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TEST Kinesiologische Tapes Kleben und kleben lassen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2013 vom 26.04.2013

Ob blau, pink oder leberwurstfarben: Farbige Tapes erfreuen sich großer Beliebtheit bei der Behandlung einer Vielzahl von Problemen. Für einen Nutzen sprechen aber allenfalls gute Erfahrungen – die Datenlage ist bescheiden.


Artikelbild für den Artikel "TEST Kinesiologische Tapes Kleben und kleben lassen" aus der Ausgabe 5/2013 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Mauricio Kaye/FIVB

Als sich Mario Balotelli nach dem 2:0 gegen Deutschland das Trikot vom Leib riss, müssen die Marketingabteilungen der Hersteller von elastischen Klebebändern gejubelt haben: Drei parallel verlaufende, hellblaue Klebestreifen zierten das breite Kreuz des Fußballers der italienischen Nationalmannschaft und sprangen Millionen von Fernsehzuschauern unübersehbar ins ...

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... Auge. Kurz darauf fanden in London die Olympischen Spiele statt. Und auch hier ließen knapp geschnittene Trikots den unverhüllten Blick auf bunt getapete Schultern, Knie, Waden und andere Körperpartien zu.

Entwickelt hat die bunten Pflaster in den 1970er-Jahren der Japaner Kenzo Kase, von Haus aus Chiropraktiker und Akupunkteur. Sein Ziel: Ein Tape, das in Textur und Dicke der menschlichen Haut nahekommt. Es soll körpereigene Heilungsvorgänge begünstigen, dabei Muskeln und Gelenke stützen, ohne aber die körperliche Beweglichkeit einzuschränken.

Aufgebaut sind die kinesiologischen Tapes aus einem elastischen Baumwollgewebe mit einem wellenförmig aufgebrachten Acrylatkleber auf der Unterseite. Sie sind luftund feuchtigkeitsdurchlässig, können auch beim Duschen getragen werden und bleiben je nach Anlage drei bis fünf Tage auf der Haut, bevor sie gegebenenfalls erneuert werden. Die Tapes sind längselastisch, das heißt, sie können in Längsrichtung gedehnt werden, häufig auf das 1,3- bis 1,4-Fache ihrer ursprünglichen Länge.

Ziel der Anwendung: Aufgeklebt sollen sie die oberste Hautschicht ein wenig anheben, sodass Blut und Lymphe besser fließen können. So wird einerseits das verletzte Gewebe besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, andererseits der Abtransport von Stoffwechselprodukten, die während der Heilung entstehen, erleichtert. Gleichzeitig wird die Reizung von Schmerzrezeptoren in der Haut gemindert, sodass der Schmerz nachlässt.

Das Anlegen der Tapes ist allerdings eine Wissenschaft für sich. Mal werden die Klebestreifen zunächst von Hand gedehnt und dann auf den entspannten Muskel geklebt. Es geht aber auch umgekehrt: Man nimmt das Tape, wie es ist, und klebt es auf den gedehnten Muskel. Mal werden mehrere Streifen parallel geklebt, mal y-förmig, mal fächerförmig.

Der Fachmann unterscheidet unter anderem Muskel-, Bänder-, Korrektur-, Bindegewebs-, Neural- und Lymphtechniken. Denn die beanspruchten Anwendungsgebiete sind breit gestreut: Sie reichen von der Behandlung von Gelenkarthrose, Rückenund Nackenbeschwerden über Schlaganfall, Migräne, Kopfschmerzen und Tinnitus bis hin zu Schwangerschaft und Regelbeschwerden. „Richtig angebracht wirken die elastischen Tapes durchblutungsfördernd und schmerzlindernd, da sie eine stimulierende Wirkung auf Muskeln, Gelenke, Lymphund Nervensysteme haben“, erklärt Ute Repschläger, Vorsitzende im Bundesverband selbständiger Physiotherapeuten (IFK). In der Physiotherapie komme Taping aber selten allein zum Einsatz, betont Repschläger. Mit gezielter Krankengymnastik kombiniert, könne Taping jedoch den Therapieerfolg optimieren.

Interview: Angenehme Unterstützung

Katrin Holtwick ist Beachvolleyball-Nationalspielerin. Zusammen mit Ilka Semmler hat sie bei den Olympischen Spielen 2012 in London den neunten Platz erreicht.


Foto: pro-talents.de

ÖKO-TEST: Seit wann wenden Sie kinesiologisches Taping an?

Katrin Holtwick: Das kann ich gar nicht so genau sagen, aber im Beachvolleyball ist das weit verbreitet und wir selber nutzen das auch schon seit vielen, vielen Jahren.

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Ich bekomme Kinesios vor allem geklebt, wenn ich Schulterbeschwerden habe. Das ist, wenn ich überhaupt Probleme habe, auch meist meine Baustelle. Für meine Schulter ist ein Tape bei hoher Trainingsbelastung eine angenehme Unterstützung. Ich merke, dass sie besser in ihrer Position gehalten wird. Es stützt den ganzen Bewegungsablauf.

Ersetzen die Tapes andere Therapien?

Nein. Aber ein Tape zwischen den einzelnen Physiotherapiebehandlungen kann schon hilfreich sein. Ob es Heilungsprozesse wirklich beschleunigen kann, ist schwer zu sagen, aber es hilft oft, es nicht schlimmer zu machen. Und selbst das ist bei unserer Trainingsbelastung schon ein wirklicher Gewinn. Um Verletzungen wegzubekommen, ist immer noch die wirkliche Physiotherapiebehandlung am effektivsten.

Starre Tapeverbände stabilisieren wackelige Gelenke, schränken aber deren Beweglichkeit ein.


Foto: Peter Atkins/fotolia.com

Kaum ein Anwender, der nicht Gutes von dieser Therapie zu berichten wüsste. „Meine Erfahrungen sind zu 90 Prozent positiv“, erklärt Sven Rössler, Physiotherapeut der deutschen Beachvolleyball-Nationalspielerinnen. „Allein die geklebten Streifen sorgen oft schon für ein angenehmes Tragegefühl, da die Tapeanlagen die Beweglichkeit in der Muskulatur und an den Gelenken unterstützen und nicht unterbinden, wie es bei einem starren Tapeverband der Fall wäre.“ Auch der Leiter des Sportmedizinischen Instituts der Bundeswehr in Warendorf, Dr. Andreas Lison, ist ganz angetan: „Wir haben mit den ‚bunten Bändern‘ dermaßen gute Erfah- rungen gemacht, dass wir sie täglich einsetzen. Wir behandeln hier Leute, die sich keine Therapieverzögerung oder Hokuspokus leisten können.“ Er sei wahrlich kein Esoteriker und kenne die gegensätzliche Studienlage, hebt Lison hervor. Aber: „Wir sagen uns einfach: Wer heilt, hat recht, zumal das Tape einfach nebenwirkungsfrei ist“, so der Bundeswehrmediziner. Zu seinen Patienten sage er immer: „Sie können damit alles machen, sogar duschen, und im schlimmsten Fall hilft es nicht.“

Das wirft die Frage auf, ob es sich bei den bunten Klebestreifen in erster Linie um eine Modeerscheinung handelt oder doch um eine Therapieform, die bei bestimmten Indikationen unterstützend hilfreich sein kann. Im ÖKOTEST: 14 farbige, elastische Klebebänder unterschiedlicher Anbieter. Bis auf ein Produkt mit vorgeschnit- tenen Streifen, die speziell zur Linderung von Rückenschmerzen angeboten werden, handelt es sich um fünf Zentimeter breite Tapes von der Rolle. Wir haben sie zur Schadstoffuntersuchung ins Labor geschickt und in der Literatur nach Nutzenbelegen in Form aussagekräftiger klinischer Studien gesucht.

Dünne Studienlage

Foto: Kalim/fotolia.com

Als vergleichsweise junge Methode bringt es das kinesiologische Tapen in medizinischen Datenbanken bislang auf eine noch überschaubare Anzahl von Studien. Viele von ihnen haben Pilotcharakter, das heißt, die Anwendung wird erstmalig an einer kleinen Gruppe von Patienten ausprobiert. Beispielsweise beschreibt eine taiwanesische Arbeitsgruppe, inwieweit die Tapes die Kraft des Oberschenkelmuskels bei 14 gesunden, jungen Athleten beeinflusst: Gar nicht, lautet das Fazit. Nicht verallgemeinerbar ist auch das Ergebnis einer Arbeit aus Südkorea: Die Autoren beschreiben den Fall eines (!) 22-jährigen Badmintonspielers mit chronischen Achillessehnenbeschwerden. Der immerhin konnte nach fünfwöchiger Tapebehandlung wieder schmerzfrei spielen. Deutlich aussagekräftiger sind da schon Studien wie die, die Adelaida Castro-Sánchez und Kollegen an der Universität Almería in Spanien an 60 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen durchführten. Sie verglichen kinesiologisches Tapen mit Scheintapen. Zwar erwies sich das kinesiologische Tapen im Hinblick auf die Schmerzlinderung als überlegen, allerdings schätzen die Autoren die Effekte als klinisch eher unbedeutend ein.

Inzwischen haben sich erste Arbeitsgruppen aufgemacht, die Literatur systematisch auszuwerten. Es zeigt sich: Nur die wenigsten Studien erfüllten die wichtigsten Kriterien. Die neuseeländischen Wissenschaftler um Sean Williams fanden 97 Artikel, aber nur zehn davon waren geeignet, daraus Aussagen über die Effektivität des kinesiologischen Tapens in der Behandlung und Vorbeugung von Sportverletzungen abzuleiten. Eine thematisch breiter gefasste Untersuchung zum kinesiologischen Tapen bei Verletzungen des Bewegungsapparats erbrachte noch mehr Ausschuss: Lediglich sechs von 797 Artikeln konnten Forscher der Ohio-State-Universität im amerikanischen Columbus in ihre Analyse einbeziehen. Der Tenor beider Arbeiten ist eindeutig: Es mangelt an qualitativ hochwertigen Studien. Die vorhandenen reichen nicht aus, um die Anwendung kinesiologischer Tapes evidenzbasiert zu rechtfertigen. Allerdings könne ein subjektiv von den Behandelten empfundener Nutzen nicht wegdiskutiert werden.

Das Testergebnis

Fehlende Belege vermasseln das Testergebnis: Der weitverbreiteten Anwendung der kinesiologischen Tapes zum Trotz: Handfeste wissenschaftliche Belege für einen Nutzen der bunten Klebestreifen fehlen. So kann keines der Produkte besser als mit „ausreichend“ abschneiden. Deklarationsmängel und problematische Inhaltsstoffe sorgen für zusätzliche Abwertungen.
Mehr Psychologie als Physiologie: Die vorteilhaften Effekte des kinesiologischen Tapens sind wissenschaftlich kaum untermauert. Sie stammen vor allem aus Fallbeispielen und anekdotischen Berichten. Das Fazit zweier systematischer Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2012 ist ernüchternd: Die Anwendung kinesiologischer Tapes bei Sportverletzungen lässt sich nicht wissenschaftlich fundiert begründen, die Pflaster leisten kaum mehr als herkömmliche elastische Tapeverbände (siehe Kasten auf Seite 68). Dies bedeutet eigentlich: Nutzen nicht ausreichend belegt – „mangelhaft“. Da das postulierte Prinzip dieser Tapes aber plausibel erscheint, sie zugleich Körperwahrnehmung und Mobilisation fördern und dabei ohne Wirkstoffe auskommen, stufen wir ihren Nutzen als unterstützende Therapie immerhin noch als „wenig überzeugend“ belegt ein.
Fehlende Gebrauchsanweisungen: Nur auf der Hälfte der Produkte findet sich die Empfehlung, die bunten Tapes von einem Arzt oder Physiotherapeuten kleben zu lassen, oder es wird, wie in der Gebrauchsinformation des Physiotape, dunkelgrün, explizit darauf hingewiesen, dass die Information „keinesfalls die Untersuchung oder Behandlung durch einen Arzt ersetzt“. Insgesamt verfahren die Anbieter sparsam mit Gebrauchsanweisungen: Nur 5 der 14 getesteten Produkte lag eine bei. Wir sehen hie rin Deklarationsmängel, da der Patient die Tapes zwar ohne den Umweg über den Therapeuten beziehen kann, vor einer Eigenbehandlung von Verletzungen oder anderen gesundheitlichen Beschwerden aber immer zunächst ein Arzt die Ursachen abklären sollte.
Alles so schön bunt hier: Erfreulicherweise konnte die chemische Analyse in keinem getesteten Tape verbotene aromatische Amine nachweisen. Lediglich im Kintex Kinesiology Tape Classic, rot fand das Labor den krebsverdächtigen Farbstoffbaustein Anilin. Allerdings stecken in mehr als der Hälfte der Produkte umstrittene halogenorganische Verbindungen.
Viele weitere Mängel: Ärgerlich, weil überflüssig und eine Umweltbelastung, sind die auf breiter Front verwendeten optischen Aufheller: im Etikett, im Band auf der Rückseite der Klebestreifen, in der inneren Papprolle, auf der Verpackung oder der Gebrauchsinformation. In vier kinesiologischen Tapes wies das von uns beauftragte Labor Nonylphenolethoxylate nach. Gelangen diese Tenside bei der Herstellung der Produkte ins Abwasser, kann daraus Nonylphenol entstehen, das Wasserorganismen schädigt und hormonell wirksam ist.

So reagierten die Hersteller

Einige Anbieter räumten ein, dass es um produktspezifische Studien zum Nutzen ihrer Produkte nicht so doll bestellt ist.SrNetworks-MediAID/ Atex Medical schrieb: „Allgemein ist das Kinesio-Tape noch in der Erprobungsphase, es gibt noch keine eindeutigen Studien (weder positiv noch negativ). Eine Anerkennung der Kassen fehlt leider noch, wird aber in Einzelfällen übernommen. Vielleicht hilft uns allen hier Ihre Berichterstattung ja weiter.“BSN Medical erklärte, der Beleg über die Indikationen basiere in der Regel auf einer Literaturrecherche, die auf Referenzprodukte abziele. Für Leukotape K existiere aber ein produktspezifisches, umfassendes Fachbuch mit Hinweisen zur praktischen Anwendung. Dort heißt es: „Obwohl bisher nur wenige kontrollierte Studien vorliegen, hat sich das Tapen im Praxisalltag bewährt.“ Die Studien, die AnbieterBSN Medical mitschickte, waren vor allem aufgrund ihrer geringen Probandenzahl nur von sehr eingeschränkter Aussagekraft.

Interview

Kein Wundermittel

Dr. Ingo Tusk, Chefarzt der Orthopädie an der Klinik Rotes Kreuz in Frankfurt am Main


Foto: DGSP

ÖKO-TEST: Was halten Sie von kinesiologischen Tapes? Dr. Ingo Tusk: Die Tapes sind schön öffentlichkeitswirksam auf vielen Sportlern zu sehen. Aber: Man hat damit kein Wundermittel in der Hand, die Studienlage ist relativ dünn. Nun ist die Haut unser größtes Sinnesorgan. Daher kann es positiv sein, wenn man Rezeptoren unter der Haut zusammenschiebt oder auseinanderzieht, je nachdem was man erreichen will. Insofern kann die Anlage eines solchen Tapes vielleicht unterstützend wirken, sie ist aber sicherlich nicht allein seligmachend.

Warum sieht man die bunten Klebestreifen gerade bei Leistungssportlern häufig? Hier geht es auch um Befindlichkeitsstörungen. Die Sportler stehen vor Wettkämpfen unter einem ziemlichen Druck, der auch im übertragenen Sinne auf ihren Schultern lastet. Daher sieht man häufig Tapes auf dem Rücken.

Kann man mit den Tapes Verletzungen vorbeugen? Nein. Der präventive Einsatz kommt allenfalls bei Altverletzungen zum Zuge. Dann kann es sinnvoll sein, an diesen Stellen den Muskeltonus, also die Muskelspannung, zu beeinflussen: Eine tonisierende Tapeanlage erhöht die Muskelspannung, eine detonisierende vermindert sie. Das muss auf alle Fälle aber von einem Arzt oder Physiotherapeuten gemacht werden.

So haben wir getestet

Humbug oder Heilung? Die Meinungen zu den farbigen Klebebändern sind geteilt.


Foto: Gordana Sermek/Gettyimages/©Thinkstock

Der Einkauf

Wir haben von möglichst vielen verschiedenen Anbietern je ein elastisches Klebeband eingekauft. Um keiner Farbe den Vorzug zu geben, entstand ein buntes Testfeld aus pink- und orangefarbenen, roten, grünen, gelben, blauen und schwarzen Tapes.

Die Inhaltsstoffe

Farbige Textilien können sich immer wieder als Quell unerwünschter Schadstoffe entpuppen. Daher ließen wir unter anderem auf giftige Schwermetalle, umstrittene halogenorganische Verbindungen und Azo-Farbstoffe, die aus verbotenen aromatischen Aminen aufgebaut sind, untersuchen. Aufgrund des Acrylatklebers in den Pflastern schloss sich ein umfangreiches Schadstoffscreening an.

Die Funktionalität

Zum einen baten wir die Hersteller um die Zusendung produktspezifischer Studien, aus denen sie die Wirksamkeit ihrer Produkte für die beanspruchten Anwendungsgebiete ableiten. Zum anderen haben wir selbst in medizinischen Datenbanken nach solchen Studien gesucht und Experten um ihre Einschätzung gebeten. Wichtig waren uns auch die Gebrauchsinformationen, da nicht nur Fachleute die Tapes einsetzen, sondern der Laie sie inzwischen in Eigenregie auch selbst klebt.

Die Bewertung

Ein seinen Ansprüchen gerecht werdendes kinesiologisches Tape hat seine Wirksamkeit in guten Studien bewiesen und ist schadstofffrei. Gute Erfahrungen sind nach unseren strengen Kriterien eigentlich zu wenig. Da die Tapes allerdings die Mobilität der Patienten nicht einschränken, sie ohne Wirkstoffe auskommen, zeigt unser Daumen nicht ganz senkrecht nach unten. Unter dem Aspekt Nutzen versus Risiken fließt das Testergebnis Funktionalität zu 70 Prozent in das Gesamturteil ein, das der Inhaltsstoffe zu 30 Prozent. Dass keine Schadstoffe enthalten sind, kann das Fehlen belastbarer Studien zur Wirksamkeit allerdings nicht ausbügeln.