipity und Bon Prix nachgewiesen. NPEs werden in der Textilherstellung etwa als Tensid eingesetzt. In Abwässern kann daraus hormonell wirksames Nonylphenol entstehen.
Zu blau gemacht. Dass Bluejeans mit der Zeit Farbe verlieren, ist ganz normal und liegt an ihrer Färbung mit Indigo. Dieser Farbstoff legt sich nur außen um das Garn und reibt sich nach und nach wieder ab. Drei Jeans geben in nassem Zustand aber zu viel Farbe ab, ihre Reibechtheit ist sehr niedrig.

Die Arbeitsbedingungen in vielen Textilfabriken sind katastrophal. Lohndumping, die Diskriminierung von Frauen und Zwangsüberstunden sind an der Tagesordnung.


Foto: Jessica Liu/©gettyimages/©Thinkstockphotos

So haben wir getestet

Das Sandstrahlen von Jeans ruiniert die Gesundheit der Arbeiter. Die meisten Jeansanbieter untersagen ihren Lieferanten mittlerweile ausdrücklich, die umstrittene Praktik anzuwenden.


Der Einkauf

Wir haben 20 Bluejeans für Kinder in Größen von 116 bis 122 eingekauft, darunter etliche Modelle mit Bleich- und Wascheffekten. Bei der Auswahl haben wir traditionelle Jeansmarken ebenso berücksichtigt wie Hosen von Textildiscountern und Versandunternehmen sowie von Anbietern zertifizierter Naturtextilien.

Die Inhaltsstoffe

Klassischerweise werden Jeans zwar mit dem unproblematischen Farbstoff Indigo gefärbt. Die beauftragten Labore haben dennoch untersucht, ob in den Jeans auch gefährliche Farbstoffbestandteile stecken – krebserregende oder krebsverdächtige aromatische Amine etwa oder allergieauslösende Dispersionsfarbstoffe. Außerdem wollten wir wissen, ob sich in den Hosen halogenorganische Verbindungen finden, die zum Beispiel aus einer bleichenden Behandlung mit Chlor stammen können, oder ob die Jeans überflüssige optische Aufheller enthalten.

Die Materialeigenschaften

Dass Bluejeans nach und nach an Farbe verlieren und ausbleichen, liegt an ihrer speziellen Färbung. Zu stark sollte der Farbverlust aber nicht sein, sonst hinterlassen die Jeans leicht Spuren auf hellen Kissen oder Sofas. In einem Test auf Reibechtheit wurde daher mit einer Maschine ein Stückchen heller Baumwollstoff in trockenem und nassem Zustand über den Jeansstoff gerieben und danach überprüft, wie stark der Jeansstoff Farbe abgegeben hat.

Transparente Darlegung der angestrebten Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen in vielen Textilfabriken der Welt sind katastrophal. Ein wichtiges Mittel, um daran etwas zu ändern, ist Transparenz: Nur wer darlegt, wo und wie er produziert, kann durch unabhängige Dritte kontrolliert werden und stellt sich dem Urteil der Öffentlichkeit. Wir wollten von den Anbietern wissen, inwieweit sie Verantwortung dafür übernehmen, wie ihre Textilien produziert werden. In einem umfangreichen Fragebogen haben wir Informationen und Nachweise zur gesamten Produktion der getesteten Jeans angefordert: vom Baumwollanbau über die Spinnereien bis zur Konfektionierung, also dem eigentlichen Nähen der Jeans. Wir wollten wissen, ob die Anbieter mit ihren Vertragspartnern Regelungen zu Mindestlöhnen und zu wichtigen Arbeitsnormen, wie der Vereinigungsfreiheit, getroffen haben und wie sie die Einhaltung der Regeln kontrollieren. Wir haben zudem gefragt, welche Methoden und Chemikalien für Spezialeffekte an den Jeans zum Einsatz kommen, welche Arbeitsschutzmaßnahmen es dafür gibt und wie es um den Brandschutz bestellt ist.

Die Bewertung

Schadstoffe haben in Kinderkleidung nichts verloren. Besonders streng bewerten wir Farbstoffbestandteile, die unter Krebsverdacht stehen oder gar als krebserregend eingestuft sind. Weniger streng beurteilen wir Stoffe, die für Allergien verantwortlich sein können wie halogenorganische Verbindungen. Hersteller, die unseren Fragebogen gar nicht oder nur sehr lücken haft beantwortet haben, bewerten wir in der Darlegung der Arbeitsbedingungen als „intransparent“. Als „kaum transparent“ bezeichnen wir die Antworten von Herstellern, die nur sehr wenige oder nicht zuordenbare Nachweise vorgelegt haben. So schickte uns H&M zwar eine von einem Jeanshersteller unterzeichnete Erklärung zu, wonach es die Vertragsbedingungen akzeptiere, auf unsere Frage nach Sitz und Ort der an der Lieferkette beteiligten Firmen schrieb H&M aber, darauf wolle man aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht antworten. Es geht auch anders, das zeigen die „weitgehend transparenten“ Antworten von sechs Herstellern. Doch auch hier gab es noch Lücken, sodass wir das Gesamturteil um eine Note heruntersetzen mussten. Die Hersteller mit „kaum transparenten“ und „intransparenten“ Antworten müssen sich hier zwei Abstufungen gefallen lassen. Auch eine „weitgehend transparente“ Darlegung der Arbeitsbedingungen bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Situation vor Ort von der Darstellung nicht abweichen kann.

Kleines Lexikon

Bei der Textilproduktion ist viel Handarbeit im Spiel. Um für die Arbeiterinnen in den Fabriken gute Bedingungen zu erreichen, sind wirksame Kontrollen notwendig.


Foto: yweinreich/Fotolia.com

Audit

Ein Audit ist ein Kontrollinstrument, das mit einem Soll-Ist-Abgleich die Möglichkeiten zu Verbesserungen ausfindig macht. Es gibt interne und externe Audits. Interne Audits werden von Personen durchgeführt, die zwar aus dem Unternehmen, aber nicht aus dem zu auditierenden Bereich stammen. Externe Audits erfolgen durch unternehmensexterne Gutachter, sogenannte Auditoren. Es gibt zum Beispiel BSCI- Audits und SA-8000-Audits. Einige Unternehmen im Test haben Auszüge aus Audits als Nachweise für Kontrollen vorgelegt. Audits haben auch viele Schwachpunkte. Kritiker bemängeln, dass sie nur einen punktuellen Einblick geben und sehr oberflächlich seien. Es sei für die Fabrikbesitzer möglich, Auditoren zu bestechen oder zu täuschen.

BSCI

Die Business Social Compliance Initiative (BSCI) ist eine Industrieinitiative, die sich für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen einsetzt. Um Sozialstandards in Lieferketten zu verankern, hat die BSCI einen Verhaltenskodex entwickelt, den die Mitgliedsunternehmen bei mindestens zwei Dritteln ihrer Lieferanten einführen und kontrollieren sollen. In unserem Test haben sich die Anbieter Esprit, Ernsting’s Family und Tom Tailor auf den BSCI-Verhaltenskodex berufen. Bon Prix und Otto zusätzlich auf BSCI- Audit-Berichte. Kritiker bemängeln unter anderem, dass BSCI keine unabhängigen Verifizierungsmaßnahmen beinhalte und dass die BSCI-Mitglieder erst nach fünfeinhalb Jahren eine Entwicklung zum Guten bei ihren Zulieferern nachweisen müssen.

ILO-Kernabeitsnormen

ILO steht für International Labour Organization, also Internationale Arbeitsorganisation. Sie ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Ziel ist es, durch die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen aller Menschen den Weltfrieden zu sichern. Die Grundprinzipien der Aktivitäten der ILO bilden die acht Kernarbeitsnormen. Sie basieren auf den Grundprinzipien Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen, Beseitigung der Zwangsarbeit, Abschaffung der Kinderarbeit sowie Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf. Die Verhaltenskodexe der Unternehmen, aber auch die sozialen Mindeststandards des Bio-Labels GOTS nehmen Bezug auf diese zentralen Normen.

SA 8000

SA 8000 ist ein Standard für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in Arbeitsstätten, den die Initiative Social Accountability International (SAI) eingeführt hat. SA 8000 basiert unter anderem auf Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen und Arbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Durch regelmäßig durchgeführte Kontrollen von Betriebsstätten und Audits soll eine kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen erreicht werden. Etliche Unternehmen in unserem Test haben als Nachweise SA 8000 Zertifikate vorgelegt. Kritiker wie die Kampagne für saubere Kleidung bemängeln, dass bei der Überprüfung der SA 8000-Standards Nichtregierungsorganisationen nur unzureichend beteiligt seien. Zudem ließen sich die Zertifikate auch illegal erwerben.

Verhaltenskodex

Ein Verhaltenskodex (Code of Conduct) ist eine Sammlung von Verhaltensregeln, der ethische Werte, Gesetze und Schutzrechte mit einbezieht. Für Lieferanten legt der Kodex Grundsätze, Leitlinien und Handlungsweisungen in Bezug auf die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards fest. Die Unternehmen berufen sich dabei überwiegend auf die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen und die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Mit dem Verhaltenskodex verpflichten sie ihre Lieferanten zur Einhaltung der definierten Mindeststandards. Die Einhaltung kann durch Audits überprüft werden. Fast alle Anbieter im Test haben einen solchen Kodex und ihn auch mitgeschickt. Die wenigsten aber legten uns von den Lieferanten unterzeichnete Kodexe vor.


Foto: Altemeier & Hornung Filmproduktion