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TEST Kinderkekse: Cookies erlauben?


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2012 vom 26.10.2012

Butterkeks und Co. werden in jeder Altersklasse geknabbert. Schön, dass viele Produkte gut abschneiden. Allerdings sind manche Marken für Kleinkinder nicht geeignet.


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Foto: Rubberball/istockphoto.com

Ob beim Memory, auf dem Spielplatz oder beim Ausflug in den Zoo – eine Packung Kekse gehört für viele Eltern zur Standardausstattung. Es wird geknabbert was das Zeug hält. Sogar in Familien, in denen Süßigkeiten in Kinderhand sonst ziemlich kritisch beäugt werden. Warum auch Angst haben, wenn Bezeichnungen wie „Dinkel“, „Vollkorn“ oder „gesüßt mit Honig“ auf den gesunden Inhalt verweisen. Aber ist der wirklich ...

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... so gesund, wie man im ersten Augenblick am Keksregal dachte?

So banal es klingt: Kinderkekse sind eine Süßigkeit. Und die sollte immer nur ein Extra sein – egal ob die Kekse aus dem Bio-Laden kommen oder aus dem normalen Supermarkt. Wenn maximal zehn Prozent der täglichen Kalorienmenge durch Süßes aufgenommen werden, spricht gegen Gummibärchen genauso wenig wie gegen die Lieblingskekse, findet die Ernährungswissenschaftlerin Carola Rummel vom Baden-Württembergischen Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Aber zehn Prozent – diese Menge ist bei einem zwei bis drei Jahre alten Kind, das pro Tag an die 1.100 kcal verdrückt, schon überschritten, wenn gerade mal vier Butterkekse vernascht wurden.

Übrigens: Kekse mit Dinkel oder Vollkorn mögen zwar einen besseren Nährwert haben als Kekse aus Weißmehl – trotzdem spielen auch sie in der Süßwarenliga. Den Bedarf an Ballaststoffen deckt man am besten durch Vollkornbrot – und nicht durch Vollkornkekse.

Gibt es abgesehen vom Zucker sonst noch Bedenken? O ja: Wie alle Lebensmittel, die bei hohen Temperaturen gebacken werden, können Kekse den GiftstoffAcrylamid enthalten, der im Tierversuch Krebs ausgelöst hat und fortpflanzungsschädigend war. Wahrscheinlich trifft dies auch auf den Menschen zu. Ganz vermeidbar ist Acrylamid leider nicht. Aber die Industrie kann alles daransetzen, durch niedrigere Backtemperaturen und verbesserte Rezepturen die Gehalte zu senken.

Enthält der Keks statt Butter raffinierte Pflanzenfette, kann zudem der Fettschadstoff3-MCPD-Ester enthalten sein, die mögliche Vorstufe eines Stoffes, der im Tierversuch die Nieren geschädigt und zur Bildung gutartiger Tumore geführt hat. Wahrscheinlich noch problematischer ist Glycidylester, der sich sogar in einen krebsverdächtigen Stoffumwandeln könnte.

ÖKO-TEST hat Kekse eingekauft, die gerne von Kindern gegessen werden. Das sind natürlich alle Kekse, die in Tierform oder mit bunten Verpackungen daherkommen, aber natürlich auch klassische Butterkekse, die von Erwachsenen genauso gerne gegessen werden. In spezialisierten Laboren wurden die Proben auf verschiedene Schadstoffe untersucht. Außerdem haben wir bei einigen Marken auch die aromagebende Vanille ganz genau unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

Mit „Bio“ waren wir dieses Mal nicht rundum zufrieden: Anders als sonst konnten die meisten der sieben untersuchten Bio-Produkte nicht wirklich überzeugen. Bei den konventionellen Keksen gab es weniger zu beanstanden.
Acrylamid-Plätzchen: In den Bio-Keksen von Alnatura, Rewe und Naturkornmühle Werz fand das von uns beauftragte Labor recht hohe Gehalte an Acrylamid. Für diesen Stoffgibt es sogenannte Signalwerte, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in den vergangenen Jahren immer wieder neu herausgegeben hat. Diese Werte geben an, was in puncto Acrylamid derzeit wünschenswert und technisch machbar ist. Die drei Produkte überschreiten den vom BVL zuletzt her- ausgegebenen Wert. Nicht schön, rechtlich aber in Ordnung, da ein Signalwert kein Gesetz ist. Zudem hat die EU kürzlich die strengen deutschen Signalwerte quasi abgeschafft und neue, EU-einheitliche Werte veröffentlicht. Die liegen aber weit über dem, was man in Deutschland lange Zeit für wünschenswert und machbar hielt. Ein Wirrwarr, das kein Verbraucher nachvollziehen kann. Und es kommt noch dicker: Für Kleinkinderkekse gelten strengere Werte. Aber nur, wenn auf der Packung steht, dass der Keks auch wirklich für Kleinkinder gedacht ist. Bunte Tiere auf der Verpackung reichen nicht. Auch hier hat das BVL einst einen strengeren Signalwert veröffentlicht. Die Acrylamidwerte der Kekse von Wikana, Lidl und Edeka halten ihn nicht ein. Es sind ja auch keine ausgewiesenen Kleinkinderkekse. Dennoch sollte ein Butterkekshersteller zumindest davon ausgehen, dass auch Einund Zweijährige sein Produkt knabbern. Es gibt übrigens keine Anhaltspunkte dafür, dass Zutaten wie Vollkorn- oder Dinkelmehl die Entstehung von Acrylamid begünstigen. Insofern ist es einfach unverständlich, dass die Bio-Kekse hier so schlecht abgeschnitten haben.
Fettschadstoffe, weil die teurere Butter gespart wurde. Mehrere Produkte enthalten in der Summe zu viel Fettschadstoffaus der Gruppe der 3-MCPD- und Glycidylester. Die Produkte enthalten pflanzliche Fette – vor allem das umstrittene, aber sehr billige Palmfett. In Butter entsteht dieser Stoffnicht. Auch Sonnenblumenöl gilt als eher unproblematisch.
Schon wieder Glyphosat! Auch in zwei Keksmarken haben wir jetzt das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat nachgewiesen. Der Stoff, den ÖKO-TEST schon in Mehl, Brötchen und jetzt aktuell in Linsen gefunden hat, ist das weltweit am meisten eingesetzte Pestizid. Eigentlich sollen damit Unkräuter in Schach gehalten werden. In der Landwirtschaft wird es aber auch gerne benutzt, um die Getreideernte zu erleichtern. Sehr wahrscheinlich ist der Stoffüber den enthaltenen Weizen in die Produkte gekommen.
Dem Geschmack mit Aroma nachgeholfen: Wenn Kekse besser schmecken sollen, wird gerne mit Aroma getrickst. Das ist kein Problem, wenn die eingesetzten Aromen auch wirklich aus Früchten, Gewürzen oder anderen Lebensmitteln extrahiert werden. Steht dagegen nur „natürliches Aroma“ oder schlicht „Aroma“ auf der Packung, handelt es sich in der Regel um Geschmacksstoffe, die aus allen möglichen Ausgangsstoffen gewonnen sein können. Dass es auch anders geht, zeigen die Hersteller der Bio-Produkte von Rossmann, Alnatura und Bohlsener Mühle. Sie aromatisieren mit echter Vanille. Das haben auch unsere Laboranalysen bestätigt.

ÖKO-TEST rät

► Achten Sie auf Produkte mit einem geringen Acrylamidgehalt – auch deshalb, weil sich der Schadstoffim Körper schnell summieren kann. Denn auch Brot oder etwa Bratkartoffeln können belastet sein. Wenn Sie Kekse selbst backen: Den Ofen auf maximal 170 Grad einstellen, das reduziert die Acrylamidbelastung.
► Bei Keksen, die als Fett nur Butter enthalten, brauchen sie keine Bedenken wegen 3-MCPD- und Glycidylestern zu haben. Anfällig sind dagegen Kekse mit Palmfett.

Kuck mal, sind die süß

„Mit Ballaststoffen“, „Vollkorn“, „mit der Süße aus Trauben und Äpfeln“ – so steht es auf den Kinderkekspackungen. Ein Blick auf die Nährwertkennzeichnung verrät aber: Das Gebäck hat in Sachen Zucker viel mehr mit Lollis und Brausestäbchen gemein, als viele Eltern denken.

Zuckergehalt entspricht…

Kinderkekse (auch „Vollkorn-“, „Bio“- und „Dinkel“-Produkte) (1 Portion, 30 g): ca. 2,3 Stück Würfelzuckerzum Vergleich:
Butterkekse (1 Portion, 30 g): ca. 2,3 Stück Würfelzucker
► Doppelkeks (1 Stück, 25 g): ca. 2,9 Stück Würfelzucker
► Gummibärchen (eine Handvoll, 25 g): ca. 3,8 Stück Würfelzucker
► Vollmilchschokolade (1 Riegel, 17 g): ca. 3,3 Stück Würfelzucker
► ca. 3,2 Stück Würfelzucker
► Lolli (1 Stück, 12 g): ca. 3,3 Stück Würfelzucker
► Brausestäbchen (1 Stück, 4,5 g): ca. 1,1 Stück Würfelzucker
► Knäckebrot (1 Scheibe, 10 g): ca. 0,1 Stück Würfelzucker

Foto: Marina Dyakonova/fotolia.com

So haben wir getestet

Der Einkauf
Ernie & Bert aus der Sesamstraße, Shaun das Schaf und lustige Dino-Kids lachen aus dem Keksregal, ganz auf Augenhöhe von kleinen Knabberfans. Klar, dass da Kinderherzen höher schlagen – und Eltern gerne mal nachgeben. Auch wir haben uns von den bunten Verpackungen verführen lassen und eingekauft: 19 Keksprodukte sind im Einkaufswagen gelandet. Für junge Abc-Schützen gab’s Kekse in Buchstabenform, und zum Vergleich auch ganz normale Butterkekse.

Die Inhaltsstoffe
Eltern sollen das sichere Gefühl haben, dass ihre Kleinen keine schädlichen Stoffe abbekommen. ÖKO-TEST wollte es genau wissen: Sind Kinderkekse hier wirklich besser als gewöhnliche Butterkekse? Um dies herauszufinden, wurden alle Proben von Experten in Laboren auf Schadstoffe untersucht, die in Keksen vorkommen können. Zumeist entstehen sie unbeabsichtigt. Zum Beispiel das giftige Acrylamid, das sich bildet, wenn der Keks bei hohen Temperaturen gebacken wird. Auch Fettschadstoffe können im Kinderkeks vorkommen, wenn nämlich statt Butter zum Beispiel Palmfett verwendet wird. Aroma dagegen wird von den Herstellern ganz bewusst eingesetzt. Denn das ist viel billiger als etwa echte Vanille.

Echte Vanille in der Zutatenliste: Im Labor haben wir prüfen lassen, ob das auch wirklich stimmt.


Die Bewertung
Am Ende kommt es nicht auf die bunteste Verpackung an – sondern auf das, was drinsteckt. Und da sollten Kinderkekse schon mehr auf dem Kasten haben als ein 08/15- Keks: So legen wir beim Acrylamid zum Beispiel den strengen deutschen Signalwert für Kleinkinderkekse an, auch wenn einige der von uns getesteten Kekse streng genommen gar keine Kleinkinderkekse sind. Übrigens: Für unsere Bewertung haben wir mit einer Portionsgröße von etwa vier Butterkeksen gerechnet. Keinesfalls übertrieben, wenn man weiß, wie gerne Kinder Kekse knabbern!

Der Experte

Acrylamidgehalte noch weiter senken

„Da bislang noch keine endgültige Bewertung des gesundheitlichen Risikos bei der Aufnahme von Acrylamid durch Lebensmittel vorliegt, bleibt weiterhin der Grundsatz bestehen, die Gehalte in Lebensmitteln so weit wie möglich zu minimieren.“

Michael Jud ist Experte für Industrieund Umweltkontaminanten beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Kompakt

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