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TEST Kinderschlafanzüge : Druckfehler


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2011 vom 28.10.2011

Auch Label schützen nicht vor Schadstoffen im Kinderpyjama. Im Test fällt die Hälfte der Kinderschlafanzüge glatt durch. Immerhin: Sieben Modelle lassen den Nachwuchs wenigstens schadstoffarm schlummern.


Artikelbild für den Artikel "TEST Kinderschlafanzüge : Druckfehler" aus der Ausgabe 11/2011 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: SuperStock/Mauritius images

Haben die Kinder das Kommando, schmücken Prinzessin Lillifee und Spiderman den Anzug, in dem Mamas und Papas Lieblinge Abend für Abend dem Sandmännchen begegnen. Geht es nach dem Wunsch der Eltern, sollen Kinderschlafanzüge aber nicht nur schicke Aufdrucke haben: Sie sollen flauschig und vor allem frei von Schadstoffen sein.

Im vergangenen Test von ÖKO-TEST haben ...

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... Kinderschlafanzüge durchwachsen abgeschnitten: Es gab sehr gute Modelle, aber auch richtig schlechte Produkte. Was schon im Testjahr 2007 klar war: Die Firmen können durchaus Kinderschlafanzüge herstellen, die den Qualitätsanforderungen an Kindertextilien und der besonderen Sensibilität von Kindern gerecht werden.

Wie sieht der Markt für Kinderschlafanzüge heute aus? Man bekommt Kinderpyjamas bei Internethändlern, klassisch im Katalog bei Otto und Co., im Fachhandel oder als Aktionsware, etwa bei Tchibo.

Und glaubt man Bettina Haupt, beim Hersteller Maas Naturwaren GmbH verantwortlich für Qualitätssicherung, führt der Weg zum schadstofffreien Kinderschlafanzug über den engen Kontakt zum Lieferanten. Haupt: „Wir geben unseren Lieferanten klare Qualitätsund Verarbeitungsrichtlinien vor. Und die Lieferanten verpflichten sich, diese einzuhalten.“ Bei Maas sind das die Kriterien des „Global Organic Textile Standard“, kurz GOTS. Der verbietet viele problematische Stoffe bei der Herstellung.

Was für die Firma Maas tabu ist: „Wir arbeiten nicht mit anonymen Agenturen zusammen, die von uns Aufträge bekommen wie ‚Wir brauchen schnell 20.000 T-Shirts, schaut, wo ihr sie herkriegt‘.“ Da Maas-Mitarbeiter nicht durch die ganze Welt reisen können, um passende Lieferanten zu finden, sucht man bewusst zertifizierte aus. Und bleibt bei denen, die liefern, was man bestellt hat. „Wir sind mit vielen unserer Lieferanten groß geworden“, sagt Bettina Haupt. Bei der Wahl des Herstellungslandes habe das Unternehmen keine Vorurteile. Auch in China könne man gute Lieferanten finden.

Auch die Otto Group, die ihre Kinderschlafanzüge in Shops, per Katalog und im Internet vertreibt, besitzt eine Schadstoffverbotsliste für ihr Textilangebot. Die Liste orientiert sich laut Aussage des Konzerns am Industriestandard Öko-Tex 100, geht aber an einigen Punkten auch darüber hinaus. Zum Beispiel ist auch PVC in den Bekleidungssortimenten der Eigenmarken verboten. Alle Produkte werden in regelmäßigen Abständen stichprobenartig überprüft. Außerdem kontrolliert das Unternehmen alle Lieferanten auf die Einhaltung bestimmter Vorgaben, bevor sie Ware für Otto produzieren dürfen. Die Otto Group lässt Textilien in sehr vielen Ländern Europas, Afrikas und Asiens produzieren.

Der Dm-Geschäftsführer Christoph Werner erklärt: „Die Qualitätssicherung und die Einhaltung von Nachhaltigkeitsaspekten gerade im Bereich Kindertextil sind für uns bei Dm eine Herzensangelegenheit.“ Werner, im Unternehmen für den Bereich Marketing und Beschaffung verantwortlich, legt großen Wert auf umweltschonende Herstellung sowie sozialverträgliche Bedingungen in den Produktionsländern.

Dm habe allen Lieferanten frühzeitig die REACH-Verordnung zukommen und sich deren Einhaltung bestätigen lassen. Gemäß der 2007 in Kraft getretenen EU-Chemikalienverordnung REACH müssen die Hersteller und Importeure von Chemikalien für ihre Stoffe Dossiers erstellen, um den sicheren Einsatz zu belegen.

Für Kunden werde die Einhaltung „strenger Qualitätsrichtlinien“ anhand Labels wie Global Organic Textile Standard und Öko-Tex Standard 100 deutlich, die die meisten der Kindertextilien, die Dm verkauft, laut Christoph Werner tragen.

Ob der Einsatz der drei Unternehmen etwas gebracht hat, soll unser aktueller Test zeigen, bei dem die Labore unter anderem auch Kinderschlafanzüge von Maas, Otto und Dm analysiert haben.

Das Testergebnis

■ Dreck im Druck. Von 20 getesteten Kinderschlafanzügen landen zehn mit „ungenügend“ ganz am Ende der Bewertungsskala. Es gibt ein „mangelhaft“, zwei Mal „befriedigend“ und sieben Mal die Note „gut“. Die bekamen etwa drei Produkte aus kontrolliert biologisch angebauter Baumwolle, unter anderem von Maas-Naturwaren, außerdem das Modell vom Versender Otto. Der Schlafanzug von Dm wiederum gehört zu den „ungenügenden“.
■ Was auffällt: Bis auf zwei Produkte haben alle mit der Note 6 bewerteten Schlafanzüge einen Aufdruck. In dem stecken bei den ModellenAngel Cat Sugar vom Hersteller United Labels,Bob der Bär Schlafanzug Stegosaurus von Galeria Kaufhof und demKinderschlafanzug Herzen von Dm auch PVC/ PVDC/chlorierte Kunststoffe.

Damit beginnt oft die Misere. Denn um sprödem Kunststoff die Härte zu nehmen, verwenden die Hersteller gesundheitsschädliche Phthalate und umstrittene Ersatzweichmacher. Krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gelangen über Weichmacheröle in den Kunststoff. Und der Einsatz von zinnorganischen Verbindungen soll das Material stabilisieren. Einige dieser Verbindungen beeinträchtigen vermutlich bereits in geringen Dosen das Hormonsystem des Menschen.

In den ungenügenden Kinderschlafanzügen mit Aufdruck fanden sich im Test stets erhöhte Werte einer oder mehrerer dieser Substanzen. So besteht der Aufdruck des ModellsAngel Cat Sugar zu zwölf Prozent aus dem in Babyartikeln und Spielzeug gesetzlich reglementierten Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP), der als fortpflanzungsgefährdend eingestuft ist. Das Gesetz verbietet DEHP in Babyartikeln ab einer Konzentration von mehr als 0,1 Masse in Prozent.

■ Öko-Tex-Label zu Unrecht. An der 0,1-Prozent-Marke orientiert sich auch der Öko-Tex Standard 100 in seiner Produktklasse I (Baby). Neben DEHP dürfen auch die gesetzlich reglementierten Phthalate DINP, DNOP, DIDP, BBP, DBP sowie das besonders besorgniserregende DIBP in der Summe 0,1 Masse in Prozent nicht überschreiten. Da der SchlafanzugPrinzessin Lillifee mit Einhorn , lila von Schiesser mit diesem Label beworben wird, trägt er es zu Unrecht. Denn das Modell enthält in der Summe mehr als den erlaubten Gehalt der Phthalate Diisononylphthalat (DINP) und Diisodecylphthalat (DIDP). Nach Auskunft der Hohenstein Institute, die die Einhaltung der Labelkriterien im Labortest überprüfen, droht für den Fall der Bestätigung unseres Laborwertes der Entzug des Zertifikates.

Dass Schadstoffe in solchen Konzentrationen im Aufdruck nicht sein müssen, weiß Peter Schardt von Lamu Lamu. Schardt kümmert sich bei der Handelsmarke Lamu Lamu, die öko-faire Textilien in Afrika produziert und auch großen Wert auf Schadstofffreiheit legt, um giftfreie Aufdrucke. Schardt erklärt den gebräuchlichen Siebdruck: „Wenn man am Aufdruck mit den Händen leicht kleben bleibt, handelt es sich um Plastisole, die die Farbpigmente tragen.“ Plastisole gibt es auf PVC-Basis mit Phthalaten. Es gibt Plastisole aber auch PVC- und phthalatfrei. Der mit einem Frosch bedruckte SchlafanzugFrugi Froggy Pyjama kommt ohne PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe aus und enthält auch keine Weichmacher. Doch dass ein Druck mit Plastisolen nicht porentief rein bleibt, zeigt auch der Frugi-Pyjama: Denn auch der enthält Spuren von PAK und zinnorganischen Verbindungen. Allerdings deutlich unter der Grenze, ab der ÖKOTEST abwertet.

■ Nur knapp unterm gesetzlichen Grenzwert. Neben Plastisolaufdrucken gibt es auch den Siebdruck mit Dispersionsfarben. Peter Schardt: „Der Druck ist meistens härter, fühlt sich nicht so gummiartig an.“ Doch Farbdruck ohne Plastisole ist nicht automatisch besser. Der Fachmann: „Es kommt auf die Farben an, die der Hersteller auswählt.“ Im Test fanden die Labore im Schlafanzug Disney Pixar Cars 2 28,6 Milligramm pro Kilogramm des verbotenen krebserregenden Farbbausteins 2,4-Toluylendiamin. Damit kratzte das Modell am gesetzlichen Grenzwert von 30 Milligramm pro Kilogramm. In den farbigen Garnen der Applikationen des PyjamasPalomino Kinderschlafanzug mit Eule stecken 25 Milligramm pro Kilogramm des krebsverdächtigen Farbstoffbestandteils Anilin. Das Prüflabor entdeckte diese Substanz in einer Konzentration von 35 Milligramm pro Kilogramm auch im Aufhänger desMarvel Schlafanzugs Spider Man, schwarz von H&M.

Für Schardt hat es der Hersteller in der Hand, schadstofffreie Drucke auf seine Textilien zu bringen: „Die Farben und Drucktechniken sind vorhanden.“ Was er zur besseren Orientierung für die Verbraucher vorschlägt: „Ein Qualitätszeichen für den Druck wäre sinnvoll.“

■ ÖKO-TEST wirkt. Elf von 20 getesteten Kinderschlafanzügen enthalten zinnorganische Verbindungen. In vier Produkten stecken Spuren, sieben Modelle weisen aber erhöhte und stark erhöhte Werte auf. So fanden die Labore im Modell RetroMy little Pony Schlafanzug, rosa 2.690 Mikrogramm pro Kilogramm giftiges Dibutylzinn im Aufdruck. Im PyjamaBob der Bär Schlafanzug Stegosaurus stecken 9.960 Mikrogramm pro Kilogramm Dioctylzinn im Druck. Wie andere zinnorganische Verbindungen auch beeinträchtigt Dioctylzinn wahrscheinlich das Immunsystem.

Immerhin: Ab 1. Januar 2012 wird EU-weit ein Verbot von Dioctylzinn und Dibutylzinn in Textilien in Kraft treten. ÖKO-TEST warnt schon seit Jahren vor der Gefährlichkeit, die von einigen zinnorganischen Verbindungen ausgeht. Der Wermutstropfen: Auch 2012 wird immer noch ein Vielfaches des von uns abgewerteten Gehalts erlaubt sein.

■ Eingelaufen oder verzogen. Beim Test der Materialeigenschaften teilte sich das Feld. Nachdem das Prüflabor die Schlafanzüge nach Anleitung gewaschen, getrocknet und anschließend gemessen hatte, waren acht Modelle eingelaufen oder ausgeleiert, manche außerdem verzogen. Die anderen zehn Pyjamas hatten kaum Maßänderung und oft keinen Verzug.

ÖKO-TEST rät

• Der Test zeigt es: Aufdrucke enthalten oft jede Menge Mist. Wer auf unbedruckte Modelle setzt, reduziert mögliche Schadstoffquellen.

• Kinderschlafanzüge vor dem ersten Tragen waschen. Manche Schadstoffe lassen sich wenigstens zum Teil auswaschen.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben die Kinderschlafanzüge beim Fachhändler, im Internet, im Supermarkt und als Angebotsware im Drogeriemarkt gekauft. Dabei sind Modelle für Mädchen und Jungen in den Größen 104 bis 122. Da der Winter naht, haben unsere Einkäufer Pyjamas mit langen Ärmeln und Hosen besorgt. Im Test waren Produkte für jeden Geldbeutel dabei. So liegt das günstigste Angebot bei 5 Euro, das teuerste Markenprodukt bei satten 55 Euro. Von den insgesamt 20 Kinderschlafanzügen sind drei Modelle aus Bio-Baumwolle hergestellt.

Die Inhaltsstoffe

Schlafanzüge liegen direkt auf der Haut auf. Da ist es besonders wichtig, dass keine Schadstoffe in den Sachen stecken. Wir haben die Kinderschlafanzüge deshalb auf verbotene und problematische Farben untersuchen lassen, auf optische Aufheller und halogenorganische Verbindungen, die im Färbe- und Ausrüstungsprozess zum Einsatz kommen. Weil viele Mädchen und Jungen gern Ponys, Comichelden und Feen als Aufdruck auf dem Schlafanzug tragen, haben wir diese Aufdrucke auf PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe, den Druck weichmachende Phthalate und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersuchen lassen. Letztere sind manchmal in Weichmacherölen enthalten. Die Labore suchten auch nach schädlichen zinnorganischen Verbindungen, die die Komponenten in „gummierten“ Aufdrucken stabilisieren.

Im Fokus der Labore: Die Aufdrucke der Kinderschlafanzüge enthalten oft schädliche Substanzen wie Phthalate oder zinnorganische Verbindungen.


Die Praxisprüfung

Eltern wissen das: Ist der Lieblingsschlafanzug eingelaufen oder ausgeleiert, ist das schlichtweg ärgerlich. Deshalb haben wir die Schlafanzüge gemäß Pflegeetikett gewaschen und trocknen lassen, und wo es das Pflegeetikett verlangt, auch in Form gezogen. Die Veränderungen in Länge, Breite und Verzug wurden anschließend gemessen.

Die Bewertung

Da ÖKO-TEST oft bei Schadstoffkonzentrationen abwertet, die bei Labeln wie dem Öko-Tex Standard 100 oder dem Global Organic Textile Standard noch zulässig sind oder keine Rolle spielen, gibt es auch für die zertifizierten Bio-Baumwollprodukte kein „sehr gut“, denn sie enthalten bedenkliche und/oder umstrittene Inhaltsstoffe wie halogenorganische Verbindungen und optische Aufheller.

Die Label

Öko-Tex Standard 100

Der Öko-Tex Standard 100 kennzeichnet Textilien, die auf Schadstoffe geprüft sind. Es gibt Grenzwerte für bedenkliche Stoffe, eine Verbotsliste, etwa für krebserregende Farben. Für ÖKO-TEST sind Mengen an Chemikalienrückständen, die das Label erlaubt, teilweise inakzeptabel.

Medizinisch getestet – Schadstoff geprüft

Die Fördergemeinschaft körperverträgliche Textilien vergibt das Label. Es wird die Verträglichkeit mit Zelltests überprüft. Die Schadstoffprüfungen entsprechen der strengsten Klasse des Öko-Tex Standard 100. Den halten wir an einigen Stellen für zu großzügig.

Naturland

Dieses Label besagt, dass die Textilien zu 95 Prozent aus Naturfasern bestehen müssen, die nach Naturland-Richtlinien erzeugt worden sind. Textilien mit Naturlandlabel sind echte Naturtextilien.

Global Organic Textile Standard (GOTS)

Textilien, die nach GOTS zertifiziert sind, müssen zu 95 (strengere Variante) oder zu 70 Prozent aus Fasern bestehen, die aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Bei GOTS-Textilien handelt es sich aus unserer Sicht weitgehend um echte Naturtextilien.

Schadstofffrei

Der Kinderbutt-Schlaf - anzug trägt dieses private Label, um darauf hinzuweisen, dass das Produkt den Öko-Tex-Bedingungen entspricht.