Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

TEST Kissen: Ein Trauma


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2011 vom 30.09.2011

Sein Kopfkissen will man lieb haben und Nacht für Nacht an sich drücken. Getrübt wird dieser Spaß durch die Unsitte der Hersteller, ihre Produkte mit Chemikalien auszurüsten. Aber unser Test zeigt: Es gibt auch einige „sehr guteModelle, die einem nicht den Schlaf rauben.


Artikelbild für den Artikel "TEST Kissen: Ein Trauma" aus der Ausgabe 10/2011 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: [M] Guillermo lobo/Fotolia.com; Lwzfoto/Fotolia.com

Fast ein Drittel seiner Lebenszeit verbringt der Mensch in inniger Umarmung mit seinem Kopfkissen. Der eine knautscht ein gro.es Exemplar zur Rolle, der Nachste druckt sich ein kleines Kuschelkissen an die Wange. Andere liegen „brav“ auf ihrem Formpolster.

So unterschiedlich die ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2011 von Leserbriefe: Schreiben Sie uns. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe: Schreiben Sie uns
Titelbild der Ausgabe 10/2011 von Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen
Titelbild der Ausgabe 10/2011 von Neue Produkte: im Test: Tops und Flops. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Produkte: im Test: Tops und Flops
Titelbild der Ausgabe 10/2011 von Politik & Umwelt: Fukushima: Das Restrisiko und seine Folgen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Politik & Umwelt: Fukushima: Das Restrisiko und seine Folgen
Titelbild der Ausgabe 10/2011 von Politik & Umwelt: Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Politik & Umwelt: Meldungen
Titelbild der Ausgabe 10/2011 von TEST Gewürze: Schwarze Scha(r)fe. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Gewürze: Schwarze Scha(r)fe
Vorheriger Artikel
Meldungen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Schlafen: Nachtschicht
aus dieser Ausgabe

... Schlafgewohnheiten sind, so gro. ist auch die Vielfalt bei den Fullungen: Nackenstutzkissen aus vorgeformten Schaumstoff- oder Latexpolstern konnen bei Verspannungen eine Alternative sein. Federn und Daunen sind schon weich, aber nicht unbedingt geeignet fur Personen, die viel schwitzen. Als pflegeleichter gelten waschbare Fullungen aus Synthetikfasern, zum Beispiel nachfullbare Polyesterkugelchen oder leichtes Polyesterhohlfaservlies. Erfahrungsgema. impragnieren einige Hersteller ihre Kissen mit Chemikalien, damit sich beispielsweise weniger Geruch auslosende Bakterien ansiedeln.

Leider sind die Gegenmittel oft viel schlimmer als der „Mief“, den sie bekampfen sollen. Wir haben 19 Kissen mit Polyesterfullung in die Labore geschickt und uberprufen lassen, ob sie umstrittene oder bedenkliche Substanzen enthalten.

Das Testergebnis

■ Gute und schlechte Nachrichten: Insgesamt funf Mal konnen wir die Bestnote vergeben. Allerdings sind auch einige Ausrei.er dabei, die man so gar nicht mit ins Bett nehmen will. Daran, dass die Hersteller selbst waschbare Kissen mit antimikrobiellen Wirkstoffen ausrusten, hatten wir im Traum nicht gedacht.
■ Bedenklicher Bakterienkiller im „Bioactive-Kissen“. Neben der Chemiekeule Triclosan haben wir in dem Produkt von Erwin Muller auch noch das Insektizid Permethrin nachgewiesen.

Triclosan kann Allergien auslosen und steht in Verdacht, die Antibiotikaresistenz von Bakterien zu fordern. Permethrin ist ein Nervengift. Gewundert hat uns obendrein, dass das Kissen ein Oko-Te-abel (siehe Kasten „Was die Label aussagen“) tragt. Denn seit dem 30. Juni 2010 sind Triclosan-haltige Produkte laut Oko-Tex-Kriterien nicht mehr erlaubt. Wir haben nachgefragt: Das Zertifikat furs Bioactiv-issen ist am 29. Juni 2010 ausgestellt worden – einen Tag vor Inkrafttreten des Verbots. So durfte der Hersteller bis Ablauf der Gultigkeit Ende Juli 2011 weiter Triclosan verwenden. Auch heute noch kann sich Triclosan-haltige Ware mit Oko-Tex-Label im Handel befinden, denn: „Die Entfernung des Labels ist nach Ablauf des Gultigkeitszeitraums des zugehorigen Zertifikates in unseren Statuten nicht vorgesehen“, so Jutta Knels von der Oko-Tex-Zertifizierungsstelle. Solche faulen Kompromisse, die nur den Bedurfnissen der herstellenden Industriebetriebe entgegenkommen, durfte es unserer Meinung nach bei einem Pruflabel nicht geben.
■ In den Produkten von Ikea, Galeria Kaufhof und Neckermann stecken giftige zinnorganische Verbindungen.


Experten warnen vor uberflussiger Versilberung


Schön kuschelig – aber auch schadstofffrei? Wir haben für unseren Test 19 Kissen untersuchen lassen.


Foto: RubberBall

Tributylzinn, das wir im Ikea-Kissen gefunden haben, soll laut Bundesinstitut fur Risikobewertung (BfR) in Textilien mit Hautkontakt grundsatzlich nicht verwendet werden.
■Öko-Anbieter setzt auf zweifelhaften Glanz. „Die auf Nanobasis in Bezug und Fullung aufgebrachten Silberpartikel bewirken einen absolut reizfreien Schlaf!“, verspricht Neckermann auf seinem Traumecht-Kissen.

Auch die Fullung des Kissens Softsan Bio Hygienic von Oko Planet ist mit Silber ausgerustet. Silber besitzt zwar eine antimikrobielle Wirkung. In einem Kissen hat es jedoch nichts zu suchen. Denn der medizinische Nutzen des Edelmetalls im Kampf gegen Keime droht durch seinen verbreiteten Einsatz in Alltagstextilien untergraben zu werden: „Man muss davon ausgehen, dass sich im Laufe der Zeit silberresistente Bakterienstamme bilden“, sagt Professor Peter Guggenbichler von der Uniklinik Erlangen. Das Versprechen vom „reizfreien Schlaf“ dank Silber halt Guggenbichler „fur einen schlechten Werbegag“.

Wissenschaftlich sei das nicht belegbar. Nachstes Problem bei Nanosilber: Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind noch unklar. Aus diesen Grunden hat der Sachverstandigenrat fur Umweltfragen (SRU) die Bundesregierung aufgefordert, die Risiken besser untersuchen zu lassen. Das BfR rat Herstellern schon langer, auf den Einsatz von Nanosilber in Textilien zu verzichten. Wir empfehlen als Alternative: Kissen einfach ofter in die Waschmaschine stecken.
■ Reizendes in der Füllung: Aus allen Kissen im Test loste sich das toxische Halbmetall Antimon, in acht Fallen aber nur in Spuren. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass Antimonverbindungen Haut und Schleimhaute reizen.
■ Ikea verzichtet auf überflüssige Weißmacher. 18 von 19 Herstellern bearbeiten ihre Au.enhulle, Etiketten oder Fullung mit umweltbelastenden optischen Aufhellern. „Unsere Kunden wunschen ein einwandfreies Hygienewei.“, argumentierten einige. Wir meinen: Bei einem Kopfkissen, uber das ublicherweise noch ein Bezug kommt, spielt es keine Rolle, ob es strahlend wei. ist oder nicht. Dass es ohne geht, zeigt Ikea.

So reagierten die Hersteller

■ Öko Planet teilte uns mit, dass „falschlicherweise eine Variante des kbA-Bezugstoffes mit optischen Aufhellern verwendet wurde“. Dieser werde nicht mehr verkauft und durch eine Charge ohne optische Aufheller ersetzt. Die neuen Produkte seien „an der leicht beigen Farbe der ungebleichten Baumwolle erkennbar“.

Fett gedruckt sind Mangel.
Glossar: Erlauterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 140.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. 2) Laut Anbieter ist nur das Baumwollgewebe der Hulle GOTS-zertifiziert. 3) Laut Anbieter stammt der Stoff des Inlets aus Frankreich. 4) Laut Anbieter ist die Innenseite der Au.enhulle versteppt mit Polyester. 5) Halogenorganische Verbindungen wurden in der Au.enhulle nachgewiesen. Laut Anbieter betragt der Verkaufspreis seit Juli 2011 nur 19,95 Euro, OKO-TEST hat das Produkt fur 39,95 Euro eingekauft, zu diesem Preis war es auch Anfang September 2011 noch im Internetshop des Anbieters erhaltlich. 6) Weiterer Mangel: optische Aufheller in der Au.enhulle und im Etikett. 7) Weiterer Mangel: optische Aufheller in der Au.enhulle, im Fullmaterial und Etikett. 8) Weiterer Mangel: optische Aufheller im Etikett. 9) Weiterer Mangel: optische Aufheller im Fullmaterial und Etikett.10) Weiterer Mangel: optische Aufheller im Fullmaterial.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgefuhrt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe fuhrt zur Abwertung um vier Noten: mehr als 5 mg/kg Triclosan. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten fuhren: a) mehr als 1 mg/kg Permethrin; b) ein erhohter Gehalt von mehr als 25 bis 250 μg/kg an Dibutylzinn und/oder ein erhohter Gehalt von mehr als 25 bis 250 μg/kg an Tributylzinn. Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) mehr als 1 mg/kg Antimon; b) halogenorganische Verbindungen, au.er Triclosan und Permethrin; c) Silber. Unter dem Testergebnis Weitere Mangel fuhren zur Abwertung um jeweils eine Note: a) optische Aufheller; b) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mangel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de →Suchen →„M1110“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Juni 2011.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschutzt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages durfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Silber im Kissen macht keinen Sinn

„Bei gesunden Menschen gibt es keinen vernunftigen Grund, antimikrobiell wirkende Substanzen im Haushalt einzusetzen, da kein uber die ublichen Hygienema.nahmen hinausgehender Nutzen erreicht wird. Gerade bei Kopfkissen, die in ihrer Fullung Silberpartikel enthalten, bezweifle ich sehr, dass eine nennenswerte Menge an Silberionen die Gesichtshaut erreicht – insbesondere, wenn das Kissen schon alter ist und mehrfach gewaschen wurde.“

Julia Hurraß, Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Freiburg.

ÖKO-TEST rät

•Es gibt kein Kissen, das für jeden Menschen gemacht ist. Wer ein individuell passendes Produkt sucht, sollte sich im Fachgeschäft beraten lassen.
• Produkte mit fragwürdigen Werbeversprechen wie „absolut reizfreier Schlaf“ oder „dauerhafter Schutz vor Milben“ besser im Regal liegen lassen – stattdessen ein „sehr gutes“ Produkt aus unserem Test kaufen und öfter waschen.
• Regelmäßig ausschütteln und lüften, dann bleibt das Kissen in Form und verklumpt nicht so schnell.

So haben wir getestet

Bevor es in die Labore ging, wurden die Nähte der Kissen zertrennt und Proben der Hüllen und Füllungen entnommen.


Der EInkauf

Wir haben Kissen in Größe 80 mal 80 Zentimeter eingekauft. Das quadratische Format ist immer noch das gängigste, und man hat in der Regel eine dazu passende Bettwäsche parat. Die meisten Modelle gibt es inzwischen auch in kleineren Größen. Die Füllungen der Kissen bestehen zu großen Anteilen oder komplett aus Polyester und sind bei mindestens 60 Grad waschbar.

Die Inhaltsstoffe

Die Hersteller setzen zum Teil ein ganzes Arsenal an Ausrüstungschemikalien ein: darunter der antibakterielle Wirkstoff Triclosan, das Insektizid Permethrin und zinnorganische Verbindungen, die beispielsweise Schimmelbildung vermeiden sollen. Außerdem wurde geprüft, ob sich Antimon aus den Kissen löst, das bei der Produktion von Polyesterfasern eingesetzt wird. Halogenorganische Verbindungen bleiben häufig als Rückstände der Bleiche zurück.

Die Bewertung

Vor nachteiligen Folgen der antibakteriellen Imprägnierungen warnt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung. Produkte, die bedenkliche oder umstrittene Wirkstoffe wie Triclosan oder Silber enthalten, werten wir deshalb ab.

Interview: Auf die Stützhöhe kommt es an

Dr. Florian Heidinger, Leiter des Ergonomie Instituts München.

ÖKO-TEST: Was sollte man bei der Kissenform beachten?
Heidinger: Das A und O ist die Stützhöhe: Zierliche Frauen brauchen ein niedrigeres Kissen als breitschultrige Männer, weil beim Liegen auf der Seite der Abstand zwischen Kopf und Matratze entscheidend ist. Außerdem gilt: Je härter die Unterlage, desto dicker sollte ein Kissen sein, da der Körper weniger in die Matratze einsinken kann. Zu modernen Zonenmatratzen passen Kissen mit einer Breite von maximal 40 Zentimetern am besten – damit man mit der Schulter nicht auf dem Kissen liegt, sondern auf der Matratze.

ÖKO-TEST: Sind falsch platzierte Kissen auch aus orthopädischer Sicht problematisch?
Heidinger: Teilweise schon, insbesondere für Menschen, die bereits Probleme im Halswirbelbereich haben. Bei einem eher abgeknickten Verlauf der Halswirbelsäule besteht die Gefahr, dass sich eine Muskelverspannung nicht mehr beim Schlafen lockert, sondern verstärkt.

ÖKO-TEST: Manche Menschen klagen nach dem Aufwachen über Ohrenschmerzen, kann das am Kissen liegen?
Heidinger: Die Kissenoberfläche muss weich beschaffen sein. Zu viel Druck auf Gesicht und Ohren stört den Schlaf und kann sogar stärkere Schmerzen verursachen.